The Crew

The Crew

Publisher: Ubisoft
Entwicklerstudio: Ivory Tower
Genre: Rennspiel
Sub-Genre: MMO
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 02.12.2014
USK 12

The Crew   16.12.2014 von Xthonios

Angenommen, man nimmt eine Prise Midnight Club, eine ordentliche Ladung Need for Speed, einige Teilchen Test Drive, schmeckt es mit Forza Horizon ab und löscht alles mit etwas Nitromethan ab. Was bekommt man da heraus? Unsere Antwort: The Crew.

 

What's up Dude?

Die Geschichte beginnt mit einem Familiendrama. Euer großer Bruder ist der Anführer der 510 Gang, die auch schmutzige Geschäfte abwickelt. Da Ihr ein Talent fürs Autofahren jenseits der StVZO habt, dürft Ihr Euren Bruder bei einem seiner Treffen als Fahrer begleiten. Doch ein Routinetreffen mit einem Informanten eskaliert zu einem Streit. Als plötzlich ein Schuss fällt und Eurer Bruder auf den nassen Asphalt klatscht und der Informant mit seinem Rennwagen davonzieht, tauchen ganz zufällig diverse Streifenwagen und das FBI auf, um Euch festzunehmen.  Wie in Trance vergeht die nächste Zeit für Euch. Verurteilt zu 15 Jahren für den Mord an Eurem Bruder, da die Tatwaffe direkt neben Eurem Wagen gefunden wurde.

 

Die Jahre ziehen ins Land und nach fünf Jahren im Knast, bekommt Ihr Besuch von einer Person, die Euch mit einem Deal lockt. Sie will den korrupten Cop und den neuen Anführer der 510 Gang auf einem Silbertablett serviert haben. Ihr bekommt einen Wagen und den Auftrag, Euch in der einstigen Gang Eures Bruders hochzuarbeiten und den Mörder Eures Bruders zu jagen. Worauf wartet Ihr?

 

Auf der Straße blüht das Leben

Wer die ersten Kilometer auf den Straßen unterwegs war, wird schnell feststellen, dass es nur Eines nicht gibt bei The Crew: zu wenig Events. Neben den eigentlichen Missionen könnt Ihr überall in der Stadt (und später auch quer durch die USA) zahlreiche Tests wie z. B. Slalomfahrten, Weitsprünge, Temporennen u. v. m. starten. Diese werden zumeist automatisch aktiv, wenn Ihr über den entsprechenden Punkt fahrt und kann hier jedoch auch teilweise bei bestehenden Missionen zu Verwirrung sorgen. So erhält man beispielsweise in der Cockpitansicht überall Informationen angezeigt, die zusammen mit der Missionswegführung schon zu einem News-Overflow führen kann. Aber auch hier hat der Entwickler Ivory Tower mitgedacht und in den Optionen eine Möglichkeit geschaffen, alle unnötigen Informationen auszublenden. Kaum ist alles deaktiviert, fühlt man sich wie in Forza Horizon und kann ohne Anspannung durch die Stadt oder die ganzen USA fahren. Auch wenn sich das große Treiben primär auf die großen Städte konzentriert, kann man auch außerhalb immer etwas erleben. Seien es eben jene bereits erwähnten Tests oder zum Beispiel auch einfach das freie Fahren. Im ganzen Land gibt es immer wieder Sehenswürdigkeiten und besondere Orte, die es zu bewundern gibt.

 

My car is my castle

Dass das eigene Auto oftmals ein Statussymbol ist, wird hier in dem Spiel quasi perfektioniert. Neben zahlreichen Tuningteilen, Lackierungen, Felgen, Klebefolien und sogar austauschbare Innenausstattung (Nein lieber das rote Leder mit gelben Nähten) bleibt hier fast kein Wunsch unerfüllt. Und neben den Auswahlmöglichkeiten, sieht das auch noch richtig gut aus, wenn man sein Auto umbaut. So zerlegt sich das ganze Auto ähnlich einer Explosionszeichnung, wenn man anfängt Kotflügel, Spoiler, Motorhauben oder Ähnlich zu verändern. Ein Traum für echte Männer. Ein echtes Feintuning wie in Forza bleibt hier jedoch auf der Strecke, genaue Abstimmung des Fahrwerks oder der Gangschaltung gib es nicht. Mithilfe von gewonnenen Gegenständen in Missionen oder den Tests kann man so sein Auto jedoch aufwerten und bessere Bremsen, mehr Grip oder auch eine Geschwindigkeitssteigerung verbauen.

 

Bildergalerie von The Crew (43 Bilder)

Die Kommandozentrale aka das HQ

Immer wenn Ihr den Staat wechselt, habt Ihr an einer zentralen Stelle des Geschehens Euer Hauptquartier, von wo aus Ihr sozusagen verdeckt operiert. Hier könnt Ihr Euch zum Beispiel die Zwischensequenzen und Euren Spielfortschritt anschauen, Eure Sammlung begutachten und Autos wechseln, in der Werkstatt das PS-Monster umbauen oder anpassen und last, but not least durch Stufenanstieg erhaltene Vorteilspunkte auszugeben. Mit diesen Punkten habt Ihr die Möglichkeit, Euch bei den jeweiligen Personen in Eurem Team Rabatte beim Kauf von Fahrzeugen oder Tuning-Teilen oder mehr EPs bei Missionen oder Tests zu sichern.

 

Missionen, Missionen, Missionen

In Chicago fangt Ihr an für die 510 Gang Eure ersten Lorbeeren zu verdienen. Hier gilt es natürlich ein paar Rennen zu gewinnen und die Drecksarbeit für Trey - dem V2 in der Stadt - zu machen. Doch schon nach wenigen Missionen geht es nach St. Louis und dann weiter nach New York. Doch schnell wird klar, dass die Missionen selbst eher ein Nebenbestandteil des ganzen Spiels ist. Denn insgesamt gibt es über 900 (!!) Aktivitäten, an Denen Ihr aktiv teilnehmen könnt. Des Weiteren gibt es eigentlich nur eine wirkliche unsichtbare Wand und das ist der Ozean rund um Nordamerika. Genau diese erstmals wirklich offene Welt bietet Euch so vielfältige Möglichkeiten, sodass die eigentliche Hauptstory schnell in den Hintergrund gerät. Eine Tour zum Washington Monument oder die Niagarafälle besuchen? Warum nicht zum Sonnenaufgang in Miami ankommen oder in der Nacht durch Las Vegas zu driften.

 

Alleine oder doch zu Viert?

Hier kommt der große Knackpunkt des Spiels. Als MMO deklariert mit jederzeit die Möglichkeit andere Fahrer ins Boot zu holen, setzt The Crew eine dauerhafte Internetverbindung voraus. Das mag den Einen oder Anderen vielleicht stören, denn vielleicht möchte man einfach nur die Story spielen ohne einen gegnerischen Spieler der einen stets versucht zu rammen (leider auch so erlebt). Der Vorteil hier liegt jedoch in den vielfältigen Möglichkeiten, die das Spiel hier bietet. Für jede Mission kann ich mich entscheiden, ob ich mir via Schnell-Koop vielleicht Hilfe hole, um das Rennen zu gewinnen oder ob ich lieber allein fahren möchte. Ich kann mich jedoch auch völlig unverbindlich einer Crew anschließen (bis zu vier Spieler) und gemeinsam durch die Welt cruisen und Herausforderungen oder Missionen abschließen. Dem nicht genug bietet Ubisoft hier auch eine breite Palette an PVP-Spielen an. Hier kann man über eine Lobby entweder für die eigene Fraktion oder frei für sich alleine fahren und so sein Ansehen innerhalb der Fraktion steigern. Als Gegenleistung bekommt man hier viele Credits und jede Menge Erfahrungspunkte. Sehr positiv ist hier die Möglichkeit, bei diesen Rennen auszuwählen, ob die Gegner einen rammen können und ob es Verkehr auf den Straßen gibt. Hier hatte ich ein sehr spaßiges Erlebnis, als der Host beim zweiten Rennen die Option deaktivierte und ein gegnerischer Fahrer mich mit voller Wucht rammen wollte. Zu gern hätte ich sein Gesicht gesehen, als er mit voller Geschwindigkeit durch mich durch gefahren ist und dann mitten in den Wald und einen Baum geknutscht hat. Danke Ubisoft :-)

 

Straße, Performance, Gelände?

In The Crew gibt es vier verschiedene Fahrzeugtypen, mit Denen Ihr Rennen absolvieren könnt: Straßenfahrzeuge, Ralleywagen, Geländekisten und Performanceschlitten. Jedes Fahrzeug hat sein eigenes ideales Terrain. So sind Fahrzeuge der Kategorie Performance auf den Teerstraßen daheim und Geländewagen haben auf Wiesen, Felder und Feldwegen klar ihre Stärke. Jeder Wagentyp hat so auch sein eigenes Fahrverhalten und eigene Tuning-Stufen. Zu Beginn sind die meisten Autos vom Handling erst einmal schwammig und eher gesagt lausig, doch mit der Zeit und den Verbesserungen bekommt man so ein recht ordentliches Auto zusammen, welches sich zwar immer noch arcadelastig steuert, aber The Crew ist auch keine Simulation.

 

Und wie sieht es nun so aus?

Eines muss man gleich erwähnen: The Crew ist optisch gesehen kein Meilenstein in der Geschichte der Next-Gen-Konsolen. Auch wenn das weitflächige Gelände und die Animationen teilweise eher durchschnittlich rüberkommt, hat Ubisoft trotzdem bei den Fahrzeugen, den Städten und den zahlreichen Sehenswürdigkeiten viel Liebe reingesteckt. Gerade im Gelände und den weiten Strecken außerhalb der Stadt muss man bereit sein, grafische Einbußen hinzunehmen. Aber das zugunsten einer WIRKLICH offenen Welt und jeder Menge Fahrspaß. Wer sich einmal die Zeit nimmt und quer durch die Staaten fährt, der wird von jeder Menge Eindrücken fast erschlagen. Es gibt eine fortlaufende Tages- und Nachtzeit, es gibt staubige, nasse und matschige Gegenden. Auch soundtechnisch ist das Spiel kein Referenztitel - viele Fahrzeuge klingen ähnlich -  aber auch das verzeiht man dem Spiel sofort für die Vielfalt an Hintergrundgeräuschen im Wald, im Tagebau oder mitten in der Stadt. Zwar gibt es hier manchmal amüsante Situationen, wenn dann man beispielsweise am Straßenrand steht und die Dame am Telefon das zwanzigste Mal "Oh Hallo" oder "Wer ist dieser Kerl?" sagt, aber auch das akzeptiert man mit einem Schmunzeln.


Das Fazit von: Xthonios

Xthonios

Mit Ivory Tower hat sich Ubisoft einen erfahrenen Entwickler ins Boot geholt, die sich bereits mit Test Drive Unlimited einen Namen gemacht haben. Die Möglichkeiten, sich in dem Spiel zu entwickeln und alles seinen Wünschen entsprechend anzupassen, sind beeindruckend. Grafisch ist das Spiel ebenfalls recht ansehnlich - wenn auch gerade in den ländlichen Gegenden mit Abzügen - und soundtechnisch kann vor allem die Hintergrundkulisse überzeugen. Der wohl größte Pluspunkt ist die offene Welt des selbsternannten MMOs. Wie oft wurde uns dies versprochen und trotz allem gab es überall dann doch unerwartete Einschränkungen. In The Crew hat jeder Fahrer die Möglichkeit, stundenlang durch die Staaten zu fahren, ohne wieder dort vorbeizukommen, wo man bereits war. Das Spiel fesselt einfach durch die unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten. Einfach am Abend mal zu den Niagarafällen fahren oder ein Abstecher an den Strand von Miami? All das ist in diesem Spiel machbar. Hier muss man Ubisoft einfach für den Detailreichtum und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten loben, die man auf der Karte  besuchen kann. Dieses Spiel ist einfach mehr als ein einfaches Rennspiel, hier kann man Stunden über Stunden einfach nur genießen. Meine nächste Mission wird es sein, die gesamte Route 66 entlangzufahren und mir meine kleine persönliche USA Reise an der heimischen Konsole anzuschauen. Ich kann dieses Spiel jedem ans Herz legen, der Rennspiele auch ohne echtes Simulationsfeeling spielt und Spaß am Cruisen und Tunen hat.


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positiv negativ
  • Grandioses Spielprinzip
  • Eine absolut enorm große und offene Spielwelt
  • 6000km Straße zum Heizen
  • Zahlreiche Sehenswürdigkeiten der USA mit viel Liebe zum Detail
  • Sehr kurze Ladezeiten
  • Umfangreiche Tuningmöglichkeiten in allen Bereichen
  • Ansehnliche Fahrzeugmodelle
  • Hohe Motivation durch stetige Verbesserung der Fahrzeuge
  • Intelligente KI inklusive Fahrfehlern
  • Tolle Soundkulisse im Hintergrund
  • Spiel läuft sehr flüssig
  • Internetverbindung zwingend erforderlich
  • Statistiken scheinbar noch etwas verbuggt
  • Recht einseitige Storyline
  • Leider nur 40 lizenzierte Fahrzeuge





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