Auf einige Spiele wartet man eine gefühlte Ewigkeit. Neben Duke Nukem Forever gehört wohl auch Gran Turismo 5 für die PS3 dazu. Ganze fünf Jahre hat die Autopolitur gedauert, bis alle 1.031 Wagen für das Release bereit waren. Hat sich die Entwicklungszeit auch rentiert oder hat der Zahn der Zeit das Spiel längst überholt?! Nach vielen Runden in unzähligen, verschiedenen Wagen kann ich euch hier die Antwort liefern.
Trotz des jahrelangen Feintunings standen für Gran Turismo 5 bereits innerhalb weniger Tage zwei Patches mit einer Gesamtgröße von 266 MB zur Verfügung, da Kunden sich über Sound- und Ladeprobleme beschwerten. Für ein Spiel, das exklusiv für die PS3 entwickelt wurde und somit keine Portierungsprobleme haben kann, ließ mich das schon sehr stutzen.
Doch nach dieser Prozedur eröffnet sich nach dem Start des Spiels ein komplexes Menü unterlegt mit Klaviermusik. Allein diese Szene verschafft dem Spiel eine unglaubliche Eleganz, die sich ab hier durch das komplette Spiel zieht. Doch wer glaubt, nun in seiner Garage den ersten Ferrari vorzufinden, der wird enttäuscht, der eigene Unterstellplatz ist komplett leer. Es liegen 20.000 Dollar auf der Bank und Erfahrungspunkte hat der Spieler auch noch nicht. So ist es unumgänglich, im Gebrauchtwagenmarkt nach seinem ersten Boliden zu schauen. Meine Wahl fiel auf einen acht Jahre alten Mazda, mit dem ich meine ersten Erfolge einfahren sollte. Falls Ihr sofort in die dicken Kisten einsteigen möchtet, dürft ihr euch im Arcade-Modus ein paar ausgewählte Fahrzeuge zur Brust nehmen.
Powerups und Sprungschanzen sucht man in GT5 vergebens, nicht von ungefähr ist das Spiel mit „The real driving Simulator“ untertitelt. Ihr müsst allerdings sehr vorsichtig fahren, um diese Illusion aufrecht zu halten. Das Schadensmodel der Fahrzeuge beschränkt sich auf ein paar kleine optische Gimmicks wie zerbeulte Stoßstangen. So können einige Rennen gewonnen werden, indem man einfach mit Vollgas in die Kurve knallt, wartet dass die Mauer den Wagen ausbremst, um dann unbeschadet wieder Fahrt aufzunehmen. Währenddessen dreht die KI stur ihre Runden, selbst wenn Ihr euch quer in den Weg stellt, machen sich die virtuellen Fahrer nicht die Mühe, um euch herumzufahren. Polyphony Digital hat inzwischen bescheinigt, dass zumindest das Schadensmodel bis Weihnachten 2010 via Patch nachgebessert werden soll. Dann sollen die Fahrzeuge auch mechanischen Schaden nehmen. Nach meinem Verständnis ist erst dann der Titel eines „real driving Simulators“ gerechtfertigt.
Gewissenhafte Fahrer schonen natürlich ihr KFZ und fahren vorschriftsmäßig ihre Runden und dabei stimmt das Fahrgefühl. Schon ohne große Übungseinheiten sind die ersten Runden intuitiv zufriedenstellend zu bewältigen, der eingezeichneten Ideallinie sei Dank. Solltet Ihr Euch zu schnell einer Kurve nähern, färbt sich diese rot, erst wenn Ihr die Geschwindigkeit ausreichend drosselt, wird sie wieder blau und Ihr könnt Euch sicher sein, die Kurve gefahrlos nehmen zu können. Profis schlittern natürlich ein wenig schneller durch die Kurve, die Handbremse ist ja nicht nur fürs Parken am Hang eingebaut. Nach einigen Rennen und Meisterschaften sollte das Budget und die Erfahrung reichen, um sich einen richtig schicken Schlitten leisten zu können. Verschwenderisch kann allerdings zu keiner Zeit mit dem virtuellen Geld umgegangen werden, zu gering sind die Preisgelder. Daher ist es auch wichtig, sich seine Fahrzeuge vorausschauend auszusuchen. Da in manchen Rennen nur bestimmte Fahrzeugklassen zugelassen sind, wäre es ärgerlich, wenn der Sieg einer Meisterschaft an einem fehlenden Fahrzeug scheitert.
Die unglaubliche Anzahl von 1.031 Fahrzeugen wird durch einen kleinen Trick erkauft, die meisten Autos sind nur als Karosserien erstellt worden. Das Cockpit ist nicht vorhanden, nur eingeblendete Standard-Anzeigen halten euch auf dem Stand. 200 Wagen sind als sogenannte Premium-Modelle mit individuellen und originalen Cockpits vorhanden, immer noch eine sehr große Anzahl. 51 Hersteller sind mit ihren Fahrzeugen vertreten, mit einem Überhang zu japanischen Modellen. Von europäischer Seite kann man sich aber auch kaum beschweren, so findet man viele Fahrzeuge wieder, an denen man privat jeden Tag vorbeifährt, selbst mein eigener Renault Megane ist lenkbar. Ob das Schadensmodel in der Realität ähnlich ist, habe ich noch nicht getestet. Im Großen und Ganzen bietet GT5 hier eine große Auswahl, über die man nur auf hohen Niveau meckern kann.
Von den 20 Strecken, die das Spiel mitbringt, lassen sich 70 Streckenvariationen erleben. Der Streckeneditor lässt selbst entworfene Strecken bis zu einer Länge von 10 Kilometern zu. Besonders die Stadtstrecken laden zum Bummeln ein. Obwohl die Landschaften abwechslungsreich gestaltet sind, wirkt die Umgebung immer ein wenig steril, der fast perfekten Hochglanzoptik sei Dank.
Im B-Spec-Modus steigt Ihr mal aus dem Wagen aus, setzt Euch das Headset auf den Kopf und spielt eine Runde Teamchef. Hier ist Strategie gefragt. Es stehen dieselben Serien und Cups wie im Rennmodus zur Verfügung. Aus Eurem Kader sucht Ihr euch einen passenden Fahrer aus. Anhand verschiedener Charaktereigenschaften und Erfahrungspunkte könnt ihr hier wie bei einem Fußballmanagerspiel feststellen, wie gut eure Fahrer sind. Sobald das Rennen startet, befindet Ihr Euch in einer Kommando-Ansicht. Ihr könnt das Rennen nun in Echtzeit verfolgen und auch die mentale Stärke des Fahrers jederzeit überschauen. Als Teamchef deligiert ihr nun den Piloten mit Anweisungen über das virtuelle Headset. Wenn der Fahrer zum Beispiel die Geschwindigkeit verlangsamen soll, klickt ihr die Ansage an und wartet auf deren Umsetzung. Die KI reagiert hier sehr menschlich und agiert nicht blind wie ein Roboter, so kann es sein, dass es einen Augenblick dauert, bis der Fahrer auf die Anweisung reagiert, direkt folgende Ansagen verwirren ihn natürlich. Ob dieser Manager-Modus für Euch Sinn macht, sei erst einmal dahingestellt, Spaß macht er auf alle Fälle.
Bleibt noch der Blick auf die Spezialveranstaltungen. Als Bonus für so manche Rennen erhaltet ihr Gutscheine beziehungsweise Zutrittskarten für ganz spezielle Rennen. Hier hat sich Polyphony Digital Kart Rennen, Nascar-Renn-Schule, VW-Bulli Rennen und viele weitere Goodies einfallen lassen. Jedes dieser Events hätte als eigenes Spiel verkauft werden können. Das Fahrverhalten von einem Kart wurde richtig gut eingefangen, hier sind nicht nur einfach die Fahrzeuge optisch ausgetauscht worden. Die lange Entwicklungszeit muss ja irgendwo stecken.
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