Tracey Fragments

Tracey Fragments

Originaltitel: The Tracey Fragments
Genre: Drama
Regie: Bruce McDonald
Hauptdarsteller: Ellen Page • Libby Adams • Stephen Amell
Laufzeit: 80 Minuten
FSK 12

Tracey Fragments   02.07.2009 von derstefan

Das ist DER Film für Multitasker: In meist mehreren Bildsegmenten dargestellt, wird die Geschichte eines 15-jährigen „Urban White Trash“-Mädchens erzählt. Nicht nur die Story, sondern auch die Optik des Films wird in verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und zieht den Zuseher in einen faszinierenden Sog.

 

Tracey Berkowitz (Ellen Page) ist 15 Jahre alt und lebt in einem etwas heruntergekommenen Elternhaus, das man mal hochgestochen als dysfunktional bezeichnen kann. Ihr von Depressionen geplagter Vater (Ari Cohen) nennt die Kinder „Unfälle“ und die Kraft der Mutter (Jackie Brown) reicht meistens nur noch dafür, sich eine Zigarette vor dem TV anzuzünden. Tracey´s Bruder Sonny (Zie Souwand) glaubt dank ihren Hypnotisierungsversuchen, dass er ein Hund sei. Als die Eltern dahinterkommen, schicken sie die schwer pubertierende, von den anderen Schülern gequälte Frau zu einem Psychiater. Auch ihr Traumtyp, der neue Mitschüler Billy Zero, ist nicht wirklich an ihr interessiert. Das Ganze lässt sich für Tracey nur noch ertragen, indem sie sich in Tagträume flüchtet, in denen sie ein Rockstar ist.

Nach und nach erfährt man im Lauf der Geschichte, dass Tracey gerade auf der Suche nach ihrem Bruder Sonny ist, der bei einem Spaziergang im Wald verschwunden ist. Wir lernen den Stricher Lance kennen (aber bestimmt nicht lieben), wir erfahren warum ein Blizzard und Billy Zero Einfluss auf das Verschwinden von Sonny haben und warum Tracey nur mit einem Vorhang bekleidet im öffentlichen Nahverkehrs-Bus sitzt. Aber ist das Ende des Films wirklich das Ende der Geschichte?

Wer den Film gerne in eine Schublade stecken möchte, der sollte ihn irgendwo zwischen „Lola rennt“ und „Donnie Darko“ einordnen. Er ist rasant, fordert den Zuschauer wirklich zum Mitdenken und ist auch ein mehrfaches Ansehen wert. Der Film “The Tracey Fragments” basiert auf dem gleichnamigen Roman der kanadischen Schriftstellerin Maureen Medved und macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Da die Geschichte nur in Fragmenten erzählt wird, fügt sich das Puzzle beim Zusehen erst langsam zusammen. Was ist Wahrheit - was ist Traceys Einbildung? Das darf jeder für sich selbst entscheiden.

Als Independentfilm ohne großes Budget ausgelegt ist die Bildqualität zwar generell gut, aber teilweise entstehen bei schnellen Bewegungen leichte Schlier-Effekte. Die Farbe wurde wohl bewusst ein bisschen rausgenommen, um den dunkleren Charakter des Films zu unterstreichen. Der Ton ist auf Deutsch und Englisch jeweils sehr gut, die Synchronisation prima gelungen.

Viele werden sich denken: Die Hauptdarstellerin kenne ich doch irgendwoher... Wer „Juno“ gesehen hat, eine wundervolle Komödie über eine zu früh passierte Schwangerschaft oder „Hard Candy“, ein verstörendes Drama über Selbstjustiz, der erinnert sich bestimmt an die erstaunlich erwachsen wirkende Ellen Page. Sie ist ganz klar DER Hauptgrund, dass diese beiden Filme recht erfolgreich waren und einige Preise abgeräumt haben.


Das Fazit von: derstefan

derstefan

Der Regisseur Bruce McDonald ist hier ein Experiment eingegangen, das in meinen Augen funktioniert hat. Der Film wirkt hypnotisch, leicht zerstörend und jederzeit fesselnd. Das macht einfach gutes Kino aus. Manchmal wünscht man sich noch ein bisschen mehr Tiefgang und mehr Story, um das Verhalten der Charaktere ein bisschen besser zu verstehen. Aber dann würde man dem Film wahrscheinlich überhaupt nicht mehr folgen können. Also: Klarer Tipp für Fans von außergewöhnlichen Thrillern und Ellen Page!


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