Borderlands 2

Borderlands 2

Publisher: 2K Games
Entwicklerstudio: Gearbox
Genre: Action/Rollenspiel
Sub-Genre: Role Playing Shooter
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 21.09.2012
USK 18

Borderlands 2   10.10.2012 von Beef Supreme

Drei Jahre ist’s her, dass 2K uns mit Borderlands das Baby eines Rollenspiels und eines First-Person Shooter in die Wiege gelegt hat. Die Sammelgeilheit eines Diablo gekreuzt mit dem blutigen Geballer eines CoD. Das Prinzip schlug ein wie eine Bombe. So gut der Ansatz war, der erste Teil krankte an steriler Welt, quasi nicht vorhandener Story und repetitivem Gameplay. Der Suchtfaktor konnte zwar einiges ausgleichen, jedoch nicht das schwache Ende und andere Macken kaschieren. Nun erschien vor kurzem Borderlands 2 und soll alles besser machen. Auf, ihr Schatzsucher, Waffen durchladen und Pandora plündern! Die Bazillion Waffen wollen benutzt werden!


Fünf Jahre sind vergangen, seit Roland, Lilith und Konsorten eine Kammer aufgestoßen haben. Anstatt gigantischer Reichtümer wartete dahinter nur ein riesiges Biest aus einer anderen Dimension. War wohl nix. Doch Halt! Seit diesem Zwischenfall sprießt nun auf ganz Pandora Eridium, ein seltenes und äußerst wertvolles Mineral. Zudem macht das Gerücht die Runde, dass eine weitere, noch viel größere und nun diesmal wirklich mit Schätzen befüllte Kammer existieren soll. Die Hyperion Corp. lässt sich natürlich nicht lumpen und ein Kerl namens Handsome Jack zerlegt den kompletten Planeten, um da ran zu kommen. Er ist aber nicht der Einzige. Vier neue Schatzjäger gesellen sich zur lustig-blutigen Schatzhatz. Frisch auf Pandora angekommen, werden sie von Jack in einem Zug voller Sprengstoff empfangen. Aber man ist ja nicht so leicht tot zu bekommen. Und so begegnet man Clap Trap, der einem als Erstes ein Echo-System von einer gesprengten Leiche in die Hand drückt. So herzlich wird man nicht überall empfangen. Es wird also Zeit, sich bei Jack zu revanchieren.

 

Gunzerker, Commando, Sirene und Killer stehen zur Auswahl, jeder Charakter mit seinen eigenen speziellen Fähigkeiten. Will man zwei Schießprügel gleichzeitig benutzen? Dann darf es der irre Salvador sein. Tötet man lieber ungesehen und aus der Distanz, ist Zer0 der Killer der Wahl. Commando und Sirene sind schon aus dem ersten Teil bekannt und haben vergleichbare Fähigkeiten. Phasewalk für Maya und Geschützturm für den Commando. Hat man den Vorgänger gespielt, fühlt sich alles sehr vertraut an. Fast schon zu vertraut. Gerade zu Anfang unterscheidet sich Borderlands 2 nur in Details von seinem Vorgänger. Die Cell-Shading-Optik wurde beibehalten, und zwar weiter verfeinert, jedoch sieht alles sehr ähnlich aus. Dazu kommen optisch aufgebohrte und abwechslungsreich designte Waffen, neue Gegner und frische Charaktere. Doch das ist alles in allem nichts, was man nicht in einem DLC unterbringen hätte können. Doch es entwickelt sich. Und wie! Nach und nach setzt sich der zweite Teil maßgeblich von Borderlands ab und wird zu einem wirklich eigenständigen Spiel. Und was für einem! Die Gebiete werden wirklich ausgefallen, die Gegner total abgedreht und vollkommen anders. Da kommt schnell der Gedanke, dass der erste Teil nur die behüteten und zahmen Gebiete Pandoras gezeigt hat. Die wirkliche Wildnis, die wirklich bösen Viecher sind jetzt erst aus ihren Löchern gekrochen. Auch hat man sich vom Einheitsbraun verabschiedet. Wüsten und Einöden gibt’s zwar weiterhin, doch nun werden auch frostige Tundren, zugewucherte Dschungel und vergiftete Höhlen besucht.

 

Und alle sehen sie klasse aus. In jedem Gebiet gibt es typische Gegnertypen. Nicht sich ständig wiederholende Skag-Varianten, sondern vollkommen eigenständige und anders agierende Feinde warten auf den Vault Hunter seines Vertrauens. Würmer, die schwarze Löcher erzeugen, Larven, die zu riesigen Motten heranwachsen, riesige Echsen, die Kristalle statt Füße haben und nur an bestimmten Stellen verwundbar sind. Wehe dem, der seine vollautomatische Flammenwerfermachete daheim vergessen hat!

 

Denn die KI hat auch zugelegt. Zwar blicken immer noch keine Einsteins über Kimme und Korn, doch bleiben die Feinde nicht mehr strunzdoof im Kreuzfeuer stehen, sondern suchen sich mittlerweile Deckung und gehen auf Distanz. Gerade wenn man zur zweiten Chance, also zum rettenden Abschuss kurz vor dem Ausbluten ansetzt, fällt auf, wie die Feinde merken, dass man an Agilität eingebüßt hat. Dann rennen nämlich alle weg und lassen den Spieler elendig krepieren. Dies und die vielen neuen Gegnertypen zwingen einen nun zu taktischerem Vorgehen. Sehr gut! Endlich wieder fordernde Kämpfe und nicht nur stumpfes "Abzug gedrückt" halten. Obwohl das - zugegeben - tierischen Spaß macht. Die Wummen wurden nämlich auch überarbeitet. Stellte sich im ersten Teil gerade optisch relativ schnell eine Wiederholung ein, hat Gearbox hier ordentlich nachgelegt. Kaum eine Waffe gleicht der Anderen. Nicht nur Farbe, sondern komplett andere Designs und Nachlade-Animationen erwarten einen. Zudem gibt’s auch neuen Elementarschaden, Slag genannt. Werden Feinde vollgeslagt, nehmen sie mehr Schaden, also Abwehrwerte werden reduziert, was gerade im Multiplayer für taktisch interessantes Vorgehen sorgen kann. Die Waffentypen wurden weitestgehend beibehalten. Neu hingegen sind die E-Tech-Prügel. Die machen Laune, probiert sie aus, wenn ihr eine findet. War der erste Teil schon Waffenporno par excellence, der zweite Teil haut noch mehr rein.

 

Bildergalerie von Borderlands 2 (11 Bilder)

Musste sich Gearbox im ersten Teil noch vorwerfen lassen, dass ein betrunkener Nacktmull die Story verfasst hat, gibt es jetzt Erleichterung. Denn die Geschichte ist richtig gut. Sogar mit Plot Twists und allem Drum und Dran. Na gut, es ist kein Meisterwerk, aber weitaus interessanter als im Vorgänger, daher verrate ich jetzt auch nichts. Aber man darf sich auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen. Scooter, Dr. Zed, Marcus, alle sind sie da. Nur mein persönlicher Favorit aus dem ersten Teil, T.K. Baha, fehlt. Das könnte aber daran liegen, dass er tot ist. Nicht nur die Story, auch das Missionsdesign wurde etwas aufgepeppt. Zwar finden sich immer noch eine Menge Hol-und-Bring-Quests, aber insgesamt erwartet einen mehr Abwechslung als zuvor. Interessant sind jedoch die kleinen Geschichten, die mit manchen Nebenquest-Reihen erzählt werden. Geschichtliches zu Pandora und was in den fünf Jahren so passiert ist, oder einfach kleine, in sich abgeschlossene Side Plots, die wirklich interessant erzählt werden. Der Aufstieg des Feueradlers sei hier als Stichwort genannt. Und auch wenn mal keine Geschichte erzählt wird, der derbe Humor, der sich durch das ganze Spiel zieht, treibt jedem ein Grinsen ins Gesicht. Hysterische 13-jährige Mädels, die laut schreiend Bomben bauen oder paranoide Wissenschaftler, die bei sozialem Kontakt kotzen müssen. Größenwahnsinnige Service-Roboter und fanatische Sektenführer, alle kommen sie zu einem sarkastisch-zynischen Stelldichein. Irgendwann stellt sich aber doch Wiederholung ein. Bei der Masse an Quests scheint es sich nicht zu vermeiden lassen, dass eine gewisse Abnutzung einsetzt. Sie ist aber nicht ganz so augenscheinlich wie im ersten Teil. Zudem wird man meist durch neue Gebiete und neues Equipment entschädigt.

 

Schade ist aber, dass die Geschichte und die Bewohner Pandoras nicht auf den Charakter reagieren. Ob man mit einem blutrünstigen Zwerg oder einer anmutigen Sirene durch die Straßen läuft, macht keinen Unterschied. Auch storytechnisch ist es egal, welcher Charakter gespielt wird. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Zum Beispiel eine Stichelei Scooters, ob man als Zwerg denn groß genug sei, übers Lenkrad zu schauen. Generell bleiben die spielbaren Charaktere sehr flach. Keiner spricht auch nur ein Wort abseits kerniger Kommentare im Gefecht. Über Motivation, außer Geldgeilheit versteht sich, erfährt man überhaupt nichts, auch nicht, wie die riesigen Kopfgelder zustande gekommen sind. Schade.

 

Auch technisch ist nicht alles sauber umgesetzt. Texturen laden manchmal sehr langsam, sodass man eine ganze Weile auf matschige Umgebung oder Brei in Kisten starrt, anstatt auf Dschungel oder neue Ausrüstung. Aber auch wenn die Texturen geladen sind, sollte man keine rasierklingenscharfe Darstellung erwarten. Niedrig aufgelöste Texturen und Detailarmut trüben die ansonsten wunderschönen Areale in manchen Bereichen.

 

Soundtechnisch kommen viele Waffen sehr dünn rüber. Eine Minigun-Sniper sollte sich nicht wie ein Derringer anhören. Doch dafür sind die Stimmen sehr gelungen. Borderlands 2 ist wider Erwarten ungeschnitten auf dem verweichlichten deutschen Markt angekommen. Doch insgesamt wurde der Gewaltgrad heruntergeschraubt. Keine platzenden Köpfe mehr, keine abgetrennten Gliedmaßen und keine verätzenden Körper mehr. Vernünftige Menschen würden fragen „Wer braucht schon mehr Gewalt? Wie unreif kann man denn sein?“, ich würde antworten „Ich! Weil ich drauf steh‘!“, denn das gehört einfach dazu. Überzogenes Gameplay, überzogene Charaktere, überzogene Gewalt. Naja, wenigstens sind wir dieses Mal nicht die Einzigen.

 

Zu erwähnen ist noch der coole Coop-Online Modus: Mehr Feinde, herausforderndere Kämpfe, bessere Drops. Der Net Code funktioniert einwandfrei und jeder bekommt anteilig Erfahrung. Nur um Loot-Gegenstände muss man sich hin und wieder schlagen. Doch nicht umsonst gibt es einen Duell-Modus. Wer keinen Bock auf fremde Menschen hat, spielt einfach im Split Screen mit einem Kumpel. Umso höher ist dieser anzurechnen, gibt’s doch kaum noch Spiele, die kollektives Zocken an einer Konsole unterstützen.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Mann hat Borderlands Laune gemacht. Ich habe bestimmt 100 Stunden in den ersten Teil investiert und Mordecai auf Max Level gebracht. Als mir dann das Save Game abgeraucht ist und ich natürlich keine Sicherung angelegt hatte, wollte ich nur noch zerstören. Der zweite Teil ist sogar noch besser. Von allem mehr: Mehr Waffen, mehr Gegner, mehr Abwechslung, mehr Story, mehr geil! Wer Bock auf Shooter hat, holt sich Borderlands 2. Fertig. Abgesehen von einigen kleineren technischen Defiziten, habe ich keinerlei Kritikpunkte an dem Spiel. Ok, das Missionsdesign der Nebenquests wiederholt sich irgendwann, aber bei der Menge ist das kaum zu vermeiden. Dafür gibt es eine Unmenge saucooler Charaktere, die alle einen Knacks haben. Und das ist auch gut so, Lacher garantiert. Die Geschichte wird gut erzählt und ist interessant mit dem ersten Teil verwoben, das Geballer macht echt Laune und die Waffen sind abwechslungsreicher als zuvor. Über Spielzeit muss man gar nicht diskutieren. Lange, sehr lange. Jetzt ab mit Euch, geht das Game kaufen!


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positiv negativ
  • Coole Story
  • Abgedrehte Charaktere
  • Schicke Cell-Shading Optik
  • Endlos viele Waffen
  • Abwechslungsreiche Areale
  • Lange Spieldauer
  • Mannigfaltige Gegnertypen
  • Splitscreen Coop
  • Texturen laden zu langsam
  • Teils matschige Texturen
  • Dünne Waffensounds
  • Flache Spielercharaktere





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