Valkyria Chronicles - Remastered Europa Edition

Valkyria Chronicles - Remastered Europa Edition

Publisher: Koch Media
Entwicklerstudio: Sega
Genre: Strategie-Rollenspiel
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 17.05.2016
USK 12

Valkyria Chronicles - Remastered Europa Edition   25.05.2016 von LorD Avenger

Der europäische Kontinent wurde im Jahre 1935 bereits nahezu komplett von der Imperialen Allianz eingenommen, die versessen nach dem begehrten Rohstoff Ragnit sucht. Der Eroberungsfeldzug führt "Das Reich" schließlich auch zum Fürstentum Gallia, in dem es auf heftigen Widerstand der Gallianischen Miliz stößt - insbesondere deren Squad 7, angeführt von Leutnant Welkin Gunther...

 

Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Rein zufällig erkennt man hier einige Parallelen.

 

Ursprünglich erschien Valkyria Chronicles 2008 für die PS3, 2014 dann für den PC und nun springt SEGA auf den Zug der frisch aufgewärmten "Klassiker" auf, mit einem Titel, der bei vielen vielleicht unterm Radar hindurch gerutscht ist. Dabei ist es einer der wenigen Vertreter des Strategie-Rollenspiel-Genres - eine Sparte, die einem die Zeit raubt wie fast keine andere. Andererseits aber auch eine, von der ich persönlich mir die Zeit mit am liebsten rauben lasse.

 

Auch in der Neuauflage des Spiels folgen wir der Hauptfigur Welkin Gunther, der in sein belagertes Heimatland zurückkehrt und dort erfolgreich dem Militär beitritt, um der übermächtigen Invasion entgegenzutreten. Zunächst nur mit Flinte und Gewehr ausgerüstet, dann in eine Uniform und seinen Panzer Edelweiss schlüpfend und mit einem ganzen Squad unter sich. Ich bin ein riesiger Fan von Strategie-RPGs und habe mehrere dreistellige Stunden mit Spielen wie Final Fantasy Tactics, Disgea oder Fire Emblem verbracht - allerdings alles Titel für Handheld-Konsolen, die man auf seinen Heimkonsolen schmerzlich vermisst. Da muss man sich dann mit strategischen Nebenelementen abgeben, wie es beispielsweise in Brütal Legend der Fall war - Valkyria Chronicles hingegen war und ist jetzt erneut eine willkommene Ausnahme der Regel.

 

Anders als in den meisten anderen Games dieser Art wird das Spielfeld nicht gerastert, stattdessen hat jede Figur nur eine Aktion und eine Art Ausdauerleiste, nach deren Ablauf die Figur bewegungsunfähig wird. Ein je nach Einheit stark eingeschränkter Bewegungsradius also, in dem man wohl überlegt abwägen muss, welcher Gegner oder welche Deckung es wert ist, in eine oder mehrere Schussbahnen zu geraten. Davon abgesehen ist Gallia ein ungewöhnlich vielseitiges Land, das neben Städten und Dörfern auch andere abwechslungsreiche Spielfelder zu bieten hat, wie z.B. Wälder oder Wüsten, in denen unterschiedliche Bedingungen beispielsweise die Sichtweite beeinflussen.

 

Gespielt wird mit einer ganzen Reihe verschiedener Einheiten, die gleichermaßen Stärken wie auch Schwächen haben. Die Scouts können die größten Strecken zurücklegen, sind aber sowohl in Angriff als auch in Verteidigung eher mäßig, Shocktroopern geht eher die Puste aus, dafür können sie mit ihren Maschinengewehren aber auch umso mehr austeilen. Lancer sind die einzigen Bodeneinheiten, die etwas gegen Panzer ausrichten können, sind dafür aber auch nahezu nutzlos gegen andere Bodeneinheiten und Engineers sind ähnlich schwach wie Scouts, können dafür Panzer reparieren und Minen entschärfen. Panzer gibt es natürlich auch, die lediglich Schaden von Sprengwaffen nehmen und in verschiedenen Größen und Stärken kommen.

 

Die Umgebung hingegen bietet weniger Möglichkeiten und wartet lediglich ab und zu mit Deckungsmöglichkeiten wie Schützengräben oder hohem Gras auf oder bietet einem strategisch vorteilhafte Aussichtspunkte wie Gebäudedächer oder Wachtürme. Manchmal sind Wege so versperrt, dass sie Sprengkraft zum Freilegen benötigen, der Aufwand sich aber bezahlt macht.

 

Anders als bei Code Name: S.T.E.A.M. wird die Ausdauer übrigens nicht wieder aufgeladen, wenn man denselben Weg rückwärts läuft - man muss also vor jedem Schritt genauestens überlegen!

 

Story-technisch bin ich leider nicht ganz so überzeugt wie vom Gameplay. Das Spiel schreitet in Buchform voran und jedes Bild, das der Reihe nach freigeschaltet wird, enthüllt entweder ein Gefecht oder eine kurze Cutscene. Bei diesen unterschieden wir in zwei Varianten: Den gewöhnlichen, voll animierten Cutscenes und den Dialogen, in denen wir ähnlich wie bei den Tales Of-Spielen nur sich bewegende Portraitfotos der Protagonisten vor wechselnden Hintergründen sehen. Welkin und die anderen festen Story-Charaktere, die in jedem Gefecht standardisiert teilnehmen, sind sehr einfach gestrickt und doch eher langweilig bis einfallslos, ähnlich verhält es sich bei der feindlichen Gegenseite. Sympathieträger sind dabei, wirklich kreativ geschrieben ist keiner davon. Die durch den Rohstoff Ragnit leicht entfremdete Weltkriegsgeschichte wandelt sich übrigens zunehmend auch zu einem Fantasy-Epos, dem eine mächtige antike Zivilisation zugrunde liegt und die neuartige Waffen und Einheiten zur Folge hat. Langweilig wird es zumindest im Kampf also nicht so schnell!

 

Je nach Gefecht kann schon einmal die ein oder andere Stunde vergehen, bis alle Einheiten soweit verschoben und eingesetzt wurden, dass das Ziel erreicht oder verspielt wurde - wenn man dann komplett von vorne beginnen muss, versetzt einem das schon einen entnervten Stich. Glücklicherweise kann man zu jedem Zeitpunkt, entweder zwischen Cutscenes oder auch während der Gefechte speichern und wieder einsteigen. Man sollte nur daran denken, sonst regt man sich vielleicht schnell gehörig auf... (ich spreche da aus Erfahrung)

 

Beim Look muss sich keiner etwas vormachen - das Originalspiel, an dem man sich hier bedient hat, ist ein PS3-Titel und noch dazu ein sehr früher. Dementsprechend ist die Grafik nicht mehr wirklich zeitgemäß und auch Rasen, dem man beim Nachladen zusehen kann ist eher etwas, das man auf der Wii U erwartet und nicht auf der PS4 - immerhin ist das Spiel aber im praktischen Cellshading-Look gehalten, der nicht nur die Anime-Charaktere optimal darstellt, sondern auch Grafikmängel weniger auffällig macht. Und man weiß ja: "Remastered" bedeutet nicht "Neues Spiel", sondern kaum mehr als "Kanten sind ein bisschen geglättet". Immerhin deutsche Untertitel hätte man für das neue Release aber beisteuern können.

 

Bildergalerie von Valkyria Chronicles - Remastered Europa Edition (5 Bilder)

Ich find's cool, dass man Erfahrungspunkte und Geld verdient, mit denen man seine Einheiten aufleveln und aufrüsten kann und dadurch so etwas wie einen Skillbaum erhält, durch den man alles nach den individuellen Wünschen gestalten kann. Auch wenn XP und $$ mal ausgehen sollten, bietet das Spiel einem Nebengefechte, in denen man mehr Freiheiten hat und sich alles dazuverdienen kann - anders als in manchen anderen Strategie-RPGs scheint das hier aber kein Muss zu sein. Darüber hinaus ist das Spiel-System aber typisch japanisch unnötig kompliziert gemacht. Ich kann noch darüber hinwegsehen, sich sein eigenes Team zusammenstellen zu können, damit alles der persönlichen Taktik nach läuft, aber hinter jedem einzelnen Soldat steht eine ganze Excel-Tabelle mit weiteren Werten, die man unmöglich alle mit einbeziehen, geschweige denn behalten kann. Beispielsweise haben die Soldaten Vorlieben untereinander und können effektiver angreifen, wenn sie in der Nähe ihrer 2-3 Freunde stehen. Davon abgesehen hat jeder auch noch eine ganze Palette von Statuseigenschaften, deren Bedeutung man zunächst studieren und die man im Idealfall dann auch noch im Auge behalten muss - manche sind nämlich gegen bestimmte Landschaften allergisch, gegen bestimmte Gegnertypen besonders effektiv oder erhalten unter Bedingung X Bonus Y. Man müsste über sein Team genauestens Buch führen, nur um alles wieder über den Haufen zu werfen, wenn man einen Soldaten gegen einen neu eingetroffenen, stärkeren austauscht. Übrigens können alle Einheiten, abgesehen von den Protagonisten tatsächlich sterben - im Hauptquartier gibt es extra den Bereich "Friedhof". Nachdem ein Soldat im Gefecht gefallen ist, hat man drei Runden Zeit, ihm von einer anderen Einheit einen Sanitäter rufen zu lassen, der ihn dann vom Feld bringt. Verpasst man dieses Zeitfenster, stirbt die Figur und kann nicht mehr genutzt werden. Krieg. Krieg bleibt immer gleich.

 


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Passionierte Schachspieler, die ihren strategischen Geist auch auf der PS4 gehörig anstrengen möchten, werden sich zweifelsohne über diesen schönen japanischen Titel freuen. Die Story ist ein bisschen dünn - in etwa so wie sämtliche Charaktere - aber alle Cutscenes lassen sich problemlos überspringen und das Gameplay in den Gefechten dazwischen holt alles wieder raus. Wohlüberlegtes Handeln, genaues Abwägen und taktische Wettkämpfe, die sich über eine gute Stunde hinziehen können machen die Freude über den Sieg nur noch größer - oder die Enttäuschung über die Niederlage. Das Speichersystem ist sehr spielerfreundlich und auch wenn man es mit den Zusatzfunktionen vielleicht etwas zu gut gemeint hat, sind die Individualisierungsmöglichkeiten im Hauptquartier immer einen kurzen Besuch wert und bringen ausreichend Abwechslung rein. Die Remastered-Version kommt übrigens mit sämtlichen DLCs des Spiels und bietet neben einem geringfügig aufpolierten Look noch einmal mehr Spielzeit als die ursprüngliche PS3-Version - und die hatte schon einen gehörigen Umfang!


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