Wonder Woman Bloodlines

Wonder Woman Bloodlines

Originaltitel: Wonder Woman: Bloodlines
Genre: Zeichentrick • Action • Fantasy
Regie: Justin Copeland • Sam Liu
Laufzeit: DVD (79 Min) • BD (83 Min)
Label: Warner Home Video
FSK 12

Wonder Woman Bloodlines   24.11.2019 von LorD Avenger

Die Realverfilmung von Wonder Woman überzeugte auf ganzer Linie - aber weiß auch die Zeichentrickversion der Superheldin zu überzeugen, nachdem der Air Force-Pilot Steve auf ihrer Amazoneninsel landet...?

 

Inhalt

 

Verfolgt von einem Schwarm Paradämonen stürzt Air Force Captain Steve Trevor vor einer unbekannten Insel ab. Die örtliche Prinzessin Diana rettet ihn vor dem Ertrinken und heilt ihn mithilfe der magischen Möglichkeiten auf der Amazoneninsel, die ihren Ursprung in der griechischen Mythologie findet. Damit gegen das Gesetz der Insel verstoßend muss Diana sich gegen ihre Mutter und ihre Verbündeten stellen und reist zusammen mit Steve in die zivilisierte Welt von Washington, D.C., wo sie bei der Historikerin Julia Kapatelis und ihrer Tochter unterkommt, während sie als Wonder Woman gegen das Böse kämpft.

 

Jahre später, von ihrer Mutter Julia vernachlässigt, ergibt sich Vanessa völlig ihrer rebellischen Phase und landet in den Fängen der Schurkin Doctor Poison, die sie zu sich auf die Seite zu ziehen weiß - und sie in Lebensgefahr bringt.

 

Nachdem ich mich in Folge des großartigen Wonder Woman Films von 2017 näher mit dem weiblichen Gegenstück zu Superman im DC-Universum beschäftigt hatte, war ich auch sehr auf diese Zeichentrickumsetzung gespannt, die sich in der Regel deutlich mehr an den Comics orientieren. Das mag Bloodlines tatsächlich auch getan haben und es kommen deutlich mehr Comic-Charaktere vor als in der Realverfilmung, darüber hinaus ist dieser Umstand aber nicht wirklich positiv zu bewerten.

 

Die Vorgeschichte, in der Steve auf der Amazoneninsel landet und Diana zur Flucht bewegt, ähnelt der Geschichte mit Gal Gadot in der Hauptrolle sehr. Der größte Unterschied ist, dass man das Aufeinandertreffen in die Gegenwart verlegt hat, Steve in einem Düsenjet abstürzt und nicht von Nazis, sondern von Aliens verfolgt wird. Auch landen die beiden nicht in London, sondern in Washington. So weit, so gut, doch im direkten Vergleich mit dem Kinofilm arbeitet man hier deutlich weniger liebevoll mit der durchaus wichtigen Vorgeschichte - tatsächlich wird alles so schnell abgefrühstückt und nicht einmal die Superhelden-Utensilien wie das Lasso der Wahrheit erklärt, was den Eindruck erweckt, dass der Film für Comic-Kenner gemacht wurde. Im selben Atemzug frage ich mich dann aber auch, warum man keine andere Geschichte auswählt, anstelle die noch sehr präsente Origin-Story erneut aufzuwärmen. Eine Figur, die bereits 1941 ins Leben gerufen wurde, sollte ausreichend andere erzählenswerte Geschichten zu bieten haben.

 

Leider überzeugt die Geschichte auch über die erste Viertelstunde hinweg nicht mehr. Wonder Womans Auftauchen und Etablieren in der öffentlichen, zivilisierten Welt muss man sich denken und die dadurch mehr in den Vordergrund gerückten Charaktere von Julia und ihrer aufmüpfigen Tochter Vanessa sind weder überdurchschnittlich interessant, noch sonderlich sympathisch. Mehr oder minder willkürlich werden daraufhin eine Reihe von Superschurkinnen wie Silver Swan, Doctor Poison, Giganta und Cheetah in den Pott geworfen, die nicht nur äußerst erzwungen aufgrund ihrer Weiblichkeit ausgesucht zu sein scheinen, sondern überwiegend auch einzig dem Zweck dienen für eine kurze Kampfsequenz zu sorgen. Cheetahs Auftauchen im Film macht zum Beispiel überhaupt keinen Sinn.

 

Was mir an der Geschichte hingegen gefallen hat, war das stärkere Einbinden der griechischen Mythologie, mit einem Orakel und dem Minotaurus-Labyrinth oder Medusa und ihrem Versteinerungsblick. Mit etwas mehr Sorgfalt beim Drehbuchschreiben hätte man damit eine wirklich schöne Abenteuergeschichte mit Indiana Jones-Charme hinbekommen, anstelle dieser sinnlosen Aneinanderreihung von nicht zuende gedachten Ideen.

 

Bildergalerie von Wonder Woman Bloodlines (7 Bilder)

Details der Blu-ray

 

Womit Bloodlines auf voller Linie überzeugt, ist das enthaltene Bonusmaterial. Sehr ausführlich und unterlegt mit Bildmaterial aus Comics und Zeichentrickserien wird von Branchenexperten der Charakter Cheetah näher beleuchtet und ihre Entwicklung über die Jahrzehnte aufgezeigt. Eine ebenfalls recht ausführliche Sneak Peak zeigt die Arbeit am kommenden Zeichentrickfilm Superman: Red Son, der in einem Paralleluniversum spielt, in dem Superman als Baby in der Sovietunion anstelle der Vereinigten Staaten gelandet ist. Auch enthalten sind zwei komplette Folgen Batman: The Brave and the Bold (englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln) à ca. 20 Minuten und mein absolutes Highlight: Der Kurzfilm Death.

 

Wie auch im Marvel-Universum, wo sich der inzwischen allseits bekannte Thanos in sie verliebt, gibt es auch bei DC einen als Frau personifizierten Tod. Der erfolglose und niedergeschlagene Künstler Vincent trifft auf sie und findet nicht nur Inspiration in der geheimnisvollen Frau.

 

Qualitativ ist der Hauptfilm leider ebenfalls eher Mittelfeld. Von hochkarätigen deutschen sowie englischen Sprechern synchronisiert ist der Ton schon mal sehr angenehm und die meisten Zeichnungen sind ebenfalls sauber und mit kräftigen Farben versehen. Dummerweise gibt es zwischendrin furchtbare 3D-Sequenzen, die einen völlig herausreißen. Jedes einzelne Fahrzeug ist wirklich schrecklich computeranimiert und speziell eine Szene ist hängen geblieben, wo die vermeintliche Kamera über einen Häuserblock und durch eine Straße fliegt und dabei nur das eine, gerade relevante Auto zeigt - als gäbe es in der ganzen Stadt keinen Verkehr und keine parkenden Autos. Also zusätzliche Faulheit / Zeitdruck, die hier beim Produzieren eingeflossen ist...



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Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Wonder Woman: Bloodlines überzeugt leider mit den hässlichen 3D-Animationen bei allen Fahrzeugen weder auf technischer Ebene und noch deutlich weniger auf inhaltlicher. Die Vorgeschichte, die in speziell dieser Form von der gerade einmal zwei Jahre alten Realverfilmung noch frisch in Erinnerung ist, kommt sehr kurz und die darauf folgende Haupthandlung ist ein beinahe willkürlich zusammengewürfeltes Sammelsurium von teilweise wirklich sinnlosen Aufeinandertreffen mit diversen Schurken - die natürlich allesamt unbedingt weiblich sein müssen, weil die Protagonistin auch weiblich ist und wenn schon, denn schon... Dianas persönliche Entwicklung kommt zu kurz und die anderen mit ihr im Fokus stehenden Charaktere sind leider nicht so spannend und interessant, wie sie gerne wären. Wirklich überzeugt hat auf der Blu-Ray lediglich das umfassende Bonusmaterial mit der ausführlichen Cheetah-Reportage, dem großartigen Kurzfilm "Death" sowie den beiden Zeichentrick-Batman-Episoden (auch, wenn ich kein großer Film des Zeichenstils darin bin und es ohnehin fragwürdig ist, was Batman auf dieser Disc zu suchen hat).


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