Die weiße Burg: Die Teezeremonie

Die weiße Burg: Die Teezeremonie

Genre: Würfeleinsatzspiel • Drafting • Ressourcen-Management
Autor: Israel Cendrero, Sheila Santos
Illustrator: Joan Guardiet
Spieleverlag: Devir Games, Kosmos
Empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 70-100 Minuten

Die weiße Burg: Die Teezeremonie   03.04.2025 von 2-PL4Y3R5

In der weißen Burg tobt das Leben. Krieger trainieren auf dem Übungsplatz, Höflinge schlendern die Burg entlang und Gärtner verrichten ihre Arbeit bei den Brücken. Aber was geschieht eigentlich vor den Toren der Burg? Das Umland ist die Heimat der Geishas. Dort gibt es einen Teich und ein Teehaus. Wir haben unseren Horizont erweitert, mit der Erweiterung die Teezeremonie. Wir verraten euch hier, ob sich der Weg nach draußen gelohnt hat oder ob wir in Zukunft doch hinter den Mauern, innerhalb der weißen Burg bleiben werden.

 

Wer das Grundspiel die weiße Burg noch nicht kennt, der schaut am besten zunächst in unsere Rezension zu die weiße Burg. Hier erklären wir euch wie die Erweiterung die Teezeremonie das Grundspiel verändert.

 

Das Material und die Vorbereitung

 

Die weiße Burg: die Teezeremonie bringt einiges an Spielmaterial mit, das in Produktionsqualität dem Material des Grundspiels in keiner Weise nachsteht. Die Teezeremonie bringt neue Karten für jeden Kartentyp mit, welche in die entsprechenden Kartenstapel des Grundspiel gemischt werden müssen. Alle Karten lassen sich durch ein kleines Tee-Symbol unten links leicht identifizieren und später, bei Bedarf wieder aussortieren.

 

Die Teezeremonie bringt auch vier neue Spieler-Tableaus mit, mit denen die Tableaus des Grundspiels ersetzt werden. Denn von nun an gibt es eine vierte Ressource, die Matcha-Besen, mit der man haushalten muss. Außerdem kommt die Erweiterung mit Geisha Figuren in jeder Spielerfarbe, die neben den Höflingen, Kriegern und Gärtnern ebenfalls auf eine separate Leiste des Spieler-Tableaus platziert werden. Die Bonus-Ressourcen, die man beim Einsetzen eines Würfels auf die Würfelfelder des Spieler-Tableaus erhält, wurden auch etwas diversifiziert. So erhält man z.B. für jede Würfelfarbe durch das zweite freie Feld auf der Ressourcen-Leiste immer einen Matcha-Besen.

 

Die Erweiterung bringt auch neue grüne Würfel und eine vierte grüne Brücke ins Spiel. Diese wird auf einen ebenfalls in der Erweiterung mitgelieferten separaten Spielplanteil platziert, dessen Artwork nahtlos in das Artwork des Hauptspielplans übergeht. Dieser Spielplan wird unterhalb des Hauptspielplans platziert und zeigt einen Bereich vor der Burg, in dem die neuen grünen Würfel eingesetzt sowie die Geishas platziert und bewegt werden können. Auf der linken Seite befindet sich der Teich, in dem drei zufällige Wasserlilien-Plättchen sowie ein zufälliges Zeremonie-Plättchen mit der blauen Seite nach oben platziert werden, welche die Boni bzw. Aktionsmöglichkeit der Geisha am Teich vorgeben. Auf der rechten Seite befindet sich das Teehaus. In die drei Räume werden jeweils ein zufälliges Zeremonie-Plättchen mit der gelben Seite nach oben platziert, welche sehr starke Boni zeigen, z.B. vier Siegel oder sieben Geld. Noch weiter rechts findet man Würfeleinsatzfelder und zwei Bereiche, auf denen zwei Stapel mit neuen Karten – Kalligrafie- und Blumenkunst-Karten – ausgelegt werden, die Aktionen und Ressourcen-Boni zeigen, ähnlich wie die Karten in der Burg. Die oberste Karte eines jeden Stapels wird offen ausgelegt.

 

Zu Spielbeginn wählt jeder Spieler wie üblich die Startbedingungen. Hier bringt die Erweiterung neue Aktions- und Ressourcenkarten mit. Sie werden mit den entsprechenden Karten des Grundspiels gemischt. Es gibt aber eine weitere Neuerung: die beiden Karten werden um ein zufälliges, blaues Zeremonie-Plättchen ergänzt, sodass jeder Spieler sich für ein Set aus Aktionskarte, Ressourcenkarte und Zeremonieplättchen entscheiden muss. Das Zeremonieplättchen wird rechts neben dem Spieler-Tableau in der Reihe der Geishas platziert und bestimmt die Spieler-Tableau Aktion, die mit dem grünen Würfel ausgeführt werden kann. Sie kostet immer ein Siegel.

 

Der Spielablauf

 

Eine Partie die weiße Burg mit Teezeremonie Erweiterung dauert nach wie vor 3 Runden. Jede Runde hat nun aber vier Spielerzüge, statt der drei ohne Erweiterung. Denn es gibt eine extra Brücke mit extra Würfeln für jeden Spieler. Am grundlegenden Spielverlauf ändert sich ansonsten nichts. Wie fügen sich aber die grünen Würfel, die Geishas, der neue Spielplan und die neue Ressource in den Spielablauf ein?

 

Zum einen können Würfel jeder Farbe für die Würfeleinsatzfelder des neuen Spielplans verwendet werden. Grüne Würfel dürfen dagegen nicht in der Burg eingesetzt werden, da hier nach wie vor lediglich Plättchen mit abgebildeten roten, schwarzen und weißen Würfeln verteilt werden. Grüne Würfel dürfen nur außerhalb der Burg eingesetzt werden, d.h. auf dem neuen Spielplan und auf dem alten Spielplan beim Brunnen und den Garten/Burg/Übungsplatz-Aktionen unten rechts.

 

Es gibt vier neue Würfeleinsatzfelder auf dem neuen Spielplan. Zwei davon befinden sich neben den ausgelegten Kaligrafie- und Blumenkunstkarten. Jede dieser Karte zeigt ein grau hinterlegtes Feld, das eine Hauptaktion ermöglicht und ein Siegel kostet, und ein gelbes Feld, das Bonus-Ressourcen einbringt. Platziert man einen Würfel auf eines der Würfelfelder dort, so darf man die Aktion des grauen Bereichs der einen Karte ausführen und den Bonus des gelben Bereichs der anderen Karte nehmen. Die beiden anderen Aktionsfelder des Spielplans der Erweiterung sind die Teefelder, die sich neben den Garten/Burg/Übungsplatz-Aktionsfeldern des alten Spielplans, unten rechts befinden. Teefelder kommen auch auf neuen Karten in der Burg, grau hinterlegt vor. Mit dem Teefeld wird eine Geisha-Aktion ausgeführt.

 

Die Geisha-Aktion wird sehr ähnlich wie die Burg-Aktion abgehandelt. Für 2 Geld darf eine Geisha am Eingang zum Teegarten platziert werden. Außerdem darf man zwei oder fünf Matcha-Besen ausgeben, um eine Geisha ein bzw. zwei Felder bewegen zu können. Es gelten dieselben Rahmen-Regeln wie für die Burg-Aktion und die Höflinge. Auch die Kosten sind dieselben, mit der Ausnahme, dass statt Perlmutt eben die Matcha-Besen notwendig sind.

 

Bei der Bewegung einer Geisha ausgehend vom Eingang zum Teegarten hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man geht direkt einen Schritt nach links, dann landet man am Teich. Oder man macht sich über das Umland rechts auf den Weg zum Teehaus; hier bedarf es insgesamt drei Schritte, bis man am Ziel angekommen ist. Der Weg zum Teich direkt unterhalb der Brücke mit den grünen Würfeln ist also schneller erreichbar. Am Teich hat man zwei Optionen. Entweder man nimmt sich die drei Boni, welche auf den drei zu Spielbeginn zufällig ausgelegten Wasserlilien-Plättchen abgebildet sind. Oder man zahlt 3 Geld, um die Aktion auf dem zufällig ausgelegten Zeremonieplättchen auszuführen. Das coole am Teich: er funktioniert so wie die Gärten. Man hat am Ende der Runden eins und zwei erneut die Wahl zwischen Boni und Aktion, falls zum Rundenende noch mindestens ein grüner Würfel auf der Brücke liegen sollte.

 

Der Weg zum Teehaus lohnt sich allerdings auch, aus verschiedenen Gründen. Hält man auf dem ersten Feld, darf man sich entweder die obere Kalligrafie- oder Blumenkunst-Karte sowie den gelben Bonus darauf nehmen. Die Karte kommt dann mit der Rückseite nach oben in den Laternen-Bereich des Spieler-Tableaus. Sie zeigt verschiedene Ressourcen wie Reis oder Perlmutt, wodurch die Ressourcen-Generation durch die Leuchtturm-Aktion erheblich verbessert werden kann. Das zweite Feld im Umland von Himeji erlaubt es eine der grau hinterlegten Aktionen der Kalligrafie- oder Blumenkunst-Karte auszuführen. Und auf dem dritten Feld – dem Teehaus – angekommen, muss man sich entscheiden, wo genau die Geisha platziert werden soll. Das Teehaus hat nämlich drei verschiedene Räume: oben, mitte und unten. In jedem Raum gibt es einen unterschiedlichen Direkt-Bonus, abhängig vom zufällig ausgelegten Zeremonieplättchen. Was aber immer gleich ist: jede Geisha im Teehaus gibt am Spielende 2 Punkte pro Gärtner im Garten, Krieger auf dem Übungsplatz oder Höfling in der Burg, abhängig davon, ob sie im oberen, mittleren oder unteren Raum steht. Wichtig: pro Raum darf jeder Spieler nur zwei Geishas platzieren.

 

Zuletzt gibt es noch die Möglichkeit den grünen Würfel auch auf dem eigenen Spieler-Tableau zu platzieren. Ähnlich wie die anderen Würfeleinsatzfelder auf dem Spieler-Tableau, gibt das jede Menge Bonus-Ressourcen, abhängig davon wie viele freie Felder sichtbar sind, d.h. wie viele Geishas bereits auf dem Spielplan platziert wurden. Der grüne Würfel triggert aber nicht die Aktion der aktiven Aktionskarte, die rechtsseitig des Spieler-Tableaus platziert wurde. Aktionskarten haben schließlich nur drei Reihen, die den Leisten für den roten, schwarzen und weißen Würfeln zugeordnet sind. Stattdessen bietet der grüne Würfel Zugriff auf die Aktion, die zu Spielbeginn durch das gewählte Zeremonieplättchen bestimmt wurde. Die Kosten hierfür sind immer ein Siegel.

 

Eine Partie die weiße Burg mit Teezeremonie Erweiterung endet, nachdem alle Spieler ihre vier Spielerzüge in der dritten Spielrunde ausgeführt haben. Es folgt die Wertung, die sich lediglich durch die eingesetzten Geisha Figuren von der Wertung des Grundspiels unterschiedet. Am Teich gibt eine Geisha zwei Siegpunkte, am Eingang zum Teegarten einen Siegpunkt, auf dem ersten bzw. zweiten Feld des Teeweges zwei bzw. drei Siegpunkte und im Teehaus fungieren die Geishas als Siegpunktemultiplikatoren für Gärtner, Höflinge und Krieger, wie oben beschrieben.

 

 

Bildergalerie von Die weiße Burg: Die Teezeremonie (12 Bilder)

Spielmaterial

 

  • 1 Erweiterungs-Spielplan
  • 1 3D- Brücke
  • 4 Familien-Tableaus
  • 20 Geisha-Figuren aus Holz
  • 39 Karten
  • 5 Würfel
  • 16 Münz-Plättchen
  • 10 Zeremonie-Plättchen
  • 8 Wasserlilien-Plättchen
  • 4 Übungsplatz-Plättchen
  • 4 Siegpunkte-Plättchen
  • 1 Anleitung


Cover & Bilder © Cover und Screenshots: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG / Bilder im Artikel und Teaserbild: www.sofahelden.de


Das Fazit von: 2-PL4Y3R5

2-PL4Y3R5

Spielspaß: Die weiße Burg macht mit der Erweiterung Teezeremonie nicht mehr oder weniger Spaß als das Grundspiel alleine. Da uns das Grundspiel sehr viel Spaß bereitet hat, ist dies durchaus positiv zu verstehen. Die Teezeremonie nimmt der weißen Burg etwas von ihrer tightness. Es gibt eine vierte Würfelfarbe, sodass jeder Spieler pro Runde eine Aktion mehr zur Verfügung hat. Das wird Spielern sehr gefallen, die das Gefühl hatten, dass die weiße Burg zu wenige Aktionen bietet und am Spielende das Gefühl hatten nicht alles erreicht zu haben. Für Spieler, welche gerade die tightness in die weiße Burg lieben, wird das nicht zum Kaufargument. Wir finden, dass der zusätzliche Spielplanbereich eine Bereicherung darstellt. Die Teezeremonie ist erstmal keine Must-have Erweiterung, wenn man die weiße Burg noch gar nicht gespielt hat. Das Grundspiel funktioniert super für sich alleine. Es muss nicht durch eine Erweiterung „gefixt“ werden, wie manch andere Spiele. Aber nach ein paar Partien bringt die Erweiterung nochmal Frische und neue Perspektiven ins Spiel, ohne an den grundlegenden Mechanismen etwas zu verändern. Uns hat die Teezeremonie sehr viel Spaß gemacht, da sie Abwechslung und Variabilität mit sich bringt, sowie neue Möglichkeiten und Strategien eröffnet. Abhängig von der Stimmung werden wir die weiße Burg in Zukunft immer dann mit der Erweiterung spielen, wenn wir etwas mehr Anspruch und Verzahnung wollen und etwas mehr Zeit mitbringen.

 

Balancing/Glücksfaktor: Welche neuen strategischen Möglichkeiten werden geboten? Die Tee-Aktion mit den Geishas ist im Grunde eine Synthese aus Burg- und- Übungsplatz-Aktion mit den Höflingen und den Kriegern. Man bewegt die Geishas eine Leiste entlang, wie auch die Höflinge während der Burgaktion. Am Ende der Leiste angekommen, gewähren die Geishas einen Siegpunktemultiplikator, abhängig davon welches Feld man wählt für Höflinge, Krieger oder Gärtner; ähnlich wie die Krieger Siegpunktemultiplikatoren für die Höflinge darstellen. Diese zusätzliche Wertung ermöglicht es sich stärker auf bestimmte Bereiche zu fokussieren, um die Siegpunkte zu maximieren. Gleichzeitig sind die einmaligen Boni am Ende der Geisha Leiste teilweise richtig mächtig, noch besser als in der Burg, sodass die Geishas auch vor Ressourcen-Knappheit schützen können. Alternativ gibt es die Option die Geishas zum Teich zu schicken, an dem sie eine ähnliche Funktion erfüllen wie die Gärtner: eine einmal-Aktion gegen Geld oder andere Boni, die auch am Ende der ersten beiden Spielrunden erneut getriggert werden, wenn auf der grünen Brücke noch mindestens ein Würfel übrig ist.

 

Komplexität/Regeln: Die Komplexität steigt etwas an, denn es gibt einen neuen Bereich auf dem Spielplan, der zusätzlich im Auge behalten werden muss. Dieser neue Bereich ist nicht ein separates, für sich allein funktionierendes Modul, sondern ein Modul, das die Verzahnung zwischen den Aktionen des Grundspiels noch mehr verstärkt. Denn am Ende der Geisha-Leiste zählen die Figuren als Siegpunktemultiplikator für Höflinge, Krieger oder Gärtner. Außerdem gibt es nun eine weitere Ressource, die Matcha-Besen, mit der man auf seinem Spieler-Tableau haushalten muss.

Die Regeln der Erweiterung dagegen sind sehr zugänglich und leicht verständlich, wenn man das Grundspiel bereits kennt. Komplett neue Mechanismen gibt es nicht. Die Teezeremonie fügt sich perfekt in die Spielmechanismen des Grundspiels ein.

 

Spielerinteraktion/Spieleranzahl: Die Teezeremonie hat keinen großen Einfluss auf die Spielerinteraktion und funktioniert genauso gut in allen Spielerzahlen wie auch das Grundspiel alleine. Aufgrund der längeren Spieldauer ist die weiße Burg mit Erweiterung evtl. besser für etwas niedrigere Spielerzahlen geeignet als das Grundspiel alleine. Wir hatten auch den Eindruck, dass die weiße Burg mit Erweiterung etwas mehr Möglichkeiten und eine größere Aktionsvielfalt bietet, sodass sich Mitspieler gefühlt etwas weniger gegenseitig blockieren.

 

Spieldauer: Mit Erweiterung ist die Spieldauer leicht erhöht, vor allem wegen der drei zusätzlichen Aktionen, die jeder Spieler während einer Partie zur Verfügung hat. Nun sind es 12 Aktionen pro Spieler, statt 9. Auf der Verpackung steht entsprechend 70 bis 100 Minuten statt 50 bis 70 Minuten, wie für das Grundspiel allein angegeben.

 

Wiederspielbarkeit: Wozu braucht es Erweiterungen? Na klar, man möchte nach einer gewissen Zeit mal etwas Abwechslung in sein Lieblingsspiel bringen. Und das gelingt mit die Teezeremonie alle mal. Wem die weiße Burg gefällt und wer sich langsam in der Burg, auf dem Übungsplatz und in den Gärten satt gespielt hat, dem empfehlen wir wärmstens den Griff zu die Teezeremonie, welche das Spiel vor die Burg verlagert, in das Umland, an den Teich, und schlussendlich in das Teehaus. Die Erweiterung eröffnet neue Spielstrategien, neue Aktionsmöglichkeiten und bietet mehr Variabilität mit neuen Plättchen und Karten. Sie ermöglicht, dass sich die weiße Burg wieder frisch anfühlt und erlaubt viele weitere, spannende Partien.


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