Panic Button

Panic Button

Originaltitel: Panic Button
Genre: Horror / Thriller
Regie: Chris Crow
Hauptdarsteller: Scarlett Alice Johnson • Jack Gordon
Laufzeit: Ca. 90 Minuten
Label: Intergroove
FSK 18

Panic Button   08.02.2013 von Beef Supreme

Nur noch schnell mein Abendessen fotografieren und auf 37 sozialen Plattformen aller Welt mitteilen, dass es heute lecker Schafsinnereien an Surströmming gab. Danach geht’s ab in den Club, wo so richtig eskaliert wird. Der gute Fisch bahnt sich in inniger Umarmung mit Gevatter Leber wieder einen Weg an die Oberfläche und will mitfeiern. Glücklicherweise wird dieses epochale Ereignis gefühlte 243 Mal visuell festgehalten, sodass in Windeseile jeder bis in alle Ewigkeit die Konsistenz meines Mageninhaltes analysieren kann. Gelobt seien Social Networks, birgen sie doch mannigfaltige Möglichkeiten, die eigene Privatsphäre freiwillig auf dem Silbertablett zu offerieren. Mit exakt dieser Thematik befasst sich Chris Crows Panic Button. Lohnt es diese Information in alle Welt zu tragen?

 

Jo kann ihr Glück kaum fassen, gewinnt sie doch ein Preisausschreiben von All2gethr.com, dem größten sozialen Netzwerk der schönen Mutter Erde. Sie und drei weitere Glückliche dürfen sich nun im Privatjet nach New York bequemen, um dort auf Firmenkosten die amerikanische Binnenwirtschaft anzukurbeln. Doch schon beim Boarding wird es unkoscher, müssen doch alle ihre Handys vor dem Abflug einem vertrauenserweckenden Schrank von Chauffeur geben, obwohl gesagt wurde, dass Ausschalten genügt. Filmfehler? Absichtliche Irreführung? Wer weiß das schon.

 

An Bord gehen dann auch schon die lustigen Zusatzgewinnspiele los. Ganz klassisch, wie die Hipster von heute nun mal sind, werden die Teilnahmebedingungen ungelesen akzeptiert und der Spaß kann beginnen. Doch schon in der ersten von drei Runden fällt dem geneigten Zuschauer auf, dass das hier keine normale Plünderkaffeefahrt ist. Fragen, die sehr tief in die Privatsphäre eindringen, wechseln sich mit dem Einsehen der Internethistory der Teilnehmer ab, die meist durchaus fragwürdigen Inhalt aufweist. Irgendwann merken dann auch die vier „Gewinner“, dass sie möglicherweise verarscht wurden. Stilvoll verarscht, aber dennoch. Sie stellen fest, dass der „Veranstalter“ seine Hausaufgaben gemacht hat und quasi über jedes schmutzige Detail in ihrem Leben Bescheid weiß. Was er auch geschickt einzusetzen vermag.

 

Oh schöne neue Welt. Gebenedeit seien deine Errungenschaften wie Twitter, Facebook, G+ und wie sie doch alle heißen mögen. Was für viele eine Erleichterung bedeutet, kann aber sehr schnell nach hinten losgehen. Chris Crow versucht genau diesen Worst Case in Panic Button auf den Tisch zu bringen. Die Teilnehmer, allesamt vernetzt und unbesorgt, kümmern sich nicht darum, was sie online so tun und wie man diese Infohappen auf sie zurückführen und gegen sie verwenden kann. Brandaktuell, gerade in der heutigen Zeit. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob die interessante Thematik auch gut verpackt wurde.

 

Und hier treten auch schon die ersten Mangelerscheinungen auf. Der Anfang zieht sich sehr lange. Der Spannungsbogen ist so flach, man könnte meinen, man befände sich in den Niederlanden zum Bergsteigen. Kommt dann mal so langsam Fahrt auf, ist schon mehr als der halbe Film rum. Hier hätte man etwas straffen sollen, um so ein bisschen Spannung zu erzeugen. Dazu kommt noch, dass der allergrößte Teil in einem Flugzeug spielt, also auf sehr engem Raum. Das Potential hier ist gigantisch. Phobien der Passagiere, Hysterie, kalter Überlebenswille, es könnte in sehr viele Richtungen gehen, zusätzlich zur eigentlichen Thematik. Regisseur Crow nutzt hier aber kaum etwas davon. Er konzentriert sich viel zu sehr darauf, wie der erste Neandertaler die Moralkeule zu schwingen und fast alles auf die Onlineaktivitäten der Teilnehmer zu reduzieren. Fast spürt man die Hand Crows im Nacken, wie er einem den Schädel auf den Inkognitoknopf presst und einem dabei liebevoll ins Ohr wispert: „Besorg dir ein Leben, du Nerd!“. Hier hätten viel mehr Aspekte behandelt werden können.

 

Bildergalerie von Panic Button (7 Bilder)

Des Weiteren ist gerade bei solchen Kammerspielen das schauspielerische Können enorm wichtig. Ich will nicht sagen, dass hier versagt wurde, aber so richtig glaubwürdig ist das Spiel hier nicht. Zu viele Stereotypen, zu viele Klischees. Gerade nach den letzten paar Plot-Twists lassen die Darsteller nach und ergehen sich in Hysterie und Rumgerenne. Das Drehbuch tut ihnen dabei auch keinen Gefallen und schmeißt mit Logiklücken nur so um sich. Ohne zu spoilern, sei hier das Gepäck erwähnt.

 

Auf der visuellen Seite wird hier dem Blutfetischisten auch nicht besonders viel geboten. Liegt aber in der Natur der Sache, zu wenig Kanonenfutter. Dafür ist das Bild an sich aber hübsch anzusehen. Scharf, der Schwarzwert passt und die Farben sind weitestgehend in Ordnung. Vielleicht etwas zu matt, was aber ganz gut zur beklemmenden Atmosphäre passt. Der Sound geht auch in Ordnung, die Synchro aber nicht. Am besten ist hier der sprechende, animierte Alligator, was schon irgendwie traurig ist. Die Blu-Ray bietet noch das Standardset der Extras, Outtakes, Trailer und so weiter.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Chris Crows Druckkammerspiel ist eigentlich kein schlechter Film an sich, aber die Umsetzung der brisanten Thematik ist ihm nicht so wirklich gelungen. Er verschenkt viel zu viel Potential und schafft es auch nicht, den Zuschauer mitzuziehen. Der Anfang plätschert viel zu belanglos vor sich hin und zieht sich auch zu lange. Auch die scheuklappenartige Fokussierung auf nur einen einzigen Aspekt tut der Handlung nicht besonders gut. Dass dann die Inszenierung nur noch Mittelmaß ist, fällt auch nicht mehr weiter auf. Es bleibt eine interessante Thematik, die leider zu schludrig umgesetzt worden ist, obwohl einige Ideen da waren. Zudem frage ich mich bis heute, warum der Streifen eigentlich „Panic Button“ heißt…


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