Patient Zero

Patient Zero

Originaltitel: Patient Zero
Genre: Horror • Action • Drama
Regie: Stegan Ruzowitzky
Hauptdarsteller: Matt Smith
Laufzeit: BD (87 Min)
Label: Sony Pictures Entertainment
FSK 16

Patient Zero   24.10.2018 von Beef Supreme

Star-Power in Zombie-Streifen? Kann funktionieren, wie schon Brad Pitt im überraschend guten World War Z beweisen konnte. Patient Zero kontert mit einer Natalie Dormer und einem Stanley Tucci, um so ein paar bekannte Gesichter neben die untoten Horden zu platzieren. Wer allerdings ein ähnliches Actionfeuerwerk wie in Herrn Pitts Ausflug in die Horror-Gefilde erwartet, wird enttäuscht werden. Patient Zero setzt statt auf treibende Action und fesselnde Spannung auf dem ganzen infizierten Erdball eher auf gemächliche Dialoge in beengten Räumen.

 

Inhalt


Der Status Quo sieht folgendermaßen aus: Ein neues Virus, eine Art Tollwut, hat den größten Teil der Menschheit in gewalttätige, blutrünstige Wesen mit vermindertem Schmerzempfinden verwandelt. Wer gebissen wird, hat 90 Sekunden, bis er sich der wilden Schar anschließt. Die vermeintlich letzten Überlebenden haben sich in einem alten Raketensilo unter der Erde verschanzt und suchen nach einem Heilmittel. Und zwar über den Dialog. Die Infizierten können zwar nur grunzen, doch Morgan, einst gebissen, jedoch nicht verwandelt, grunzt eloquent zurück und dient somit als Dolmetscher. Und so besteht der größte Teil des Films aus den Verhören Infizierter, auf der Suche nach Patient Zero, dem ersten Infizierten, um aus seinem Blut ein Heilmittel zu kredenzen. Läuft auch eigentlich ganz cremig, bis die Infizierten mit dem Professor jemand Cleveres einschleusen, der das Ende der Menschheit endgültig besiegeln soll.

 

Quasselnde Zombies also. Darauf muss man sich erst einmal einlassen. Löst man sich von dem Gedanken, dass Untote grenzdebile Trottel auf der Jagd nach Hirn sind, halten sich die Krämpfe beim Verfolgen dieses Konzepts auch in Grenzen. Dennoch mutet es seltsam an, dass die Infizierten, die eigentlich alles zerfleischen, was ihnen vor die Beißerchen kommt, auf einmal gesittete und durchaus sprachgewandte Dialogpartner sind, sobald sie sich mit Morgan in einer Zelle befinden. Sie bezeichnen sich selbst sogar nicht mehr als Menschen, sondern als eigene, höher entwickelte Rasse, worunter die Glaubwürdigkeit arg leidet. Doch obwohl der Film zumindest anfangs neue Wege zu gehen versucht, wird im weiteren Verlauf hier ein Klischee nach dem anderen abgewälzt. Da wäre zum einen der ignorante Sergeant, der so wenig Hirn hat, dass er nicht mal als Appetizer herhalten könnte. Dann Frau Dormer als Klischee-Professorin, bei der zwar versucht wird, einen starken weiblichen Charakter zu etablieren, was aber gründlich in die Hose geht, nachdem sie zur Stichwortgeberin des heroischen Protagonisten degradiert wurde. Und um den geneigten Zombie-Connaisseur nicht zu vergraulen, darf natürlich der Überfall der Hirnfresser nicht fehlen. Abgesehen von der Grundidee, Kommunikation mit den Infizierten, läuft hier so ziemlich alles nach Schema F ab und jeder, der in seinem Leben 2 Filme dieser Art gesehen hat, wird mit orakelnder Sicherheit den kompletten Verlauf des Films vorhersagen können. Das zu Tränen rührende aber vollkommen sinnlose Opfer fürs Team fehlt nämlich ebenso wenig, wie der tragische Tod, der Verrat oder der Boss Fight. Einziger Lichtblick: Stanley Tucci als Infizierter. Obwohl zum größten Teil seiner Performance an einen Stuhl gefesselt, zelebriert der gute Mann mehr schauspielerisches Talent als die gesamte restliche Truppe zusammen. Natalie Dormer hingegen bringt hier recht wenig zustande und ist nicht viel mehr als schmückend Beiwerk für den ebenso blassen Hauptdarsteller. Dass das Ende den desillusionierten Zuschauer mit einem verzweifelten Kopfschütteln zurücklässt, fällt dann auch nicht mehr weiter ins Gewicht.

 

Bildergalerie von Patient Zero (9 Bilder)

Details der Blu-ray

 

Technisch sollte man angesichts des Casts eigentlich keine Makel erwarten dürfen. Leider ist Gegenteiliges der Fall. Abgesehen von den Gore-Elementen, die viel zu selten gezeigt werden, bewegen wir uns bestenfalls auf mittlerem B-Niveau. Beispielhalft hierfür ist die miserabel animierte CGI-Ratte, die genauso gut in Asylum-Machwerken ihr Unwesen treiben könnte. Auch sonst wirkt der Film insgesamt ziemlich billig und versprüht mehr den Charme einer warmfeuchten Herrenumkleide, denn eines Endzeitszenarios. Die Infizierten sind auch nichts weiter als aufgepumpte Parkour-Turner mit Kontaktlinsen drin und unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht von den Menschen. Abschließend noch ein Wort zum Ton. Die Sounds schwanken stark zwischen „Blechdose“ (Schusswaffen) und ganz gut (Infiziertengebrüll). Was den Score angeht, der plätschert eben, wie der gesamte Film so vor sich hin, ist nur noch schneller vergessen, als der Rest.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Billiger Look, mittelgute Darsteller und ein Klischeefeuerwerk vom Feinsten. Zusammen mit der hanebüchenen Story, bei der sich nicht einmal die Mühe gemacht wird, ein anständiges Ende zu bieten, ergibt das einen richtig nutzlosen Film, der zu allem Übel sein Heil in Zwiegesprächen mit den Infizierten sucht, anstatt seine Inkompetenz zumindest mit Blut und Gedärm zu kaschieren. Einzig der Auftritt von Stanley Tucci bewahrt Patient Zero vor dem Totalabsturz. Trotzdem schafft es der Film nicht mehr, als ein „erträglich“ zu erreichen. Es gibt jedenfalls bessere Wege, seine Zeit zu verschwenden.  


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