Gran Turismo Sport

Gran Turismo Sport

Publisher: Sony
Genre: Rennspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 18.10.2017
USK 0

Gran Turismo Sport   30.10.2017 von Torsten

Gran Turismo gehört bereits seit der ersten Playstation fest zu Sonys Vorzeige-Repertoire. Und wenn man sich heute ein Gran Turismo 4 auf der PS2 oder ein Gran Turismo 6 auf der PS3 anschaut, der wird unweigerlich erstaunt sein, zu welchen optischen Leckerbissen die vergangenen Konsolengenerationen noch imstande waren. Auf der Playstation 4 warten Fans noch immer sehnsüchtig auf ein Gran Turismo 7. Jedoch müssen viele von ihnen nun stark sein, denn Gran Turismo Sport hat nicht ohne Grund die Ziffer aus dem Namen gestrichen.

 

Fahrschule statt Kampagne

 

Entgegen der vorherigen Serienableger bietet Gran Turismo Sport nicht mehr die übliche Kampagne, in der wir dutzende Autos sammeln und tunen. Günstiger Nebeneffekt dieses Mankos ist zunächst einmal die Tatsache, dass wir uns nun nicht mehr mit einem schwachen Serienwagen langweilen müssen, bis wir nach zahlreichen Rennen mühselig zu den schnelleren Fahrzeugen gelangen. Allerdings war gerade diese extreme Vielfalt der Fahrzeuge und die Möglichkeit, ein Fahrzeug mit Understatement-Charakter in höherrangigen Rennklassen zu fahren für viele ein ausschlaggebendes Argument für das Spiel. Die Abwechslung unzähliger Fahrzeugklassen gepaart mit der Sammelleidenschaft vieler Automobilliebhaber, dies macht bis heute noch einen großen Teil des Reizes von Spielen wie Gran Turismo oder Forza Motorsport aus. Stattdessen treten nun die Missionen einer Fahrschule an die Stelle der Kampagne. Warum auch für die Online-Zwang besteht ist etwas unverständlich, schließlich ließe sich die Rangliste auch zu einen späteren Zeitpunkt vergleichen, gefahren wird hier jedenfalls alleine gegen die Zeit. Die Fahrschule liefert grundsätzliche Fahrmanöver, bei denen es um Schnelligkeit und Präzision ankommt. In den Missionen kommen dann die aus den Vorgängern bereits bekannten Übungen im Stile von „Räumen sie alle Kegel ab“ zum Vorschein. Im letzten Abschnitt der Streckenerfahrungen geht es um das Kennenlernen verschiedener Streckenpasssagen. Die erfolgreiche Bewältigung dieses Abschnitts hilft auch in den späteren Rennverläufen der handverlesenen Streckenauswahl. Wer Spaß daran hat, in zahlreichen Versuchen die letzten Zehntel zur Gold-Medaille herauszukitzeln, der wird auch einige Zeit mit den drei Übungs-Varianten unterhalten.

 

Bildergalerie von Gran Turismo Sport (14 Bilder)

VR-Modus

 

Der VR-Modus ist sicherlich für die meisten nur ein netter und doch recht unbeachteter Beisatz. Aber es soll sie dann doch noch geben, die Leute, die stets auf der Suche nach guten VR-Rennspielen sind. Und die Ankündigungen lasen sich ja nun auch nicht gerade schlecht, versprachen sie doch, das Spiel ohne Einbußen auch in der VR-Ansicht spielen zu dürfen. Leider ist dies nun aber so gar nicht der Fall, dabei haben andere Spiele wie Dirt Rally oder Driveclub bereits bewiesen, dass dies durchaus möglich ist, ohne natürlich genauere Kenntnisse über die technischen Hürden in diesem Fall zu besitzen. Jedenfalls gibt es in der Mittendrin-Ansicht nur die Möglichkeit, Arcade-Rennen mit vorgegebenen Fahrzeugen gegen eine viel zu schwache KI zu fahren, oder aber im Showroom die Fahrzeuge anzuschauen. Das ist nicht nur wenig, das steht entgegen der Aussagen der Ankündigung und ist somit gleich doppelt enttäuschend. Zudem sind weitere Einstellmöglichkeiten nicht vorhanden. So lässt sich unter anderem die Sitzposition leider nicht im Spiel anpassen und auch die Anzeigen sind nicht modifizierbar.

 

Offline- und Online-Rennen

 

Konzentrieren wir uns aber – wie die Entwickler selbst - auf den wesentlichen Teil eines Rennspiels: Das Fahrgefühl. Und hier kann das inhaltlich abgespeckte Spiel wahrhaft glänzen. Die Mischung aus Simulation und gutmütiger Fahrunterstützung bringt ein fantastisches Handling zutage. Auf Asphalt stets berechenbar und nachvollziehbar, aber nicht zu einfach, um stets die fahrerischen Qualitäten in den Vordergrund zu stellen. Auf Offroad-Strecken vermiest ein zu stark reduzierter Grip das Fahrgefühl. Hier sind Spieler mit einem Serienableger der Dirt-Serie besser aufgehoben. Auf befestigten Fahrbahnen lässt sich hingegen selbst der Reifenverschleiß erfühlen. Am besten fährt es sich natürlich mit einem potenten Lenkrad, aber selbst mit einem Gamepad kommen mit etwas Übung recht passable Rundenzeiten zustande. Hier ist das Fahrgefühl natürlich nicht annähernd so real und auch das Feedback ist stark vereinfacht. Mit zahlreichen Fahrhilfen lässt sich der Anspruch an den Fahrer beliebig anpassen, einzig die KI ist in lediglich drei Abstufungen einzustellen und bleibt selbst auf dem höchsten Grad viel zu schwach, um geübte Fahrer zu fordern. Die Ideallinie lässt sich wie gewohnt anzeigen, leider ist diese jedoch nicht dynamisch was vor allem für Einsteiger von Bedeutung wäre. Der Bremspunkt lässt sich hingegen durch eine Einblendung anzeigen, optional werden auch Brems- und Scheitelpunkte angezeigt. Der vorgeschlagene Gang bietet zudem zumindest Anhaltspunkte für die zu fahrende Kurvengeschwindigkeit. Hier empfiehlt sich der Kampagnen-Unterpunkt „Streckenerfahrung“, um die Knackpunkte einiger Pisten zu optimieren. Online lassen sich diverse Regeln und Optionen einstellen. Löblich ist die Möglichkeit, das Fahrzeugtuning zu sperren, um für faire Chancen zu sorgen und den Fokus weiter auf die fahrerischen Fähigkeiten der Fahrer zu setzen. Online-Rennen werden mittels von der Beta bereits bekannten Qualifikationen zu festen Uhrzeiten ausgetragen. Das Matchmaking ist einfach und fair, orientiert sich dabei nicht nur an den gefahrenen Rundenzeiten, sondern auch an der registrierten Fairness der Fahrer. Einmal zustande gekommen laufen die Rennen stabil und ohne größere Verzögerungen ab. Zu schwache Fahrer werden vor dem Zusammenstoß durchlässig gestaltet, so werden auch Massenkarambolagen durch sozial verwerfliches Verhalten verhindert. Für das Schneiden der Fahrbahn und sonstige Verstöße werden Strafzeiten vergeben, die sich durch verlangsamtes Fahren tilgen lassen. Am Ende des Rennens werden ansonsten die Strafen auf die Zeit aufgerechnet, das Ranking entsprechend angepasst.

 

Grafik und Sound

 

Optisch gesehen waren Spiele der Gran Turismo-Serie schon immer eine Augenweide, Gran Turismo Sport stellt hier keine Ausnahme dar. In einer Auflösung bis hin zur hochskalierten 4K-Darstellung wirken Kanten und Fahrbahnmarkierungen entschieden glatter. Dies beruhigt gerade bei bevorstehenden Kurvenverläufen das Bild in der Tiefe und sieht nebenbei bemerkt ganz einfach fabelhaft aus. Optional darf auch auf die Full HD-Auflösung mit aufgewerteter Grafik gewechselt werden, HDR wird natürlich ebenso unterstützt. Ob nun 1080p oder 4K, die Fahrzeuge sehen atemberaubend detailliert, stellenweise fotorealistisch aus. Im VR-Modus sinkt hardwaretechnisch die Auflösung, bietet aber nach wie vor ein schönes Bild und eine saubere Abtastung. Die verringerte Auflösung wird hier mit einem stark gesteigerten Geschwindigkeitsgefühl entschädigt, der bei größeren Senken sogar zu einem kurzen Unwohlsein im Magen führt. Das Schadensmodel ist wie üblich optisch kaum vorhanden. Selbst bei heftigsten Zusammenstößen entstehen lediglich vereinzelte Kratzspuren.

 

Entgegen der Vorgänger hat sich allerdings nun endlich der Sound gesteigert. Die Motorengeräusche hören sich endlich wie die von hochgezüchteten Rennboliden an und nicht wie benzingetriebene Rasenmäher. Selbst das Geräusch eines Zusammenstoßes hört sich nun nicht mehr wie das Zuschlagen einer Kofferraumklappe an, wenngleich hier nach wie vor nicht das letzte Wort gesprochen sein kann.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Gran Turismo Sport bricht mit einer Tradition und besinnt sich auf die ursprünglichen Werte des Rennsports. So viel Mut soll auch nicht bestraft werden, allerdings stoßen die Entwickler damit dem Großteil der Serien-Fans vor den Kopf, die genau an dieser Solo-Kampagne Spaß hatten, die nun entfallen ist. Vorbei sind die Zeiten des Serienfahrzeug-Tunings und dem Sammeln von unzähligen Autos. Stattdessen wird der Fokus auf ein sauberes Fahrgefühl und faire Online-Rennen gelegt. Der angekündigte vollständige VR-Support entpuppt sich als vereinfachter Bonus-Modus. Online-Raser, die am liebsten mit den GT-Klassen unterwegs sind werden an Gran Turismo Sport ihre wahre Freude haben, Solo-Spieler werden anderweitig besser bedient. 


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Fabelhaftes Fahrgefühl
  • Sensationell schöne Grafik
  • Stabiler Netzwerk-Code
  • Faire Online-Rennen
  • Splitscreen-Modus
  • Authentische Motorengeräusche
  • Kaum vorhandenes Schadensmodell
  • Abgespeckter VR-Modus
  • Fast nur GT-Fahrzeuge
  • Lediglich rund 20 Strecken und 160 Autos
  • Keine echte Solo-Kampagne
  • Fahrzeugtuning nur durch Regler-Einstellungen





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