Santa Clarita Diet

Santa Clarita Diet

Originaltitel: Santa Clarita Diet
Genre: Komödie • Horror
Regie: Dean Parisot • Lynn Shelton • u.a.
Hauptdarsteller: Drew Barrymore • Timothy Olyphant • Liv Hewson
Laufzeit: Streaming (300 Min)
Label: Netflix

Santa Clarita Diet   28.02.2017 von LorD Avenger

Sheila und Joel Hammond sind Immobilienmakler im kalifornischen Santa Clarita. Auf einer Wohnungsbesichtigung verwandelt sich Sheila dann plötzlich und scheinbar grundlos im Einklang mit reichlich Erbrochenem in einen fleischfressenden Untoten. Abgesehen von einigen hormonellen Stimmungsänderungen ist sie aber noch ganz die Alte - das Leben mit ihrer rebellischen Tochter muss also irgendwie weitergehen...

 

Ich schätze, Santa Clarita Diet ist eine dieser Produktionen, die man schon aufgrund der Stars auf dem Cover sehen möchte - insbesondere wenn die provozierende Plakatwerbung dafür erst nach dem Anschauen zur Kenntnis genommen wurde. Der mehrfach durchgeschnittene Finger getarnt als Currywurst ist ziemlich genial, ganz nebenbei erwähnt. Ich gestehe, kein sonderlich großer Drew Barrymore-Fan zu sein - ich finde sie weder attraktiv, noch fällt mir spontan ein Film von ihr ein, den ich mag... oder der mir halt überhaupt einfällt - aber der Name ist doch zumindest schon einmal eine Hausnummer und Timothy Olyphant mag ich seit The Girl Next Door und ich liebe ihn seit Deadwood - spätestens da war die Sache für mich entschieden. Von zahlreichen bekannten Gesichtern unter den Gastauftritten ganz zu schweigen, die man zwar noch nicht auf dem Cover sieht, die einen beim Auftauchen dann aber angenehm überraschen: Nathan Fillion (Firefly, Castle), den ohne Bart nicht wiederzuerkennenden Ricardo Chavira aus Desperate Housewives, Patton "Spence aus King of Queens" Oswald oder Adam Rose aus... naja, er ist sowas wie ein A-Klasse Statist und hat gefühlt bereits überall mitgespielt. Auch wenn diese mehr oder minder hochkarätigen Gäste bereits in den ersten paar Folgen verbraten werden, erheitert das Wiedersehen doch ziemlich.

 

Die Serie entwickelt sich unweigerlich in dieselbe Richtung, die das Cover mit der blutigen Kühlbox schon vermuten lässt: Brutal witzig. Wobei "brutal" hier bitte nicht als Adverb, sondern tatsächlich wörtlich zu nehmen ist. Gleich nach ein paar Minuten bemerkt man direkt anhand der simpel gestrickten, unbeschwerten und teilweise vielleicht überzeichneten Charaktere den unweigerlichen Sitcom-Charakter. Es gibt kein nerviges Lachen aus der Dose nach jedem halben Satz, die Folgen sind auch 10 Minuten länger als man es von Sitcoms gewohnt ist und es gibt deutlich mehr Schauplätze als ein Studiowohnzimmer, dem eine Wand fehlt. Aber unterm Strich möchte SCD (Freunde dürfen sie so nennen) witzig sein. Ebenso sehr, wenn nicht sogar noch etwas mehr, möchte sie provozieren. Drew Barrymore als liebende Mutter in der schicken Vorstadt, die zur menschenfressenden Killerin mutiert und das ganze Problem wunderbar hinter neuen Interessen, Optimismus, guter Laune und angeregter Libido versteckt. Parallel dazu ihr Mann, der die Entwicklung mit verfolgt und in die schlimmsten sowie kuriosesten Sachen verstrickt wird. Von der Tochter ganz zu schweigen, die den beiden alles andere als langsam auf die Schliche kommt zusammen mit dem nerdigen Nachbarsjungen, der auf sie steht.

 

Mehr im Hintergrund aber für Fans von klassischen Zombie-Geschichten sicher relevant, verbirgt sich die Rahmenhandlung rund um einen osteuropäischen... Zauber? Fluch? Eine Krankheit? Nur eine Legende? Per Zufall gerät Joel an zwei Seiten aus einem alten Buch als er nach einer Lösung für das Problem sucht, mit dem sich Sheila schockierend schnell abfindet und diese werfen weit mehr Fragen auf als sie Antworten liefern. Um eine Vorwarnung zu geben: Diesbezüglich wird in Staffel 1 auch nichts aufgeklärt.

 

Unterhaltungstechnisch haben wir im Verlauf der lediglich 10 Folgen 2 Phasen. Farb- und stimmungstechnisch haben es Regie und Co. es gut hinbekommen den Charakter einer kalifornischen Neureichen-Vorstadt einzufangen, was den Zuschauer stets in einer positiven, lockeren Stimmung abholt, die einer humorlastigen Sendung gerecht wird. Als Drew Barrymore dann allerdings in der ersten Folge beginnt ununterbrochen unappetitliche Kotze in mehr als einem Raum zu verteilen (und zwar großzügig), stellt man schon direkt das humoristische Niveau der Serie infrage - ein weiteres Wet Hot American Summer brauche ich definitiv nicht... Nach der Vermischung von Tapeten mit Gallensäften hat es sich aber auch erst einmal mit derartigem Fäkalhumor und Santa Clarity Diet versucht innerhalb ihrer Dialoge clevereren Witz einzubringen. Das gelingt anfänglich sehr mäßig, was zwei Gründe hat: Zum einen sind einige der Synchronstimmen schrecklich und zum anderen muss man sich, wie in jeder anderen Serie auch, zunächst an die Charaktere gewöhnen und sie ins Herz schließen - dann kann man anfangen, sie witzig zu finden. Nach ein paar kleinen Startschwierigkeiten, während denen man zugegebenerweise auch noch nicht so recht weiß, was man jetzt von der Serie halten soll, groovt sich alles aber ein und wird wirklich witzig und zunehmend sympathisch. Einige Szenen werden mir sicherlich noch eine Weile gut in Erinnerung bleiben und darunter fallen nicht einmal unbedingt die Splatter- und Gore-Szenen während einer erneuten Kannibalismusattacke oder als Resultat der voranschreitenden Verwesung, die wohlgemerkt sehr gut rationiert eingesetzt werden.

 

Bildergalerie von Santa Clarita Diet (7 Bilder)

Die deutsche Synchronisation hingegen stieß mir direkt in der ersten Folge sehr sauer auf. Weder Nathan Fillion noch Timothy Olyphant haben ihre gewohnte Stimme und zu allem Überfluss klingt vor allem Letzterer wie einer dieser miserablen Porno-Sprecher, die sich davon demotivieren lassen, dass niemand auf die Handlung und die Dialoge achten wird. Irgendwann gewöhnt man sich an alles, aber Olyphant eine bewusst Sitcom-tauglichere Stimme zu geben empfinde ich nicht als den besten Schachzug.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Trotz anfänglicher Skepsis, während der man noch nicht so recht weiß, was einen erwartet und was wiederum zu Startschwierigkeiten bei mir geführt hat, nimmt die Serie Fahrt auf und wird zu einer sehr unterhaltsamen Comedy-Show mit stetig neuen Herausforderungen und Twists, die einen bei Laune halten und zu neuen lustigen Situationen führen - einer alten bewusstlosen Frau einen Eimer um den Kopf zu schnallen und sie auf einem Drehstuhl zum Kotzen bringen zu wollen ist nur das Highlight. Die wirklich überzeugend dargestellten Splatter-Einlagen und Verstümmelungen sind gut dosiert und haben in dem bunt-fröhlichen kalifornischen Umfeld sogar kaum eine abstoßende Wirkung - es fügt sich zumindest wunderbar in das ansonsten sehr Humor-zentrierte Umfeld ein. Die mystische Rahmenhandlung rund um den Ursprung der Zombiefizierung ist spannend, wird aber frühestens in Staffel 2 näher beleuchtet... und das wären definitiv 10 Folgen, die ich mir ebenfalls ansehen würde.


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