Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Originaltitel: Pet Sematary
Genre: Horror
Regie: Kevin Kölsch • Dennis Widmyer
Hauptdarsteller: Jason Clarke • Amy Seimetz • John Lithgow
Laufzeit: BD (101 Min)
Label: Paramount
FSK 16

Friedhof der Kuscheltiere (2019)   07.04.2019 von Diaboli

Nachdem bereits vor 30 Jahren die erste Verfilmung von Stephen King´s Kultroman "Friedhof der Kuscheltiere" für Angst und Schrecken gesorgt hat, dachte sich Produzent Lorenzo DiBonaventura, dass pünktlich zum Jubiläum eine Neuinterpretation des Stoffs angebracht wäre. Mit Jason Clarke und John Lithgow konnte man dann auch bekannte Gesichter für sich gewinnen. Ob das jedoch ausreicht, eine neue Generation von Zuschauern zu traumatisieren, erfahrt ihr in unserer Kritik...

 

Inhalt:

 

Die Geschichte an sich dürfte mittlerweile bekannt sein: der Bostoner Arzt Louis Creed zieht mit seiner Frau Rachel und den Kindern Ellie und Cage sowie Stubentiger Church ins beschauliche Ludlow, wo er den Job als Chef der Universitäts-Krankenstation angenommen hat. Während sich Louis am ersten Tag bereits mit einem tödlich verunglückten Studenten Namens Viktor Pascow konfrontiert sieht, entdeckt Ellie im Wald hinter ihrem neuen Zuhause einen Weg, der direkt zum Haustierfriedhof führt. Dort beobachtet sie eine Gruppe Kinder mit Tiermasken, die gerade eine Prozession zur Beerdigung eines auf der Hauptstraße überfahrenen Hundes halten. Der freundliche alte Nachbar Judd, der ihr gefolgt ist, erzählt ihr die Geschichte hinter diesem Ort, warnt aber ebenso davor, die Totholzgrenze am Ende des Friedhofs zu überqueren. Als jedoch wenige Tage später Kater Church von einem LKW getötet wird, bringt Judd Louis aber an eben jenen verwunschenen Ort, der sogleich das totgeglaubte Haustier wieder auferstehen lässt. Victor Pascow, der tote Student, erscheint daraufhin in Louis' Träumen und warnt ihn davor, diesen Ort nie wieder zu betreten, da sonst großes Leid über die Familie kommen wird. Und genau so geschieht es auch, denn eines Tages wird eines der Kinder ebenfalls von einem Truck überfahren und von unmenschlicher Trauer gepeinigt entschließt sich Louis zu einem folgenschweren Schritt...

 

Bereits 2011 machten Berichte zu einem Remake von Friedhof der Kuscheltiere die Runde, welche sich jedoch erst 2017 konkretisierten. Mit den beiden Regisseuren Kölsch/Wydmyer, welche wiederrum Horrorerfahrung als Showrunner der erfolgreichen MTV-Serie zu Scream sammeln konnten, hatte man nun auch ein leitendes Team zur Hand, und nach dem Casting von Schauspiel-Veteran John Lithgow und dem sympathischen Jason Clarce begann das Projekt konkrete Züge anzunehmen. Auch die Trailer, welche leider Gottes Paramount-typisch den halben Film vorweg gespoilert haben, machten einen guten optischen Eindruck und auch Testvorführungen fielen überwiegend positiv aus. 

 

Bildergalerie von Friedhof der Kuscheltiere (2019) (6 Bilder)

Leider schafft es der fertige Film aber nicht, die düstere und bedrückende Grundstimmung des Originals konsequent umzusetzen. Auch die Tatsache, dass gewollte Änderungen und Abschweifungen zu Film und Roman im Trailer verraten wurden, nehmen dem Film einige Überraschungen bereits im Voraus weg. Ebenso ist aufgefallen, dass in den Trailern einige Szenen zu finden sind, welche man im fertigen Film vergeblich sucht. Unheimlich schade, denn auf technischem Niveau ist dem Film absolut nichts nachzusagen. Das Produktionsdesign ist wunderbar ländlich und gleichermaßen unbehaglich, die Kameraeinstellungen atmosphärisch und das Sounddesign lässt einem ein ums andere Mal die Nackenhaare aufstellen. Auch die Schauspieler geben sich unheimlich Mühe, überzeugende Darstellungen abzuliefern, was in keiner Sekunde angezweifelt wird. Jason Clarke nimmt man die Transformation vom liebenden Familienvater zum psychologisch bis ans Ende getriebenen Nervenbündel absolut ab, John Lithgow gibt den friedfertigen alten Nachbarn, den eine düstere Aura umgibt, mit Bravour und auch Amy Seimetz als Mutter Rachel verfällt glaubhaft in Panik, wenn das totgeglaubte Kind plötzlich vor ihr steht. Die Regisseure verstehen es, gezielt an den Nervensträngen des Zuschauers zu zerren, und die musikalische Untermalung ist unaufdringlich, aber spürbar.

 

Der Rotstift muss aber dicke beim Drehbuch von Jeff Buhler angesetzt werden, denn angefangene Storyelemente wie Rachels Kindheit mit ihrer todkranken Schwester Zelda, Judds erkrankte Ehefrau, die Geschichte des verwunschenen Indianerfriedhofs sowie Judds Erfahrungen mit ihm oder die Geistererscheinungen von Viktor Pascow oder die Kinder mit den Tiermasken im Wald: alles wird angefangen, aber nicht zu Ende erzählt. Das macht einen als Zuschauer nicht nur stutzig, sondern im Nachhinein sogar beinahe wütend. Denn es wurde so ziemlich alles, was die Erstverfilmung von 1989 so furchtbar gemacht hat, aus dem Remake entfernt, um die letzten 30 Minuten zum seelenlosen Slasher verkommen zu lassen. Tolle Schauspieler, dichte Atmosphäre, tolles Setting: alles verschenkt! Man kann sich nur wundern, welch einen brutalen Schocker man bekommen hätte, wenn man sich mehr getraut hätte. Denn Technik und Budget haben sicherlich noch einiges mehr hergegeben als ein Kind mit einem Messer...


Das Fazit von: Diaboli

Diaboli

Paramounts Neuinterpretation von Stephen Kings wohl schaurigstem Roman bleibt leider hinter den geschürten Erwartungen zurück. Während die Schauspieler allesamt Spitzenleistungen abliefern und auch das Produktionsdesign und die Regie hervorragend ausfallen, bleibt die große Kritik am Drehbuch hängen, denn verschiedene Storyelemente werden nicht konsequent zu Ende geführt und der Film verliert sich in einem überhastetet Finale und wird zum typischen Slasher, anstatt pointiert Terror zu platzieren. Hier wurde vermutlich auf eine niedrigere Freigabe seitens des Studios gespechtet, was das heutzutage technisch mögliche Grauen fast vollends aus der Geschichte verschwinden lässt. Man kann nur auf einen Extended Cut hoffen, sonst heißt es hier klar: verschenktes Potential!


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