Wolfenstein: The New Order

Wolfenstein: The New Order

Publisher: Bethesda
Entwicklerstudio: MachineGames
Genre: Shooter
Sub-Genre: Ego-Shooter
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 20.05.2014
USK 18

Wolfenstein: The New Order   30.05.2014 von GloansBunny

Lange war es still um das legendäre Wolfenstein, welches zuletzt 2009 durch seine nachträgliche Indizierung Schlagzeilen machte. Mittlerweile hat Bethesda das Ruder übernommen und spinnt die Geschichte von B.J. Blazkowicz weiter. Schlägt Wolfenstein: The New Order ein wie eine Bombe oder ist es nur Schall und Rauch? GloansBunny bietet dem Regime die Stirn ...

 

Mein Schädel dröhnt, als ich die Augen aufschlage. Alles dreht sich, während ich verzweifelt versuche, durch meine überlasteten Augen irgendetwas zu erkennen. Verschwommen sehe ich eine hell gekleidete Person, meine Nase nimmt den beißenden Geruch von Spiritus wahr. Alles schmerzt, als sich mein kraftloser Körper dem Willen meines langsam erwachenden Geistes beugt und sich vorsichtig aufzurichten versucht. Wo bin ich nur? Was ist mit mir passiert? Mir schwant Schreckliches, als plötzlich mit einem Schlag alles um mich herum erneut stockdunkel wird. Ich kann nicht sagen wie lange ich bewusstlos war, aber als ich wieder zu mir komme, befinde ich mich hoch oben in der Luft, an Bord eines nur mager bewaffneten Transportflugzeuges. Ein Kamerad hämmert brachial auf meinen Brustkorb ein, um mein flimmerndes Herz wieder in einen lebensfähigen Rhythmus zu beordern. Ein stechender Schmerz schießt durch meine Glieder, als mit einem weiteren Fausthieb das Blut durch meine Adern pumpt. Noch während mir der Soldat erklärt, unser Primärziel sei es, den deutschen General Totenkopf zu töten, um einen Sieg des Regimes zu verhindern, hechte ich zum Bordgeschütz. Gewaltige Salven aus unzähligen Flak-Geschützen durchsiebend unser Flugzeug, das nur mehr von glühenden Nieten und kohlenden Kabeln zusammen gehalten wird. Im Augenwinkel nehme ich an Land einen riesigen Schatten wahr, doch es ist zu spät, wir verlieren viel zu schnell an Höhe. Mit ohrenbetäubendem Jaulen rasen wir dem Erdboden entgegen. Der eben erblickte Schatten erweist sich als gigantisches, hundeähnliches Ungetüm aus Stahl, Ketten und Blei. Mit einem Mal wird mir klar: wir werden scheitern. Das Regime wird siegen und den Zweiten Weltkrieg für sich entscheiden. Der technologische Vorsprung ist einfach zu groß. Die Welt wird sich verändern, das dunkle Regime wird mein geliebtes Amerika vernichten und die gesamte Weltordnung verändern. Wir alle sind dem Untergang geweiht, wenn niemand etwas unternimmt! Wir alle ...

 

Steuerung und Sound: auf ins bekannte Gefecht, Marsch, Marsch, Soldat!


Das Tastenlayout von Wolfenstein: The New Order präsentiert sich in gewohnter Shooter-Manier und ist schnell verinnerlicht: Fadenkreuz und Bewegungsrichtung mit den Analogsticks justieren, zielen und schießen mit den Schultertasten, nachladen, springen, ducken und Waffen wechseln per Aktionstasten. Dann noch schnell mit den übrigen Knöpfen Granaten werfen, in den Nahkampf oder Deckung gehen und kleinere Waffeneinstellungen tätigen und fertig ist sie, die angenehm bekannte und intuitive Steuerung. Mit ihrer direkten und präzisen Ansprache erweist sie sich als mächtiges und gut portiertes Shooter-Instrument.

 

Beim Thema Sounddesign geht's so richtig zur Sache. Fast schon im Sekundentakt rummst es aus allen verfügbaren Rohren, der Subwoofer befindet sich im Dauerbetrieb und die Boxen der Heimkinoanlage machen ihrem Namen alle Ehre. Zwar erreicht Wolfenstein: The New Order nicht ganz an den immens wuchtigen Waffensound eines Battlefield 4, doch ordentlich Lärm auf die Spielerohren gibt es allemal. Besonders imposant präsentiert sich der Soundtrack. Emotionale Rockstücke wechseln sich mit treibenden Bass-Titeln ab und gehen regelrecht unter die Haut. Grandios, was Bethesda und MachineGames hier akustisch zaubern! Aber nicht nur die Musik ist cineastisch, auch die deutsche Synchronisation überzeugt auf ganzer Linie. Sämtliche Sprecher verleihen ihren Figuren enorme Lebendigkeit, die teils sehr derben Dia- und Monologe sorgen für eine packende und authentische Atmosphäre. Nur die Abmischung der einzelnen Elemente ist nicht immer ganz perfekt. Da leider auf eine individuelle Einstellungsoption von Musik, Soundeffekten und Sprachausgabe verzichtet wurde, ist geschicktes Ohrenspitzen in manchen Sequenzen unumgänglich. Doch der intensive Soundtrack, die tollen Umgebungsgeräusche und die phänomenalen Sprecher lassen diese Tatsache zu einem leicht verschmerzbaren Schönheitsmangel werden. Bitte mehr davon, liebe Spieleindustrie!

 

Grafik, Gameplay und Umfang: Technologie trifft auf Oldschool-Batallion, der Kampf ist eröffnet, Kameraden!


Optisch gestaltet sich Wolfenstein: The New Order etwas durchwachsen. Grandiose, bis ins Detail authentische Kulissen wetteifern einerseits mit einem tollen, halb offenen Leveldesign und stimmungsvollen Schauplätzen um die Gunst der Spieler, um auf der anderen Seite nicht immer ganz saubere Umgebungstexturen, kantige und etwas leblose Figurenmodelle und sehr seltene, aber ersichtliche Grafikfehler wie in der Luft schwebende Geschosse und Waffen oder flimmernde Objekte zu präsentieren. Als virtuelles Trostpflaster liefern die Entwickler dafür aber unglaublich viele kleine und große Blickfänge. Egal ob Poster, Bilder oder mit Krimskrams vollgestopfte Regale, bis in kleinste Detail ausgearbeitete Charaktermodelle oder gewaltige, aus tausenden Schrauben und Teilen bestehende Kampfroboter: Jedes Areal und darin befindliches Lebewesen ist unglaublich individuell und liebevoll gestaltet. Die Zwischensequenzen sind zwar nicht immer 100% lippensynchron, können aber optisch gänzlich überzeugen. Auch die Animationen von Mensch, Tier und Maschine sind den Entwicklern sehr gelungen und wirken realistisch.

 

Bildergalerie von Wolfenstein: The New Order (21 Bilder)

Das Steampunk-Ambiente von Wolfenstein: The New Order sammelt viele visuelle Pluspunkte, wenngleich noch nicht das Ende der technischen Next-Gen-Fahnenstange erreicht wird. Verschmerzbar, da sich Wolfenstein: The Next Order mit einer stabilen Framerate, tollen Kulissen und designtechnisch viel Abwechslung präsentiert, Eastereggs wie etwa das versteckte Retro-Level im Wolfenstein 3D-Stil inklusive!

 

Beim Thema Gameplay zeigen sich die Wurzeln klassischer Shooter in ihrer vollen Pracht. Wolfenstein: The New Order spielt sich noch immer wie in den guten, alten Zeiten: kaum Lebensregeneration, dafür aber viele Medikits, keine Waffenkisten, die Zugriff auf das gesamte Arsenal gewähren, sondern ein ganz klassisches Drop-and-Take-System. Statt teurer Ingame-Käufe verbessert man Blazkowiczs Fähigkeiten und Waffen fast schon nebenbei durch das Erfüllen spezifischer Aufgaben und kann sich so völlig frei auf die kurzweilige Action konzentrieren. Mit Pistole, Maschinengewehr, Laserkraftwerk, Messer und Co. bewaffnet, ballert sich das Alter Ego durch 16 abwechslungsreiche und einprägsame Kapitel. Vom rasanten Weltkriegs-Prolog über eine Nervenklinik bis hin zum Mond erstrecken sich dabei die optisch imposanten Level, die mit zumeist clever agierenden Gegnern bestückt sind. Wahlweise darf der Spieler entweder aus allen Rohren feuernd oder heimlich und taktisch vorgehend seine Missionen bestreiten und beispielsweise feindliche Kommandanten ausschalten, bevor sie Alarm schlagen, Geschütze besetzen oder einfach mal den Untergang der Welt verhindern. Beide Vorgehensweisen machen hierbei extrem viel Spaß und schalten zudem spezielle Fertigkeiten frei. Diese als "Vorteile" bezeichneten Upgrades sind nach Freischaltung dauerhaft aktiv und unterstützen die spezifischen Spielstile mit den jeweiligen Fähigkeiten. Messer werfen, verbesserte Granaten, höhere Zielgenauigkeit mit dem sperrigen Sturmgewehr oder schnellere Sprintregeneration sind nur ein Paar der 32 möglichen Perks. Einfluss auf den Spielverlauf haben diese zwar nicht, lassen aber den "Ich will sie alle haben"-Wahn im Spielerhirn zum Vorschein kommen. Mit den zahllosen, relativ simpel versteckten Sammelgegenständen, Enigmacodes und Gesundheitsupgrades verhält es sich übrigens genauso. Wer nicht automatisch alles finden und somit neue Bonusmodi und Auszeichnungen freischalten möchte, verpasst unter Umständen grandiose Action mit enormen Schwierigkeitsgrad, aber effektiven Boni wie unendlich Munition und hohen Rüstungwerten. Das Balancing von Blazkowiczs Abenteuer bleibt hierbei allerdings unverändert. Wo manche Level fast schon mit einer aufdringlichen Leichtigkeit bewältigt werden können sind andere Abschnitte enorm nervenzehrend. Gut, dass Wolfenstein: The New Order über ein durchdachtes, aber nicht immer perfektes automatisches Speichersystem verfügt. Stellenweise sind die Rücksetzpunkte so weit vom Ort des letzten Todes entfernt, dass man seufzend den x-ten Umweg in Kauf nimmt, um nicht wieder unverhofft und ohne Munition von der agilen, taktisch starken KI eingekreist zu werden. Gut für die Langzeitmotivation, schlecht für ungeduldige Spieler mit nervösen Zeigefingern.

 

Das eigentliche Prunkstück von Wolfenstein: The New Order aber ist seine Atmosphäre, die durch mehrere Komponenten einfach extrem fesselnd ist. Neben der für einen Shooter sehr inhaltsstarken Story und der authentischen Sprachausgabe arbeiten zudem der stimmungsvolle Soundtrack und die einprägsamen Charaktere Hand in Hand eng zusammen. Wolfenstein: The New Order zieht den Spieler aber auch emotional in seinen Bann. So muss man etwa eine spielbeeinflussende und moralisch harte Entscheidung treffen, das Martyrium eines Inhaftierungslagers  hautnah miterleben oder die grausigen Experimente des Regimes belauschen. Letzteres entspricht thematisch und inhaltlich dem Nazi-Regime, welches aber in der deutschen Fassung von Wolfenstein: The New Order aus verfassungsfeindlichen Gründen umbenannt wurde. Rechtswidrige Symbole und Namen sind in der USK-Version nicht vorhanden, ein Import der US-Version ist deshalb streng verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Dem Spielspaß und der Atmosphäre schaden diese Beschränkungen aber keineswegs, zumal der hohe Gewaltgrad und der deftige Blutgehalt auch in der deutschen Fassung komplett ungeschnitten sind.

 

Bethesdas reines Singleplayer-Vergnügen Wolfenstein: The New Order ist wahrlich ein Wolfenstein, und zwar von Anfang bis Ende. Beim mittleren von anfangs fünf frei zugänglichen und jederzeit wechselbaren Schwierigkeitsgraden dürfen sich "normal" sammelwütige Spieler für rund 15 bis 20 Stunden von ihrer sozialen Umwelt abmelden und sich auf abgetrennte Gliedmaßen, explodierende Robotergegner und einen durchgeknallten, größenwahnsinnigen General Totenkopf als Regimeführer freuen. Wolfenstein: The New Order stellt detaillierte, explizite Gewalt, Sexualität und Kraftausdrücke in Wort und Bild dar und ist deshalb keinesfalls für junge Spieler geeignet! Aber sch***, es macht verdammt viel Spaß. Nochmal und nochmal!!!


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Das lange Warten auf Wolfenstein: The New Order hat sich gelohnt! Mehr als 16 Stunden Spielzeit, abwechslungsreiche und extrem detaillierte Kulissen, eine gute Story, ein grandioser Soundtrack und eine extrem dichte, authentische Atmosphäre im Steampunk-Look sorgen für enormen Spielspaß. Hinzu kommen ein klassisches Shooter-Gameplay ohne viel Schnickschnack, zahlreiche Sammelgegenstände, witzige Eastereggs und enormer Detailreichtum, was das kurzweilige Wolfenstein: The New Order zu einem Pflichtkauf für alle Genrefans macht. Kleinere Grafikfehler, das etwas monotone Loot-System sowie nicht immer perfektes Balancing und Rücksetzpunkte bügelt das reine Singleplayer-Spiel durch seinen hohen Wiederspielwert und die optische Vielfalt an Kulissen und Gegnern aus. Dass die deutsche USK-Fassung auf verfassungswidrige Symbole und Namen verzichtet, schadet dem genialen Singleplayer-Shooter in keinster Weise, denn emotionale Entscheidungen müssen trotzdem getroffen werden. Der hohe Gewaltgrad samt viel Blut und Bröckchen bleibt auch in Deutschland unangetastet und gefällt ERWACHSENEN Spielern wie mir enorm.

 

Ich will einfach mehr, mehr, immer mehr von diesem wahnsinns Wolfenstein, Baby!!!


Die letzten Artikel der Redakteurin:


positiv negativ
  • Extrem dichte Atmosphäre von Anfang bis Ende
  • Kulissen und Figuren abwechslungsreich und sehr detailliert
  • Einprägsame Charaktere, emotionale Synchronisation
  • Tolle Geräuschkulisse, cineastischer Soundtrack
  • Fünf Schwierigkeitsgrade plus vier Bonusmodi und Eastereggs
  • Für einen Shooter sehr gelungene, inhaltsstarke Story
  • Zahllose Sammelgegenstände, viel Hintergrundinformationen
  • Verschiedene spielerische Vorgehensweisen, clevere KI
  • Klassiches Shooter-Gameplay ohne großen Schnickschnack
  • Ungeschnittener Gewaltgrad auch in der USK-Version
  • Kleinere Grafikfehler (Clipping, kantige Figurenmodelle, unsaubere Texturen)
  • Rücksetzpunkte nicht immer frustfrei gesetzt
  • Schwankendes Balancing
  • Abmischung von Musik, Hintergrundgeräuschen und Sprache nicht immer ideal





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