Kein Cover vorhanden: upload/articles/0789324_c1gENKEqKccmQhiGR69J.jpg

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Originaltitel: Star Wars: The Rise of Skywalker
Genre: Science-Fiction
Regie: J. J. Abrams
Hauptdarsteller: Daisy Ridley • Oscar Isaac • John Boyega • Adam Driver
Laufzeit: BD (142 Min)
Label: Lucasfilm
FSK 12

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers   12.02.2020 von Diaboli

Nun ist es also endlich soweit: der große Abschluss von nicht nur der aktuellen Sequel-Trilogie, sondern auch gleichzeitig der gesamten, 9 Filme und über 40 Jahre umspannenden Skywalker-Saga ist in den weltweiten Kinos angekommen. Die Erwartungshaltung ist dementsprechend enorm, denn Fans erwarten nichts anderes als ein perfektes Meisterwerk. Doch ob solche Vorstellungen überhaupt realistisch umzusetzen sind und ob der Film es schafft, die Erwartungen wenigstens im Ansatz zufriedenzustellen, erfahrt Ihr auf den folgenden Paragraphen...


WICHTIG:

Um ein wenig besser auf den Film eingehen zu können, muss man leider auch einige Punkte aus der Story und diverse Charaktere erwähnen. Keine Sorge, es werden natürlich keine großen Geheimnisse und Storytwists verraten, aber wer vollkommen unwissend ins Kino möchte, sollte nur das Fazit lesen. Also: diese Review könnte einige Daten enthalten, die man als "leichte Spoiler" bezeichnen könnte. Weiterlesen geschieht auf eigene Gefahr!

 

Palpatine ist zurück! Während sich der totgeglaubte Strippenzieher und Herr des Imperiums auf dem Planeten Exegol eine neue Armee aufbaut, ist Kylo Ren auf der Suche nach ihm, denn Kylo will alleiniger Machthaber der neuen Ordnung sein und Palpatine deshalb vernichten. Tatkräftige Unterstützung hat er dabei von seinen Dienern, den "Knights of Ren".  Auf der anderen Seite der Galaxie trainiert Rey unter den wachsamen Augen von General Leia, um ihre Jedi-Fähigkeiten zu verbessern. Doch als plötzlich eine Meldung über die Republik geschwemmt wird, beginnt ein Lauf gegen die Zeit: denn Palpatine hat seine neue Armee mobilisiert und möchte alle Planeten vernichten, die sich seiner Macht widersetzen wollen. So machen sich Rey, Finn, Poe und C-3PO auf zum Planeten Kijimi, denn dort warten nicht nur Verbündete aus Poe´s zwielichtiger Vergangenheit, sondern auch ein Artefakt, welches über den Ausgang des Krieges entscheidend ist...

 

Star Wars! Eingebettet in unsere Popkultur und seit Jahrzehnten nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Seien es Merchandise, die Charaktere, Zitate und Anspielungen: es dürfte niemanden auf diesem Planeten geben, der noch nie etwas davon gehört hat. Während der erste Teil von George Lucas als Meilenstein der Filmgeschichte bereits einiges vorgelegt hat, wurde der Platz der Jedis erst wirklich mit dem Release von Das Imperium schlägt zurück und Rückkehr der Jediritter im Olymp des Science-Fiction-Genres betoniert. Ende der 1990er Jahre machte sich George Lucas dann daran, die Vorgeschichte von Darth Vader in einer Prequel-Trilogie zu erzählen. Doch während der Ansatz zu zeigen, wie aus einem kleinen Jungen der wohl grausamste Tyrann des Universums wird, durchaus interessant ist, so hagelte es doch Kritik für die überpolitische Story, die langatmigen Dialoge und die hölzerne schauspielerische Leistung der Darsteller. Der Gegenwind wurde George Lucas dann doch zu viel, und so entscheid er sich, seine Rechte an Disney für eine nicht unbeträchtliche Summe abzutreten. 

 

The Mouse House machte sich dann gleich daran, mit J.J. Abrams eine neue Trilogie in Angriff zu nehmen. Das Erwachen der Macht stellte dann 2015 auch einige Rekorde auf und gilt auch bis heute als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Für den zweiten Teil, Die letzten Jedi, sollte ein Regisseur-Wechsel stattfinden und Ryan Johnson, der für seinen intelligenten Zeitreise-Thriller Looper bekannt wurde, sogleich engagiert. Doch dieser hatte wohl etwas andere Ideen, wohin er die Geschichte rund um Rey, Pow, Finn und die restliche Crew steuern wollte, und ließ sogleich mehrere wichtige offene Storyfäden kappen, um den Geschichte seinen eigenen Twist aufzudrücken. Doch auch wenn sein Film unheimlich erfolgreich war, so entzweite er das Fandom wie keiner zuvor: die einen lobten ein Meisterwerk, das geschickt mit den Erwartungen des Publikums spielte, die andere Seite hingegen sah sich verraten und die Erinnerung an die Figuren ihrer Kindheit zerstört. 

 

Bildergalerie von Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (9 Bilder)

Und währenddessen fing es auch in den tiefen Disneys zu grummeln an: Was soll man tun? Offene Kritik schlägt der Führungsebene rund um Kathleen Kennedy entgegen, da Rogue One hinter den Kulissen mit massivem Ärger zu kämpfen hatte und kurzerhand Drehbuch und Regie geändert wurden. Dieselben Probleme trafen dann auch die Produktion um Solo, in der die Regisseure Lord/Miller kurz vor der Fertigstellung der Dreharbeiten durch Ron Howard ersetzt wurden. Der Film ging an der Kinokasse baden, und unter den Fans macht sich langsam die Angst breit, ob Disney überhaupt noch weiss, was es mit Star Wars tut. Um den wütenden Mob zu besänftigen, wurde der Capitän von Episode 9 Colin Trevorrow, kurzerhand durch J.J. Abrams ausgetauscht, und dieser versprach, alles zu einem zufriedenstellenden Ende zu führen. Hat er Wort gehalten?

 

Diese Frage muss man leider mit einem NEIN beantworten. Denn auch, wenn man kein Fan ist und mit übertriebenen Erwartungen ins Kino geht, wird man vom Aufstieg Skywalkers enttäuscht. Wieder werden angefangene Elemente aus dem vorherigen Film entweder sofort verworfen, oder verschwinden im Laufe der Geschichte vollends vom Bildschirm der Drehbuchautoren. Die Story legt von Beginn des Opening Crawls eine derartige Geschwindigkeit an den Tag, dass man sich durch das Gehopse von Schauplatz zu Schauplatz an die DC-Gurke Suicide Squad erinnert fühlt. Es werden unzählige neue Figuren eingeführt, die dann nach wenigen Minuten wieder verschwinden, ohne Einfluss auf die Geschichte genommen zu haben. Wichtige und auch dramatische Elemente, die dem Zuschauer Emotionen entlocken sollen, werden kurzerhand rückgängig gemacht oder durch dumme Witzchen vollkommen ihrer Wirkung beraubt. Auf Fragen wie "warum ist Palpatine noch am Leben" und "Woher hat er plötzlich eine Armee von tausenden Raumschiffen und Millionen Mitarbeitern" wollen nicht erklärt werden. Kurzum: es wird versucht, den Zuschauern in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Fanservice um die Ohren zu hauen, damit man keine Zeit hat, sich um die unlogische Story Gedanken zu machen.

 

Doch natürlich hat der Film auch Gutes zu bieten: die Darsteller holen das Beste aus ihren Rollen heraus und es macht Spaß, Rey und Kylo dabei zu beobachten, wie sie auf unterschiedlichen Wegen zum selben Ziel gelangen wollen. Auch Finn und Poe machen mit ihrer Kameraderie einen großen Teil aus, warum man die neuen Charaktere einfach mögen muss. Sogar C-3PO bekommt eine Aufgabe, anstatt immer nur zum falschen Zeitpunkt dazwischenzuplappern. Eine konstante der Star Wars Filme sind natürlich der Soundtrack und die Spezial Effekte, welche auch hier auf höchstem Niveau präsentiert werden. Auch die Lichtschwertkämpfe wirken weniger einstudiert, sondern emotionsgetrieben, und deshalb auch mitreißend und weitestgehend realistisch. Besonders hervorzuheben ist die nicht beneidenswerte Aufgabe, die vor den Dreharbeiten verstorbene Carrie Fisher mit schon gefilmten Material in die Story einzubinden. Diese Aufgabe wurde technisch gut umgesetzt und ihre Rolle im Film findet ein würdevolles Ende. Der WOW-Effekt der vorherigen Filme will sich aber nie so richtig einstellen... 



Cover & Bilder © 2019 Lucasfilm Ltd. & TM. All Rights Reserved. / Teaser: Annie Leibovitz


Das Fazit von: Diaboli

Diaboli

Leider krankt es beim Abschluss der Star Wars Saga an allen Ecken und Enden. Überhastet springt die Story von einem Punkt zum anderen, ohne wirklich eine Reaktion auf das gesehene beim Zuschauer hervorzurufen. Wichtige Elemente werden entweder rückgängig gemacht oder gleich beiseite gekehrt, und die Charaktere bleiben mit wenigen Ausnahmen flach. Natürlich sind auf den Soundtrack und die Effekte verlass, und auch die ein oder andere Szene macht durchaus Spaß. Aber das ist alles zu wenig, zu spät. Schade, denn mit etwas mehr Mut hätte man durchaus mehr aus dem Aufstieg Skywalkers machen können. So bleibt einem leider nur der Abstieg von Star Wars...


Die letzten Artikel des Redakteurs:




Kommentare[X]

[X] schließen