Perfide

Perfide

Originaltitel: Perfidia
Genre: Horror • Mystery
Regie: Lucio A. Rojas
Hauptdarsteller: Catherine Mazoyer
Laufzeit: DVD (69 Min) • BD (72 Min)
Label: Alive
FSK 18

Perfide   20.06.2015 von MarS

Einen Horrorthriller aus Chile sieht man wirklich nicht alle Tage. Da gerade aus dem spanischsprachigen Bereich aber immer wieder sehr gute Filme vor allem aus dem Horror- und Mystery-Genre erscheinen und die Geschichte interessant geklungen hat, hat sich MarS den Film Perfide einmal genauer angeschaut, der am 29.05.2015 in Deutschland auf DVD und BluRay veröffentlicht wurde. Ob es sich gelohnt hat?

 

Laura (Catherine Mazoyer) ist eine verheiratete Frau, hat jedoch eine Affäre mit ihrer großen Teenager-Liebe Ruben (Inigo Urrutia). Heimlich machen sich beide auf den Weg in ein abgelegenes Häuschen im Wald, in dem Ruben schon als Kind seine Zeit verbracht hat. Laura um mit Ruben die Zukunft ihrer Beziehung zu klären, Ruben um ein schönes Wochenende mit diversen Schäferstündchen zu verbringen. Doch schon bald ist es vorbei mit der trauten Zweisamkeit, denn Ruben wird von seiner Vergangenheit eingeholt und die beiden werden von finsteren Gestalten heimgesucht. 

 

Perfide ist wirklich ein erschreckender Horrorfilm. Erschreckend, weil er dem Zuschauer ohne Umschweife direkt vor Augen führt, wie man so einen Film nicht inszeniert. Eigentlich bin ich immer offen für kleine aber feine Produktionen abseits vom Mainstream, aber was hier gezeigt wird tut einem schon beim Zuschauen weh. 

 

Die wenigen vorhandenen Dialoge sind äußerst dünn und spartanisch, so dass man keinerlei Bezug oder gar Beziehung zu den beiden Hauptdarstellern aufbauen kann. Auch die Geschichte selbst verschließt sich komplett, denn hier werden viele Hintergründe der Personen lediglich in kurzen Rückblenden oder Szenen angedeutet, jedoch nie genauer beleuchtet, wodurch Perfide jeglicher roter Faden fehlt. Ein David Lynch versteht es, aus einer wirren Story und undurchsichtigen Charakteren ein Kunstwerk zu schaffen, hier versagt der Film aber auf ganzer Linie und hinterlässt nur ungläubiges und verwirrtes Kopfschütteln. 

 

Seine "Atmosphäre" versucht der Film fast ausschließlich über den Score zu beziehen. Dieser ist allerdings dermaßen treibend und drückt sich so aufdringlich in den Vordergrund, dass man schon nach einer halben Stunde die ersten Kopfschmerzerscheinungen zu verzeichnen hat. Die restliche Atmosphäre wird dann durch die nicht nachvollziehbaren Handlungen der Darsteller sowie durch die "Bedrohung aus dem Wald" zerstört - die Waldmenschen sind nämlich alles andere als bedrohlich. Nicht nur dass sie zu keiner Zeit den Hauptdarstellern jemals zu Leibe rücken, nein, sie erinnern mit ihrem Aussehen auch unweigerlich an die "Ritter von Nie" aus Die Ritter der Kokosnuss (das Review zu diesem Film findet Ihr HIER).

 

Apropos Bedrohung: Warum Perfide von der FSK mit einer Freigabe ab 18 Jahren versehen wurde erschließt sich mir nicht so ganz, denn hier gibt es von allen Möglichkeiten die diese rechtfertigen würden einfach keine einzige. Kein Grusel, kein Blut, kein Gore, kein Sex, selbst Nacktheit ist reduziert auf eine kurze Szene mit freigelegten Brüsten. Genau betrachtet wäre eine FSK 6 oder maximal FSK 12 völlig ausreichend gewesen. Vielleicht ist das Zusammenspiel von Nichts, grausamen Dialogen, lachhaften Gestalten und extrem anstrengendem Score aber auch so gefährlich für den menschlichen Geist, dass man sicherheitshalber eine FSK 18 vergeben hat.

 

Die Qualität des Films setzt sich auch in Bild und Ton weiter fort. Ist das Bild anfangs noch recht scharf, offenbaren sich schon bald die ersten Unschärfen und Szenen mit deutlichem Filmkorn. Der Kontrast ist solide, die Farbgebung entsättigt und der Schwarzwert in vielen Momenten eher ein Grauwert. Der Ton ist absolut frontlastig und verirrt sich nur in ganz wenigen Szenen auf die hinteren Lautsprecher, dabei aber ohne jegliche Feinabstimmung. Das einzige was man dauerhaft im Ohr hat ist der auf Dauer schmerzhafte Score des Films. Als Extra hat Perfide lediglich den Trailer und ein Making Of an Bord, das einem auf Grund fehlender Untertitel aber auch nicht wirklich weiterhilft.

 

Bildergalerie von Perfide (7 Bilder)


Das Fazit von: MarS

MarS

Mit großem Interesse bin ich in den Film gestartet und wurde schnell ernüchtert. Perfide kann wirklich gar nichts, und nicht einmal das anständig. Die Geschichte bleibt im Prinzip völlig im Dunkeln, die Bedrohung im Wald ist alles, nur nicht bedrohlich. Die Charaktere sind blass und belanglos und es gibt wirklich nichts, das die Freigabe ab 18 Jahren rechtfertigen würde. Dass einzige was hier verstörend ist und seine Nachwirkungen hinterlässt ist der üble Score, der noch Stunden nach dem Abspann des Gott sei Dank nur 69 Minuten langen Machwerks im Kopf hämmert. Von meiner Seite kann ich nur raten: Finger weg!


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