F1 2017

F1 2017

Publisher: Codemasters
Genre: Rennspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 25.08.2017
USK 0

F1 2017   23.10.2017 von Torsten

Die Formel 1 läutete zum Saisonstart 2017 eine neue Ära ein und möchte mit einer gewaltigen Frischzellenkur wieder attraktiver werden. Breitere Chassis, breitere Flügel, breitere Reifen. Die Boliden werden schneller, haben mehr Grip und wirken deutlich aggressiver. Das wäre ein gutes Jahr, um auch eine entsprechend gute Simulation des Edel-Rennsports zu etablieren. Ob Codemasters, die mit ihrer F1-Serie im letzten Jahr erst wieder auf ein qualitativ hohes Niveau gekommen sind, dies packt, soll nun der Test klären.

 

Starker Karriere-Modus

 

Die Profi-Karriere eines Rennfahrers zu simulieren ist gar keine so einfache Angelegenheit. Das Thema ist längst dermaßen komplex geworden, dass Einsteiger bei einer vollständigen Simulation unweigerlich erschlagen werden würden. Da heißt es abzuwägen, was ins Spielkonzept gehört und was dem Spieler besser erspart bleibt. Im letzten Jahr ist dieser Spagat für viele jedoch etwas zu seicht ausgefallen. F1 2017 bietet daher gerade in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung entschieden mehr Möglichkeiten. Das war eine gute Entscheidung, denn der gesteigerte Umfang der Tüftelei bringt auch mehr Motivation, vor allem wenn es darum geht, einen schwächeren Rennstall in höheren Schwierigkeitsgraden zum Erfolg zu führen. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich im Übrigen nun ebenfalls in stark gesteigerten Abstufungen einstellen. Satte 110 Abstufungen sind möglich und stimmen somit das fahrerische Können der KI beliebig auf das eigene Fahrvermögen ab. Wie bereits im letzten Jahr lässt sich haarklein bestimmen, wie umfangreich die Rennwochenenden sein sollen. Ob man nun als Fahrer sämtliche Trainings und Qualifikationsmöglichkeiten nutzt ist natürlich Geschmackssache. Empfehlenswert ist allerdings, den Rennumfang nicht zu kurz zu gestalten. In 5 Runden kommen die taktischen Möglichkeiten einfach zu kurz, die allerdings einen Teil der Faszination dieses Sports ausmachen. Besser mit härteren Reifen und mehr Sprit starten und dann mit konstanter Fahrweise die Konkurrenten beim ausgelassenen Boxenstopp „überholen“ oder lieber doch mit extraweichen Reifen und minimiertem Gewicht an die Spitze kämpfen und dabei genügend Vorsprung durch schnelle Rundenzeiten herausholen? Eine Kombination von beiden Varianten scheint bei 10 Prozent Rennumfang noch eine gute Wahl, bei den längsten Renndistanzen gewinnt dann zusätzlich das Thema „ökonomische Fahrweise“ an Bedeutung. Erfahrene Rennsport-Fans mit authentischem Equipment sollten sich tatsächlich wenigstes einmal an die volle Renndauer mit einem ordentlichen Schwierigkeitsgrad heran wagen. Das befriedigende Gefühl, dass sich nach einem hart umkämpften Rennen auf der Ziellinie einstellt ist wirklich unvergleichbar im gesamten Genre. Neben den üblichen Rennwochenenden der aktuellen Formel 1-Saison (und somit leider auch ohne den großen Preis von Deutschland) gibt es immer mal wieder etwas aufgesetzt wirkende aber dennoch auflockernde Bonus-Events. Dazu zählen zahlreiche Trainingsprogramme, aber auch Einladungen zu Rennveranstaltungen mit historischen Fahrzeugen. Hier lässt sich dann auch besonders schön den Unterschied zu den deutlich gutmütigeren modernen Fahrzeugen erleben.  

 

Bildergalerie von F1 2017 (12 Bilder)

Sattes Fahrverhalten auf der Rennstrecke

 

Gleich welchen Fahrmodus man bevorzugt, auf der Rennstrecke macht F1 2017 eine herausragende Figur. Die Fahrzeuge liegen satt auf der Rennstrecke und vermitteln ein aggressives und höchst agiles Fahrverhalten. Die Regeländerungen wurden hier sehr authentisch umgesetzt. Neulinge sollten zunächst ein wenig Regelkunde betreiben und sich die gut gemachten Tutorial-Videos ansehen, um beispielsweise zu verstehen, wann genau DRS einzusetzen ist und was es damit überhaupt auf sich hat. Besitzer eines ordentlichen FF-Lenkrads sollten sich zudem die Zeit nehmen, an den Einstellungen herumzuschrauben. Der vollständige Lenkradeinschlag wird natürlich nicht unterstützt, das würde bei einem F1-Boliden einfach keinen Sinn machen. Derart schnell bekommt wohl niemand das Lenkrad herumgerudert, um der stellenweise wahnwitzigen Geschwindigkeit der Kurvenführungen zu folgen. Für das zum Einsatz gekommene Thrustmaster T300 RS wird beispielsweise ein Lenkradeinschlag von 180 bis 540 Grad statt der maximal möglichen 1080 Grad angeboten. Am angenehmsten wurde im Test die Einstellung um 360 Grad empfunden. Eine Kombination aus Schnelligkeit und Präzision. Vorsicht mit den Einstellungen des Force Feedbacks. 100 Prozent Stärke könnte bei längeren Rennsessions für eine Zwangspause am nächsten Tag führen, die Effekte sind wirklich sehr stark übersetzt. Curbs bringen natürlich ein deutliches Feedback, das ist bei der Beschaffenheit der gerillten Erhöhungen keine Kunst. Mehr Feinfühligkeit bedarf es da beim vermittelten Grip und hier gibt F1 2017 eine wirklich starke Vorstellung ab. Nach einiger Zeit ist ein Blick auf den einblendbaren Reifenverschleiß kaum noch erforderlich, da sich die verminderte Haftwirkung buchstäblich erfühlen lässt. Zahlreiche Fahrhilfen lassen sich wie gewohnt zu- oder abschalten, das kennt man bereits aus anderen Rennspielen. Bei der Art und Weise der Streckenführung ist Codemasters hingegen wegweisend. Bei Bedarf lässt sich eine vollständige, dynamische Ideallinie einblenden und dies in bereits gewohntem 2D, allerdings auch in dreidimensionaler Darstellung. Gerade für Einsteiger sehr empfehlenswert, da der plastische Bremsbogen wesentlich einfacher wahrzunehmen ist. Fortgeschrittene lassen sich die Ideallinie dann nur noch in Kurven anzeigen oder nur noch eine Empfehlung einblenden. Profis lassen derartige Spielereien ganz weg, aber dazu sollte man die Kurse schon wirklich blind beherrschen. Patzer lassen sich mittels optionaler Rückspulfunktion ausbügeln.

 

Technische Stagnation

 

Entgegen des Rundumschlags der realen Formel 1 verpasst Codemasters die dazu passende technische Frischzellenkur. Gerade abseits der Rennstrecke wirken Charaktere etwas hölzern, die Gesichter wie mit einer Wachsschicht überzogen. Die Verbesserungen sind im Detail zu suchen. So sind im Karriere-Modus unterschiedliche Schauplätze hinzugekommen, die die Atmosphäre etwas auflockern. Aber gerade im Rennstall eines Formel 1-Teams gäbe es noch zahlreiche Möglichkeiten, die sich realisieren ließen und mehr als die starren Kameraeinstellungen bieten würden. Hier ist tatsächlich noch viel Luft nach oben. Das Thema VR fand leider keine weitere Beachtung. Das ist wirklich schade, denn hier wäre ein wahrer Höllenritt mit fantastischem Geschwindigkeitsgefühl möglich. Beim Sound ist das Gesamtbild sehr stimmig. Sehr gelungene Motorengeräusche, ordentliche Effekte und ein authentischer Boxenfunk vermitteln eine tolle Rennatmosphäre. Einzig die Erwähnungen des eigenen Fahrers beim sonst recht guten Kommentatoren-Duo trüben das Bild ein wenig. Denn unbekannte Namen werden hier nicht ausgesprochen, sondern stattdessen mit der Bezeichnung des Rennstalls verallgemeinert. 

 

Das Spiel wurde auf der Playstation 4 Pro getestet. Etwaige Unterschiede zu den Versionen anderer Systeme wurden nicht berücksichtigt. 


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Normalerweise fahre ich lieber mit „richtigen“ Fahrzeugen als mit den nackten Edelkarossen des Formel 1-Rennsports. F1 2017 stellt sich jedoch als ein gültiges Alternativ-Programm, selbst für verwöhnte GT3-Fahrer, heraus. Das mit einem ordentlichen Lenkrad vermittelte Fahrgefühl der in diesem Jahr brachialer gewordenen Boliden ist einfach hervorragend. Selten fühlte ich mich so angespannt und doch verzückt, als ich nach einem 100 Prozent Rennen mit verkrampften Händen und schweißnassen Rücken aus meinem Rennsitz geklettert bin. Eine befriedigende Erfahrung, die nur wenige Spiele in diesem Maße bieten können. Der dezidiert anpassbare Schwierigkeitsgrad mitsamt zahlreicher Fahrhilfen und Rückspulfunktion ist für Einsteiger wie Profis beliebig anpassbar. Die vollständige F1-Lizenz ist in Codemasters Serie längst Standard und bietet alle aktuellen Fahrer wie Strecken. Liebhaber rasanter Rennspiele und Formel 1-Fans kommen in diesem Jahr an F1 2017 nicht vorbei. 


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positiv negativ
  • Vollständige F1-Lizenz
  • Hervorragendes Fahrgefühl
  • Neues Regelwerk authentisch umgesetzt
  • Gutes Geschwindigkeitsgefühl
  • Motivierendes Mikro-Management in der Karriere
  • Zahlreiche Spielmodi und Bonus-Events
  • Glaubhafte Geräuschkulisse
  • Viele KI-Abstufungen und Fahrhilfen
  • Mit kostenloser App kann Smartphone/Tablet als Zusatzdisplay verwendet werden
  • Technisch stellenweise etwas altbacken
  • Keine VR-Unterstützung





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