John Wick

John Wick

Originaltitel: John Wick
Genre: Action
Regie: Chad Stahelski • David Leitch
Hauptdarsteller: Keanu Reeves
Laufzeit: DVD (97 Min) • BD (102 Min)
Label: Studiocanal
FSK 16

John Wick   07.06.2015 von Beef Supreme

Unter all den Comic-Verfilmungen und Over-The-Top-Bombast-Spektakeln, werden klassische Actionfilme zumindest auf großer Leinwand immer seltener. Aber es gibt sie trotzdem noch, wie Ex-CIA-Klopper Bryan Mills in Taken und Vollkontakt-Knochenzwirbler Rama in The Raid ansehnlich demonstrierten. Zu dieser Riege gesellt sich nun auch John Wick mit seiner fetten 9mm. Weniger auf die Fresse dreschen, mehr in die Fresse ballern lautet hier das Motto, und das Ergebnis ist wahrlich Balsam für die marvelgeschundene Actionseele ...

 

Der arme John (Keanu Reeves) hat es nicht leicht. Gerade noch lief das Leben so geil, da muss er seine Frau in der Erde verscharren und kann noch nicht einmal jemandem den Kopf dafür wegschießen, da sie einer Krankheit zum Opfer fiel. Doch selbst im Tod denkt sie noch an ihren trauernden Trübsalbläser und schenkt ihm einen Welpen, damit er etwas zum Tränen trocknen hat. Blöd nur, dass ein paar Russen voll auf Johns 69er Mustang abfahren und im Zuge eines miserabel geplanten Raubs den kleinen Köter umlegen müssen. Mafiaboss-Söhnchen Iosef (Alfie Allen), der in Fachkreisen auch als Theon Greyjoy firmiert, hat dabei keinen Plan, wessen Karre er da geklaut und wessen Hund er da gerade plattgemacht hat. Er wird noch jede Menge Gelegenheit haben, dieses „Opfer“ kennenzulernen, denn er ist zurück: John Wick, besser bekannt als der Schwarze Mann, lädt wieder durch und hat so richtig schlechte Laune.

 

John Wick ist ein typischer Rache-Actioner, dessen Handlung kaum simpler sein könnte. Eindeutig böse Jungs bauen Scheiße und der Held des Films setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um sie bezahlen zu lassen. Tausende Male schon gesehen. Und trotzdem gehört diese Interpretation mit zum Besten, was der Actionsektor die letzten Jahre so ausgespuckt hat. Das liegt zum einen daran, dass dem Zuschauer nur nach und nach gewahr wird, wer dieser John Wick überhaupt ist. Jeder nimmt seinen Namen nur mit Ehrfurcht in den Mund, jeder weiß scheinbar, dass man es sich besser nicht mit John Wick verkackt. Jeder, der Polizist, der Postbote, der Milchmann, der Portier, aber nicht der Zuschauer. Gut, Iosef wusste es wohl komischerweise auch nicht, sonst hätte es nichts zu erschießen gegeben, aber diese kleine Logiklücke kann angesichts der Qualitäten verziehen werden. Aber hauptsächlich baut der Film diesen ominösen John Wick als Naturgewalt, als Racheengel, als Gott des Todes auf und drückt so die Erwartungshaltung des Zuschauers immer weiter nach oben, endlich zu erfahren was diesen Herrn Wick so besonders macht. Und dann zeigt uns der Film genau das. Schon die erste von so einigen Schießereien weiß auf ganzer Ebene zu überzeugen und liefert einen perfekt choreografierten Shoot-Out, der einen grinsend im Sessel zurücklassen wird. Diese Qualität der Actionsequenzen wird nicht nur über den ganzen Film gehalten, sondern noch weiter gesteigert, ohne dabei das Gefühl für die ruhigeren Sequenzen zu vernachlässigen. In gekonnt getimten Szenen wird nebenher eine Parallelgesellschaft der Killer mit ihren ganz eigenen Regeln, Kodizes und Hintergründen eröffnet, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Hier wird nicht jedes Detail haarklein vorgekaut, hier werden Tatsachen vorausgesetzt, die den Zuschauer interessieren, die er aber nicht erfahren wird, weil ewige Monologe und das Aussprechen von Tatsachen, die jedem bekannt sind nicht Kern der Sache sind. So entsteht eine höchst interessante Welt, in der John sich da bewegt, in der Moral keine Rolle spielt und Tischreservierungen für 20 und mehr keine Seltenheit sind.

 

Bildergalerie von John Wick (15 Bilder)

Optisch ist dieser Film über jeden Zweifel erhaben. Glücklicherweise wurde auf die Megaton’sche Gedächtnis-Wackelkamera verzichtet und man sieht klar und deutlich jedes weggeschossene Gesicht, jeden sich krümmenden Gangster und einen höchst agilen Keanu Reeves in Bestform. Unterstützt wird das überaus scharfe Bild durch eine sehr gelungene Ausleuchtung, die in allen Szenen vollends überzeugen kann. Der Sound weiß zudem eine Sinfonie der Zerstörung aus den Boxen wummern zu lassen, knackige Kanonensounds und kernige Kieferbrüche schallen im satten 5.1-Sound durchs Heimkino. Ganz nebenher läuft der gelungene Score und fidelt auch mal sanftere Töne zu den ruhigeren Passagen. Kurzum, Technik läuft! Das einzige, was sich ankreiden ließe ist die Verwendung von computergeneriertem Blut. Da ich aber erklärter Fan von Blutwolken nach dem sauberen Kopfschuss bin, störe ich mich in diesem speziellen Fall daran nicht weiter, zumal der Gore-Anteil sich zurückhält. Was nicht heißen soll, dass hier alles zahm in der Ecke stirbt. Es wird nur nicht allzu sehr übertrieben, was dem Film bei seiner Bodenständigkeit nur gut tut. 


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ach wie habe ich es vermisst: Das Voll-in-die-Fresse-Kino! Nachdem Regisseur Megaton die Taken-Reihe so grandios gegen die Wand gesetzt hat, war eine lange Durststrecke angesagt. Und wie aus dem Nichts taucht John Wick auf und wischt mit der Konkurrenz mal feucht durch den Flur. Schon lange bin ich nicht mehr so begeistert aus dem Kino gekommen. Nicht nur die überirdisch großartig inszenierten Actionchoreografien haben mich begeistert, auch der Aufbau des Films, diese langsame Hinführung zum Kugelgewitter ist genau mein Ding. Dass die Regisseure Stahelski und Leitch es mal eben so noch schaffen, eine düstere Parallelgesellschaft voller gefährlicher, aber saucooler Gestalten aufzubauen, die nach ihren eigenen, unbekannten Regeln funktioniert, wertet diesen ohnehin genialen Actionstreifen noch weiter auf. Macht nicht den gleichen Fehler wie Iosef, lernt John Wick kennen!


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