Surgeon Simulator A&E Anniversary Edition

Surgeon Simulator A&E Anniversary Edition

Publisher: Sony
Entwicklerstudio: Bossa Studios
Genre: Simulation
Sub-Genre: Auschnippel-Simulator
Art: Downloadtitel
Erscheinungsdatum: 13.08.2014
USK 12

Surgeon Simulator A&E Anniversary Edition   22.09.2014 von Torsten

Mittlerweile wird am PC und der Konsole ja so ziemlich alles simuliert, was das tägliche Leben her gibt: So dürfen Felder bestellt, Schafe gezüchtet, Bäume gefällt, Unfälle aufgenommen und Achterbahnen konstruiert werden. Im Surgeon Simulator dürfen wir uns nun auch als Chirurg beweisen. Retro-Fans wissen, dass es selbst das schon gab, aber sicherlich nicht in dem Detailgrad, wie die Bossa Studios es nun in ihrer A&E Anniversary-Edition auf der PS 4 zur Schau stellen ...

 

Bedienung mit Tücken

 

Ohne große Erläuterung dürfen wir das Spiel beginnen. Das heißt, nicht so ganz, denn zunächst einmal sitzen wir am Schreibtisch, um zumindest kurz die Bedienung zu üben. Der Arm ist dabei mit einer recht obskuren Kombination bedienbar. Mit dem linken Analog-Stick wird der Arm in der Horizontalen bewegt. Ob per Bewegungssteuerung oder mit dem rechten Analogstick das Handgelenk gesteuert wird, dürfen wir per Option bestimmen. Mit R1 und R2 greifen wir mit dem Finger oder der Hand und mit L2 wird der Arm gesenkt. Wahlweise darf auch die PlayStation Kamera verwendet werden. So weit, so gut. Aber bereits als wir den Telefonhörer greifen wollen, gibt es erste Probleme. Denn zum einen räumen wir mit dem gerade ausgestreckten Arm den halben Tisch ab, bevor wir überhaupt in der Nähe des Telefons sind und zum anderen klebt der Hörer, sobald wir ihn ergriffen haben, recht ungelenk an der Handfläche. Das lässt böses erahnen.

 

Probleme am Arbeitsplatz

 

Die erste Operation steht an, eine Herztransplantation. Anstatt erst einmal mit einem Knochenbruch oder einer Amputation zu beginnen, gehen wir also lieber gleich in die Vollen. Und da liegt er schon, der Patient. Noch ist er abgedeckt. Ein Umstand, den wir aber mit einem etwas hastigen Handgriff, der das Tuch zu Boden reißt, beseitigen. Nun stellen wir fest, dass wir hier nicht so ganz unvorbereitet die Sache angehen müssen, denn jemand hat freundlicherweise bereits den Brustkorb offengelegt. Der Brustkorb selbst ist jedoch noch in Takt. Den müssen wir zunächst „knacken“. Einen Rippenspreizer suchen wir auf den Tischen links und rechts des Operationstisches allerdings vergeblich. Dafür aber eine Säge, einen Hammer, eine kleine Kreissäge und viele andere mehr oder weniger nützliche Werkzeuge. Dann also auf die harte Tour. Wir entscheiden uns für die Kreissäge und trennen nach und nach die einzelnen Rippenbögen durch. Das funktioniert auf der einen Seite schon recht gut, doch für die rechten Rippen müssten wir das Werkzeug schon drehen. Dies ist allerdings so nicht möglich, wodurch die Säge abrutscht und ins Fleisch schneidet. Blut spritzt und der kostbare Saft ergießt sich über unsere Hand. Eine Anzeige am oberen Bildschirmrand informiert uns, dass unser Patient mittlerweile einen konstanten Blutverlust von 6ml pro Sekunde erleidet. Nun gut, wir wollen eh gleich in die Mittagspause und daher beeilen wir uns einfach :) Die über dem Herzen liegenden Organe entnehmen wir und legen sie beiseite. Ups, einer der Lungenflügel ist soeben auf den Boden gefallen. Mal sehen, ob wir ... nein, wir können uns nicht bücken. Dann wird unser armer Kerl halt fortan mit nur einer Lunge klarkommen müssen. Das alte Herz muss nun noch mittels Skalpell entfernt werden. Doch ganz so einfach ist das leider nicht. Auch nach mehreren Anläufen ist die Aorta einfach nicht durchzutrennen. Ein wenig erinnert dies an ein altes Kinderspiel mit Namen Dr. Bibber. Ein ums andere Mal spritzt Blut, aber endlich haben wir das Herz vom Körper getrennt und es kurzum auf den Tisch neben uns geworfen. Schnell die Kiste mit dem Spenderherz geöffnet und das neue Herz entnommen - es ist nur noch wenig Blut im Körper. Aus Zeitdruck werfen wir das Herz kurzer Hand in den Körper, helles Licht erscheint. Glückwunsch, der Patient wird überleben. Kein Verbinden, kein Nähen, auch den zertrümmerten Brustkorb müssen wir nicht mehr zusammenpuzzeln. Operation geglückt. Dumm nur, dass dies bereits unser vierter Versuch war. Die vorherigen drei Patienten sind allesamt verblutet.

 

Das liegt nicht nur am mangelnden Talent, sich mit der Steuerung anzufreunden. Es ist vielmehr eine Verkettung von mehreren Umständen, die zum Totalausfall jeglicher Operationskunst führen: Zunächst einmal ist die Kameraperspektive fix und die Hand des Chirurgen derart groß, dass sie den zu taxierenden Bereich oft verdeckt. Da fällt es schwer, zu beurteilen, wo genau wir gerade den Schnitt ansetzen. Das führt zum nächsten Problem, denn es ist nicht klar, wo und wie genau Organe abzutrennen sind. Mitunter stochern wir dutzende Male auf den Dünndarm ein, nur um dann zufällig die korrekte Stelle zu treffen, an der das lebenswichtige Organ für einen Schnitt empfänglich ist. Darüber hinaus ist die Physik-Engine eine mittelschwere Katastrophe und die Kollisionsabfrage oftmals überfordert. Dadurch beherrschen vor allem Try & Error und nicht logisches Denken den OP-Alltag.

 

Bildergalerie von Surgeon Simulator A&E Anniversary Edition (6 Bilder)

Schwache Technik, viele Bugs

 

Die Optik des Spiels darf sich allenfalls als zweckdienlich bezeichnen. Ein paar nette Details, eine gelungene Krankenhaus-Atmosphäre und das war es dann eigentlich auch schon. Arg kantige Modelle, vermatschte Texturen und ebenso hölzerne wie unglaubhafte Animationen stehen einem positiven Eindruck entgegen. Die erwähnte Physik-Schwäche und haufenweise Clipping-Fehler unterstreichen eine unterdurchschnittliche Teil-Wertung.

 

Der Soundtrack ist derart nervig, dass wir ihn nach kurzer Spielzeit bereits ausgeschaltet haben. Die Soundeffekte hingegen sind brauchbar, ohne ein Lob zu verdienen. Alles in allem eine schwache technische Vorstellung.  


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Die Idee an sich ist recht gut und ein gewisser, makabrer Humor ist dem Spiel nicht abzusprechen. Als Zuschauer machte das Spiel im Vorfeld dann noch eine gute Figur, bis man selbst das Skalpell, beziehungsweise den Controller in die Hand nimmt. Natürlich ist die holprige Bedienbarkeit gewollt und soll wie im Falle eines Octodads auch einen Teil des Spielspaßes ausmachen. Allerdings gibt es derart viele Fehler in der Physik-Berechnung, dass gezielte Griffe und Aktionen oft daneben gehen. Dazu kommen Kamera-Probleme und der Umstand, dass vielen „Rätseln“ nur mit Try & Error beizukommen ist. Selten ist klar, wo ein Organ genau abzutrennen ist und da es immer nur eine einzige korrekte Stelle für einen Schnitt gibt, vergeht so seine liebe Zeit, bis die korrekte Taktik gefunden ist. Bis dahin ist der Patient allerdings meist schon verblutet. Trotz guter Ansätze und durchaus kurzfristigem Spielspaß müssen wir somit leider vom Kauf abraten, außer man ist ein Hardcore-Fan und möchte am menschlichen Körper unbedingt schnippeln.


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positiv negativ
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  • Verschiedene Steuerungsvarianten wählbar
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  • Viel Try & Error
  • Geringer Spielumfang
  • Nerviger Soundtrack
  • Schwache Technik
  • Holprige Steuerung





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