Judgment

Judgment

Publisher: Sega
Genre: Action
Sub-Genre: Action-Adventure
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 25.06.2019
USK 18

Judgment   14.07.2019 von Torsten

Bei einer derart langjährig fortgeführten Serie wie der Yakuza-Reihe kann ein Perspektivwechsel manchmal Wunder bewirken. So spielen wir im Serien-Spin-Off Judgment dann eben keinen kriminellen und doch herzlichen Ganoven, sondern schlagen uns auf die andere Seite des Gesetzes. Mit den berüchtigten Yakuzas hat die Handlung allerdings dennoch zu tun, einzig der Blickwinkel ist hier ein anderer. Wie dieser Wechsel dem bekannten Spiel trotz gleicher Spielmechanik und -ort neuen Pfiff einverleibt klären wir im Test.

 

Kamurocho einmal anders

 

Es ist derselbe Ort wie schon in zahlreichen Yakuza-Ablegern und am Anfang wirkt das Spiel auch eher wie ein simples Addon. Bedient es sich doch der gleichen Engine und Steuerung der Yakuza-Serie. Allerdings wird hier bereits nach einigen Missionen klar, dass die Dinge doch anders ablaufen und der Schwerpunkt des Spiels ein anderer ist. Takayuki Yagami ist ein ehemaliger Rechtsanwalt, der nach einem einschneidenden Erlebnis seine Karriere beendet und neuerdings als Privatdetektiv seinen Lebensunterhalt verdient. Als ein Serienmörder auf brutale Art und Weise Jagd auf Yakuza-Bosse macht, kommt er ins Spiel und versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Anfangs ermittelt er bei einigen, nicht zusammenhängend wirkenden Sachverhalten. Doch schnell wird klar, dass die Fälle in einem komplizierten Netz zahlreicher Organisationen verstrickt sind. Bei seinen Recherchen gerät er zusehends tiefer in einen Strudel von Machtgerangel und Korruption.

 

Genügend Abwechslung abseits der Handlung

 

Im Kern kann das Spin-Off seine Wurzeln natürlich nicht verleugnen und das will es auch gar nicht. Wir bewegen uns also auf dem Weg zu den Story-Missionen frei durch das fiktive Rotlichtviertel Japans und staunen über das mit allerhand Werbetafeln und blinkenden Lichtern bespickte Kamurocho. Die Straßen wirken belebt mit zahlreichen Menschen, von denen einige als NPC mit Nebenmissionen aufwarten. Ansonsten lauschen wir den Gesprächen der vorbeieilenden Bürger oder sprechen sie aktiv an, schlendern an Sehenswürdigkeiten vorbei oder nutzen einige der gebotenen Unterhaltungsmöglichkeiten. Auf der Karte farbig markiert sind die betretbaren Gebäude und Läden der Stadt. So stillen wir unseren Hunger in einem der vielerorts verfügbaren Restaurants und Imbissbuden, kaufen Erfrischungsgetränke in Supermärkten oder besuchen ein Unterhaltungs-Etablissement. Ob wir uns bei einer Partie Dart oder Karten in der Kneipe unterhalten, mit einem Glas Whiskey oder Karaoke in der Bar amüsieren oder aber den Sega-Store mit seinen klassischen Arcade-Spielen besuchen, Abwechslung gibt es hier an jeder Ecke.

 

Bildergalerie von Judgment (6 Bilder)

An jeder Ecke lauert hier allerdings auch der Faustkampf, der uns abseits der Handlung in Persona von Straßenschlägern und übermütigen Halbstarken „angeboten“ wird. Die Kämpfe wechseln dann ohne Ladezeiten in den Arena-Modus, bei denen wir uns wieder der Umgebung bedienen können. Verkehrsleitkegel, Banner und Fahrräder werden dann zu Hieb- und Wurfwaffen zweckentfremdet und im Kampf eingesetzt. Waffen gibt es auch, spielen aber eine eher untergeordnete Rolle. Takayuki bedient sich, im Gegensatz zu prominenten Yakuza-Vorbildern, eines sehr agilen Kampfstils und wieselt nicht selten in bester Jackie Chan-Manier an Wänden entlang, um gegnerischen Angriffen zu entgehen oder eine mächtige Kombo einzuleiten. Zwei unterschiedliche Kampfstile stehen ihm dabei zur Verfügung: Die Kranich-Technik setzt flächendeckende Angriffe ein, um sich einer größeren Gruppe entgegenzustellen. Der Tiger-Stil setzt dabei mehr auf den möglichst effektiven Einzelkampf und bietet stärkere Angriffe, die zu Lasten der Agilität gehen. Im Kampf gewonnene Erfahrungspunkte lassen sich dann für das Erlernen neuer Kampftechniken verwenden. Daher sollten wir den oftmals etwas ermüdenden Straßenkämpfen auch lieber nicht aus dem Weg gehen, um unseren Kampfstil möglichst weit aufzuwerten.

 

Die Handlung nimmt anfangs nur langsam Fahrt auf. So bleibt für Einsteiger genügend Zeit, sich mit dem Spielgerüst gütlich zu stimmen. Einmal in Schwung genommen offenbart sich die Rahmenhandlung als spannender Krimi mit düsteren Momenten. Takayuki beschattet, zum Teil mit Drohnentechnik, verhört Verdächtige und gerät dabei oft in brenzlige Situationen. Das ist am Anfang noch recht anspruchslos, steigert sich im Schwierigkeitsgrad und Abwechslung aber kontinuierlich. Das alles wirkt lebhaft erzählt und gespielt und das hat auch seinen guten Grund. Die Darsteller sind virtualisierte, reale Schauspieler, die ihrerseits in Krimi-Serien Asiens mitwirken. Dadurch wirkt die Handlung etwas authentischer als bei den oft sehr überzogen dargestellten Yakuza-Stories.

 

Technik

 

Judgment nutzt die Dragon-Engine, die seit Yakuza 6 (Hier geht es zum Test) in der Serie ihre Verwendung findet und sieht damit einfach großartig aus. Zwar sind die Texturen nicht immer sehr aufwändig, was aber zu Gunsten der Detailerhöhung nicht negativ ausfällt. Die Regale im Supermarkt sind mit derart vielen Produkten vollgestellt und die Straßen mit einer wahren Flut an Passanten bevölkert, dass selten ein Blick für die Feinheiten bleibt. Neonfarbige Reklametafeln und Beleuchtungsbombast überreizen gar schnell die Sinne. Am besten sind allerdings die Gesichtsdarstellungen der virtualisierten Schauspieler, die mit lebensechter Mimik und fast fotorealistischer Grafik begeistern können.

 

Die Soundausgabe ist wie üblich im Original-Ton mit Untertiteln oder aber, wer zu Lasten der Authentizität auf Mandarin verzichten möchte, in englischer Tonspur anwählbar. Die lokalisierte Fassung ist sogar fast lippensynchron und so geht auch hier nur wenig Flair verloren.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Judgment erzählt eine spannende Krimi-Geschichte, die nicht zimperlich zur Sache geht und seine FSK-Einstufung auch zurecht erhalten hat. Dabei kann es als nunmehr zweites Spin-Off seine Serienverwandtschaft zu Yakuza nicht verstecken. Der neue Charakter wirkt frisch und agil und zu keiner Zeit in seiner Rolle aufgesetzt, selbst wenn die anfänglichen Beschattungen etwas monoton und anspruchslos daherkommen. Im Zuge des Spiels besinnt sich Judgment ganz auf die serientypischen Stärken, bringt aber auch einen ernsthaften Charakter in das sonst mit viel Humor gespickte Spielgerüst. Ein Umstand, der, wenn er wie im vorliegenden Fall so authentisch mit erfahrenen Schauspielern abgedreht wird, dem Spiel mehr als guttut. Hier kommen nicht nur Yakuza-Fans auf ihre Kosten, sondern auch serienfremde Spieler, die dem abgerundeten Mix von Japan-Simulator, Brawler und Krimi nur schwer widerstehen werden können.


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positiv negativ
  • Authentische Schauspieler
  • Spannender Krimi
  • Zahlreiche Möglichkeiten
  • Nebenmissionen und Spiele
  • Tolle, detaillierte Grafik
  • Gute Sprachausgabe in Englisch und Mandarin
  • Deutsche Untertitel
  • Flinkes Kampfsystem mit zwei unterschiedlichen Stilen
  • Überall gibt es etwas zu entdecken
  • Kameraprobleme in engen Bereichen
  • Texturen manchmal etwas matschig
  • Einige Objekte sind polygonarm und wirken klotzig





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