Arcana Heart 3

Arcana Heart 3

Publisher: Ubisoft
Entwicklerstudio: Arc System Works
Genre: Action
Sub-Genre: 2D Beat´em Up
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 25.08.2011
USK 12

Arcana Heart 3   15.09.2011 von GloansBunny

Das Beat'em Up-Genre hat Nachwuchs! Mit „Arcana Heart 3" will Arc System Works wieder frischen Wind in die Kategorie „Prügelspiele" bringen - und das mit geballter Frauenpower! Ob es einschlägt wie die Faust ins Gesicht oder ob es nur ein sanfter Klaps auf den Allerwertesten ist, zeigt folgender Test ...

 

Streetfighter, Tekken und Co locken seit Anbeginn des modernen Videospielzeitalters unzählige Fans in die Arcade Hallen und an den heimischen Fernseher. Vom muskulösen, durchtrainierten Schwarzgurtträger bis hin zum schrumpeligen Voodoo-Meister mit Knochen in der Nasenscheidewand war alles geboten und natürlich durften auch kampferprobte Frauen nicht fehlen. Kenner des Genres werden sich beispielsweise noch gut an Poison, Chun-Li oder Julia erinnern, allesamt Meisterinnen ihrer Kunst. Doch den Großteil des Kaders machten primär männliche Charaktere aus. „Arcana Heart 3" stellt jetzt die klassische Beat'em Up-Auswahl auf den Kopf und vollführt die Emanzipation: Dieses Arcade-Spiel besteht ausschließlich aus weiblichen Kämpfern.

 

Bedeutet das nun, dass sich kleine Mädchen im rosa Flanellpyjama auf einem blumigen Ponyhof mit samtweichen Hello-Kitty-Plüschkissen bewerfen und danach gemeinsam mit ihren Puppen spielen? Nein, natürlich nicht. Zur Auswahl stehen 23 Mädels, die durchweg der japanischen Mangafeder entsprungen sind. Vom Schulmädchen in Uniform über die Kampf-Nonne, bis in zum Ninja-Girl mit niedlichen Katzenöhrchen ist alles geboten. Das typische Aussehen der teils sehr leicht bekleideten Damen mit Kulleraugen ist Geschmackssache, Fans von Gothic-Lolitas und Anime kommen bei dieser Vielfalt aber sicherlich ins Schwärmen. Zudem wird jeder Kämpferin einer von 23 Dämonen, den so genannten "Arcana", zugewiesen. Da jede Amazone mit jedem Arcana beliebig kombiniert werden kann, bietet Arc System Works somit über 500 verschiedene Charaktertypen. So einen Umfang bietet derzeit kein anderes Prügelspiel. Vor der Qual der Wahl kommt allerdings die Wahl der Qual. Vier Spielmodi stehen im Hauptmenü zur Verfügung. Im Geschichtsmodus wird - ähnlich wie bei Tekken und Co - die Story eines Charakters erzählt und durchkämpft. Leider sind die Geschichten der verschiedenen Figuren alle sehr ähnlich und alles andere als nachvollziehbar. Im Vergleich zu  „Training" (zum Üben der Attacken), „Punktangriff" (eine Art Survival- Modus) und „Versus- Mode" (der nur im Kampf gegen einen echten Spieler spannend ist), ist die Auswahl des Story-Modus aber die beste Entscheidung.

 

Der geneigte Spieler wählt also eine der vielen Prallbusigen aus, stellt ihr einen der 23 kämpfenden Arcana an die leicht bekleidete Seite und prügelt sich durch sieben Fights bis zum Endgegner. Während die Gleichgeschlechtlichen relativ einfach zu besiegen sind (die Gegnerin kann gewählt werden), steigern sich die Bosskämpfe in unfaire und schlecht ausbalancierte Höhen. Das knapp bemessene Zeitlimit und die karge Story frustrieren schnell. Da bieten andere Spiele deutlich mehr Inhalt.

 

Dafür geht es im Kampf aber umso mehr zur Sache. Was sonst eher in einschlägigen Vierteln diverser Großstädte zu finden ist, gibt es hier am laufenden Band: prügelnde, pöbelnde und aggressive junge Frauen. Im klassischen Arcade-Style vollführt die Dame der Wahl unterschiedlich starke Angriffe, ausgelöst durch die Tasten X, Y oder B. Per A-Knopf wird ein gezielter Angriff eingeleitet, die Richtungstasten geben die Bewegung vor. Alternativ kann auch der linke Analog-Stick verwendet werden. Die RB-Taste ist für den Spieler das, was für die Gangsterkids von der Straße die Knarre ist: der Auslöser der Arcana-Angriffe. Diese Spezialmanöver richten bei ausreichend gefüllter Energieleiste verheerenden Schaden an.

 

Jeder Arcana hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Spielfigur. So werden Lebenspunkte, Schadensniveau und Verteidigungswert direkt beeinflusst. Für die Auswahl der persönlichen Lieblingskombination aus Akteurin und Arcana können vor dem Kampf schon mal einige Minuten vergehen. Je öfter man eine Kombination versucht hat, umso deutlicher wird die Tiefe der Charakterwahl. Taktiker werden sich hier sehr wohl fühlen. Zudem sind auch im Kampf selbst diverse Unterschiede der unterschiedlichen Kombinationen spürbar. Jede Mädel-Arcana-Konstellation spielt sich anders als die Andere. 

 

Das Grafikniveau ist leider ähnlich pubertär gehalten wie die Profilbilder der Kämpferinnen selbst. Die Hintergründe der Areale sind zwar abwechslungsreich, aber starr und ohne Leben. Wo in Street Fighter am Straßenrand Zuschauer klatschen und anfeuern, sind in Arcana Heart 3 Schule, Hafen und Staudamm, jedoch komplett unbewohnt und teils auch sehr blass. Die Figuren sind im Vergleich dazu sehr bunt und detailreich gezeichnet, dafür aber leider etwas zu pixelig geraten. Natürlich macht den Charme eines 2D-Spieles heutzutage manchmal auch ein bisschen "Used-Look" aus, aber ein wenig virtuelles Botox für den Grafikchip hätte Arc System Works seinen Manga-Mädels ruhig spendieren dürfen. Das hauseigene  BlazBlue konnte trotz 2D-Abstammung schließlich auch mit HD-Grafik punkten. Die kurzen Animationen der Akteurinnen und ihrer Arcana sind gut gelungen, obwohl Tritte und Schläge manchmal von glitzernden Bewegungsverzierungen überlagert werden. Eindrucksvoll bunt und abwechslungsreich sind vor allem die Kombinationsangriffe der Dämonen und die Spezialattacken der Kämpferinnen. Von Kugelblitzen über den magischen Schutzkreis am Boden, bis hin zum klassischen Feuerball gibt es eine Vielzahl knalliger Angriffe. Die am Bildschirmrand eingeblendeten animierten Kampfhandlungen gewähren (ein wenig zu oft) tiefe Einblicke ins Dekolleté. Zur Ablenkung männlicher Mitspieler im Versus-Mode sind diese Wallpaper sehr gut geeignet, ansonsten aber für meinen Geschmack zu übertrieben. Die Zwischensequenzen bestehen leider nur aus einer Aneinanderreihung von Standbildern und sind wenig spektakulär.

 

Für die Ohren gibt es nicht allzu viel Gutes. Anfangs klingt die rockige Hintergrundmusik noch ganz vielversprechend, ist aber auf die Dauer doch etwas zu eintönig. Passend zum Genre darf natürlich die japanische Sprachausgabe nicht fehlen. Quietschend kommentieren die Kampfhennen ihre Taten, gefolgt von Gepiepse, Gestöhne und Gequäke. Englische Untertitel tragen zum Verständnis bei, ein Wechsel in eine andere Sprachausgabe ist aber leider nicht möglich. Die japanische Originalfassung verstärkt zwar den Manga-Flair von Arcana Heart 3 enorm, ist aber nach einiger Zeit recht anstrengend. Daran können auch die spärlich platzierten, monotonen Soundeffekte kaum etwas ändern.

 

Trotz der einzelnen Kritikpunkte macht Arcana Hearts 3 Laune. Die tiefgründigen Charakterkombos und die vielschichtigen Kampfstile sind ein spaßiger Zeitvertreib für „Zwischendurch". Jede neue Damenwahl spielt sich anders als die Vorherige, und bis die über 500 verschiedenen Charaktertypen ausprobiert sind, vergeht viel Zeit. Mit Blitzattacken die gegnerischen Eierstöcke rösten, den fiesen Arcana-Werwolf auf die virtuellen Plastikbrüste der Kontrahentin hetzen oder der Streberin aus der ersten Reihe mit dem Knochenzauberstab die Frisur ruinieren? Die skurrilen Manga-Mädels aus Arcana Hearts 3 machen es möglich.  Eine echte Alternative zu Streetfighter, Tekken und Co ist das Spiel zwar nicht, aber für Liebhaber von Mangas und Gelegenheits-Prügler ist es eine gute Wahl. Ein Blick auf die Highscores der internationalen Bestenlisten zeigt aber, dass mit etwas Gefühl für Taktik auch eine Passion daraus werden kann. 

 

Bei Arcana Heart 3 ist es wohl wie mit Tokio Hotel: Die einen werden es lieben, die Anderen darüber lachen. Geschmäcker sind eben verschieden.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Wer gerne wie eine Sushi-Kreation heißen würde, sich des Öfteren niedliche Katzenohren in die lila-blassblaue Sturmfrisur bastelt und auf teils sehr knapp bekleidete Damen mit Körbchengröße D steht, der wird sich im Manga-Universum von "Arcana Heart 3" sofort wohlfühlen. Die Charakterauswahl aus 23 rein weiblichen Kämpfern plus 23 frei miteinander kombinierbaren Arcanas entspricht zwar vollends dem Anime-Klischee, aber auch Fans "herkömmlicher" 2D-Beat'em-Ups kommen bei diesem Spiel auf ihre Kosten. Simples Knöpfchendrücken zum Aufladen der Energieleiste wechselt sich mit speziellen Tastenkombinationen zum Freisetzen der Spezialkräfte ab und bietet somit einen großen Freiraum für Taktiker. Die grafische Gestaltung und die kurzen Animationen wirken zwar etwas verstaubt und die Soundkulisse mit der japanischen Sprachausgabe ist gewöhnungsbedürftig, dafür ist die Steuerung aber leicht erlernt. Auch, wenn die optische Aufmachung nicht jedermanns Geschmack ist: Einen Versuch ist es allemal wert. Die Vielzahl an Charakteren und Kombinationsmöglichkeiten verleiht  "Arcana Heart 3" eine super Spieltiefe, die man(n) auf den ersten Blick wahrscheinlich übersehen würde. Zwar kann "Arcana Heart 3" nicht mit den großen Vorbildern der Szene mithalten, aber eines hat dieses Spiel jedem "Streetfighter" voraus: Mädels, Mädels, Mädels!


positiv negativ
  • Viele unterschiedliche Charaktere
  • Einfache Steuerung
  • Viele Taktiken möglich
  • Englische Untertitel
  • Umfangreiche Kombos
  • Grafik zu altbacken
  • zu kurze Animationen
  • Monotoner Sound
  • Nur japanische Sprachausgabe
  • Charakterstories zu eintönig





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