Nine Dead

Nine Dead

Originaltitel: Nine Dead
Genre: Horror
Regie: Chris Shadley
Hauptdarsteller: Melissa Joan Hart • William Lee Scott
Laufzeit: 84 min.
Label: WGF / Schröder Media
FSK 18

Nine Dead   10.10.2010 von Beef Supreme

Neun Tote, alle zehn Minuten muss einer Sterben. So titelt Chris Shadleys Regiedebüt „Nine Dead” auf dem recht  gelungenen Cover. Bei einer Gesamtlaufzeit von 84 Minuten, inklusive Vor- und Abspann, geht die Rechnung nicht ganz auf. Aber simple Arithmetik ist leider nicht das einzige, worin sich der Film verrechnet. Die Frage ist nämlich: Warum schaut ihr ihn an?

Der Film beginnt, man erblickt einen Maskenmann mit Camouflagebeinbedeckung und einem Gesichtsschleier, der einen unwillkürlich an einen gewissen Herrn Voorhees aus dem x-ten Teil für sehr, sehr Arme erinnert. Er befindet sich gerade inmitten der Vorbereitungen für einen Angriffskrieg gegen ein ausgesuchtes Ziel seiner Wahl. Zumindest erhebt es den Anschein, bei der epischen Kamerafahrt, eine der ganz wenigen im Film, über das Set, vorbei an Granaten, Pistolen und weiteren Gewaltwerkzeugen.

Dann wieder sieht man den Hauptdarsteller in seinem Gefährt, wie er, scheinbar willkürlich, fünf Menschen betäubt und verschleppt. Diese erwachen wenig später in einem Raum, gekettet an jeweils eine der neun Table Dance Stangen. Die Maske steht drinnen und verkündet heroldsgleich das Ende eines jeden alle zehn Minuten, sollten sie nicht herausfinden, warum er sie eingesperrt hat.

Die illustre Runde des dreckigen Fastdutzends besteht aus einem spießig-verklemmten Pullunder-mit-Stolz-Träger, einer Chinesin, die außer "Nigger" kein einziges Wort englisch spricht, einem Pädophilen, einem Priester, der so Gott ergeben ist, dass er Christis Doppelgänger sein könnte, einer Staatsanwaltsgehilfin mit schwerwiegender Egomanie, einem Luden ohne Sinn für Kleidergeschmack, einem afro-amerikanischen Mitbürger aus der Besitzumverteilungsbranche, einem hormongesteuerten Ordnungshüter und dem obligaten Frauenschwarm.

Ihre Aufgabe: nicht zu sterben. Denn der edle Maskenmann versprach generös sich zu stellen und alle frei zu lassen, sollten sie auf des Pudels Kern stoßen.

So viel zur Handlung. Diese zwei Abschnitte zu lesen wird genau so viel Zeit erfordert haben, wie die Dauer es auch anzusehen. Der Rest des Films ist nämlich vergleichbar mit einem schlechten Kammerspiel, da man fast ausschließlich diesen Raum mit den neun gesichtslosen Opfern sieht. Der erste kratzt ziemlich früh ab und der Rest sinniert zwischen zwei Toten über Gott und die Welt und lässt bissig-gehässige bis nutzlos-unverständliche Kommentare ab. Das meiste dient allerdings nur dazu, den gequälten Zuschauer zu foltern, da zu keiner Zeit Spannung aufkommt. Und selbst wenn man versucht ist, der Grütze zuzuhören und herauszufiltern, was davon nun der Grund ihres nahenden Todes sein könnte, wird ziemlich schnell klar, dass das keinen Sinn hat. Die Zeitensprünge in den Überlegungen hängen all jene ab, die sich kein homogenes Ritalin-Speed-Gemisch zu Gemüte geführt haben. Zudem verleihen kräftig eingestreute Logiklücken dem ganzen einen lächerlichen Touch.

Beispiel? Gerne. Bevor der Mann mit der gummierten Maske die Lebenslichter auslöscht, flüstert er jedem den Grund ins Ohr. Aber statt diesen ritterlich in die Welt hinauszuposaunen, verschwenden die Opfer ihren letzten Atem darauf, grottige One-Liner anzubringen. Von diesem Kaliber finden sich noch weitere Schnitzer. Sie hier aufzählen zu wollen, würde den Rahmen jedoch mehr als sprengen.

Nebst schlechten Darstellern, keiner Handlung, nicht vorhandener Logik, abwesender Spannung, verwirrendem Ablauf und fehlender Charakterzeichnung findet sich auch dilettantisches Handwerk im Repertoire der Grausamkeiten. Man zeigt keine Nahaufnahme einer abgefeuerten Pistole, wenn man nicht imstande ist, Mündungsfeuer oder ausgeworfene Kugeln darzustellen. Auch scheint das Latexgesicht dazu in der Lage zu sein, alle Leichen auf exakt derselben Blutspur hinaus zu schleifen.

Bei der Synchronisierung hat man sich auch nicht allzu viel Mühe gegeben, daher sollte man nach Möglichkeit und Frusttoleranzgrenze die englische Version „genießen“. Das Bild geht in Ordnung, es sei denn, es werden Außenszenen gezeigt. Aber keine Sorge, derartige Trübungen des Kammerspielflairs kommen nicht häufig vor. Beim Ton, abgesehen von den Gesprächen, gibt es nicht viel, was zu Vertonen gewesen wäre.  Dashalb gibt es hier nicht viel auszusetzten, doch sollte man nicht die berühmte fallende Nadel erwarten.

Was positiv auffällt, ist das schön gestaltete Wendecover, was jedoch eine bessere Qualität verspricht, als der Film später in der Lage ist zu halten. Auch im Bereich Extras hat man sich vornehm zurückgehalten und kredenzt nur den Originaltrailer und eine Trailershow weiterer Perlen der Schröder Media AG.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Aus einer Eigenart heraus, schaue ich mir sehr ungern Filme alleine an, was dazu führt, dass ich mich immer schämen muss, wenn meine Freunde mit mir solche Machwerke durchleiden müssen. In dieser Hinsicht habe ich bereits einen gewissen Ruf weg, was es nicht gerade einfacher macht, noch jemanden für Filmeabende zu finden. „Nine Dead“ hat auch nicht dazu beigetragen, diesen Ruf zu bessern und nun muss ich schauen, wo ich bleibe. Alles in allem sind es 84 Minuten „nicht enden wollender Qual“, um auch mal ein hängengebliebenes Zitat aus dem Film anzubringen. Nur etwas für Leute, die nicht mehr wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen, alles gesehen, gelesen, gehört, gemacht und erlitten haben. Den Zusatzpunkt gibt es ausschließlich für das Cover.


Die letzten Artikel des Redakteurs:


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Ich kann mich der Beurteilung des Films von Beef Supreme leider nicht ganz anschließen. Ich habe schon durchaus und deutlich schlechtere Filme als "Nine Dead" gesehen. Gut, der auf dem Cover angetragene Vergleich mit Saw ist weit hergeholt und hinkt kräftig hinterher, aber interessant ist der Film allemal. Die Hintergrundstory für die Aneinanderreihung der Morde und den Versuch der Beteiligten, diese zu erraten ist vielleicht nach Auslösung wenig spektakulär, trotz allem möchte man schon wissen, warum die auserwählten Menschen zusammen in den Raum geworfen wurden und was sie gemein haben. Der Schuldige des Spektakels wirkt wenig interessant, aber alleine die Tatsache, dass er die Leute Stück für Stück umbringt, baut schon eine gewisse Spannung auf. Ich kann guten Gewissens eine eingeschränkte Empfehlung für Fans des Horror- und Thrillergenres geben. Für Splatterfans ist der Film aber sicher nichts. Meine Wertung: 4 


Die letzten Artikel des Redakteurs:




Kommentare[X]

[X] schließen