Dame König As Spion

Dame König As Spion

Originaltitel: Tinker, Tailor, Soldier, Spy
Genre: Thriller
Regie: Tomas Alfredson
Hauptdarsteller: Gary Oldman
Laufzeit: Ca. 127 Minuten
Label: Studiocanal
FSK 12

Dame König As Spion   18.09.2012 von Beef Supreme

Dame, König, As, Spion  macht es mir wirklich nicht leicht. Wahrscheinlich macht er es niemandem leicht. Der Film ist eine Verfilmung des englischen Romans Tinker, Tailor, Soldier, Spy von John le Carré und ein Agententhriller. So viel wusste ich im Vorfeld über diesen Film, ich bin somit komplett unwissend in den Film eingestiegen. So ließ ich mich also überraschen. Und ja, ich wurde wirklich überrascht ...  


Großbritannien in den frühen 1970ern. Der Kalte Krieg ist gar nicht mehr so kalt und brodelt langsam vor sich hin, die Atomsprengköpfe werden poliert und die Silos frisch gestrichen. Dem Circus, der geheimste Geheimdienst im Dienst der Krone, passt das gar nicht. Vor allem da sich scheinbar noch ein Maulwurf in den eigenen Reihen befindet. So muss also George Smiley, zwangspensionierter Geheimagent, wieder reaktiviert werden, da er einer der schlausten Köpfe ist, der den Doppelagenten ausfindig machen soll. Dem Ganzen voran ging der Auftrag eines anderen Agenten namens Jim Prideaux, welcher mächtig schief ging, denn Prideaux fand sich mit Blei im Rücken auf dem Pflasterstein wieder. Es beginnt eine gemächliche und zuweilen auch sehr verwirrende Jagd auf das Informationsleck im britischen Geheimdienst.


Der Zusammenhang erschließt sich zunächst nicht und das ist auch so gewollt. Der Film ist durchgehend sehr ruhig gehalten und Actionfreunde kommen hier überhaupt nicht auf ihre Kosten. Hier ballert kein James Bond wild durch die Gassen. Auch kommen keine lustigen Erfindungen von Q zum Vorschein, es geht um richtige Agentenarbeit. Keine gestählten Martinikipper, nein, unauffällige und leicht bequem gewordene Schreibtischagenten verichten ihre langweilige Arbeit und versuchen, die Welt vor dem Atomkrieg zu bewahren. Klingt spektakulärer, als der Film in Wahrheit ist. Dabei geht es nämlich vorangig um Charakterzeichnung, Intrigen und Rätsel. Der Zuschauer wird ständig gefordert, er muss nämlich voll konzentriert sein, um diesem Film folgen zu können. Im 5-Minuten-Takt werden neue Namen eingeführt, aber dem Zuschauer kaum Zeit gelassen, sich die dazugehörigen Gesichter zu merken, da wahrscheinlich schon wieder ein neuer Charakter den Plan betreten hat. Zudem werden so viele Theorien und falsche Fährten gesponnen, dass es streckenweise sogar richtig anstrengend ist, den Faden zu behalten. Und als ob das noch nicht verwirrend genug ist, werden immer wieder Flashbacks hineingeschnitten, die aber nicht als solche gekennzeichnet sind. Es bleibt dem Zuschauer völlig selbst überlassen, die chronologische Reihenfolge zu finden, was nicht immer einfach ist. Der Schnitt trägt auch dazu bei, die Konzentration hoch zu halten oder eben aufzugeben. Nein, Dame, König, As, Spion ist beileibe keine leichte Kost, von der man sich mal zwischendurch berieseln lassen kann.

Bildergalerie von Dame König As Spion (5 Bilder)

Dabei gibt es so gut wie keine Schauwerte: Equipment aus den 60ern, graue Kulissen, gestresste Agenten. Dabei kommt alles genauso bodenständig wie überzeugend rüber. So könnte es wirklich gewesen sein. Keine unsichtbaren Boote, kein Aston Martin mit Flügeln und Öllachenauswurf sondern low-budget Ausrüstung und dröge Recherchearbeit bestimmen den Agentenalltag. Hier trägt ein Kader namhafter Schauspieler, wie Gary ‚Smiley‘  Oldman, Mark Strong oder John Hunt maßgeblich zum Gelingen des Films bei. Die ruhigen Kamerafahrten und die eher langweiligen Szenerien lenken kaum von der großartigen schauspielerischen Leistung ab. Durch die Bank zeigen alle eine großartige Leistung. Gerade Herr Oldman lässt sich sehr selten in die Karten blicken und verät, wortkarg und emotionslos, durch kaum etwas seine wahren Intentionen in diesem komplexen Intrigengeflecht. Im Verlauf des Films versinkt er immer tiefer in den Sumpf von Verat und Lügen und irgendwann ist überhaupt nichts mehr, wie es scheint. Auch seine Absichten nicht.


Technisch gibt es kaum etwas zu bemängeln. Das Bild ist leicht verrauscht und schafft einen gewollt veralteten Look, der von blassen Farben effektiv unterstützt wird. Die Vertonung ist gelungen aber sehr minimalistisch. Filmmusik ist so gut wie nicht vorhanden. Die Synchronisation im Gegensatz selbstverständlich gelungen, die bekannten Schauspieler haben natürlich ihre eigenen Synchronsprecher. Auch an Zusatzausstattung mangelt es nicht und rundet das Blu-ray Paket ab.



Cover & Bilder © Studiocanal GmbH


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ein harter Brocken. Im Vorfeld ahnungslos habe ich eigentlich eher einen knackigen Agententhriller mit leichten Comedy-Einlagen à la Guy Richie erwartet. Das genaue Gegenteil war der Fall. Bierernst, sehr ruhig und enorm komplex biedert sich Dame, König, As, Spion überhaupt niemandem an und zieht sein Ding durch. Sehr interessant fand ich auch, dass hier die Hintergründe des Kalten Krieges, der durchaus ziemlich heiß hätte werden können, beleuchtet wurden. Streckenweise war der Film aber recht anstrengend, da es mir nicht immer leicht fiel, den verworrenen Handlungs- und Intrigensträngen zu folgen. Der nahtlose Übergang von Gegenwart zu Flashbacks hat es mir auch kaum einfacher gemacht. Bei einer Laufzeit von über 2 Stunden hätte aber durchaus etwas mehr passieren können, die ganze Zeit dieses eintönige, gemächliche Tempo könnten manche, auch ich, als etwas einschläfernd empfinden. Dennoch ein sehr gelungener Streifen, der kleine Längen aufweist und für Freunde von komplexen Spionagethrillern uneingeschränkt zu empfehlen ist.


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