Dark Souls

Dark Souls

Publisher: Namco Bandai
Entwicklerstudio: From Software
Genre: Rollenspiel
Sub-Genre: Action-Rollenspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 07.10.2011
USK 16

Dark Souls   21.11.2011 von Xthonios

Ihr liebt Abenteuer? Ihr steht auf heroische Kämpfe, in dem jeder Fehler Euer Ende sein kann? Euch stören Spiele mit zu vielen Speicherpunkten? Ihr verbringt gern Stunde um Stunde vor einem Spiel, nur um letzten Endes draufzugehen und wieder von vorn anzufangen? Nein??? Tja, dann kann ich ja wieder Dark Souls spielen gehen, statt diesen Test zu schreiben...

Es war an einem kalten Oktobertage im Jahre 2010, als ich das erste Mal mit einem exklusiven Titel für die Playstation 3 konfrontiert wurde.
Ein japanisches Rollenspiel, welches auf dem deutschen Markt nicht erhältlich war: Demon's Souls. Naja, dachte ich mir anfangs und schaute meinem begeisterten Bruder über die Schulter. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob es simple Unfähigkeit war, aber nach gefühlten 3000 Toden musste auch ich einsehen: BAHHH ist das Spiel schwer und unfair. Wer glaubt, dass dies den Spielspaß senken würde, der irrt sich. Jeder, der sich diesem Spiel hingibt, scheint ein inneres Feuer zu entzünden und mit satanischem Lächeln vor dem Fernseher zu hocken, nur um nach 100 Versuchen endlich diesen verf*#!*#!$§“% Gegner mit Genuss niederzustrecken und dann in den Raum brüllen zu können „WER IST JETZT DER KING?!“.

Auf der GamesCom 2011 wurde dann ein inoffizieller Nachfolger präsentiert - Dark Souls.
Doch die absolute Neuigkeit war, dass dieses Mal auch Xbox-Spieler in den Genuss dieses fantastischen Rollenspiels kommen werden. Diese kleine Ankündigung sollte meine kleine heile Welt – in der alle Rollenspiele gleich sind – mit einem einzigen Knall zerrütten. Ich hörte die Stimme in meinem Hinterkopf schon hämisch lachen, denn sie wusste bereits, was mich erwarten würde.

Dark Souls! Ein Titel, der wohl bereits vor der eigentlichen Veröffentlichung unzählige Jünger in seine Abhängigkeit zerrte. Schon der beeindruckende Prolog zieht mich in den Bann:

Im Zeitalter der Altvorderen war die Welt grau und wurde von immerwährenden Drachen beherrscht. Doch dann kam das Feuer und mit dem Feuer kam das Licht und die Finsternis. Aus den Tiefen der Flammen stiegen die Fürsten der Finsternis hervor und forderten die herrschenden Drachen heraus. Lange tobte die Schlacht um die Herrschaft, bis die Drachen letzten Endes unterlagen. So begann das Zeitalter des Feuers. Doch auch ein Feuer erlischt irgendwann und zurück bleibt nur die Finsternis. Und so wandelt die Menschheit in der Dunkelheit durch die Lande und stirbt vor sich dahin. Doch einige der Toten tragen das Mal der Finsternis und werden zu Untoten. Sie werden zusammengetrieben und in den Norden verbannt, um dort Ihr Dasein zu fristen. Dies ist Dein Schicksal.

 

Ich erwache in einem kleinen Kerker. Es ist dunkel und feucht. An der einen Wand kann ich eine Tür erkennen, die jedoch versperrt ist. Plötzlich erhellt sich der Raum durch eine kleine Luke an der Ecke. Ein toter Körper klatscht neben mir auf den Boden und ein Mensch in schwerer Rüstung wirft einen letzten Blick in mein Verlies, bevor er die Öffnung wieder verschließt. Bei der Durchsuchung des Verstorbenen finde ich ein Schlüssel, der mir bei der Tür weiterhelfen sollte. Dahinter verbirgt sich ein Gang mit weiteren Zellen, in denen vor sich dahinmodernde Körper und eingesperrte Untote befinden. Auf dem Weg in die Freiheit findet man auf dem Boden immer wieder Nachrichten, die einem das Bewegungs- und Kampfsystem erklären. Mit dem linken Analog-Stick bewegt man sich und mit dem rechten Analog-Stick kann man die Kamera entsprechend justieren. Daneben geht’s im Stand mit [B] einen Schritt zurück oder [B]+Halten im Sprint nach vorn. Als letzte Möglichkeit kann man sich auch in eine bestimmte Richtung rollen. Damit wäre die Bewegung auch abgeschlossen. Noch einfacher erscheint das Kampfsystem. Mit [RB] führe ich einen Angriff durch oder setze meine Magie ein, mit [RT] führe ich einen stärkeren Nahkampfangriff durch. Mit [LB] blocke ich und mit [LT] kann ich im richtigen Moment parieren, um einen Gegenschlag auszuführen. Klingt alles ganz übersichtlich und einfach. Hier kommt jedoch ein weiteres Element ins Spiel, dass jede simple „Block und Haudrauf“-Taktik zunichte macht. Neben der Lebensenergie finden wir direkt darunter eine Ausdauer-Anzeige. Wenn wir rennen oder zuschlagen, sinkt unsere Ausdauer. Unglücklicherweise sinkt diese auch, wenn wir blocken oder die Gegner auf uns einprügeln. Das folgende Beispiel soll einen typischen Denkfehler eines Rollenspielers verdeutlichen.

 

Hurra, zwei Gegner. Mit gezogenem Schild und Schwert stürme ich auf die beiden Skelette zu und schlage mit einem kräftigen Hieb zu. Als sie ihre Waffen erheben, halte ich ihnen lachend das Schild entgegen. Die Schläge prallen an meinem Schild ab und ich brülle ihnen ins Gesicht „Mehr habt ihr nicht zu bieten?“ Erneut schlägt der erste Gegner auf mein Schild, doch was ist das? Plötzlich lasse ich mein Schild fallen. Ey Moment! Wie keine Ausdauer mehr? Gänzlich schildlos sehe ich noch wie das zweite Skelett sein scheinbar immer größeres Schwert ausholen und ich säusel mit dem bestmöglichsten Hundebettelblick „PARLEZ?“ *KLATSCH*.

 

In dem Spiel wird schnell klar, dass jeder fahrlässige Fehler schnell der Letzte sein kann. Meist ist es nicht unüblich an einem Gegner einige Male das Zeitliche zu segnen, bevor man die Taktik raus hat, um diesem elendigen Drecksding die Rübe abzuschlagen. So geht es dann auch weiter. Man kämpft sich langsam Gegner für Gegner vor, bis plötzlich ein schwarzer Ritter oder ein Boss auftaucht und Euch klarmacht, dass Ihr eigentlich ein jämmerlich kleiner Haufen seid, den man mit ein bis zwei Schlägen umhaut. Das Schöne daran, sie tun es dann auch einfach.

 

Sicherlich werden sich jetzt so manche Leser fragen, was ist denn nun das Ziel in dem Spiel ist. Nun, nachdem ihr aus dem Kerker entkommen seid, erfahrt Ihr etwas über eine Prophezeiung. Indem Ihr durch dieses Gebiet reist, neue Orte erforscht, mit Händlern oder Todgeweihten sprecht, entwickelt sich die Geschichte weiter. Wer einen roten Faden oder einen festen Wegweiser erwartet, wird bei diesem Spiel enttäuscht werden. Ich persönlich glaube, dass die Entwickler dieses Spiel nur programmiert haben, um herauszufinden, wie hoch die Frustgrenze bei den Spielern ist, bis sie letzten Endes weinend in der Ecke hocken und aufgeben.

 

Klassisch wie in jedem Rollenspiel entwickelt man seinen Charakter natürlich weiter. Jeder besiegte Gegner hinterlässt sowohl Seelen wie auch zufällige Gegenstände. Aber auch hier haben sich die Entwickler etwas ausgedacht, um uns zu demotivieren. Als Erstes müssen Speicherpunkte gefunden und aktiviert werden; eine automatische Speicherung gibt es nicht. Ein weiteres Highlight ist der Verlust aller eingesammelten Seelen, sollte man zufällig sterben. Sollte man es jedoch schaffen, ohne einen erneuten Tod wieder zum letzten Sterbepunkt zu gelangen, erhält man alle seine Erfahrung wieder. Die Vorsichtigen unter Euch werden sich jetzt sicherlich denken, dass man ja einfach 1-2 Gegner töten könnte, zurücklaufen zum Speicherpunkt und weiter geht’s. Dies klingt natürlich logisch, allerdings haben die Entwickler auch hier ganze Arbeit geleistet. Sobald man am Speicherpunkt rastet (und somit speichert), sind alle getöteten Gegner wieder da. Es wird also niemals langweilig.

 

Mithilfe eingesammelter Seelen kann man entsprechend an den Speicherpunkten dann seinen Charakter aufbessern. Aufgehobene Gegenstände kann man jederzeit über die Start-Taste aufrufen und dann im Ausrüstungs-Manager anlegen, die Werte vergleichen oder ggf. auch ablegen. Im weiteren Spielverlauf kann man seine Waffen entsprechend gegen bestimmte Arten von Gefahren auch aufrüsten. Die richtige Waffe und auch die passende Rüstung im entscheidenden Moment parat zu haben, ist der Schlüssel zum Erfolg. Die Taste ist jederzeit benutzbar, allerdings wird das Spiel dann nicht in einen Pause-Modus gehen. Den gibt es nämlich auch nicht. Da das gesamte Areal über mehrere Wege miteinander verbunden ist, befindet Ihr Euch das ganze Spiel über in eine Art wissenschaftlichem Labor mit einem riesigen Labyrinth und wir sind die kleinen Mäuse, die bei falschen Entscheidungen bestraft werden. Hervorragend, Lernen durch Schmerz. Willkommen in der neuen virtuellen Grausamkeit.

 

Wenn man einmal die technische Seite von Dark Souls betrachtet, wird man nichts Revolutionäres finden. Man findet eine solide und annehmbare Grafik vor, atmosphärisch beeindruckende Landschaften, die von der Nähe jedoch leider an Qualität verlieren. Auch die einzelnen Gegner könnten schöner wirken, müssen es aber nicht, um von dem Spiel gefesselt zu sein. Sehr unansehnlich sind dagegen leider die Ragdoll-Effekte der Körper. So bleiben die Toten manchmal am Charakter hängen und man zieht sie wild zappelnd durch die Gegend. Das hätte echt nicht sein müssen. Auch kommen immer wieder mal Clipping-Fehler vor, die dann das Spielgeschehen stören können. Dafür sorgt die Musik im Spiel für hervorragende Stimmung und echte Nervosität.

 

Abschließend möchte ich noch etwas über die Charaktererschaffung selbst erzählen. Zu Beginn des Spiels kann man sich seinen Wunschkandidaten aus 10 verschiedenen Klassen (Ritter, Krieger, Vagabund, Pyromant, seltsamer Nackter mit Keule und weitere) aussuchen. Danach gelangt Ihr eine weitere Oberfläche, wo Ihr Haar- und Gesichtsfarbe sowie Körper- und Gesichtsform anpassen könnt. Abschließend noch eine göttliche Gabe einsacken und das Geschlecht wählen und dann kann es auch fast losgehen. Noch einen wohlklingenden Namen auswählen und schon befindet Ihr Euch in der Welt von Dark Souls.


Das Fazit von: Xthonios

Xthonios

Mit Dark Souls hat "From Software" wieder ein wirklich episches Rollenspiel geschaffen. In diesem Spiel ist man kein Superheld, welcher jeder Gefahr ins Gesicht lacht und siegreich heimkehrt. Man ist nur einer von zahlreichen Untoten, die ums Überleben kämpfen. Hier wird jeder Spieler ans Limit seiner Frustgrenze getrieben, nur um vielleicht letzten Endes mit einem Sieg belohnt zu werden. Man begibt sich in die moderne Sklaverei und übersteht Hunger und Kälte vor dem Fernseher, nur um nach ca. 100 Versuchen endlich den Boss niederzuknüppeln. So erhält man wahre Euphorie. Auch wenn das Spiel rein grafisch gesehen kein absolutes Highlight ist, macht das Spiel durch das Spielkonzept und dem Soundtrack alles wett. Nur wenn man mit jeder Situation rechnet, wird man nicht überrascht und stirbt einen schnellen Tod. Genau das ist es, was das Spiel so süchtig machen lässt. Endlich eine absolute Herausforderung. Ihr werdet dieses Spiel hassen, verfluchen, am liebsten die Konsole ausschalten – aber Ihr werdet es nicht können.


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positiv negativ
  • Ein wahrhaft anspruchsvolles Spiel
  • Häufige Frustmomente
  • Offene Spielwelt
  • Herausfordernde Kämpfe
  • Wunderschöne Landschaften
  • Klassisches und gutes Steigerungssystem
  • Große Auswahl an Ausrüstung
  • Erstklassige Atmosphäre
  • Immer wieder auftretende Clipping-Fehler
  • Häufige (!!) Frustmomente
  • Nur ein Speicherstand pro Charakter
  • Schlechte Animation der töten Körper





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