Silent Hill HD Collection

Silent Hill HD Collection

Publisher: Konami
Entwicklerstudio: Konami Digital Entertainment
Genre: Action-Adventure
Sub-Genre: Survivalhorror
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 29.03.2012
USK 18

Silent Hill HD Collection   18.05.2012 von GloansBunny

Nebel, verschlafene Kleinstadt, grausige Gestalten – wer bei diesen Schlagwörtern nicht unweigerlich an die Silent Hill-Reihe denken muss, ist entweder nach 1995 geboren oder hat mit Games nicht viel Erfahrung. Im Folgenden werdet Ihr sehen, ob die jüngst erschienene HD Collection den ersehnten Pfad des Grauens beschreitet oder sich spielt wie eine Wanderung zu Schullandheimzeiten ...

 

Der Brief seiner verstorbenen Frau führt James Sunderland auf der Suche nach Antworten in das einsame und kleine Städtchen Silent Hill. James wird in Silent Hill 2 mit heruntergekommenen Häusern, blutüberströmten Krankenschwestern und anderen entstellten Kreaturen konfrontiert. Ein auswegloser Kampf gegen innere Urängste, Dämonen und unlösbar scheinende Rätsel entbrennt, in dem Sunderland bis an seine Grenzen gehen muss. Aber auch anderen Menschen widerfährt eine albtraumhafte Reise in die dunklen Geheimnisse der Ortschaft. So muss sich in Silent Hill 3 Heather Mason alleine Verlust, Trauer und seelischen Grausamkeiten stellen.

Wie befreit sich ein normaler Mensch ohne Superkräfte oder Kampferfahrung nun aus solch einer Misere? Mit Intelligenz, Besonnenheit und Bewegung natürlich. Letztere wird wahlweise durch den linken Analogstick oder das Digikreuz initiiert. Auf den Aktionstasten liegen die Funktionen zum Angreifen, Untersuchen, Benutzen der Taschenlampe und zum schnellen Laufen. Per Schultertasten erfasst der Charakter ein Ziel, auch die Kamera darf hiermit justiert werden. Die mittig platzierten Pfeiltasten geben Zugriff auf Pausen- und Inventarmenü. Im Großen und Ganzen wurde die ursprüngliche Tastenbelegung der Vorgängerkonsolen übernommen, die zwar nicht mehr im vollen Umfang zeitgemäß, aber dennoch eingängig ist.

Das Konzept, durch Nebelschwaden, subtile Geräusche und gruselige Figuren eine knackige Horroratmosphäre zu erschaffen, bescherte der Silent Hill-Reihe unzählige Fans. Die einst noch pixeligen und verschwommenen Areale wurden nun von Konami entstaubt und als HD Collection für die aktuellen Konsolen aufpoliert – so heißt es zumindest. Zwar sind die Texturen klarer und die Auflösung höher, der charakteristische Nebel allerdings ist deutlich transparenter als in den Originaltiteln. Wo vor 10 Jahren nur erahnt werden konnte, was einige Meter voraus drohen würde, sind die Konturen nun deutlich sichtbar. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man die wabernde Ursuppe von 2001 und 2003 lieb gewonnen hat. Die düsteren Abschnitte vom Typ Krankenhaus, Einkaufszentrum, Wohnhaus und Hinterhof sind noch immer gruselig und dunkel, mit angenehm unaufdringlichen Details versehen und dynamisch. Die Charakter- und Gegneranimationen sind detailliert und flüssig, allerdings zwingen mehrere Angreifer zeitgleich gelegentlich die sonst so zuverlässige Bildrate in die Knie. Bei einer Neuauflage haben solche Probleme eigentlich nichts verloren, zumal der stetig vorherrschende Gruselfaktor so immer wieder unsanft eingebremst wird. Gut, dass zumindest die aufgehübschten Zwischensequenzen sauber animiert und ruckelfrei über den Bildschirm flimmern.

 

Bildergalerie von Silent Hill HD Collection (13 Bilder)

Die Vertonung meistert Konami hingegen vorbildlich. Wahlweise erklingt die Originalfassung von Akira Yamaokas fantastischem Soundtrack oder eine glasklare Neuaufnahme jener legendären Stücke. Auch die Dialoge und Zwischensequenzen wurden neu vertont und überzeugen mit motivierten Sprechern. Sämtliche Ingame-Effekte sind stimmig und an den richtigen Stellen platziert. Unheilvolles Brummen aus allen erdenklichen Ecken sorgt für Gänsehaut, auf den Punkt genau gesetzte Geräusche lassen das Blut in den Adern gefrieren. Das Rauschen des mitgeführten Taschenradios warnt vor drohenden Gefahren, grausig entstellte Monster stürzen kreischend durch berstende Holzwände, der Wind heult pfeifend durch enge Gassen ... Stimmig, gruselig, entmutigend. Toll! Die permanenten Soundeffekte sorgen konstant für eine beunruhigende, drückende Atmosphäre und zeichnen die Silent Hill-Reihe aus.

HD Collections wurden in letzter Zeit zum Branchentrend. Klassiker wie Metal Gear Solid, Devil May Cry und Prince of Persia landeten schon auf neuen Discs, grafisch überarbeitet und an die aktuelle Technik angepasst. Allerdings entspricht das Wort "Collection" nicht immer seiner Bedeutung. Wie auch bei MGS fehlt bei der Silent Hill HD Collection der erste Teil der Serie. Da die Geschichten der enthaltenen Spiele eigenständig und unabhängig voneinander sind, ist die Kenntnis von Teil 1 glücklicherweise nicht erforderlich. Trotzdem fühlt man sich veräppelt, denn schließlich erwartet man von einer Sammlung auch eine gewisse Vollständigkeit. Immerhin haben die Entwickler diverse Zusatzinhalte aus den Director´s Cut-Versionen spendiert, zum Beispiel Zusatzszenarien und alternative Enden. Story und Spielverlauf wurden beibehalten und wissen bis heute in ihren Bann zu ziehen. Die tiefsinnigen, individuellen Geschichten rund um die einprägsamen Figuren fesseln ungemein. Konami bietet einen abartigen Ausflug in die Abgründe der menschlichen Seele, der vor allem in Silent Hill 2 äußerst imposant ist. Die Mischung aus direkter Konfrontation mit Dämonen und subtilem Horror à la Licht- und Schattenspiel erzeugt eine extrem dichte, beklemmende Atmosphäre. Diese kommt anfangs etwas schleppend in Gang. Nach der ersten Spielstunde nehmen Spielfluss und Spannung jedoch an Fahrt auf. Ansprechende, dynamische Kämpfe mit Hieb-, Stich- oder Schusswaffen gegen dämonische Gestalten wechseln sich mit teils recht kniffligen Rätseleinlagen ab. Von einfachen Suchaktionen bis hin zu komplexen Schalterrätseln bietet die verschlafene Kleinstadt viele Geheimnisse.

 

Silent Hill sitzt ganz oben im Olymp der Horrorspiele. Zwar haben die beiden auf der Collection Disc enthaltenen Teile der Serie schon mehr als zehn Jahre auf dem Buckel, von seiner stimmigen und beklemmenden Atmosphäre ging aber nichts verloren. Nach wie vor spielt Konami geschickt mit der Psyche der Spieler, erzeugt Horrorstimmung vom Feinsten und überzeugt mit Umfang und Subtilität. Wo Resident Evil auf szenenbezogene Schockeffekte setzte, hält Silent Hill die Gänsehaut des Spielers konstant aufrecht. Licht aus, Konsole an und eintauchen in eine albtraumhafte Welt, die für einen unruhigen Schlaf sorgen wird. Versprochen!


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Sämtliche Teile von Resident Evil, Alan Wake, Dead Space und von vielen weiteren Spielen reihen sich im Bereich "Horror/Survival" in meinem Regal aneinander. Jetzt hat sich auch die Silent Hill HD Collection dazugesellt und einen wohl verdienten Platz erobert. Silent Hill ist ein Klassiker und bietet Gruselatmosphäre höchster Qualität. Aus unerklärlichen Gründen befinden sich zwar nur Teil 2 und 3 auf der Disc, dafür aber der volle Umfang an Horror, Spannung und Story. Kleinere Portierungsfehler wie Grafikschwächen und gelegentliche Ruckler sind vorhanden, fallen aber kaum ins Gewicht. Neue Synchronisation, überarbeitete Texturen und die bewährten Szenarien schinden Eindruck und überzeugen heute wie damals. Die altmodische Controllerbelegung tut ihr Übriges, um ein gewisses Retrogefühl zu erzeugen. Für den relativ günstigen Preis von knapp 30 € bietet Konami viel Survival Action für Fans und Serienneulinge gleichermaßen. Silent Hill macht Spaß, fordert mit Rätseleinlagen und setzt sich beängstigend lange im Gehirn fest. Nichts für Angsthasen, nichts für Kinder und nichts für Weicheier. Wahrscheinlich wird sich aber auch der tapferste Spieler abends im Bett ein Nachtlicht wünschen, das ihn oder sie mit seinem Schein aus den Albträumen führt ...


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positiv negativ
  • Grafik und Texturen in HD
  • Soundtrack und Effekte stimmig
  • Horroratmosphäre vom Feinsten
  • Fesselnde Story, einprägsame Charaktere
  • Tolle Mischung aus Rätsel und Action
  • Animationen und Gameplay flüssig
  • Teil 1 nicht mit auf der Disc
  • Gelegentliche Einbrüche der Bildrate
  • Neuvertonung ist Geschmackssache
  • Kleinere Grafikschwächen





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