Contact High

Contact High

Originaltitel: Contact High: The Good, the Bad & the Bag
Genre: Komödie
Regie: Michael Glawogger
Hauptdarsteller: Michael Ostrowski • Raimund Wallisch • Detlev Buck
Laufzeit: 96 Minuten
Label: Eurovideo
FSK 16

Contact High   21.02.2010 von derstefan

Wenn “Lammbock” meets “Pulp Fiction” in Österreich: In dem abgefahrenen Drogen-Roadmovie „Contact High“ von Regisseur Michael Glawogger verbindet die Suche nach einer Tasche des spanischen Gangsterboss Carlos eine Menge unterschiedlicher Charaktere. Ob man als Zuschauer auch seinen Spaß hat, erfahrt ihr hier.

Machen wir erst einmal einen Abstecher in die Filmgeschichte: Es gab da mal einen brillianten Regisseur namens Alfred Hitchcock. Der brachte uns nicht nur Filmperlen wie „Die Vögel“, „Psycho“ oder „Das Fenster zum Hof“, sondern auch das McGuffin. Nee, das ist jetzt kein Burger von McDonalds oder Burger King. Hierbei handelt es sich um einen Gegenstand, um den sich zwar eine Filmhandlung dreht, es aber eigentlich völlig egal ist oder auch gar nicht erklärt wird, um was es sich genau handelt. Bei Hitchcock waren das beispielsweise das Feuerzeug mit den eingravierten Initialen in "Der Fremde im Zug" oder bei neueren Filmen der legendäre Teppich aus "The Big Lebowski" (Der hat das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht, hab ich recht?) oder der „Allspark“ in Transformers.

Bei dieser alpenländischen Gangsterposse ist es eben die Tasche von Gangsterboss Carlos, der eigentlich den schwulen Schrottplatzbesitzer Harry (Detlev Buck -Herr Lehmann-) beauftragt, diese aus Polen zu holen und sie ihm wieder zu bringen. Der gibt den Auftrag aber wiederum an den etwas psychopathischen Schorsch (Georg Friedrich) weiter, der aber auch wiederum an Motivationsschwäche leidet, weil er lieber das Formel-1-Rennen von Le Mans anschauen will. Und was denkt ihr, macht er? Richtig, er gibt den Auftrag auch wieder weiter und zwar an die Imbissbuden-Besitzerin Mao (Pia Hierzegger -Der Knochenmann-), die zwar Kinder hasst, aber dummerweise den Auftrag auch nicht selbst ausführen will und dann lieber auf die Tochter von einem ihrer Würschtlverkäufer aufpasst. Und jetzt kommen die Vollpfosten, ich meinte natürlich Vollprofis Max (Michael Ostrowski -Tell-) und Johann (Raimund Wallisch) ins Spiel. Sie reisen im Zug nach Lodz, um die ominöse Tasche (oder auch je nach Aussprache bag/bäg/back/bäck) zu finden.

 

Die weitere Story mag ich jetzt gar nicht beschreiben, denn das geht einfach nicht. Die Charaktere sind alle miteinander unglaublich abgefahren und überzeichnet, werden aber von meist sehr guten Schauspielern treffend gespielt. Mein Favorit ist der verpeilte Psychopath Schorsch, von Schauspieler Georg Friedrich einfach nur prima gespielt. In einer Szene kommt die Nähe zu „Pulp Fiction“ durch: Wer sich noch an die „Hubbel“-Szene aus dem Meisterwerk von Quentin Tarantino erinnern kann, der bekommt hier eine sehr witzige Hommage serviert. Hier verteilt sich dank einer schlechten Straße jedoch kein Hirn und Blut, sondern eine andere Masse, lasst euch überraschen.

Die Dialoge sind herrlich absurd und nur ganz selten lächerlich, einfach Situationskomik deluxe. Auch die filmisch visualisierten Drogentrips kommen ganz nah an die Klasse von „Fear and Loathing in Las Vegas“ ran. Wenn etwa Max und Johann aus einer Kneipe kommen und dabei rückwärts laufend in den Bahnhof steuern, ist das einfach ganz großes Kino. Wie klein Hotelzimmer und wie groß Hühner sein können, werdet ihr genau hier erfahren. Und wenn ihr euch zum Schluss denkt, dass ihr in einem Märchen-Film gelandet seid, dann ist nicht nur Polen, sondern auch die gesuchte Tasche offen und der Film neigt sich dem Ende zu.

Zur Filmmusik sagte Sven Regener (Regisseur von Herr Lehmann) : Die Musik ist toll und psychedelisch. Oder umgekehrt. Gerade so wie der Film. Sie wird wie bei „Pulp Fiction“ sehr gut in den Film integriert und die Hauptdarsteller reagieren teilweise auch darauf. Die musikalische Zugreise führt über die Indie-Bahnhöfe von „Calexico“ und „Get well soon“ und endet am elektronischen Fahrsteig von „Tiefschwarz“. Da der Film eine Kino-Produktion ist, gibt es von mir für die Bildqualität der DVD-Auswertung sehr gute Noten. Ich konnte keine Bildfehler oder ähnliches entdecken, vielleicht wurde ich aber auch zu sehr von den Dialogen im Ösi-Schmäh abgelenkt oder es war doch ein Bier zuviel, keine Ahnung. Sound geht auch in Ordnung, mehr als Dolby Digital 5.1 braucht der Film nicht.

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Das Fazit von: derstefan

derstefan

Der Film ist wirklich einzigartig, auch wenn er immer wieder andere Filme zitiert. Aber wer das so eindeutig und gekonnt macht, der darf das. Zwar gibt es die eine oder andere Länge und manchmal schiesst Regisseur Glawogger ein wenig über das Ziel hinaus, aber insgesamt ist für 96 Minuten gute Unterhaltung gesorgt. Die Dialoge sind einfach gelungen und die filmische Umsetzung von irren Gedankengängen ist einfach sehenswert. Wer kein Problem mit Kifferkomödien hat, der muss sich den Film einfach unbedingt ansehen. Tipp!


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