Ice Age 4: Voll verschoben. Die arktischen Spiele

Ice Age 4: Voll verschoben. Die arktischen Spiele

Publisher: Activision
Entwicklerstudio: Behaviour Interactive
Genre: Minispielsammlung
Sub-Genre: Geschicklichkeitsspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 29.06.2012
USK 0

Ice Age 4: Voll verschoben. Die arktischen Spiele   12.11.2012 von GloansBunny

Faultier Sid, Mammut Manni und Säbelzahntiger Diego sind Kult und waren jüngst mit dem vierten Teil ihrer Ice-Age-Saga im Kino zu sehen. Jetzt wollen die Urzeitgesellen auch die Konsolen erobern. Eiszeitbombe oder prähistorische Unterkühlung? Die Sofahelden fühlen Ice Age 4: Voll verschoben. Die arktischen Spiele auf den hohlen Zahn ...

 

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein: Wenn ein Kinofilm oder eine TV-Serie erfolgreich die Charts erobert hat, muss eine passende Videospieladaption her. Manchmal großartig, wie zum Beispiel die Lego-Ableger von Pirates of the Caribbean oder Indiana Jones. Gelegentlich auch mittlerer Durchschnitt à la WALL-E: Der Letzte räumt die Erde auf. Zum Großteil allerdings – traurig aber wahr – absolut unterirdische, überteuerte Look-A-like-Spiele, die nur als Staubfänger nützlich sind. Mit Ice Age 4: Voll verschoben. Die arktischen Spiele greift Activision Blizzard jetzt das eiszeitliche Thema der beliebten Animationsfilme auf und liefert eine olympische Minispielsammlung für Fans der zotteligen Urzeittiere. Auf die Hufe, fertig, los!

 

Die Steuerung: Minimalistisches für kleine Minimalisten ...

Jeder, der seine Konsole liebt, findet mit geschlossenen Augen den jeweils notwendigen Button, auch bei einer Minispielsammlung wie Ice Age 4: Voll verschoben. Die Analogsticks dienen bei jeder Eiszeit-Disziplin zum gelegentlichen Ausrichten der Kamera und hauptsächlich zur Bewegung der Spielfigur. Die Belegung der Aktions- und Schultertasten variiert nur geringfügig, meist wird nur ein einzelner Knopf benötigt um zu springen, zu beschleunigen oder sonst eine Funktion zu erfüllen. Der Großteil der Manöver wird allerdings wie bereits erwähnt per linkem Stick oder alternativ mit der Sixaxis-Neigung durchgeführt.  Das Layout ist wenig komplex und primär für die kleinsten Spieler konzipiert. Aber selbst diese werden recht schnell merken, dass die intuitive Steuerung enorm träge und störrisch auf die Befehle reagiert. Frust und kleinkindliche Wutanfälle sind vorprogrammiert und sollten von den Eltern der zockenden Sprösslinge vor Einschalten der Konsole unbedingt für die weitere Tagesplanung beachtet werden.

Für Besitzer einer XBox 360 herrscht hingegen absolute Kinect-Pflicht. Ohne das schwarze Auge von Microsoft lässt sich Ice Age 4: Voll verschoben nicht spielen. Aber "sich spielen lassen" ist bei der 360-Version sowieso relativ. Denn die Bewegungserkennung des Sensors ist wahnsinnig ungenau und reagiert so schnell, wie das Schmelzen der Polkappen.

 

Grafik, Design und Spielkonzept: visuelles Trockeneis und virtueller Gehirnfrost ...

Das Prinzip des Spiels ist schnell erklärt. Je nach Vorliebe tritt der Spieler  entweder als Mitglied der Ice-Age-Herde oder als rücksichtsloser Pelz-Pirat in bis zu zehn olympischen Disziplinen Marke Eiszeit an. Die zahlreichen Minispiele reichen von Schanzenweitsprung über rasante Fahrten durch den Eiskanal bis hin zu Gürteltier-Weitwurf und Eisschollen-Surfing. An Kreativität mangelt es nicht, an Spielspaß hingegen schon. Meist dauert ein Spiel nur Minuten, die sich lediglich durch die träge und ungenaue Steuerung anfühlen wie Stunden. Zudem erweist sich der Schwierigkeitsgrad als fast schon lächerlich einfach und auch Abwechslung sucht man vergeblich. Die knuffigen Urzeittiere werden stets durch die selben simplen Stick- und Tastenkombinationen manövriert, lediglich Art und Location der Disziplin variieren. Selbst für Nachwuchsspieler ab Baujahr 2005 stellt Ice Age 4: Voll verschoben keine nennenswerte spielerische Herausforderung dar. Höchstens eine Seekuh dürfte Probleme haben - aber nur, weil es sich mit Flossen schlecht zocken lässt.

 

Auch die visuelle Gestaltung wird vor allem Fans der Filmreihe enttäuschen. Zwar sind bis auf die Zwillinge Crash und Eddie sämtliche Lieblingsfiguren spielbar, doch fehlt Manni, Sid, Scrat und Co einfach eine riesige Portion Liebe zum Detail. Verwaschene Texturen, blasse Farben und leblose Hintergründe stehen auf der arktischen Tagesordnung. Die Animationen der Charaktere erweisen sich als gelungen, büßen ihren Charme allerdings durch fehlende Plastizität sehr schnell wieder ein. Denn kuscheliges Fell und borstige Haare findet man an den Pelzträgern leider nur auf der Kinoleinwand. Gerade für ein Spiel, das sich an die Jüngsten unter uns richtet, wäre etwas weniger optische Sterilität durchaus angemessen. Schade, denn die Qualität der Kinofilme samt früheren Ice-Age-Spielen war bisher immer top. Teil Vier auf den Konsolen hingegen ist ein wahrer Flop.

 

Sound und Umfang: Original gelispelt im Eiltempo durch die Eiszeit ...

Die Geschichte ist schnell erzählt. Sid, seines Zeichens Faultier und Tollpatsch im braunen Pelz, findet auf einer Entdeckungstour zufällig einen riesigen Haufen leckerer Früchte. Doch bevor er diesen mit seiner Herde vertilgen kann, erschnuppern die geschulten Nasen der verfressenen Piraten den organischen Schatz und erheben Anspruch auf das Obst. Kurzerhand beschließen die Tiere einen Wettbewerb zu veranstalten, um den Sieger als rechtmäßigen Besitzer der Früchte zu ermitteln. Gesagt, getan, und schon findet man sich im Storymodus wieder. Dieser setzt sich aus einer Abfolge der zehn Disziplinen samt wenigen, unspektakulären Zwischensequenzen zusammen. Wahlweise als Mitglied der altbekannten Herde oder als einer der wuscheligen Piraten tritt der Spieler in simplen, einrundigen Minigames gegen ein vorgegebenes Punktelimit an. Die gegnerische Mannschaft agiert nur selten direkt am Bildschirm. Slalom fahren mit Sids Oma, Kokosnuss-Zielwerfen mit Peaches, Trick-Ski mit Sid höchstselbst – der Großteil der Kurzspiele orientiert sich an mehr oder weniger olympischen Realdisziplinen und hat man so oder so ähnlich schon anderweitig gespielt. Vom ersten Spiel bis zum Abspann verstreicht trotz missglückter Steuerung gerade einmal eine halbe Spielstunde, Profis sind sogar noch schneller. Die Aneinanderreihung der Disziplinen als Storymodus zu bezeichnen ist ein Witz, zumal sämtliche Minigames sowohl im freien Modus als auch im Mutiplayer-Turnier von Anfang an frei verfügbar sind.

Bildergalerie von Ice Age 4: Voll verschoben. Die arktischen Spiele (7 Bilder)

Zum Glück haben die Entwickler keine Kosten und Mühen gescheut, um zumindest beim Thema Sound einen Funken Qualität bieten zu können. Denn die deutsche Version enthält neben einem guten, den Filmen sehr ähnlichen Soundtrack auch die Original-Synchronsprecher. Das kann Ice Age 4: Voll verschoben zwar auch nicht mehr aus dem unterkühlten Konsolengefrierschrank befreien, aber Otto Waalkes und Co transportieren zumindest etwas den Humor und Charme der knuffigen Tierchen an das Spielerherz.

Die einzelnen Disziplinen der arktischen Spiele werden trotz vieler sammelbaren Auszeichnungen und Trophäen schnell langweilig und reizlos. Die Minispiele bieten kaum Abwechslung und sind mit nur einer spielbaren Runde pro Durchgang einfach viel zu kurz geraten, um langfristig zu motivieren. Zudem frustriert die ungenaue Steuerung, gerade bei Klempnerei. Hier muss Eichhörnchen Scrat Löcher in einer Eiswand ausstopfen. Das Spielprinzip ist hier das gleiche wie im Kinect-Aquarium. Doch leider arbeitet die Bewegungserfassung sehr ungenau und die Steuerung am PS-3-Controller gestaltet sich mit schlecht umgesetzter Stickbewegung und Schultertastenkombination als schier unlösbares Unterfangen. Schade, denn eigentlich ist das nussverliebte Hörnchen enorm agil, wie das Minispiel Scrat-Kanone beweist.

Scrat-Kanone ist mit Abstand das unterhaltsamste und lustigste Game der Sammlung. Mit seiner heiß geliebten Nuss vor Augen wird Scrat in die Luft katapultiert. Per Analogstick und Aktionstaste gilt es, Trampoline zu treffen und das Hörnchen somit eine möglichst weite Distanz zurücklegen zu lassen. Die so liebenswürdige, wortlose Vertonung von Scrat bildet mit seinem Gefiepse und Gejohle sowohl spielerisch als auch akustisch den Höhepunkt dieser fragwürdigen Ice-Age-Look-Alike-Produktion ...

 

Die Ice-Age-Filme sind jeden Cent wert, das hier getestete Spiel Ice Age 4: Voll verschoben. Die arktischen Spiele hingegen wäre als günstiges Downloadgame für kleines Geld auf den Marktplätzen und Networks dieser Welt besser aufgehoben. Auch jüngere Spieler und eingefleischte Fans der Zotteltiere werden schon nach kurzer Zeit diese lizensierte Minispielsammlung enttäuscht zurück in die Eiszeit wünschen.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Activision Blizzard bastelt aus dem Erfolgskonzept der Ice-Age- Serie ein Ressourcen verschwendendes, virtuelles Artensterben. Da überstehen Sid, Manni und Kumpane schon heldenhaft Gefahren wie Eiszeit und hungrige Dinosaurier, um dann einen unschönen, glanzlosen Grafik- und Gameplay-Tod sterben zu müssen! Die Filme wussten stets zu unterhalten und sprühten nur so vor Liebe zum Detail und Humor. Dieses Spiel allerdings enttäuscht mit mangelnder Abwechslung, lieblosem Design und chronischer Unterforderung des eigenen, spielerischen Könnens. Über die durchschnittliche optische Gestaltung und die träge, frustrierende Steuerung können zudem nicht einmal die tollen Synchronsprecher Otto Waalkes und Co hinweg trösten. Weder Erwachsene noch  Kinder dürften die zehn arktischen Minispiele länger als eine Stunde an den Bildschirm fesseln, trotz kreativer Disziplinen wie Gürteltier-Weitwurf oder Klempnerei. Lediglich Scrat-Kanone macht für mehrere Durchgänge Laune – was aber eher am schrullig-liebenswürdigen Eichhörnchen liegt, als am Spiel selbst. Ice Age 4: Voll verschoben. Die arktischen Spiele ist insgesamt qualitativ und quantitativ leider genauso "hochwertig", wie die Hinterlassenschaften aus Sids Magen-Darm-Trakt. Tipp für alle Eltern kleiner Ice-Age-Fans: die 50€ für das Spiel sparen und lieber für einen Zoobesuch mit der ganzen Familie investieren. Die realen Nachfahren von Diego, Manni und Sid sind viel spannender und unterhaltsamer als die virtuellen Urzeittiere.


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positiv negativ
  • Original Synchronsprecher
  • Charaktervielfalt
  • Toller Soundtrack
  • Für sehr junge Spieler geeignet (FSK 0)
  • Scrat als Spielfigur verfügbar
  • Grafik nur Durchschnitt
  • Steuerung sehr träge und ungenau
  • XBox-Version nur mit Kinect spielbar
  • Kaum Abwechslung, wenig Motivation
  • Umfang zu gering, Storymodus nach rund 30 Minuten beendet
  • Schwierigkeitsgrad selbst für Kinder zu anspruchslos
  • Anschaffungspreis zu hoch





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