Forza Horizon 4

Forza Horizon 4

Publisher: Microsoft
Entwicklerstudio: Playground Games
Genre: Sport
Sub-Genre: Rennspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 02.10.2018
USK 6

Forza Horizon 4   20.10.2018 von Torsten

Was Forza Motorsport für die Rennsport-Enthusiasten ist, das ist Forza Horizon für die arcadefreudige Spaßfraktion. Und dieses Konzept ging zuletzt derart gut auf, das nur noch wenig Raum für größere Verbesserungen im Rahmen der derzeitigen Technik verbleibt. So wechselt das Setting von Forza Horizon 4 aus der australischen Steppe in das verregnete Großbritannien, was schon ein Feature des vierten Teils verrät. Neben dem eintretendem Regen gibt es aber auch ganze Gezeitenwechsel. Und sonst noch? 

 

Großbritannien ist auch nicht zu verachten

 

Klar, Australien ist geographisch gesehen etwas exotischer als die Inselgruppe im Norden Europas. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass das Setting für ein Rennspiel nicht attraktiv wäre. Weitreichende Felder und grüne Weiden, schottische Felsformationen und urige Innenstädte sorgen für durchaus idyllische Hintergründe und jede Menge Abwechslung. Vor allem sorgt die welligere Geographie der Regeninsel für eine Erhöhung der Dreidimensionalität in den Rennstrecken und bietet neben hinreißenden Ausblicken auch die eine oder andere Chance, sich im Weitsprung zu messen. Die größte Abwechslung jedoch bieten die verschiedenen Jahreszeiten, die nun abwechselnd das Land in Schnee und Sonnenschein mitsamt dazwischenliegenden Schattierungen erblühen lassen. Bereits bekannte Kurse sind dann nicht mehr wiederzuerkennen und vergrößern das Strecken-Repertoire um gekonnte Art und Weise. Die Jahreszeiten wechseln im Einzelspielermodus je nach Festivalfortschritt. Online wechselt die Jahreszeit jede Woche automatisch, gleich wie viele Rennen ihr bestritten habt.

 

Willkommen bei Horizon

 

Das Horizon Festival bietet wieder einmal ein wahrhaft überdimensioniertes Angebot an Rennevents, das sich in verschiedenen Kategorien unterteilt. In der Straßenszene geht es vorrangig über asphaltierte, glatte Fahrbahnen. Tiefliegende, sportlich straff abgestimmte Fahrzeuge dominieren hier das Teilnehmerfeld. Natürlich gibt es wieder zahlreiche Klassenbeschränkungen, die von Leistungsstufen über Zeitepoche bis hin zum Hersteller reichen. Klassische Muscle Cars, moderne Supersportwagen, japanische Drehzahlmonster, hier ist so ziemlich alles vertreten, was man je auf der Straße hat fahren gesehen. Die Dirt-Kategorie orientiert sich auf etwas anspruchsvollere Wege, die nur wenig befestigte Straßen aufweist. Daher sind die Federwege etwas größer und die Fahrzeuge - favorisiert allradgetrieben - bulliger mit grobstolligen Reifen. Die Kategoriebezeichnung Querfeldein spricht für sich selbst, denn hier werden Straßen meist nur überquert und nicht befahren. Fahnenstangen begrenzen die Kurse und ausgelassene Checkpoints zwingen zur Neuausrichtung der Fahrtlinie oder aber zum Tastendruck, der die Rückspulfunktion aktiviert. Wohin es geht ist bei dichterem Bewuchs aber nicht immer auf Anhieb zu erkennen.

 

Bildergalerie von Forza Horizon 4 (14 Bilder)

 

Vor dem Start eines Rennens erfolgt zunächst die Abfrage, in welcher Fahrzeugklasse gestartet oder aber ob eine eigene Blaupause erstellt werden soll. Außerdem darf das jeweilige Rennen solo oder im Koop gegen KI-Mitstreiter, online gegen menschliche Fahrer oder in einer Zeit-Challenge gegen einen Rivalen gefahren werden. Neben den offiziellen Rennveranstaltungen gibt es aber auch wieder etliche Nebenmissionen und sonstige Herausforderungen wie Blitzer- oder Driftzonen. Gefahrenschilder bieten spektakuläre Sprungherausforderungen mit mehreren Sekunden Flugzeit. Die bereits seit dem ersten Teil bekannten Scheunenfunde sind natürlich auch wieder mit dabei, ebenso wie überall verteilte Schilder, die Bekanntheit, Geld oder Schnellreiseboni erhöhen. Krönung der einzelnen Festivalstufen sind wieder einmal die spektakulären Schaurennen. Über den Sinn der Rennen darf man sicherlich streiten, wenn ein Dirtbuggy gegen eine Dampflokomotive oder gar ein riesenhaftes Luftkissenboot antreten muss, die Streckenführung ist da natürlich jeweils eine andere. Abwechslung und großartige Bilder bieten diese Events aber auf jeden Fall.

 

Fahrverhalten & KI

 

Neben der Forza Motosport-Serie, die eher mit einem realistischeren Fahrmodell aufläuft bieten die Horizon-Teile vorrangig Futter für die vornehmlich mit Controller ausgerüstete Spaßfraktion. Natürlich lässt sich das Spiel auch mit einem Lenkrad fahren. Optionale Fahrphysik-Einstellungen und abschaltbare Fahrhilfen lassen den Realismusgrad noch etwas anheben. Alternativ ist man mit einem Controller aber auch nicht schlecht bedient und zaubert dank tadelloser dynamischer Ideallinie auch ohne große Übung und Vorkenntnisse der Strecke teils spektakuläre Rennverläufe zutage. Stellenweise etwas zu spektakulär, denn nicht selten werden Rennen dank der Gummiband-KI trotz durchwachsenem Verlauf am Ende doch noch gewonnen. Und dass im Testzeitraum in jedem einzelnen Schaurennen erst auf der Zielgeraden wenige Meter vor dem Ziel der Sieg eingeheimst wurde scheint doch wenig realistisch auf die eigenen Fahrkünste zurückzuführen. Vielmehr macht es gerade bei den ungleichen Duellen den Anschein, als sollte man immer wieder herankommen und am Ende auch gewinnen, gleich ob wir nun nur durchschnittlich oder übertalentiert das Steuer bedienen. Der Schwierigkeitsgrad ist bis hin zu überdurchschnittlich dann auch entschieden zu leicht. Selbst bei „sehr erfahren“ war sogar mittels Controller in jedem Rennen der Sieg nur Formsache. Ein Schadensmodell hat es auch wieder ins Spiel geschafft. Dieses lässt sich beliebig abstufen von Auswirkungen auf die weitere Fahrtüchtigkeit des Fahrzeugs über lediglich kosmetische Beschädigungen bis hin zur kompletten Unverwüstlichkeit. Doch selbst bei „realistischer“ Schadenseinstellung bedarf es schon mehrerer realer Totalschäden bis das Fahrzeug erste Zündaussetzer erhält. Gerade bei Querfeldeinrennen kommt dies dann aber bei heftiger Fahrweise auch schon mal vor. Die Grenzen der Spielwelt wurden übrigens weitestgehend entschärft. Blieb im Vorgänger das Fahrzeug in voller Fahrt bereits an einer kleinen Steinmauer hängen, so durchbrechen wir nun nahezu sämtliche Absperrungen ohne Mühe. An dieser Stelle wurde allerdings etwas zu gnädig programmiert, denn die Mauern zerbersten mittlerweile mit der Leichtigkeit von Styroporplatten, das Fahrzeug erhält allenfalls leichte Kratzspuren. Das raubt der sonst so authentischen Fahrphysik einen Großteil seiner Glaubhaftigkeit. Ansonsten hat Playground Games hier eine saubere Leistung hingelegt. Jedes Fahrzeug fährt sich anders und es macht immer wieder Spaß den Unterschied zwischen Standard Käfer und extrem überzüchteten 1000 PS Raketen-Käfer zu erleben.

 

Optischer Angeber-Titel

 

Optisch haben wir hier ohne Zweifel eines der schönsten Rennspiele aller Zeiten vorliegen. Tolle Lichteffekte, detaillierte Automodelle und hübsche Wettereffekte garnieren die schöne Umgebung. Durch die einzelnen Jahreszeiten entsteht zudem immer wieder ein ganz neuer Charakter, der sich nicht nur spielerisch auswirkt. Auf der XBOX One X darf im Übrigen zwischen Performance und Qualität gewählt werden. So besteht die Wahl zwischen nativer 4K-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde und verringerten Grafikdetails mit 60 fps bei 1080p. Natürlich lockt hier das Rumgeprotze mit 4K in vollen Details, allerdings ist bei schnellen Schwenks und Bewegungen dann doch ein weniger flüssiger Bildablauf feststellbar. Gerade für fps-verwöhnte PC-Spieler gilt daher die klare Empfehlung zum Performance-Modus. Auf einem potenten Spiele-PC verteilt die leistungsstarke Engine dann dank höherer Kantenglättung und hoher Bildrate noch mehr Augenzucker. Da Horizon 4 ein „play anywhere Titel“ ist dürfen Käufer der digitalen XBOX-Variante auch gleich ohne Aufpreis den Download auf ihren PC starten. Die Hardwareanforderungen decken sich nahezu mit denen des Vorgängers. Beim Thema Sound gibt es hier so richtig was auf die Ohren. Mehrere Radiosender mischen Tracks je nach persönlichem Gusto, die Motorensounds sind großartig und selbst die Synchronisierung wirkt gelungen. Da gibt es nichts zu beanstanden.

 

Getestet wurde das Spiel auf der XBOX One X sowie auf einem Windows 10 PC mit Core I5-7600K und Geforce GTX 1080.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Es ist wahrlich schwer hier noch ein Haar in der Suppe zu finden. Playground Games bauen den Fun-Racer mit einem gewaltigen Fuhrpark, jeder Menge Tuning-Möglichkeiten, grandiosem Fahrmodell und herausragender Technik zu einem schwer überwindbaren Hindernis für die Konkurrenz auf. Überladende Eventmengen, sowie die riesige Spielewelt mit zahlreichen Möglichkeiten der Nebenbeschäftigung beschäftigen den Arcade-Racer für eine sehr lange Zeit. Der Online-Modus erweitert die Spielzeit noch einmal und lässt selbst bereits gespielte Herausforderungen erneut entdecken. Die Serie wurde sinnvoll fortgesetzt und erweitert. Geblieben ist jedoch mein Lieblingsfahrzeug seit dem ersten Forza, der schwarze 1969er Dodge Charger, der mir hier gnädigerweise sogar schon nach dem Tutorial überreicht wurde. Aber auch der übrige Fuhrpark weiß zu überzeugen und präsentiert die besten Autos unserer Ära. Kurzum: Forza Horizon 4 holt sich die Krone des Arcade-Racing!


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positiv negativ
  • Riesiger Fuhrpark
  • Zahlreiche Tuning-Möglichkeiten
  • Guter Soundtrack
  • Authentische Fahrphysik
  • Gutes Arcade-Fahrmodell
  • Haufenweise Events
  • Zahlreiche Nebenbeschäftigungen
  • Solo, Koop und Online
  • Abwechselnde Jahreszeiten
  • Schadensmodell zu gutmütig





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