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The Look of Silence
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BEWERTUNG |
23.02.2016 von LorD AvengerIm Jahr 1965 schlägt der indonesische General Suharto einen Putschversuch nieder und erklärt in der Folge die Kommunisten zu den Schuldigen. Darauf ereignen sich im ganzen Land und mit Duldung der amerikanischen Johnson-Administration scheinbar spontane Massaker, in denen geschätzt fast eine Million echter oder vermeintlicher Kommunisten sowie zahlreiche Auslandschinesen den Tod finden. Knapp ein Vierteljahrhundert später macht sich ein Kamerateam auf, um Täter wie Opfer nach ihren Erinnerungen und Gedanken zu befragen...
Dieser Film folgt Adi Rukun, dem Mitte der 60er Jahre sein Bruder auf brutale Weise von den Machthabern entrissen wurde und der den Umständen nun nicht nur auf den Grund geht, sondern die Verantwortlichen auch damit konfrontiert - was unfassbar mutig und gefährlich ist, da dieselben Leute nach wie vor an der Macht sind.
Oppenheimers fast schon spannende Dokumentation, die vom trockenen Faktendarstellen üblicher Dokus abweicht und eine persönliche zusammenhängende Geschichte erzählt, wechselt zwischen drei Parts hin und her. Angefangen mit Adi, der stumm in einem leeren Raum sitzt und auf einem alten Röhrenfernseher Aufnahmen der Genozid-Verantwortlichen ansieht, die die früheren Geschehnisse und ihre eigenen Taten sehr lebhaft und nicht selten auch mit einem Grinsen schildern. Nicht zuletzt wird in diesen Aufnahmen auch gezielt auf Adis Bruder eingegangen und das emotionale Schauspiel, das sich während des Ansehens in seinem Gesicht abspielt, ist so unglaublich echt, dass wohl kein Darsteller etwas Ähnliches hätte imitieren können. Man fühlt wirklich mit, während man von den Schilderungen auf dem Fernseher noch völlig geschockt ist.
Der zweite Part, zu dem des Öfteren gesprungen wird, ist der Besuch Zuhause bei Adis Eltern. Beide sind schon sehr alt, sein Vater sogar weit über 100 Jahre, was wohl auch zum Muskelschwund, Schwerhörigkeit, Sehschwäche und anderen Lastern des Alters geführt hat, um die sich seine Frau kümmern muss, während sie gleichzeitig Haus und Garten bewirtschaftet und an den Verlust ihres Sohnes gedenkt. Den alten nackten Körper des hilflosen Mannes zu sehen ist ebenso erschreckend wie es einen glücklich macht, zu sehen, wie Adi lachend aufgeht, wenn er sich um ihn kümmert und Scherze mit ihm macht - gerade im Kontrast zu seiner resignierenden Miene im Fernsehzimmer. Auch gibt es einige herzerwärmende Aufnahmen mit seiner Tochter.
Der dritte und wohl wichtigste Part des Films ist die Konfrontation der Genozid-Verantwortlichen. Zusammen mit einem Kamerateam besucht Adi all die Verantwortlichen und deren Familien, die in Verbindung mit den schrecklichen Taten an seinem Bruder stehen. Meist beginnt der Besuch unter dem Vorwand einer Sehkraftmessung für die Brillenherstellung - das ist nämlich Adis Beruf und dem entspringt auch das wirklich coole Cover-Motiv. Nach kurzem fröhlichen Smalltalk setzen dann die Fragen zur Vergangenheit ein und er gibt sich als Verwandter einer der Opfer zu erkennen. Die Täter sind überraschend redselig und schildern auch hier allzu detailliert die Geschehnisse, während wir Adis Gesicht betrachten und uns wundern, wie kein Zeichen von Hass, sondern nur von tiefer Trauer darin zu erkennen ist. Gerade wenn manche von den Interviewten davon reden, wie sie das Blut ihrer Opfer tranken, um nicht wahnsinnig zu werden, wenn wir hören, wie diese kranken und bösen Menschen bis heute in Familie und Nachbarschaft als Helden gefeiert werden und wie kein einziger von ihnen Reue zeigt oder Verantwortung übernehmen möchte... mein Gesicht, wäre definitiv ein anderes gewesen. Das Fazit von: LorD Avenger
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The Look of Silence ist der geistige Nachfolger von 



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