Drug War

Drug War

Originaltitel: Du zhan
Genre: Actionthriller
Regie: Johnnie To
Hauptdarsteller: Louis Koo • Honglei Sun
Laufzeit: DVD (102 Min) • BD (106 Min)
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 16

Drug War   11.03.2014 von Beef Supreme

Drogen sind schlecht für das persönliche Wohlbefinden, vor allem auf dem chinesischen Festland, wenn man sich erwischen lässt. Das wissen wohl auch die Dealer, aber scheinbar ist es dennoch ein lukratives Geschäft. Johnnie To, in Fachkreisen bekannt für Streifen, wie Election und Breaking News, thematisiert in Drug War das eiskalte Vorgehen der chinesischen Polizei, die bei Drogenschiebereien keinen Spaß versteht.

 

Timmy Choi hat einen ganz miesen Tag. Zuerst fliegt sein Drogenlabor in die Luft, wobei er fast draufgeht. Dann rast er auf der Flucht mit seinem Wagen in eine Hausfront und zu guter Letzt wird er auch noch von den Bullen kassiert, die auch sogleich wissen, was der gute Mann in seiner Freizeit so treibt. Da sich die Chinesen in Sachen Drogen nicht lumpen lassen und schon erwartungsfreudig mit dem Hanfseil wedeln, lässt sich Choi auf einen Deal mit dem eisenharten Cop Zhang ein. Im Austausch für sein Leben liefert Choi die Ratte seine Bosse ans Messer. Die Chance lässt sich Zhang nicht entgehen und alsbald beginnt eine düstere Jagd nach Drogenbossen und Handlangern, durchsetzt von Verrat und Gewalt …

 

In Drug War verfolgt der Zuschauer das ungleiche Team aus dem eiskaltem Cop Zhang mit seinem zu Anfang doch recht engagierten Gefangenen Choi, wie sie sich immer näher an die Hintermänner des hiesigen Drogengeschäfts ran ermitteln. Dabei geht Regisseur Johnnie To sehr geradlinig vor und verschwendet keine Zeit auf emotionales Gefasel oder gar Charaktervertiefungen. Choi ist der Gangster, Zhang ist der dienstbeflissene Polizist, das muss ausreichen. Weitere Charaktere bleiben noch flacher und die Namen, verschwinden schneller aus dem Gedächtnis, als sie ausgesprochen wurden. Was aber nicht zwingend schlecht sein muss, denn es fügt sich gut in die dunkle Grundstimmung des Films ein, dass Zhang, eigentlich einer von den „Guten“, nur sein Werkzeug braucht, um sein Endziel zu erreichen. Dabei spielen die Menschen als solche keine Rolle und deren Bedürfnisse und Empfindungen haben nichts im Dienst verloren. Andererseits wäre etwas mehr Einsicht in die Charaktere nicht schlecht gewesen, denn so interessiert es den Zuschauer deren Ableben so viel, wie der sprichwörtliche Sack Reis. Auch verzichtet das Drehbuch auf irgendwelche Schlenker in der Erzählung. Es dreht sich einzig und allein um die Jagd auf die Drogenbosse- Plot Twists oder Nebenhandlungen werden vergebenlich gesucht. Auch hier hätte etwas Auflockerung gutgetan, denn durch das durchgehend langsame Erzähltempo schwindet für den Zuschauer auf Dauer das Interesse an Zhangs Verfolgung.

 

Hier und da werden auch einige gut inszenierte Action-Sequenzen eingestreut, die wirklich schön anzusehen sind, aber zu selten vorkommen. Gerade die Kampfszene zwischen Drogenfahndern und den taubstummen Drogenköchen, die zuvor noch recht mitfühlend und freundlich dargestellt wurden, gehört zu den Highlights des Films. Davon hätte ich mir mehr gewünscht, denn hier sticht das Regiekönnen Tos hervor, das er aber nicht über die gesamte Filmlänge halten kann. Abgesehen davon ist der Film gerade durch seine Distanz und Kälte atmosphärisch gelungen. Obwohl über lange Strecken recht wenig passiert, liegt ständig eine bedrohliche Stimmung in der Luft, die sich der Regisseur öfter zunutze hätte machen sollen. So verbleibt der Zuschauer ständig in Erwartungshaltung, dass gleich die Hölle losbrechen wird, aber wenn es dann geschieht, dann mit Ansage.

 

Bildergalerie von Drug War (7 Bilder)

Aufgrund der sehr flachen Charakterentwicklung kann die schauspielerische Leistung der Darsteller nur schwer beurteilt werden. Sie sind da, sie mimen entweder einigermaßen überzeugend Gangster oder Bulle, und hier und da fallen sie theatralisch in den Staub, wenn sie durchsiebt wurden. Einzig Zhang und Choi weisen so etwas wie schauspielerisches Können vor und können auch einigermaßen überzeugen. Die gejagten Bosse hingegen schaffen es nie, die zu erwartende Bedrohlichkeit auszustrahlen und schlurfen uninspiriert vor der Kamera hin und her.

 

Technisch gibt es wenig zu kritisieren. Das Bild ist klar und auffällig unbunt, was stimmig zur gedrückten Atmosphäre des Films passt. Die Vertonung hingegen hätte etwas druckvoller ausfallen können, denn gerade die Schießereien, optisch höchst ansprechend, sind akustisch sehr dünn geraten. Zur Musik lässt sich nicht besonders viel sagen, ertönt doch zu gut wie kein Score im gesamten Film. Der Verzicht auf Hintergrundgedudel steht dem Film jedoch gut zu Gesicht, da er die dreckige und realistische Stimmung gut unterstreicht. Die Synchronisation geht in Ordnung, reißt aber keine Bäume aus. Für einen Film aus dem asiatischen Raum ist das mehr, als man in vielen Fällen hoffen kann.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Drug War ist ein zweischneidiges Schwert. Zwar ist das Thema hinlänglich ausgelutscht, wurde aber dennoch gut transportiert. So gelungen wie die vereinzelten Actionsequenzen sind, so träge ist der Rest der Handlung. Auch die Distanziertheit und Kälte der Charaktere fügt sich einerseits gut ein, andererseits verbleibt keiner von ihnen über das Filmende hinaus im Kopf. Auch das sehr langsame Erzähltempo passt eher zu einem Krimi als zu einem Actionthriller. Die Entscheidung, keinerlei Nebenhandlungen oder Plot Twists einzubauen hat mir auch nicht besonders gefallen, da so keinerlei Tiefe entsteht und das Gezeigte irgendwann einlullt. Dass Regisseur Johnnie To es eigentlich kann, hat er in seinen vergangenen Filmen schon unter Beweis gestellt. Deswegen ist es schade, dass die guten Ansätze, die Drug War unbestritten hat, nur begrenzt ihre Wirkung entfalten können. Der Film ist keinesfalls schlecht, aber mit einer anderen Umsetzung hätte er durchaus besser und fesselnder sein können.


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