Ridge Racer Unbounded

Ridge Racer Unbounded

Publisher: Namco Bandai
Entwicklerstudio: Bugbear Entertainment
Genre: Sport
Sub-Genre: Arcade-Racer
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 30.03.2012
USK 12

Ridge Racer Unbounded   08.05.2012 von Panikmike

Autorennen oder Zerstörungsorgie – das ist hier die Frage. In der Vergangenheit war Ridge Racer der König der Drift-Racer. Doch die Auslegung des neuen Teils Ridge Racer Unbounded geht in eine komplett andere Richtung. Das Spiel bediente sich bei Titeln wie Trackmania, Split Second Velocity und Burnout. Der Mix ist jedoch eher ein Reinfall als ein Erfolgskonzept.

Ridge Racer gehörte früher einmal zu den besten Autorennspielen. Doch nach unzähligen Need for Speed- und Burnout-Veröffentlichungen hat es dieser Titel nicht mehr einfach. Die Rückeroberung des Marktes wäre mit einem guten Titel möglich, jedoch ging der Versuch komplett in die Hose. Es reicht eben nicht, ein vorhandenes Konzept auszubauen oder neu zu gestalten. Hingegen muss die Technik stimmen und das Spiel sollte nach Möglichkeit fehlerfrei sein. Doch hier fangen die Probleme an. Bugbear Entertainment strickte das komplette Konzept um und schon ging der Schuss nach hinten los. Ridge Racer Unbounded ist eher eine Schrottkarre als ein Ferrari. Das Spiel läuft unrund, die Drift-Steuerung ist sehr schwammig und irgendwie kommt das Gefühl auf, dass das Spiel unfertig abgeliefert wurde.

Driften, fahren und das andere Gedöns …
Generell ist der wichtigste Bestandteil immer noch das Driften. Die Kombination mit den aus Burnout bekannten Takedowns wurde jedoch nicht wirklich prickelnd gelöst. Klar spielt das Zusammenspiel aus Driften, im Windschatten fahren und Rammen eine Rolle. Dennoch entsteht der Eindruck, dass die gegnerische KI haushoch überlegen ist und unfair fährt. Beispiele: Man hat sich gerade auf die vorderen Plätze gekämpft, es gibt nur noch ein paar hundert Meter zu fahren und der Sieg ist nahe. Auf einmal kommt von hinten ein Gegner und drängt einen in eine Ecke. Manchmal genügt aber auch schon die schwammige Steuerung, um ungewollt in einer Mauer zu landen. Klar, dass man dann wieder auf die Strecke gesetzt wird und ein paar Plätze verliert. Es ist mir aber nicht nur einmal passiert, dass ich nach dem Respawn erneut aus der Bahn geworfen wurde. Ergo wurde aus den guten Plätzen eine Niederlage auf Platz 12 – FAIL!

Mal schnell die Opferrolle übernehmen …
Die KI ist überirdisch unfair und das merkt der Spieler schon nach kurzer Fahrzeit. Es ist eben nicht nur fahrerisches Können gefragt, sondern auch eine gehörige Portion Glück. Auch bei Burnout war das so, jedoch verhielt sich die KI meistens fair. Somit ist bei Ridge Racer Unbounded Frust angesagt und das kam bei mir schon nach den ersten Rennen zustande.

Generell lassen sich die Boliden einigermaßen gut steuern, doch die Drifts sind teilweise unkontrollierbar und auch ein knappes Vorbeifahren an einer Mauer oder einem Objekt ist nicht gerade einfach. Das liegt aber nicht an der Inkompetenz des Fahrers, sondern definitiv an der vermurksten Steuerung. Es ist zudem nicht nachvollziehbar, weshalb alle KI-Gegner eine Lebensleiste besitzen und der Spieler selbst nicht, wobei es in gewisser Weise sogar egal ist, da das Fahrzeug teilweise beim ersten Rempler den Geist aufgibt und ein anderes Mal dann nach einem heißen Gefecht mit einem Kontrahenten immer noch auf der Rennstrecke verbleibt. Es scheint so, als wäre es dem Zufall überlassen, wer gerade wen besiegt.

Darüber hinaus kommen unfaire Tricks ins Spiel, die natürlich nur die Kontrahenten machen können. Schon ein paar Meter nach dem Start können diese teilweise den Turbo zünden, wobei der Spieler selbst noch nicht einmal einen Strich seiner Leiste aufgeladen hat? Liebe Entwickler, wie soll das denn gehen?

Turbo, Zerstörung und andere Orgien ...
Wo wir schon mal beim Thema wären, sollte der Turboboost nicht unerwähnt bleiben. Dieses nicht zuletzt aus der TV-Serie Knight Rider bekannte Element bringt dem Fahrzeug einen guten Schub und somit mehr Geschwindigkeit. In einem Spiel muss er erworben, in anderen Spielen kann er gewonnen werden oder ist als Sonderausstattung zu bekommen. In Unbounded gibt es mehr Boost, wenn Gegner gerammt werden, gedriftet wird oder Sachen zerstört werden. Die Idee ist gut und hier verdient sich Unbounded auch einen Pluspunkt. In manchen Rennen beginnt der Spieler eine Zerstörungsorgie, nur um Energie für seinen Boost zu bekommen. So geht es durch Mauern hindurch, außerdem werden Ampeln über den Haufen gefahren oder ganze Gebäude zerstört. Leider wurde hier das Potenzial jedoch nicht ausgeschöpft.

Im Laufe des Spiels gibt es Erfahrungspunkte, und zwar analog zum fahrerischen Können bzw. zum zuvor bereits erwähnten Glück. Wer eine Stufe aufsteigt, erhält einen besseren Wagen, mit dem es theoretisch leichter wird, im Spiel voranzukommen. Doch auch hier ist die Praxis anders als die Theorie, denn die Gegner kennen weitaus mehr Tricks. Zum Beispiel ist es mir auch nicht nur einmal passiert, dass ein Gegner, der vor mir einen Unfall hatte, auch vor mir wieder auf die Strecke gesetzt wurde. Dass ich zudem ein paar Male durch einen Gegner hindurchfahren konnte, sei nur am Rande erwähnt.

Übrigens gibt es natürlich auch neue Streckenabschnitte und Stadtbezirke, wenn eine Strecke absolviert oder eine gewisse Erfahrungsstufe erreicht wurde.

Bildergalerie von Ridge Racer Unbounded (12 Bilder)

Zerstören, dominieren und die anderen Rennen …
Die Geschichte in Ridge Racer Unbounded ist schnell erzählt. Als neues Mitglied der Unbounded-Gang muss der Spieler sich beweisen. Erobere Stadtgebiete, dominiere in den Bezirken und werde der Beste. Mehr gibt es im Prinzip nicht zu sagen, denn mehr steckt auch nicht dahinter. Aber gibt es denn wenigstens Abwechslung im Gameplay? Im Spiel selbst gibt es verschiedene Rennen, die der Spieler absolvieren muss. In den Dominationsrennen gilt es, unter die drei Besten zu kommen. Im Modus Vernichtungsangriff muss der Raser durch Rammen mehrere Fahrzeuge ausschalten, wobei sich schnell zeigt, dass es kein innovativer, sondern ein stupider Modus ist. Der Spieler versucht eigentlich nur schnell einen Turbo zu bekommen, um diesen dann als Katapult gegen die zu zerstörenden Fahrzeuge einzusetzen. Tolle Wurst, oder? Die Shinto-Events sind ähnlich wie die Dominationsrennen, allerdings ist das Zerstören von Häusern oder Gegenständen tabu. Beim Zeitfahren ist der Spieler allein auf der Rennstrecke und sollte versuchen, Bonuszeit zu ergattern. Dieser Modus erinnert ein wenig an Trackmania, da man hier über Sprungschanzen und Halfpipes fahren muss. Zu guter Letzt gibt es das legendäre Driftrennen, bei dem der Spieler die Kurven gewissermaßen mit Stil fahren sollte.

Grafik, Sound und die etwas andere Technik …
Bei oberflächlicher Betrachtung der Grafik sieht selbige gar nicht einmal so verkehrt aus. Leider kann sich dieser Eindruck nicht verfestigen, wenn Unbounded ein wenig öfter im Laufwerk liegt. Es gibt zwar viele unterschiedliche Gebiete und Strecken, jedoch sehen sie teilweise sehr gleich aus und nicht selten entsteht der Eindruck, dass die neuen Abschnitte nicht wirklich anders sind als die vorherigen. Doch das war nicht alles. Die Takedowns sind zwar eine gute Sache, jedoch hat Burnout in Sachen Inszenierung klar die Nase vorn. Hier wirkt alles trist und wenig spektakulär, wenn es dann aber kracht, dann wurde übertrieben. Detailtechnisch ist das Spiel in Ordnung, dennoch hat der Spieler in letzter Zeit bessere Rennspiele gesehen. Schön hingegen sind Schriftzüge, wie „Letzte Runde“, die zwischen den Gebäuden platziert sind. Dummerweise spielt die Engine teilweise nicht mit, wenn auf dem Bildschirm zu viel passiert. Es kann schon mal vorkommen, dass das Spiel den einen oder anderen Ruckler parat hat.



Der Soundtrack hat mich beim ersten Song abgeschreckt, jedoch war es im weiteren Spielverlauf nicht so schlimm. Generell finde ich die Musik passend, aber ein paar Stücke hätten die Entwickler weglassen können, zumal selbige dergestalt grausam und unpassend sind, dass es mir die Haare aufgestellt hat. Die Motorensounds und die generelle Kulisse der Umgebung gehen in Ordnung, hier darf man sich trotzdem keine Wunder erwarten.

Die Welt und der etwas andere Online-Modus ...
Abschließend sei hier noch kurz der gelungene Editor erwähnt. Spieler, die keine Lust auf die vorgegebenen Strecken haben, können sich hier austoben. Während des Spiels können verschiedene Objekte freigeschaltet werden, mit denen dann in einer Art Baukastensystem eigene Strecken gebastelt werden können. Hier ein Fass platziert, dort eine Kurve eingebaut – das macht Spaß und verleiht dem Spiel eine persönliche Note. Das Schöne dabei ist, dass die eigenen Kreationen dann hochgeladen und mit anderen Spielern gezockt werden können. Mit bis zu acht Rasern macht das Spiel an dieser Stelle bedeutend mehr Spaß, als gegen die KI zu fahren. Leider haben die Entwickler vergessen, einen Splitscreen einzubauen – schade, denn zu zweit vor einer Konsole macht besonders ein Autorennen normalerweise total Spaß.


Das Fazit von: Panikmike

Panikmike

Was soll ich sagen, ich bin echt enttäuscht. Ich war zwar noch nie der große Ridge Racer-Freund, dennoch waren die Vorgänger unterhaltsam und spaßig. Unbounded konnte mich demgegenüber nicht lange vor dem Fernseher fesseln, dafür stimmt hier zu wenig. Jedes Mal, wenn ich mich auf eine Rennstrecke begebe, beschleicht mich das Gefühl, ein halbfertiges Spiel zu spielen. Die schwammige Steuerung, die hin und wieder vorkommenden Ruckler, die unfaire künstliche Intelligenz und die fehlenden Eigenschaften machen das Spiel zu einem durchschnittlichen Game. Einzig und allein der geniale Streckeneditor macht immer wieder Spaß, vor allem, wenn man die Kreationen dann gegen die Spieler im World Wide Web spielen kann. Als Mehrspieler-Game kann ich Ridge Racer Unbounded empfehlen, für Singleplayer-Zocker ist meine Antwort ein klares NEIN! Ich vergebe 7 von 10 Punkten, weil der Online-Modus zusammen mit dem Streckeneditor das Spiel vor dem Totalschaden bewahrt!


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positiv negativ
  • Sehr guter Online-Modus
  • Gut platzierte Schriftzüge
  • Leicht zu bedienender Streckeneditor
  • Passende Musik
  • Gute Soundkulisse
  • Zu viele Zufälle
  • Unfaire KI
  • Gelegentliches Ruckeln
  • Teilweise grausame Musikstücke
  • Trickkiste steht nur für KI zur Verfügung
  • Keine Minimap





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