Gefangene des Krieges - Der Bunker

Gefangene des Krieges - Der Bunker

Originaltitel: The Blockhouse
Genre: Drama
Regie: Clive Rees
Hauptdarsteller: Peter Sellers • Charles Aznavour
Laufzeit: ca. 70 Minuten
Label: SchröderMedia Handels GmbH & Co KG
FSK 16

Gefangene des Krieges - Der Bunker   10.10.2010 von Diaboli

Es gibt meiner Meinung nach nichts schlimmeres, als lebendig begraben zu werden! Das Gefühl der Enge, der Ausweglosigkeit, der Verzweiflung und dem Ausblick auf einen langsamen, aber sicheren Erstickungstod lassen mir sämtliche Haare empor steigen. Aber wo "The Descent" vor einigen Jahren noch die klaustrophobischen Höhlen mit blutgierigen Mutanten bereichert hat, sind es in diesem Film mit Peter Sellers von 1973 einfach nur die Abgründe der menschlichen Seele in extremen Situationen, die hier für Horror sorgen...

Der Film beginnt wie jeder andere Weltkriegsfilm: Im Jahre 1944 werden Zivilisten aus französischen Dörfern an den Atlantikwall geschickt, um dort bei den Bunkerbauten zu helfen. Sie sind Gefangene der Nazis, die zum Arbeiten rekrutiert wurden. Doch als plötzlich gegnerische Flugzeuge angreifen, geht eine Gruppe von Arbeitern in einem  dieser Bunker vor dem Bombenhagel in Deckung. Doch sie werden verschüttet und kommen nicht mehr raus. Sie haben jedoch Glück im Unglück, denn es handelt sich hierbei um einen einen bereits fertiggestellten Bunker der deutschen Wehrmacht, vollgepackt mit Essen, Trinken und sonstigen Vorräten. Genug für eine ganze Armee. Die anfängliche Euphorie schwindet bereits nach kurzer Zeit, als den Männern ihre Situation wieder bewusst wird. Sie sind hinter einer meterdicken Schicht Erde eingesperrt und Hilfe scheint nicht zu kommen. Es bleibt ihnen also nicht anderes übrig, als zu warten. Doch schon bald beginnen die ersten, in ihrer neuen Umgebung den Verstand zu verlieren. 

Gleich zu Anfang: Der Film entzieht sich schnell der  üblichen Handlung von Kriegsgeschichten. Abgesehen von dem kurzen Angriff zu Beginn des Films, kriegt man vom Geschehen außerhalb des Bunkers kaum etwas mit. Vielmehr entpuppt sich der Film mit der Zeit immer mehr zum eingeengten Kammerspiel, in dem die Darsteller ihr Können unter Beweis stellen. Sie verkörpern jede menschliche Regung, ob Freude oder Hass, Wut oder Verzweiflung, völlig überzeugend. Die musische Untermalung spiegelt den ebenso einfachen "Alltag" der Eingeschlossenen sehr gut wider, die versuchen, mit Liedern und Spielen gegen die aufkeimende Verzweiflung anzutreten. Als Zuschauer ist man mitten im Geschehen und empfindet sich nicht selten recht flaues Gefühl im Magen, bei der Vorstellung, was diese Männer da gerade durchmachen müssen. Wenn der Sprecher zum Schluss enthüllt, dass die Opfer sieben Jahre in totaler Dunkelheit ausgeharrt haben, verwundert es nicht, dass nur zwei Menschen diese Tortur überlebt haben. Das Geschehen ist genauso traurig wie aktuell - wenn man sich den  Fall der Grubenarbeiter von Chile betrachtet. Ob es sich hierbei auch um eine wahre Geschichte handelt, konnte ich jedoch nicht herausfinden.

Die technische Seite der DVD zeigt den Film in aufbereiteter Weise. Die Detaills sind gut, das Filmkorn zeugt vom Alter des Films und die bleichen Farben passen sich gut in das Thema des Films ein. Der Ton beruht eher auf Dialogen, die aber immer klar verständlich sind. Das englische Original wirkt jedoch etwas kraftvoller. Das Menü ist leicht animiert, eine Kapitelauswahl gibt es auch. Für Fans wurde ein Wendecover spendiert. Nicht herausragend, aber gut!


Das Fazit von: Diaboli

Diaboli

Wow, was für ein Film! Anfangs auf einen Weltkriegsfilm eingestellt, wandelt sich das ganze hin zum düsteren Kammerspiel rund um die Menschen und ihre psychischen Qualen in Extremsituationen. Erst noch Lachen die Opfer über ihr Glück, doch bald schon weicht die Freude dem Kampf mit sich selbst und den anderen Verschütteten,bis zum bitteren Ende. Was diesen Film von einer Spitzenwertung abhält, ist die Tatsache, dass man ihn sich wahrlich nur einmal anschauen kann, da es sich hier nicht um einen Vertreter der Sorte "Schaut mal Freunde, hab was für unseren Videoabend" handelt. Es ist ein ruhiger und zugleich beunruhigender Film, der auf einer technisch sicher nicht unterirdischen Scheibe verewigt worden ist. Man sieht dem Film sein stolzes Alter zwar an, aber die ausgebleichten Farben passen sich gut in das Gesamtthema der Produktion ein. Empfehlung!


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