Detention - Nachsitzen kann tödlich sein

Detention - Nachsitzen kann tödlich sein

Originaltitel: Detention
Genre: Horror • Komödie • Sci-Fi
Regie: Joseph Kahn
Hauptdarsteller: Shanley Caswell • Josh Hutcherson
Laufzeit: Ca. 93 Min
Label: Sony Pictures Home Entertainment
FSK 16

Detention - Nachsitzen kann tödlich sein   29.11.2012 von Beef Supreme

Ach die Schule. Mal war sie schön, mal weniger schön. Wer erinnert sich nicht daran, seinen Lehrern mal einen Streich gespielt zu haben. Den Tafelschwamm mit Kreide füllen, die Tür zum Klassenzimmer blockieren oder Sprengstoff in ihren Taschen verstecken. Diese Streiche und anderer Schabernack führten meist dazu, dass man dann zum Nachsitzen verdonnert wurde. Normalerweise ist das wenig spektakulär und ödet schon nach kürzester Zeit an. Nicht so in Joseph Kahns Detention, zu Deutsch Nachsitzen. Hier ist überhaupt nichts öde.


Abschlussjahr an der Grizzlywood Highschool. Alle haben nur die bevorstehende Prom Night im Schädel. Außer Taylor Fisher. Ihr wurde gerade eben selbiger beinahe von den schlecht gekleideten Schultern getrennt. Nun chillt sie röchelnd auf Mutters Motorhaube und suppt den Bordstein voll. Derweil gibt sich Riley Jones alle Mühe, das Gespött der ganzen Schule zu werden und das mit herausragendem Erfolg. So wird das nichts mit der Begleitung zur Prom. Dafür hat sie nämlich den beliebten Clapton Davis ausgeguckt, der aber lieber mit der Jahrgangsschlampe Ione abhängt. Dann wären da noch ein hochmagnetisches Bär-Maskottchen, ein Killer im Prom Queen Kostüm, ein vernarbter Schuldirektor, ein mutierter Footballspieler, Zeitreisen, eine Mutter, die eigentlich ihre Tochter ist, Patrick Swayze, UFOs und eben Nachsitzen. Was wird das hier?!


Ach, was schreibe ich hier eigentlich. Das ergibt so doch sowieso keinen Sinn. Was als klassischer Teenie-Slasher beginnt und mit bekloppten Stereotypen bis zum Rand vollgepackt ist, entwickelt sich schon nach sehr kurzer Dauer zu einem vollkommen abgedrehten… irgendwas! Hier werden elendig viele Elemente miteinander vermischt und daraus entsteht ein vollkommen undurchsichtiger Streifen, dem eine klare Linie fehlt. Denn die Handlung zu erkennen, fällt nicht leicht. Der Film ist über gewisse Strecken episodisch aufgeteilt, ähnlich wie bei Sin City. Zunächst werden Charaktere eingeführt und dann in kleinen Abschnitten näher beleuchtet. Der Knackpunkt bei der Sache ist, dass die Geschichtchen bar jeder Bodenständigkeit sind. Hier werden vollkommen abgehobene Mini-Stories erzählt, die zur eigentlichen Handlung sehr wenig beitragen. Für sich genommen sind sie alle unglaublich komisch und man fragt sich des Öfteren, wie man auf so was kommen kann, ohne an Omas Giftschrank gegangen zu sein.   


Denn Gags werden hier aus allen Rohren gefeuert und Längen gibt es keine. Aber genau diese Fülle an verschiedenen Elementen und die häufigen Richtungswechsel erschweren es unglaublich, einen roten Faden zu erkennen. Die eigentliche Story, die sich mit dem Killer von Taylor ankündigt, wird anfangs sehr stark vernachlässigt. Erst zum Ende hin werden die viertausend Fäden wieder aufgegriffen und halbwegs logisch zusammengeführt. Das macht den Film aber keinesfalls schlecht. Er nimmt einige aktuelle Streifen auf die Schippe und sich selbst auch niemals ernst. Er zeigt jede Menge starke Einfälle eine klasse Situationskomik, die aber nie in billigen Slapstick abdriftet. Wer auf total überzogenen Humor, geile Effekte, Zynismus in Reinkultur und undurchsichtige Verläufe steht, wird mit Detention voll bedient. Nur eine geradlinige Handlung sollte man nicht erwarten. Macht aber nix, denn eigentlich kommen alle auf ihre Kosten. Sci-Fi Fans werden genauso gefüttert, wie die Splatter-Jünger. Lachen darf man sowieso, genauso wie den Kopf schütteln und auch mal gespannt sein. Detention schafft es trotz der Unmenge an verschiedenen Genres doch ein einigermaßen homogenes Gesamtbild zu erzeugen, dass im Endeffekt sogar irgendwie Sinn ergibt. Das wird einem aber erst klar, wenn man eine Weile darüber nachdenkt, denn die Geschwindigkeit des Films lässt eigentlich kaum Zeit zum Nachdenken. Und wenn man nach einem Streifen noch darüber sinniert, er also schon irgendwie hängen bleibt, hat es der Film eigentlich geschafft.

 

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Schauspielerisch ist hier alles auf Top-Niveau. Der latent aggressive Coach, die zickige Schlampe, das Außenseitermädel und eigentlich alle anderen auch machen hier einen sauberen Job. Gerade die überspitzte Darstellung gelingt hervorragend. Bis auf wenige, gewollte Ausnahmen sind alle Charaktere irgendwie sympathisch und wissen zu überzeugen. Auch das Handwerk passt. Detention zeigt eine ganze Menge Effekte, von abgetrennten Köpfen bis hin zu UFOs ist hier alles vertreten und einwandfrei umgesetzt. Das Bild ist Sony-typisch gestochen scharf und klar. Synchro und Sound sind auch auf sehr hohem Niveau und begeistern die Lauscher. Standesgemäß findet sich auch einiges an Extras auf dem Scheibchen. Trailer, Making of, Outtakes und so weiter.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Nach dem Streifen war ich erst mal nicht wirklich schlauer als vorher. Viele bunte Bilder mit lustigen Leuten, blinkenden Lichtern, spritzendem Blut und einem Bären. Was ich anfangs als vollkommen konzeptlose Zeitverschwendung abgetan habe, wurde dann doch noch zu einem richtig coolen Streifen. Die Handlung konnte ich zumindest nicht wirklich in Worte fassen, ohne zu viel zu verraten, aber sie ist auf jeden Fall originell. Erst war ich nicht begeistert über den verwirrenden Aufbau, obwohl die Situationskomik und die genialen Ideen für sich genommen wirklich klasse waren. Ein Gesamtbild hat sich mir aber erst sehr spät erschlossen und auf einmal war der Film echt gut. Also, nicht abschrecken lassen, einfach anschauen und erst zum Schluss urteilen. Ich denke, dass Detention polarisieren wird. Mich hat er auf jeden Fall auf seine Seite gezogen.


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