Das Orakel (uncut)

Das Orakel (uncut)

Originaltitel: The Oracle
Genre: Horror
Regie: Roberta Findlay
Hauptdarsteller: Caroline Capers Powers • Roger Neil
Laufzeit: Ca. 90 Min.
Label: Savoy Film (Intergroove)
FSK 18

Das Orakel (uncut)   17.09.2011 von Benji

So eine Wohnungssuche kann schon echt schwer sein. In Weltstädten wie New York, London, Paris oder München findet man bekanntlich nur dann eine freie Wohnung, wenn man dem Vermieter unmoralische Angebote macht. Da wird man natürlich von Natur aus genügsamer. Bruchbude? Verflucht? Eine hexende Zigeunerin als Vormieterin? Da lacht man doch nur drüber, wenn man stattdessen extrem günstig eine Wohnung in freundlicher Lage bekommt. Blöd nur, wenn man im Anschluss unfreiwillig die Hauptrolle in einem miesen Horrorfilm spielt.

 

Was haben sich Jennifer und Ray gefreut, endlich gemeinsam in eine neue Wohnung ziehen. Damit dies auch klappt, wurde der stereotypisch faule griechische Vermieter „Mr Pappas“ mit einem Zehner bestochen. Kaum eingezogen kriegt klein-Jenny fast schon hämisch mitgeteilt, dass ihre Wohnung zuvor von einer Zigeunerin bewohnt wurde, die seit einer Weile als spurlos verschwunden gilt. Typisch Frau freut sie sich im Anschluss natürlich erstmal über deren tolle antike Möbel und lässt sich das künstlerisch wertvolle Hexenbrett (Ouija) mitgeben.

 

Es ist der Anfang einer wunderbaren Freundschaft. In einer unglaublich bescheuerten Vorglüh-Party machen sich Ray und Jennifer mit den Freunden Cindy und Ben ran, die Geister um trinkfesten Beistand zu bitten. Alles, was man aber als kompetente Antwort aus dem Reich der Seelen bekommt ist – ohne Scherz – „Ich hab Bock auf Cindy“. Vernünftigerweise halten also fast alle das Brett für einen echt total lustigen Partygag. Nur Jenny muss mal wieder die Spielverderberin mimen, hat sie doch etwas „Kaltes“ auf ihrer Hand gespürt. Infolgedessen ist Rays sture Braut süchtig nach dem Geisterkick und will immer mehr vom anonymen Bettlaken-Vertreter wissen. Es folgt das unvermeidbare Grauen, denn Dr. Buhu wurde erst kürzlich ermordet und will sich jetzt an allem und jedem rächen!

 

Der Plot ist damit so neu wie die Socken aus Oma Henkels Unterwäscheschublade, aber das interessiert einen wahren Slasher-Fan eh nicht. Wichtig sind nur Blut und Gedärme! Dumm nur, dass beides in etwa so häufig auftaucht, dass Mr. Romero selber damit gerade mal den ersten Zombieangriff hätte ausstatten können. Im gesamten Film werden zwar sage und schreibe sieben Opfer beklagt, deren Todessequenzen verdienen aber nicht mal annähernd das Qualitätssiegel „Ab 18“. In einigen Fällen sieht man sogar trotz „Uncut“ Button auf der DVD schlichtweg gar nichts.  Stattdessen wird der Zuschauer mit elend langen Szenen schreiender Frauen belästigt und dabei geizt der Film auch nicht mit Übertreibungen. Einem Hauptcharakter eine Nahtoderfahrung über Träume mitzugeben ist in der Branche beispielsweise üblich, aber Jennifer aus dem vierten Traum IM Traum aufwachen zu lassen, das hat schon fast Inception Niveau!

 

Doch mit Superlativen gibt sich ein echter B-Movie nicht zufrieden. So etwas muss international verhunzt werden. Deswegen wird die deutsche Produktionsfirma gleich mit in die systematische Verarschung des Käufers einbezogen. Denn damit trotz hingelegten Moneten dem Zuseher das unangenehme Gefühl einer illegalen Kopie aufkommt, wird einfach immer wieder die deutsche Synchronisation ausgesetzt. Wenigstens hat man zu diesen Zeitpunkten die Chance nicht auf die leicht asynchrone Tonspur achten zu müssen. Den absoluten Höhepunkt in Sachen Vertonung bieten aber die Synchronsprecher selber. Nicht nur, dass sich diese anhören wie aus einem schlechten Erotikfilm, sie schaffen es auch noch eine weibliche Schauspielerin mit einer männlichen Stimme zu versehen. Dieses Kunststück auf einer original vertriebenen Kauf-DVD muss ihnen erst mal jemand nachmachen.

 

Hat man das Grauen nach 90 Minuten überwunden, bietet die DVD noch eine Bildergalerie und den Originaltrailer. Viel mehr ist man allerdings auch nicht bereit sich anzusehen.


Das Fazit von: Benji

Benji

Auch wenn sich der Film mit den genannten Merkmalen für einige Fans interessant anhören dürfte, so möchte ich eine Warnung aussprechen. Sich „Das Orakel“ anzusehen, macht in etwa so viel Spaß, wie einer Brut einflügeliger Mondfalter das Töten beizubringen. Du willst ständig nur weg, hast ein mulmiges Gefühl im Magen und wenn Du es doch bis zum Ende durchgezogen hast, musst Du schleunigst das Weite suchen. Trotzdem spreche ich dem Film noch zwei Trostpunkte zu. Immerhin musste ich Dank der miesen Synchronisation immer wieder herzhaft lachen.


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