Split

Split

Originaltitel: Split
Genre: Thriller
Regie: M. Night Shyamalan
Hauptdarsteller: James McAvoy
Label: Universal Pictures
FSK 16

Split   04.02.2017 von LorD Avenger

Für die eigensinnige und achtsame Casey (Anya Taylor-Joy) und ihre zwei Freundinnen Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) wird das Leben zur Hölle, als sie eines Tages von einem unheimlichen Mann entführt werden. Ihr Peiniger (James McAvoy) leidet unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung und vereint 23 verschiedene Wesen in seiner Psyche, die sich alle miteinander abwechseln und so für Verwirrung und Entsetzen sorgen. Während die Mädchen verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit suchen, ahnen sie jedoch nicht, dass sich in Kevin etwas ganz besonders Böses regt...

 

Ich liebe ja Schizophrenie-Geschichten. Meiner Ansicht nach sind das die spannendsten, überraschendsten und schlichtweg besten Psycho-Thriller, die es bis zum heutigen Tage gibt. Ich würde an dieser Stelle gerne Beispiele nennen, aber die meisten davon unterscheiden sich gravierend von Split in einem Punkt: Bis zum Ende des Filmes weiß der Zuschauer nicht, dass die Handlung auf der psychischen Störung basiert. Allein Beschreibung, Filmplakat und natürlich der Titel selbst verraten diesen Umstand bereits bereitwillig - Shyamalans neuster Streich muss also einen anderen Twist aufbieten.

 

Die versprochene Handlung des Thrillers lässt nicht lange auf sich warten. Innerhalb der ersten Minuten sind wir bereits voll im Geschehen und finden die drei jungen Teenagerinnen in ihrem beklemmenden Gefängnis wieder, bewacht von einem James McAvoy (X-Men), der in seinem Auftreten an eine Mischung aus den Protagonisten von One Hour Photo und Breaking Bad erinnert. Anfänglich scheint er den Mädchen kein Haar krümmen zu wollen, entführt sie ohne Handgreiflichkeiten und will keine von ihnen verletzen... allerdings auch nur, weil sie offenbar einem mysteriösen näherkommenden Ziel dienlich sein werden.

 

Die Story und auch die Panik der Geiseln vor dem Gestörten entfalten sich primär durch das Wechseln seiner Persönlichkeiten. Von den über 20 sehr unterschiedlichen Charakteren bekommen wir nicht einmal die Hälfte vorgespielt, aber auch ganz einfach aus dem Grund, dass sich in dem armen Mann ein Machtkampf ausgebreitet hat, den die dominanten Persönlichkeiten gewinnen - allen voran die vom Mythos der "Bestie" besessenen Dennis und Miss Patricia (ja, der kahl rasierte McAvoy schlüpft auch in High Heels und mimt Frauen) und der noch keine 10 Jahre alte lispelnde Hedwig, der besonderes kindliches Interesse an den Mädchen zeigt und in dem sie auch ihre größte Chance zum Ausbruch sehen.

 

Weiter ins Detail geht die Geschichte des Entführers während seiner Besuche bei der Psychologin Dr. Fletcher. Diese hat ihr Leben Patienten wie ihm gewidmet und wittert gleich Verdacht, dass ihr gegenüber nicht die Persönlichkeit sitzt, als die sie sich ausgibt.

 

M. Night Shyamalan, der sowohl für Regie als auch fürs Drehbuch zuständig war, nutzte mit DID eine der kontroversesten psychischen Erkrankungen als Deckmantel für seine Fantasy-/Sciencefiction-Geschichte. Jeder, der den Regisseur kennt, wird keinen reinen Psychothriller erwartet haben - After Earth, The Happening, The Village, Signs, Sixth Sense und nicht zuletzt der geistige Vorgänger Unbreakable mit Bruce Willis. Das ist genau sein Ding und darauf muss man auch hier vorbereitet sein - ohne, dass ich zu viel enthüllen möchte.

 

Besonders amüsant ist es hier die Parallelen aus dem erfolgreichen YouTube-Video How to make an M. Night Shyamalan Film aufzustellen: Protagonist ist ein alleinstehender weißer Mann mittleren Alters mit Problemen und einem düsteren Gesichtsausdruck. Check. Als Nebenrolle spielt man trotz mangelnden schauspielerischen Talent als Regisseur auch selber mit. Check. Jede Menge offensichtliche Allegorien einbauen, die nicht wirklich eine Bedeutung haben. Hmm... dafür müsste ich ihn noch einmal schauen, spontan fällt mir aber definitiv eine gravierende ein. Also Check. Der Twist: Lass das Publikum glauben, etwas ist nicht real und es entpuppt sich als real oder andersrum. Definitiv check. Auch bei den langen Takes ohne Schnitt muss ich leider gestehen, dass ich mir den Film dafür lieber ein zweites Mal ansehen würde. Check unter Vorbehalt demnach. Aufnahmen von Spiegelungen? Gab's, check. Trailer stellt den Film primär wie einen Horrorfilm dar? Jap. Zugegebenermaßen aber... teilweise ist es wohl einer.

 

Schauspielerisch hingegen muss ich definitiv weniger differenziert bewerten. Die Mädchen sind sicher nicht überragend, aber immerhin glaubhaft genug, die Psychologin (oder Psychiaterin? Ich vergesse immer den Unterschied. Das ist wie mit Stalaktiten und -miten) ist sympathisch und wirkt so kompetent, als wäre das ihr tatsächliches Fach und allen voran natürlich James McAvoy, den ich bisher eigentlich nur aus Wanted und den neueren X-Men kannte. Ich hätte es ihm nicht zugetraut, aber er macht einen verdammt guten Job zwischen 7 verschiedenen Charakteren hin und her zu switchen und besonders beeindruckt war ich im späteren Verlauf, wenn er sich nicht einmal mehr umziehen musste und man bereits am Gesicht und am Blick erkennen konnte, welche Persönlichkeit gerade die Oberhand gewonnen hat. Schlichtweg großartig.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Split ist ein durchaus atmosphärischer und spannender Film mit brillanter Leistung in der Antagonistenrolle, der aber leider - nicht zuletzt aufgrund des nur zu bekannten allgegenwärtigen Shyamalan-Namens - nicht mit dem umwerfenden Plottwist eines Schizo-Films am Ende punkten kann. Er versucht einen anderen Ansatz und größtenteils glückt dieser auch zweifellos, schafft sogar etwas, das aus der Masse hervorsticht, das zur Auflösung des Films hin aber, zumindest in meinen Augen, etwas zu schwach wird. Vielleicht hat mir das Abdriften ins Übernatürliche nicht so zugesagt, vielleicht wollte ich auch einfach nur zu sehr einen guten alten 90er-Jahre Thriller der alten Schule, wie Sieben oder Der Knochenjäger. Denn im Gegensatz zu denen hält sich die Qualität der Story hier in Grenzen und baut auf nicht vielmehr auf, als einer fiktiven aber immerhin interessanten Idee und einer herausragenden schauspielerischen Leistung.


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