Assassins Creed Revelations

Assassins Creed Revelations

Publisher: Ubisoft
Entwicklerstudio: Ubisoft Montreal
Genre: Action
Sub-Genre: Action-Adventure
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 15.11.2011
USK 16

Assassins Creed Revelations   23.11.2011 von GloansBunny

Männer mit grauen Haaren werden nicht älter, sondern attraktiver – das verhält sich zumindest im realen Leben so. Ob diese These auch auf den inzwischen reifer gewordenen Ezio Auditore in "Assassin´s Creed Revelations" zutrifft, erforscht folgender Test ...

Assassin's Creed - allein der Klang dieser zwei Worte führt bei vielen Menschen schon zu glänzenden Augen. Mit dem 2007 erschienenen ersten Teil erschuf Ubisoft Montreal ein Action-Rollenspiel, welches das kanadische Entwicklerstudio in den Videospielolymp erheben sollte. Der erfolglose Barkeeper Desmond Miles geriet im Ur- "Assassin's Creed" in die Hände der Templer und wurde gezwungen, die genetischen Erinnerungen seiner Vorfahren zu durchsuchen, um deren mächtige Artefakte zu finden. Durch den sogenannten Animus reist Desmond seither in den Körper und die Zeit von Altair Ibn La'Ahad, was ihm viele Fragen, eine große Verschwörung und speziell die Kunst, im Jahr 1191 ein Assassine in Akkon zu sein, bescherte. Mit den Folgetiteln "Assassin's Creed 2" (2009) und "Assassin's Creed Brotherhood" (2010) wurde die Geschichte der Abstammung Desmonds um einen Charakter erweitert. Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg wurde in beiden Teilen der Aufstieg Ezio Auditore Da Firenze's vom jungen Herzensbrecher zum Meisterassassinen im Italien des Spätmittelalters erzählt. Im aktuellen Ableger laufen die Fäden der Story sowohl 1600 nach Christus in Istanbul, auch Konstantinopel genannt,  als auch im Animus des 21. Jahrhunderts zusammen - mit einem zwar etwas in die Jahre gekommenen, aber dafür umso erfahreneren Hauptcharakter.

Parallel zu Ezio dürfen in Revelations wieder das Alter Ego der Gegenwart (Desmond Miles) und erstmals auch Altair in einer verknüpften Storyline gelenkt werden. Bewegt werden die Jungs mit dem linken Analog-Stick, die Blickrichtung gibt der Rechte vor. Per RT wechseln die Assassinen in den auffälligen Modus, welcher die Kampfaktionen aktiviert (ausgelöst durch X für die Hauptwaffe, Y für die Zweitwaffe, B für die Leerhand und A zum Ausweichen) beziehungsweise die aggressive Handlungen, welche Rammen, Schubsen oder Greifen ermöglichen. Die Zielerfassung erfolgt durch Druck auf LT, Zugriff auf das Schnellinventar erhält man mit dem Digikreuz. Neu eingeführt wurde das Waffenmenü, welches in kreisförmiger Anordnung per RB die gesamte Auswahl der mitgeführten Primär- und Sekundärbewaffnung zeigt, während der linksseitige Gegenpart die Assassinen herbeiruft. Ins Pausen-, Informations- und Optionensystem gelangt man via Startbutton, die Backtaste öffnet die übersichtliche und sehr nützliche Karte. Alles in allem ist jeder Knopf des 360-Controllers belegt, zum Großteil sogar in doppelter Ausführung. So benötigt man etwa die A-Taste nicht nur im Kampf, sondern auch zum Klettern, springen, stehlen und so weiter. Jede Funktion eines Buttons plus die jeweiligen Kombinationsmöglichkeiten zu beschreiben, würde vermutlich die Kapazität des Sofaheldenservers sprengen. Die Steuerung ist wirklich sehr komplex, dank jederzeit aufrufbarem Tutorial aber leicht erlernbar und schnell verinnerlicht. Nach kurzer Eingewöhnungszeit gehen die Aktionen schon fast automatisch von der Hand.

Und das ist auch gut so, denn das Erfolgsgeheimnis der Assassins's Creed-Reihe ist unter anderem die grafische Umsetzung der Controllerbelegung. Gestochen scharf gezeichnet, meuchelt, hangelt und schleicht sich Ezio durch ein extrem detailliertes Istanbul des 16. Jahrhunderts. Wahnsinnig geschmeidige, flüssig animierte Kämpfe wechseln sich mit rasanten Kletter- und Verfolgungspassagen ab, während um den Charakter herum die Stadt erblüht. Istanbul ist bunt und voller Leben. Vor prall gefüllten Marktständen preisen Händler gestikulierend ihre Ware an, Gruppen von Menschen lauschen gespannt den vielen Herolden oder bejubeln die Straßenkünstler und Feuerspucker an öffentlichen Plätzen. Die gesamte Stadt ist ein wahrer Augenschmaus, egal wo das virtuelle Auge hinsieht. Vom dürren Bettler über genüsslich speisende Familien bis hin zum Wachmann, der seine Schwerter schleift oder die durch einen zarten Windhauch flatternden Fahnen - jede noch so kleine Bewegung wirkt realistisch, Ezio' s eingeschlossen. Auch die vielen Details der Gebäude, Lebewesen und Gegenstände zieren, tragen viel zur Lebendigkeit der Stadt am Bosporus bei. Egal ob Wohnhaus Buchladen, Hafen oder Moschee - jede Kulisse  ist einzigartig, wenn auch hin und wieder bei genauem Hinsehen leicht verwaschen. Sehr eindrucksvoll ist auch die Aus- und Weitsicht, die man von hohen Punkten aus hat. Während Ezio auf einer Turmspitze kauert und um das Gleichgewicht kämpft, kann man am anderen Ende der Stadt die täuschend echte Haglia Sophia oder andere Sehenswürdigkeiten entdecken. Gelegentliches Tearing zeigt, welche Höchstleistung der Konsolen-Grafikchip bringen muss, vor allem bei den toll inszenierten Zwischensequenzen. Visuell ist Revelations ein echtes Meisterwerk! Lediglich die etwas starren Gesichtsmimiken und hin und wieder nachladenden Texturen wollen nicht so ganz ins grafische Gesamtkonstrukt passen. Das realistische Istanbul übertrumpft diese kleinen Unstimmigkeiten aber sofort durch seine Lebendigkeit. Die verschleierten Frauen, mit Schmuck behangene Verkäufer und die unzähligen anderen bunt gekleideten Menschen, zaubern die osmanische Metropole direkt ins heimische Wohnzimmer.

Beim Thema Akustik hingegen, haben sich die Entwickler wieder einmal selbst übertroffen. Der altbewährte Soundtrack der Vorgängertitel wurde leicht abgewandelt und geht durch Mark und Bein, durch immer wieder auftretende Rückkoppelungen macht Ubisoft die Verknüpfung zwischen Gegenwart und Vergangenheit hör- und fühlbar, Subwoofer sei Dank. Die Musikstücke sind der jeweiligen Aktion oder Handlung am Bildschirm angepasst und ideal auf diese abgestimmt. Besonders imposant sind auch die Soundeffekte: egal, wo sich der Hauptcharakter gerade aufhält oder was er macht, die Geräusche dabei sind jederzeit nachvollziehbar. Das leise Surren beim Ausfahren der Unterarmklinge, der Adlerschrei beim Todessprung oder das Rascheln des Strohs sind ebenso glasklar wie die deutsche Vertonung der Figuren, während die meisten  NPCs im virtuellen Istanbul türkisch sprechen. Da wird gefeilscht, geschimpft und geredet, was die Boxen hergeben, man fühlt sich wirklich wie auf einem orientalischen Basar. Hier hat Ubisoft viel Zeit und Geld investiert und somit eine wahnsinnig beeindruckende Soundkulisse inszeniert. Super!


Schon lange vor dem Erscheinungstermin war Revelations heiß umstritten, zumal Brotherhood eher als "Assassins's Creed 2.5" denn als vollwertiger Titel bezeichnet wurde. Da sich auch der neueste Ableger wieder um Ezio Auditore dreht, steht das Gameplay und der Spielspaß natürlich im Vordergrund der Diskussionen. Gerechterweise muss man sagen, dass Ubisoft bei Revelations erneut auf Altbewährtes setzt und nur wenig Neuerungen bringt. Der Kampf gegen die Templer und das Wettrennen um die mächtigen Artefakte der Assassinen bilden die Hauptgeschichte, die in mehrere Sequenzen unterteilt ist - das kennen Spieler der Vorgängertitel bereits. Auch die vielen Nebenmissionen um diverse Fraktionen sind nicht neu: Die Kurtisanen (hier: Roma) beschützen, der Kämpfergilde bei der Befreiung ihrer Mitglieder helfen oder den Dieben zeigen, wie ein Assassine die Taschen wohlhabender Bürger leert. Das alles kennt man schon, macht aber durch viel Abwechslung noch immer Laune. Auch die kleineren Bürger-Missionen am Straßenrand, die Aufgaben zur Rekrutierung neuer Assassinen und die Eroberung von Stadtteilen - inklusive Wiederaufbau - dürfen nicht fehlen. Für frischen Wind im anstrengenden Meuchelalltag sorgen die modifizierte Unterarmklinge mit Haken zum noch geschmeidigeren Fortbewegen, Dutzende taktische und tödliche Bomben und die Feste verteidigen. Hier darf Ezio in bester Tower-Defence-Manier seine Rekruten befehligen, während eine Templerwelle nach der anderen auf die Eroberung des Assassinenturms pocht - spannend und abwechslungsreich! Vom heimlichen Attentat gegen eine Einzelperson bis hin zur strategischen Massenschlacht ist alles geboten. Dank hoher Missionsvielfalt, lebendiger Umgebung und fotorealistischen Kulissen entsteht eine extrem dichte Atmosphäre, die einen tief in ihren Bann zieht. Die Umwelt reagiert auf den Meisterassassinen, je nach dem, wie auffällig er sich verhält. So kann ein unsanfter Rempler schon einmal dazu führen, dass Passanten die Wachen rufen oder wütend auf Ezio losgehen. Die frei begeh- und erkletterbare Welt im Orient setzt kaum räumliche Grenzen, sodass man Konflikten schnell entfliehen kann. Dabei sollte die Gegner-KI aber keinesfalls unterschätzt werden. Verfolger handeln sehr intelligent, jagen Ezio über Dächer nach, schneiden ihm den Weg ab und formieren sich taktisch geschickt. Die flüssigen Kämpfe und die komplexe Story fesseln erneut über viele Stunden an den Bildschirm. Ezio ist älter und reifer geworden, muss sich noch immer mit den gleichen Problemen herumschlagen und sollte eigentlich in Rente gehen - tut er aber nicht. Er beherrscht sein Handwerk besser als je zuvor, genauso wie seine Schöpfer aus Montreal. Die Verknüpfung zwischen Altair, Ezio und Desmond setzt die Assassinenreihe fort, der Spielverlauf ist trotz kurzer Ladezeiten beim Betreten von Gebäuden flüssig, stimmig und spannend. Perfekte Umsetzung einer einzigartigen Idee - gewürzt mit etwas Taktik und viel Atmosphäre - ergibt ein grandioses Action-Rollenspiel. Großartig! Und wer Lust hat, kann sich online im Multiplayermodus in diversen Deathmatch-Ablegern mit bis zu acht anderen Spielern messen.
 

Wer den Trailer zu Revelations gesehen hat, weiß, was von Ezio Auditore zu erwarten ist. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich diesen Kurzfilm keinesfalls entgehen lassen, denn Grafik, Sound und gezeigtes Gameplay entsprechen exakt dem, was das fertige Spiel bietet. Und das ist trotz (oder vielleicht sogar gerade deshalb) weniger Neuerungen definitiv keine Mogelpackung! Wetten, dass es nicht beim einmaligen Ansehen des Trailers bleibt ...? Vermutlich liegt "Assassin' s Creed Revelations" schneller im heimischen Konsolenlaufwerk als Ezios Feinde nach einem Attentat am Boden. Nichts ist wahr, alles ist erlaubt und genau das macht bis heute noch immer verdammt viel Spaß!

Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Darf man als Frau mit Mitte 20 einen Mann lieben, der fast doppelt so alt ist? Die Antwort: man (beziehungsweise frau) darf! Zumindest, wenn er Ezio Auditore Da Firenze heisst und Assassine ist. Mit "Revelations" liefert Ubisoft Montreal erneut ein spannendes und abwechslungsreiches Action- Adventure mit charismatischen Figuren und tiefgründiger Story ab. Die Steuerung ist top, das Gameplay flüssig und die Kämpfe gewohnt geschmeidig. Zudem ist Konstantinopel als neuer Schauplatz erfrischend bunt und dank grandioser Vielfalt und tollen Animationen voller lebendiger Atmosphäre. Die gestochen scharfe Grafik wird nur gelegentlich von kleineren Fehlern heimgesucht, die aber dank Gänsehaut- Soundtrack schnell wieder verziehen sind. Viele Gameplay- Neuerungen gibt es nicht, dafür aber ein spielbares Wiedersehen mit Altair und Desmond. Wer die ersten Teile von Assassin´s Creed mochte wird auch hier wieder viele Stunden Spass haben, on- wie offline. "Nichts ist wahr, alles ist erlaubt!" Getreu diesem Motto sollte man (und auch frau) sich auf jeden Fall auf den ergrauten Meisterassassinen einlassen...


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positiv negativ
  • Tolle Grafik und super Animationen
  • Flüssiges Gameplay, abwechslungsreiche Kämpfe
  • Klasse Soundtrack, gute Synchronisation
  • Extrem dichte Atmosphäre und spannende Story
  • Einprägsame Steuerung
  • Verschiedene Missionstypen
  • Altair, Desmond und Ezio spielbar
  • Kleinere Texturschwächen und gelegentliches Tearing
  • Kaum Neuerungen
  • Ladezeiten trotz Installation





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