Hammer of the Gods

Hammer of the Gods

Originaltitel: Hammer of the Gods
Genre: Action
Regie: Farren Blackburn
Hauptdarsteller: Charlie Bewley • Clive Standen
Laufzeit: DVD (93 Min) • BD (98 Min)
Label: Entertainment One
FSK 18

Hammer of the Gods   30.10.2013 von Beef Supreme

Wikingerstreifen sind in letzter Zeit wieder ganz schwer im Kommen. Nach Blut der Wikinger und Valhalla Rising schlägt uns jetzt Fernsehregisseur Farren Blackburn (Doctor Who) den Hammer of the Gods um die Ohren. Hört sich schon mal nicht schlecht an. Ein paar epische Götterschlachten sind nie verkehrt, und einmal Einherjer abseits der ganzen Comic-Verwurstungen im Big-Budget-Gewand aufeinander eindreschen sehen, ja das wär‘ mal was. Nur leider ist der Name ziemlich irreführend, denn nicht ein Ase bequemt seinen göttlichen Hintern nach Midgard hinab, und so bleibt das ganze Spektakel ziemlich irdisch. Trotzdem schon mal Met ins Horn gießen?


Die Wikinger um König Bagsecg haben ein Problem. Die Sachsen stehen an den Ufern und es dürstet sie mindestens genauso sehr nach Blut, wie das grimmige Nordvolk. Schon in der ersten Schlacht liegt der König mit einem neuen Beschleunigungsloch in der Magengegend darnieder. Jetzt muss ein neuer Herrscher ran. Erstgeborener Harald kommt nicht in Frage, weil er ein seidekuschelnder Waschlappen ist. Zweitsohnemann Steinar soll’s also richten. Doch nicht auf dem Thron, sondern im Gebüsch, denn der Bube soll seinen Bastardbruder Hakan (ganz großer Name für einen Nordmann...) finden. Einst verstoßen, sieht der dauerblutende Nochkönig Bagsecg auf einmal in ihm einen würdigen Nachfolger. Also zieht Steinar mit seinen drei Wikingerkumpels Grim, Hagen und Jokul gen Gestrüpp, einen König zu finden.


Unterwegs treiben die vier allerlei Schabernack, zum Beispiel Sachsen abschlachten und Frauen vor Steinigungen retten, um ihnen direkt danach ganz klassisch eine Axt ins Brustbein zu jagen. Irgendwann treffen sie auf Ivar, die einzige lebende Seele, die weiß, wo sich Hakan rumtreibt. Selbstverständlich ist der gute Mann nicht ganz richtig im Schädel, aber trotzdem patent genug, unseren Königssuchern den Weg zu weisen. Ab hier ist es eigentlich nur noch austauschbares Wald-und-Wiesen-Gestolpere, aufgelockert vom gelegentlichen Sachsenscharmützel.


Hammer of the Gods
ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist der Blutgehalt angenehm hoch und nicht so weichgespült, wie es gern in solch hochklassigen "Wikingersagen", wie Die Wikinger 3 oder Das Blut der Wikinger zelebriert wird. Aus allen Ecken und Wunden suppt es ordentlich und weiß den geneigten Gore-Hound zu begeistern. Auf der anderen Seite fanden das unsere hochmotivierten Jungendschützer etwas zu enthusiastisch, so dass der zartbesaitete mündige Deutsche auf ungefähr 90 Sekunden traumatisierende Gewalt verzichten muss. Der nächste Punkt sind die Kämpfe: Es wird reichlich Backenfutter verteilt, leider ist dies aber in den meisten Fällen ziemlich unterdurchschnittlich choreografiert. Nie wirklich schlecht, doch so richtige Schlachtenfreude wie in Centurion oder Braveheart kommt leider nie auf. Meistens beschränkt sich der Streifen auf uninspiriertes Abgesteche, was bei einem action-orientierten Film zu wenig ist. Zum Teil ist dies aber auch den lahmen und meist sehr statischen Kameraeinstellungen in actionreicheren Sequenzen geschuldet. Das ist echt schade, denn die gezeigten Ansätze sehen vielversprechend aus, werden aber leider nicht konsequent umgesetzt. Das ist vor allem traurig, weil der Film abgesehen von seiner expliziten Darstellung menschlichen Ablebens nicht viel zu bieten hat. Die Handlung ist sehr dünn geraten und hält keinerlei Überraschungen parat. Hier und da wird ein wenig auf der bösen Christianisierung herumgeritten und auch der obligatorische Verrat darf natürlich nicht fehlen. Insgesamt aber viel zu voraussehbar und auch das Ende ist ab dem Beginn von Steinars Reise eigentlich klar. Aber Hammer of the Gods hat auch seine Momente. Einige der Charaktere, wie zum Beispiel Ivar der Irre lockern das Geschehen durch ihr meist irrationales Verhalten gut auf. Auch besagte glorreiche Befreiungsaktion, mein persönlicher Favorit des Jahres in Sachen sinnloser Gewalt, zauberte mir ein Schmunzeln ins Antlitz. Leider sind diese Momente zu rar gesät, um auf Dauer zu begeistern.

 

Bildergalerie von Hammer of the Gods (11 Bilder)

Schauspielerisch erwartet einen hier nichts Oscar-verdächtiges. Der beste der Truppe ist König Bagsecg, gespielt von James Cosmo (Braveheart, Troja), der aber leider viel zu wenig Screentime bekommen hat und eigentlich nur mit Sterben beschäftigt ist. Der Rest bleibt ziemlich blass und austauschbar. Das lässt sich aber auch auf das schwache Drehbuch zurück führen, das wenig Raum für Charakterentwicklung gibt. Erwähnenswert ist noch Hagen, dargestellt von Clive Standen, der schon in der ausgezeichneten Serie Vikings den grimmigen Nordmann gibt und somit Erfahrung mitbringt.

 

Wusstet Ihr schon ...

Deutsche FSK-18 Fassung um ca. 1,5 Minuten gekürzt.

Aus technischer Sicht sollten auch noch ein paar Sachen erwähnt werden: Optisch wird hier zwar, abgesehen von der uninspirierten Kameraführung, das meiste richtig gemacht - also klares Bild, gute Schwarzwerte und passende Farbwahl, jedoch im Audiobereich muss ich jetzt erst mal meckern. Da wären zum Beispiel die Kampf-Sounds. Also, wenn ich einen Kieselstein in meine Besteckschublade werfe, hört sich das mehr nach Schlacht an, als in diesem Film. Der „Schlachtenlärm“ ist hier viel zu dünn geraten und gerade aufeinandertreffende Stahlwaffen sollten doch etwas eindrucksvoller klingen. Dann zur Klanguntermalung. OK, es gibt Dubstep, es mag sogar Leute geben, die das für Musik halten, oder denen sowas sogar gefällt. Aber mal ganz ehrlich, so einen Schrott als Begleit-Score für einen Film zu wählen, der zu einer Zeit spielt, als das Verständnis von Musik sich auf Felle und Holzstöcke beschränkte? Echt jetzt? Läuft bei Rosamunde Pilcher etwa Scooter? Oder schunkeln die Expendables zu den Wildecker Herzbuben? Die musikalische Untermalung passt also hinten und vorne nicht. Die deutsche Synchronisation hingegen geht in Ordnung. Wie so oft jedoch, ist das englische Original stimmiger anzuhören und soll allen empfohlen werden, die mit Bagsecgs Genuschel klar kommen.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Fassen wir also zusammen. Es wird recht viel gekämpft, dafür aber ziemlich unspektakulär. Es geht schön blutig zur Sache, dafür ist der Spaß geschnitten. Das Bild ist stimmig, die Musik ist grottig. Einige Schauspieler machen ihr Ding richtig gut, werden aber zu wenig gezeigt. Der Film hat richtig coole Momente, dafür ist die Gesamthandlung vorhersehbar und wenig spannend. Mich deucht, immer wenn Hammer of the Gods sich anschickte, etwas gut zu machen, musste dafür etwas anderes schlecht gemacht werden, um das Gleichgewicht zu wahren. Insgesamt bin ich angesichts des vielversprechenden Trailers enttäuscht, dass das Resultat so zielsicher in der Mittelmäßigkeit verkommt. So kommt ein durchschnittlicher Action-Streifen raus, der Götterhämmer suggeriert, aber nur Menschentrampel liefert. Kann man sehen, muss man nicht. 


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