Firewall: Zero hour

Firewall: Zero hour

Publisher: Sony
Entwicklerstudio: First Contact Entertainment
Genre: Action
Sub-Genre: Taktik-Shooter
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 29.08.2018
USK 16

Firewall: Zero hour    30.09.2018 von Torsten

Erst kürzlich wurde über den etwaigen Tod der VR-Branche diskutiert, da schießen auch schon die Hardware-Hersteller mit verbesserten VR-Headsets dagegen. Und auch die Spielebranche wehrt sich vehement, was sich im Beispiel der Playstation VR-Brille in einem stetig wachsenden Portfolio an verfügbaren Titeln zeigt. Aber es werden noch immer Spiele gesucht, die einen Kaufanreiz für Leute liefern, die bis dato noch kein VR-Headset erstanden haben. Firewall: Zero Hour könnte nun so ein Titel werden und gerade für Fans von taktischen Online-Shootern die Initialzündung für dieses System darstellen.

 

Solospieler nur als Trainingsbasis

 

Vorab die Erkenntnis, dass sich das Spiel hauptsächlich an diejenigen richtet, die sich auch online mit anderen Spielern messen wollen. Es gibt ein recht kurzes Tutorial, das die grundlegende Bedienung näherbringt. Dank der ziemlich intuitiven Steuerung ist das allerdings nicht wirklich nötig. Eine kurze Partie sollte für die meisten Spieler reichen, um zu verstehen, worum es hier geht und wie das ganze vonstattengeht. Im Display eingeblendete Tastensymbole erinnern darüber hinaus stets an die aktuelle Tastenbelegung. Eine Einzelspielerkampagne gibt es nicht, stattdessen darf im Training gegen Bots gespielt werden. Dieser Modus hat dann am Ende sogar seine Daseinsberechtigung, aber eher um neu erspielte Ausrüstung, Waffen und -aufsätze auszuprobieren, denn die spielerische Motivation ist dank stupider Gegenspieler schnell erschöpft. Bots spawnen hier auch schon mal unmittelbar vor dem zu schützenden Missionsziel, was eine logische Abdeckung des Spielareals unmöglich macht und zu stumpfen „base camping“ zwingt.

 

Online-Modus mit zähfließender Abwicklung

 

Online treten zwei Teams zu jeweils vier Spielern im einzigen (derzeit) verfügbaren Spielmodus an. Das heißt, das machen sie erst, wenn in der Online-Lobby ein Spiel gefunden und geladen ist. Die Matches werden peer to peer verbunden. Somit stellt ein Spieler den Host und die Qualität seiner Online-Verbindung ist maßgeblich dafür verantwortlich, ob ein flüssiges Spiel zustande kommt. Verlässt der Host vorzeitig das Spiel, so endet auch das Spiel für die anderen Spieler, es sei denn, er gibt seine Host-Funktion zuvor weiter. Die Matches sind recht kurz und nach dem Ende des Spiels finden sich alle zunächst einmal wieder in der Lobby wieder. Das ist auf Dauer nervig und unterbindet den Spielfluss, weil so gefühlt länger gewartet als gespielt wird. Ärgerlich ist das vor allem, wenn ein spannendes Match mit Spielern entstanden ist, die ihre Rolle als Teammitglieder auch ernst nehmen. Da wünscht man sich, man würde nach Beendigung des Matches einfach die nächste Karte wählen dürfen, anstatt einen neuen Host zu suchen. Einziger Ausweg stellt bislang das private Match da.

 

Bildergalerie von Firewall: Zero hour (10 Bilder)

Taktisches Vorgehen ist Pflicht

 

Der Auftrag ist schnell erklärt: Ein Team muss die namensgebende Firewall durchbrechen und ein Laptop hacken, das andere Team hat die Aufgabe, eben dieses Unterfangen zu vereiteln. Das scheint simpel, gestaltet sich aufgrund der zumeist engen Spielareale allerdings als recht anspruchsvolle Aufgabe für das Team der Angreifer. Das Squad muss behutsam vorgehen und zusammen agieren. Teamwork ist die Grundvoraussetzung des Erfolgs, wenn es dann gegen geübte Spieler geht. Das gemächliche Spieltempo erinnert dabei an die Titel der Rainbox Siege- oder Counterstrike-Serie. Sprints lassen die Distanz schneller überbrücken, wenngleich hier die maximale Laufgeschwindigkeit zugunsten der Verhinderung von Motion Sickness eher gering ist, machen aber auch Krach und informieren das gegnerische Squad über die eigene Position. So ist es ratsamer, schleichend das Areal zu durchsuchen und in jede Ecke zu schauen. Dies funktioniert dank der 180-Grad-Abdeckung des VR-Systems sehr gut. Wir können uns um Ecken lehnen und so rasch in Räume spähen, ohne erst hineinzulaufen. Drehen können wir uns optional in festen Schritten oder aber fließend mit dem Controller. Da das System der PS VR Spieler leider nur zuverlässig von vorne erfassen kann, ist dieser Schritt nach wie vor notwendig. Noch intuitiver wäre es natürlich per Körperdrehung, wenngleich die Kabelanbindung hier auch limitiert.

 

An diesem Punkt sei im Übrigen darauf hingewiesen, dass es durchaus möglich ist, das Spiel mit einem handelsüblichen Dualshock 4 Controller zu spielen. Allerdings wird dringend davon abgeraten, da das Spiel mit dem unterstützten Aim Controller ein so viel besseres Spielgefühl liefert, dass Einsteiger besser mit dem Bundle mitsamt Aim Controller beraten sind. Einzig Besitzer des intuitiv zu bedienenden Gewehr-Controllers sollten das Spiel einzeln kaufen. Die Präzision des Gewehrs ist dem des Controllers weit überlegen und Deutschüsse klappen auch ohne zuvor durch das Visier zu schauen recht gut.

 

Hübsche virtuelle Spielplätze mit guter akustischer Ortbarkeit

 

Insgesamt gibt es neun verschiedene Einsatzorte, die für taktische Auseinandersetzungen bestens geeignet sind. Ob nun beim Eindringen in eine Lagerhalle, dem Ansturm auf ein Hotel oder bei der Infiltration eines Containerhafens, stets sind die Areale gut gedeckt und es bieten sich nur wenige schutzlose, offene Flächen. Die optische Qualität ist für einen VR-Titel - technisch bedingt können Objekte nicht derart detailliert dargestellt werden wie auf einer einzelnen Mattscheibe - durchgängig sehr gut. Zwar sind viele Texturen einfacher Natur, Objekte sind nicht zerstörbar und es könnte in den Innenräumlichkeiten mehr Details geben, dafür sind die Schauplätze abwechslungsreich und durchdacht konzipiert. Gerade die engen Korridore der Anwesen bieten eine dichte Atmosphäre und es ergeben sich entgegen der meisten Konkurrenzprodukte auch kaum Momente, in denen Spieler im kontrastarmen Pixelbrei der verringerten Auflösung untertauchen. Hier und da gibt es Clipping-Fehler und auch die Abtastung zickt schon einmal herum, aber das sind Dinge, die es überall mal gibt und auch nur wenig ins Gewicht fallen. Hervorragend funktioniert hingegen die Ortung per Headset im Raum. Es bedarf nur eines leisen Geräuschs und man weiß bereits in welche Richtung man mit der Waffe deuten muss. Die restlichen Töne gehen für einen Shooter in Ordnung, einzig einige der Waffengeräusche klingen mitunter etwas schwachbrüstig.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Firewall: Zero Hour bietet einen atmosphärisch dichten Taktik-Shooter, der sich vorrangig an Online-Spieler mit einem Aim-Controller im Besitz richtet. Solo-Spieler wie auch Nutzer eines Gamepads werden anderweitig besser bedient. Für oben genannte Zielgruppe jedoch offenbart sich nach kurzer Spielzeit bereits die Erfüllung eines langen gehegten Wunsches seit VR-Headsets die Marktreife erhielten. Ein realistischer Taktik-Shooter mit abwechslungsreichen Schauplätzen in hübscher Grafik, der dank VR-Technik ungeahnte Möglichkeiten beim Deckungskampf bietet. Ob beim „quick peek“ um die nächste Kante oder beim Blindfeuer über die Deckung, derart authentisch hat man noch keinen Shooter gespielt. Allerdings müssen Spieler dafür ein reduziertes Tempo und einige Abtastungsfehler in Kauf nehmen. Verbesserungswürdig ist zurzeit zudem das nervige Matchmaking-System, das gehörig auf die Laune drückt. Ist allerdings ein Spiel zweier taktisch agierender Teams zustande gekommen, so fährt Firewall: Zero Hour schnell zur Höchstform auf und entschädigt mit einem unglaublichen Gefühl der Immersion, das nur schwer in Worte zu fassen ist.


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positiv negativ
  • Schöne Grafik
  • Tolles Immersions-Gefühl
  • Sehr gut auf die Bedienung mit dem Aim Controller abgestimmt
  • Abwechslungsreiche Schauplätze
  • Taktisch fordernde Kämpfe
  • Clipping Fehler
  • Umständliches Matchmaking-System
  • Nur ein Spiel-Modus





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