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Persona 5
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BEWERTUNG |
15.04.2017 von LorD Avenger
Eine Vergewaltigung zu verhindern kann auch gegen einen verwendet werden und so landet unser Protagonist zwangsversetzt an einer neuen Schule. Mit seiner vermeintlich kriminellen Vorgeschichte ist er ohnehin sofort der Ausgestoßene, doch damit hören die Probleme noch lange nicht auf - eine mysteriöse App, die auf seinem Handy auftaucht befördert ihn in eine düstere Parallelwelt, die Einfluss auf seine nimmt...
Oh Baby, habe ich auf dieses Spiel gewartet! Final Fantasy in allen Ehren, aber seit Persona 4 Golden hat die Persona-Reihe FF den Rang abgelaufen. Im Gegensatz zum Vorgänger kann man Persona 5 leider nur noch per Remote Play auf der PS Vita spielen, dafür ist das Spiel auf PS3 und PS4 aber auch einer breiteren Masse zugänglich. Die Persona-Reihe ist ein äußerst erfolgreiches Spin-Off der Shin Megamai Tensei-Serie von Atlus und bezieht seinen Namen durch die Fähigkeit der Hauptfiguren, ihrer Persönlichkeit Form zu verleihen und mit dieser zu kämpfen. Das Setting ist in der Regel, so auch in Persona 5, im Schulalltag einer japanischen High School angesiedelt und dreht sich maßgeblich um die menschliche Psyche und ihre Entwicklung. So kämpfen nicht nur die Party-Mitglieder mit ihren eigenen Persönlichkeiten, auch die Dungeons (bzw. "Paläste") sind Manifestationen der innersten Wünsche und Begierden eines Gegenspielers und das Pflegen von sozialen Kontakten beeinflusst die Stärke der Personas.
Eben dieses Highschool-Setting und die Simulation des sozialen Lebens machen den Charme der Persona-Reihe und selbstverständlich auch von Persona 5 aus. Wir kommen als Protagonist in eine neue Umgebung und haben neben unserem vorübergehenden Vormund keine einzige Bezugsperson. Das ändert sich aber relativ schnell, denn auf der ebenfalls neuen Schule sind wir nicht der einzige Außenseiter und das alt bekannte Sprichwort bewahrheitet sich: Gleich und gleich gesellt sich gern. Hinzu kommt, dass merkwürdige und einschneidende Ereignisse einen zusammenschweißen - und in einer düsteren Parallelwelt knapp der Hinrichtung zu entrinnen ist schon ziemlich einschneidend, von merkwürdig ganz zu schweigen. So lernen wir relativ schnell weitere Mitstreiter kennen und tragen unsere erste vollständige Party zusammen. Relativ schnell ist im Falle von Persona allerdings betont relativ zu sehen - über 10 Spielstunden sind ein im Gesamtumfang verschwindend geringer Umfang, während dem noch nicht einmal sämtliche Tutorials abgearbeitet wurden. Alles ist angenehm mit verdammt interessanter Story durchwachsen, dennoch muss man sich auf einen eher schleppenden Anfang mit eher weniger Freiheiten einstellen - und Letztere sind eigentlich genau das, was Spaß an Persona macht. Im späteren Spielverlauf darf und muss man seine Tage nämlich selbst gestalten und mit der begrenzten Zeit auskommen. So ist ein Tag beispielsweise in Morgens, Nachmittags, abends aufgeteilt und diese Tageszeiten verstreichen mit dem Ausüben einer bestimmten Aktion. Und davon gibt es jede Menge - Items an der Werkbank herstellen, seinen sozialen Kontakt und somit auch die Bindung zu einem anderen Charakter ausbauen und dabei dessen interessante Nebenstory verfolgen, einen Nebenjob ausführen der zumeist auch mit sozialen Kontakten zusammenhängt, Items an der Werkbank herstellen, lernen - denn wir sind ja schließlich immer noch Schüler -, lesen zum Upgraden bestimmter Fähigkeiten, Dates... im Grunde genommen sind die Möglichkeiten endlos und es ist unmöglich alle davon in nur einem Spieldurchlauf mitzuerleben. Allein die Vielzahl an sozialen Kontakten und die Zeit und Arbeit, die es erfordert, um hier ein Maximum an Bindung aufzubauen könnte das Spiel bereits alleine füllen.
Unterbrochen werden diese "Freizeitaktivitäten" nicht nur vom Schulalltag werktags, sondern auch von der Deadline, die mit dem Auftauchen eines neuen Palastes einhergehen. Sobald die Storyline um einen neuen Schurken beginnt und man die Möglichkeit erhält, seinen Dungeon zu besuchen, taucht auch ein Tages-Countdown auf. Bis dieser abgelaufen ist, muss man den Dungeon abgeschlossen und den Boss besiegt haben, anderenfalls erfährt man ein jähes und verfrühtes Game Over. Wie schnell man einen Dungeon abschließt, bleibt dabei auch einem selbst überlassen. Wenn dieser nicht gerade von storygebundenen Pflicht-Exits unterbrochen wird, ist es theoretisch sogar möglich, einen der sehr verwinkelten und langen Dungeons in einer Session und somit auch an einem Ingame-Nachmittag abzuschließen - die richtigen Team-Mitglieder, Items, Ausrüstungen und Fähigkeiten vorausgesetzt. Seine Energie und Magie (HP & SP) kann man ohne Hilfsmittel sonst nur mit dem Verlassen des Dungeons und dem damit verbundenen Verstreichen von Zeit auffüllen. Es steht dem Spieler also frei: Möchte man den Dungeon entspannter bewältigen oder möchte man mehr Zeit für die unzähligen Freizeitaktivitäten aufbringen.
Oldschool Kämpfe mit Innovation
Kämpfe finden in meiner liebsten Variante statt, dem guten alten rundenbasierten Kampfsystem. Man hat alle Zeit der Welt, um sich für einen Angriff oder eine andere Aktion zu entscheiden und die Kampfteilnehmer werden reihum aktiv. Die sehr abwechslungsreich und interessant gestalteten Personas, gegen die man antritt, müssen zunächst "abgetastet" werden - sprich, man erkennt ihre Schwächen und Stärken nicht, sofern man sie nicht mit einer Elementattacke ausprobiert hat. Dann können die Infos aber jederzeit in einem Fenster abgerufen werden. Neben dem einfachen Besiegen bietet der Kampf auch noch die Möglichkeit, die Gegner mit einer effektiven Attacke auszuknocken. Sind alle Gegner benommen, gibt es wiederum diverse Auswahlmöglichkeiten: Möchte man einen mächtigen Kollektivangriff mit all seinen Party-Mitgliedern starten oder möchte man mit dem Monster verhandeln. Ziele hierbei können sein, es für mehr Geld oder ein Item zu verschonen oder es dazu zu überreden, sich einem anzuschließen. In einem kleinen Dialog mit verschiedenen Antwortmöglichkeiten muss man dann seine Menschenkenntnis auf die Probe stellen und versuchen die Optionen zu wählen, die der Gegner hören möchte. Bei erfolgreichem Abschluss nimmt man die Persona in sich auf und kann diese nutzen. Plätze sind allerdings begrenzt, weshalb es im serienbekannten Velvet Room die Möglichkeit gibt, 2 Persona zu einer neuen zu fusionieren - auch wenn das mit einer Guillotine passiert...
Individualisierungsmöglichkeiten gibt es für ein JRPG auch erstaunlich viele. Angefangen damit, dass man den Protagonisten zumindest schon mal benennen kann. Sehr befremdlich ist seine fehlende Stimme (wenn überhaupt gibt er nur Stöhn- oder Grunzlaute von sich), die aber von den unterschiedlichen Dialogoptionen ausgeglichen wird, die man in nahezu jedem Dialog angeboten bekommt. Einige davon sind sogar humortechnisch ein echter Knüller, noch mehr haben zudem Einfluss auf die Beziehung zum Konversationspartner.
Nicht ganz jugendfrei...
Bleibt nur noch zu klären, wie ein textlastiges Highschool-Rollenspiel einen USK16-Aufkleber bekommt. Naja, das Spiel baut auf der menschlichen Psyche auf - es kann also nur krank und weniger jugendfrei werden. Gleich in der ersten Episode kriegt man es mit Mobbing, Misshandlung und Suizidversuchen zu tun und obgleich die Welt an sich sehr bunt und ausgelassen ist, süße Maskottchen mitspielen und überraschend häufig umwerfend hübsche Anime-Cutscenes eingespielt werden, so sind es doch sehr ernste und reife Themen, die die Handlung im Hintergrund am Laufen halten. Die Gegner sind keine klassischen Schurken, die die Weltherrschaft ergreifen wollen, sondern einfach nur böse Menschen mit gestörten Verhaltensmustern. Und das alles noch umrahmt von einer mysteriösen weitreichenderen Katastrophe, die sich mit dahin streichenden Spielstunden immer mehr in den Vordergrund drängt... Das Fazit von: LorD Avenger
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