Batman - Arkham City

Batman - Arkham City

Publisher: Warner Bros. Interactive
Entwicklerstudio: Rocksteady Studios
Genre: Action
Sub-Genre: Action-Rollenspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 21.10.2011
USK 16

Batman - Arkham City   31.10.2011 von GloansBunny

Batman ist zurück und kämpft erneut gegen das Böse. Seitdem Milliardär Bruce Wayne 1939 das erste Mal in das Cape von Batman schlüpfte, um fortan als menschliche Fledermaus gegen die Kriminalität anzutreten, ist er eine der bekanntesten Heldenfiguren weltweit. Unzählige Filme, Zeichentrickserien und Merchandiseartikel sind auf dem Markt erhältlich, die Comics aus dem Hause DC werden zum Teil zu horrenden Preisen gehandelt. Batman ist also Kult. Logische Schlussfolgerung in Zeiten moderner Technik: Videospiel-Adaptionen. Ob Arkham City dem Comichelden alle Ehre macht oder nur so spannend ist, wie ein Bussi-Bär-Heft klärt folgender Test...

Vom Commodore 64 bis zum Nintendo DS hat bisher noch jede Konsole ein Batman-Game gesehen. Manche sind Klassiker, viele sind gut und eines wurde legendär: "Batman - Arkham Asylum". Das 2009 erschienene Action-Adventure aus dem Hause Rocksteady Studios avancierte zum Publikumsliebling und erhielt sogar den Titel "Spiel des Jahres". Gameplay, Umfang und Grafik überzeugten selbst die schärfsten Kritiker und zog Millionen Spieler vor Konsolen und PC. Jetzt will die englische Hitschmiede die Geschichte von Batman um ein neues Kapitel erweitern und an den Erfolg von Arkham Asylum anknüpfen.

Der neueste Ableger beginnt mit einer Pressekonferenz: Bruce Wayne, seines Zeichens Multimilliardär und Frauenschwarm, tritt vor die Presse und fordert vehement die Schließung von Arkham City, dem neu errichteten Gefängnis in Gotham City. In dem ursprünglich recht ansehnlichem Stadtteil tummelt sich eine gigantische Anzahl von Mördern, Kriminellen und Geisteskranken- allesamt Anhänger von Joker, Two Face und Konsorten. Die Bürger Gothams sind verängstigt, die Politiker überfordert, und als dann auch noch in wenigen Stunden das mysteriöse "Protokoll 10" eingeleitet werden soll, bricht Panik aus. Kurzerhand übernimmt Wayne Verantwortung und findet sich plötzlich selbst hinter den Mauern Arkham Citys wieder. Was sind Jokers Pläne? Welche Gefahr geht von Arkham City wirklich aus? Und was hat es mit "Protokoll 10" auf sich? Auf diese und noch viele weitere Fragen will Bruce Wayne Antworten finden.

Doch zunächst heißt es, den Lebemann von den Handschellen zu befreien und ihn Richtung Batsuit zu lotsen. Am unteren Bildschirmrand werden nach und nach die gängigen Tasten eingeblendet. Der linke Analogstick bewegt das Alter Ego, der rechte justiert die Blickrichtung und das Fadenkreuz der benutzbaren Gegenstände. Die vier Aktionstasten machen ihrem Namen alle Ehre und animieren Batman zu Schlägen und Tritten (Viereck), lassen ihn gegnerische Angriffe kontern (Dreieck) oder dienen dem Einsatz von Spezialmanövern (Kreistaste). Die X-Taste lässt den Dunklen Ritter je nach Umgebung springen, klettern, laufen oder gleiten. Auch der aus Arkham Asylum bekannte Detektivmodus ist wieder vertreten (L2). Dass das Digikreuz mit den für Batman typischen Gegenständen belegt ist, welche dann per R1-Taste aktiviert und mit der L1-Schultertaste ausgerichtet werden, erfährt man allerdings nur durch Tastenbelegungs-Selbststudium. In geduckter Haltung bewegt sich der schwarze Ritter durch den R2-Button. Da die Steuerung doch recht umfangreich ist, werden sich gerade Neulinge der Serie zunächst etwas schwer zurechtfinden - Ein "komplettes" Tutorial wäre sinnvoll gewesen. Gut, dass im Startmenü neben einer detaillierten Umgebungskarte reichlich Informationsmaterial und Einstellungsmöglichkeiten im Optionen-Folder auch die Tastenbelegung jederzeit abrufbar ist. Trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers geht die gut durchdachte Steuerung aber sehr flüssig von der Hand und lässt sich schnell verinnerlichen.

Mit der Grafik verhält es sich wie mit Batmans Faust: Sie schlägt ein wie eine Bombe und bewirkt Tränen in den Augen. Schon der Vorgängertitel war ein Meilenstein in Punkto Optik, aber Arkham City setzt dem Ganzen die Krone auf. Extrem detaillierte Kulissen wetteifern mit perfekten Charakteranimationen und gigantischer Weitsicht um die Gunst der Spieler. Jedes einzelne Gebäude, jede Figur und jeder Gegenstand ist anders. Von Plakaten über Mülltonnen bis hin zur Kleidung mit diversen Aufnähern, Rissen und Flecken - Die Fülle an Details übertrifft jede Erwartung. Die hochauflösenden Charaktermodelle sind eine Wucht und werden durch die grandios ausgearbeiteten Animationen ergänzt. Wenn Batman auf einem Gebäude sitzt, den Blick ans andere Ende der Stadt schweifen lässt, um dann seine Augen auf die belebten Straßen Arkham Citys zu richten, bleibt einem regelrecht die Spucke weg. Bunte Neonreklame wechselt sich mit schäbigen Hinterhöfen ab, Gruppen von Straßengangs lassen ihre Muskeln spielen, liebkosen ihre Waffen oder streifen einfach nur umher. Wird Batman dann mit diesen zwielichtigen Gestalten in einen Kampf verwickelt, zeigt sich die "Unreal Engine 3.5" in ihrer ganzen Pracht: Zunächst vom Fenstersims springen, lautlos mit dem gespannten Cape auf den nächsten erfassten Gegner zugleiten und ihm dann einen gehörigen Tritt in den Allerwertesten verpassen - Das fetzt! Noch während man staunend den nahtlosen Wandel vom majestätisch thronenden Muskelberg zur adlergleich schwebenden Riesenfledermaus betrachtet und die Anspannung von Bruce Waynes Körper unter dem Hightech-Anzug förmlich selbst zu spüren scheint, konzentriert sich die dynamische Kamera fehlerfrei auf das Kampfgeschehen. Mit vor Wut verzerrten Gesichtern stürmen die aufgeschreckten Gegner auf Batman zu, formieren sich um ihn und gehen in Angriffsposition. Drohend zeigen sie mit Baseballschlägern auf das Alter-Ego, ballen die Fäuste oder suchen vereinzelt Schutz. All diese Drohgebärden helfen aber nur wenig, denn die Kampfhandlungen sind einfach zu schön anzusehen, um ihnen aus dem Weg zu gehen. Batman verteilt Schläge, Tritte und Spezialangriffe wie kein anderer, setzt den Batarang ein, um  Widersacher auf Distanz zu halten oder zieht sie mit der Batclaw zu sich heran. Er wirbelt durch die Menge, knockt einen Feind nach dem anderen aus, Combo-Aktionen werden per Nahaufnahme gezeigt und enthüllen blutige Nasen, zerkratzte Gesichter und zerrissene Kleidung - Und auch an Batman und seinem Batsuit kann man diverse Souvenire der vergangenen Kämpfe entdecken. Egal, ob man sich den zahllosen Gegnern stellt oder einfach nur durch Arkham City oder über dessen Dächer streift: Jede einzelne Bewegung ist durchdacht, alles ist unglaublich flüssig und die Animationen spielen in der obersten Liga. Klar, dass die Zwischensequenzen ebenso  ansehnlich sind. Die Charaktermodelle sind wahnsinnig detailliert, jede Regung im Gesicht der dargestellten Figur ist erkennbar, keines gleicht dem anderen. High-End-Grafik wie sie im Buche steht - Einzig beim Betreten oder Verlassen von Gebäuden muss der Grafikchip ein paar Sekunden nachladen. Das stört den Gesamtfluss aber kaum, denn sobald man die nächste Kulisse betritt, bleibt einem der Mund sowieso wieder vor Staunen offen stehen.

Für verwöhnte Spielerohren ist das Musikgerüst in Arkham City ideal. Bereits mit dem Startbildschirm dringt der orchestrale Soundtrack tief in jeden noch so unsensiblen Gehörgang ein, um wenig später von rockigen Titeln abgelöst zu werden. Die stets zur Szenerie passenden Stücke werden durch die grandiosen Synchronsprecher perfekt ergänzt. Sei es ein neckender In-Ear-Kommentar von Butler Alfred oder die super vertonten Zwischensequenzen, jedes einzelne Wort ist stimmig und trägt zur filmgleichen Atmosphäre des Spiels bei. Eine breite Palette an Effekten rundet den positiven Eindruck ab. Wenn Batman seinen Umhang ausbreitet, erzeugt das Geräusch Gänsehaut. Trifft ein Schlag sein Ziel, so würde es bei den Klitschkos wohl auch nicht anders klingen. Von Explosionen bis hin zum leisen Stiefelschlurfen auf Asphalt, vom verunsicherten Räuspern bis zur wüsten Schimpftirade des Straßenräubers um die Ecke - So mancher aktueller Hollywoodfilm könnte sich von Arkham City noch etwas abschauen.

Auch die Gegner-KI ist spürbar durchdacht. Im ersten Drittel des Spiels gestalten sich die Kämpfe zwar noch recht einfach und wenig fordernd, aber mit dem Fortschreiten in der Kampagne steigt auch der Schwierigkeitsgrad. Anfangs wirken die zahlreichen Gegner in Arkham City etwas zaghaft und halten sich mit schwerwiegenden Angriffen zurück, aber nach und nach formieren sie sich zu Gruppen, umzingeln die Hauptfigur und greifen visuell und akkustisch organisiert von mehreren Seiten gleichzeitig an. Einzelne Feinde rufen nach Verstärkung oder fliehen, wird ein ausgeschalteter Mitstreiter entdeckt, suchen dessen Kollegen systematisch die nähere Umgebung ab. Auch beim Herumklettern oder Gleiten sollte man etwas Vorsicht walten lassen. Der ein oder andere aufmerksame Wachposten macht lautstark Meldung, was umgehend einen schwer gepanzerten und äußerst zähen Hubschrauber auf den Plan ruft. Trifft Batman auf Gegner mit Schusswaffen, ist oftmals unauffälliges Taktieren aus dem Hintergrund ratsam. Vom Mauervorsprung aus kopfüber abseilen, den Proll mit dem Maschinengewehr im Genick packen und außer Sichtweite seiner Kumpane an der Ballustrade aufhängen - Das hat schon in Arkham Asylum Spaß gemacht und Batman einige Bildschirmtode erspart. Denn Bruce Wayne ist in seinem Fledermauskostüm zwar der Ritter der Nacht, aber keineswegs unsterblich oder gar mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet. Eine gesunde Mischung aus Schleichen, Frontalangriff und aktiver Einsatz neuester Technologien hilft auch bei den größeren Bossgegnern. Wem der gut ausbalancierte Schwierigkeitsgrad nicht ausreicht, kann nach dem Abspann einen Hardcoremodus mit zusätzlichen Herausforderungen auswählen und das Abenteuer erneut spielen.

Was entsteht, wenn man einen erfahrenen DC-Comic-Autor an die Seite eines Videospiel-Entwicklerstudios stellt? Richtig, eine komplexe Story voller Spannung, Action, Überraschungen und Wendungen. Two- Face, Joker, Mr Freeze, der Pinguin, Catwoman und viele weitere Charaktere kreuzen im Laufe des Spiels Batmans Wege, auch abseits der Haupthandlung und der zentralen Thematik von "Protokoll 10". Paul Dinis einzigartige Geschichte fesselt von Anfang bis Ende und enthüllt zahllose Details und Geheimnisse. Diese wird durch das tolle Gameplay noch authentischer. Schleichpassagen gehen nahtlos in actionreiche Kampfabschnitte über, anspruchsvolle Bosskämpfe wechseln sich mit spannenden Detektivmissionen ab. Die Hauptstory verläuft zwar linear, wirkt aber zu keiner Zeit monoton. Zudem warten unzählige Nebenmissionen darauf, gelöst zu werden. Da Arkham City als offene Welt fungiert, bleibt es dem Spieler selbst überlassen, ob man den dunklen Ritter versteckte Telefonzellen aufspüren, politische Gefangene befreien oder einfach nur ein paar Gangster vermöbeln lässt. Buchstäblich an jeder Straßenecke wartet eine andere Mission - oder eine von 400 neuen Riddler-Trophäen, die zum Teil sehr viel Geduld und Hirnschmalz verlangen. Die Motivation, jedes Fragezeichen des Rätselgenies zu entdecken, birgt jedoch die Gefahr, dass man Batman über Stunden hinweg durch Arkham City scheucht, ihn an die entlegensten Stellen der Stadt führt oder x-mal von einem Dach zum nächsten gleiten lässt, nur um dann völlig ratlos vor besonders kniffligen Aufgaben zu stehen. Einige der Rätsel setzen spezielle Gegenstände voraus, die Batman erst im Spielverlauf erhält oder nur durch ausreichend Erfahrungspunkte in seine Gürteltaschen wandern. Letztere werden durch das erfolgreiche Abschließen von Missionen oder nach gewonnenen Kämpfen gutgeschrieben und in Fähigkeitspunkte umgewandelt. Je nach Geschmack darf dann nach Lust und Laune oder persönlicher Vorliebe beispielsweise die Panzerung des Batsuits verbessert, die Wirkdauer der Rauchbomben verlängert oder ein neuer Spezialangriff erlernt werden. Dieser Ansatz von Rollenspielelement ist nicht nur für den restlichen Spielverlauf äußerst nützlich, sondern auch für alle Fans von Catwoman ein Vorteil. Die sarkastische Kratzbürste im Latexanzug wartet mit vier downloadbaren Missionen darauf, ihre Krallen in bewaffnete Oberarme schlagen zu dürfen. Wer vor Missionsbeginn die Fähigkeiten der spitzohrigen Schönheit verbessert hat, wird noch mehr Spaß an deren eigenständigen Story haben.

Die knapp 90 Euro teure Collector´s Edition ist nicht nur wegen dem darin enthaltenen Catwoman-DLC ein Prachtstück. Neben einem hochwertigem Artbook mit vielen tollen Zeichnungen befinden sich auch Kurzfilme, Soundtrack, Challengemap und Skin in der Box. Einziger Wehrmutstropfen: Die Spieledisc ist im Artbook versteckt, eine normale Hülle fehlt leider. Der Anblick der hochwertigen Batman-Statue, die mit der gleichen Liebe zum Detail gestaltet ist wie das Game selbst, entschädigt aber diesen Makel wieder.

Ob Collector´s Edition oder Standardausgabe "Arkham City" ist ein absolutes "Must-Have-Game"! Auch, wenn man kein Fan von Superhelden ist: Dieses Spiel ist Pflichtbestandteil in jedem gut sortierten Regal. Wer es besitzt, ist vernünftig. Wer es verschmäht, verpasst ein ganz, ganz großes Stück Videospielgeschichte.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Was Heath Ledger in "The Dark Knight" ist, ist "Arkham City" in meiner Spielesammlung: einzigartig, fesselnd, unglaublich, einprägsam, unvergesslich, großartig und sexy. Einzigartige Charaktervielfalt, fesselnde Story, unglaubliche Grafik, einprägsame Steuerung, unvergessliche Atmosphäre, großartiges Sounddesign - und sexy? Blöde Frage, ist ja schließlich Batman, von dem ich hier spreche. Denn wer bitteschön kann schon einem gutaussehenden Milliardär mit Muskeln, Hirn und Hightech-Fledermausanzug widerstehen? Ich jedenfalls nicht. Dieser oscarreife Actionkracher ist ein absoluter Pflichtkauf, sowohl für Fans der Comic-Reihe als auch für jeden, der eine Konsole besitzt. Wenn "Batman Arkham City" nicht den Titel "Spiel des Jahres" erhält, werfe ich mich höchstpersönlich in ein Catwoman-Kostüm und laufe in High-Heels über die Dächer meiner Heimatstadt - oder fresse alternativ einen Besen...


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positiv negativ
  • Extrem detailliertes Grafikgerüst und filmreife Animationen
  • Sehr spannende Story mit viel Atmosphäre
  • Enorme Charaktervielfalt
  • Grandioser Sound und perfekte Synchronisation
  • Eingängige Steuerung
  • Flüssiges Gameplay
  • Tolles Upgradesystem
  • Viele Nebenmissionen
  • Kein komplettes Tutorial
  • Keine konventionelle Spielhülle in der Collector´s Edition





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