Feuchtgebiete

Feuchtgebiete

Originaltitel: Feuchtgebiete
Genre: Kommödie • Drama
Regie: David Wnendt
Hauptdarsteller: Carla Juri
Laufzeit: DVD (105 Min) • BD (109 Min)
Label: Twentieth Century Fox
FSK 16

Feuchtgebiete   04.02.2014 von Torsten

2008 erschien der Roman Feuchtgebiete von Charolotte Roche. Es war ihr Erstlingswerk und dieses sollte bereits bei der Wahl des Verlegers polarisieren. Der ursprüngliche Verlag hatte diesen Roman nämlich mit dem Hinweis, es handle sich um pornografischen Inhalt, abgelehnt. Nach der erfolgreichen Suche nach einem neuen Verleger kam es dann schließlich doch auf den Markt, und schlug ein wie eine Bombe. Ähnlich wie seinerseits der Schulmädchenreport durchstieß Charlotte Roche Grenzen, die in unserer Gesellschaft als Tabu gelten. Sie war damit sicher nicht die erste die dies tat, aber sie hatte dabei vermutlich den größten Erfolg, denn das Buch verkaufte sich weit über eine Millionen Mal. Im Spätsommer 2013 kam die Romanverfilmung dann ins Kino und schockierte erneut. Es hagelte heftige Kritik, aber ist dieser Film wirklich einfach nur ekelhaft? Unser Redakteur Torsten bewies Mut und schaute sich die nun erscheinende DVD an ...

 

Helen Memel ist ein volljähriger Teenager und leidet sehr unter der Scheidung ihrer Eltern. Ihr Vater hat bereits eine neue Partnerin: Eine jüngere Frau, mit der er seine Sexualität endlich ausleben kann. Als sie sich bei der Intimrasur eine Analfissur – eine äußerst schmerzhafte Verletzung des Anus – zuzieht, sieht sie das als Chance, ihre Eltern über ihr Leid hinweg wieder zusammenzubringen. Im Krankenhaus lernt sie den Pfleger Robin kennen, dem sie den Kopf verdreht. Mit ihrer offenen und selbstdarstellerischen Art wird sie schnell zur Sensation auf der Klinikstation. Sie geht äußerst offen mit ihrer Sexualität um, lehnt jegliche Reglementierung durch Hygienevorschriften und Erziehung ab und liebt nichts mehr, als Leute zu schockieren. So sammelt sie Avocadokerne, die sie zur Masturbation nutzt, liebt jede Art von körpereigenen Flüssigkeiten und hält einen strengen Geruch im Intimbereich für äußerst anregend. Sie nutzt es sogar als Parfum. Ihre beste Freundin gilt seit einem gewissen Vorfall mit ihrem Freund als Außenseiterin. Mit ihr durchbricht sie sämtliche Tabus, bricht Regeln, probiert Drogen und Alkohol. Sie haben jede Menge Spaß. Doch tief in ihr schlummert ein schreckliches Geheimnis ihrer Kindheit. Es muss raus, sonst wird es sie noch fertig machen ...

 

Charlotte Roche gab nach der Veröffentlichung ihres Buchs bekannt, dass ein Großteil des Inhalt ihren eigenen Erfahrungen entnommen sind. Sie möchte auf Tabuisierungen von Sexualität und Körperempfinden aufmerksam machen und dabei Themen wie übertreibende Reinlichkeit und Inzestgedanken mit in die Geschichte aufnehmen. Das Leben der Darstellerin wird durch die Schauspielerin Carla Suri eindrucksvoll in Szene gesetzt. Zu keiner Zeit kauft man ihr diese Rolle nicht ab und ihre zerbrechlich wirkende, filigrane Figur verkörpert dabei effektvoll die Unschuldigkeit einer heranwachsenden Person, die aufgrund von einschneidenden Ereignissen aus den Grenzen ihrer Rollenzuweisung auszubrechen versucht. Im Fokus steht natürlich der beim Zuschauer erzeugte Ekel und stellenweise wirkt die gestraffte Erzählung wie eine wahllos aneinandergereihte Kette von kleinen, absurden Geschichten. Doch wenn man sich darauf einlässt, dann vermag der Film tatsächlich zu unterhalten, sorgt für den einen oder anderen Lacher und dann wieder für verschämtes Wegschauen. Kalte, ungeschönte Bilder aus der Mitte Berlins wechseln sich mit dem malerischen Ambiente Mallorcas ab und setzen ein ums andere Mal herbe Kontraste.

 

Bildergalerie von Feuchtgebiete (9 Bilder)


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Die Verfilmung von Feuchtgebiete fasst die grundlegenden Elemente des Romans sehr gut ein, schockiert ein ums andere Mal mit gebrochenen Tabus und zahlreichen Darstellungen, die tiefsten Ekel im Zuschauer hervorrufen. Das meiste davon ist lediglich angedeutet und nicht explizit dargestellt, doch nur zu gut kann der Zuschauer, der hier absichtlich in die Rolle des Voyeurs gedrängt wird, alles nachempfinden. Wie es ist, barfuß im abgestandenen Wasser eines völlig versifften, öffentlichen Klos zu stehen, sich auf die uringesprenkelte Klobrille zu setzen oder aber sich die verklumpten Überreste der Körperflüssigkeiten eines fremden Mannes in den Mund zu stecken. Das alles ist abstoßend ekelhaft, stellenweise niveaulos, geradezu absurd und die Verfilmung macht keinen Hehl daraus, genau darauf Stolz zu sein. Es ist kein Film, den jeder gesehen haben muss, aber sehr wohl ein Film, der wieder einmal Grenzen der vorherrschenden Generation mit spitzer Klinge durchstößt und genau deshalb auch sehenswert ist.


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