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Hara-Kiri
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BEWERTUNG |
15.06.2012 von Tobi
Der japanische Regisseur Takashi Miike hat sich mit seinen vergangenen Filmen als Filmemacher der extremeren Art etabliert. Streifen, wie Ichi – The Killer sind extrem krasser Tobak und haben dabei geholfen, dass Kollegen wie Quentin Tarantino zu seinen größten Fans gehören. In letzter Zeit macht er aber eher durch ruhigere Filme auf sich aufmerksam. Mit 13 Assassins hat es angefangen und nun steht mit Hara-Kiri der nächste ruhigere Film in den Startlöchern. Dieser ist ein Remake, den Altmeister Masaki Kobayashi hat diesen bereits in den 60er Jahren inszeniert. Erzählt wird eine tragische Rachegeschichte um einen verarmten Ronin. Miike wagt sich damit noch einen Schritt weiter in neue Gefilde, denn die Inszenierung von Hara-Kiri hätte ruhiger kaum sein können. Dennoch wurde sein Werk als erster 3D-Film für das Filmfestival in Cannes ausgewählt ...
Der verarmte Ronin Motome spricht im Hause des Fürsten li vor. Er bittet darum im Hof des Hauses den rituellen Selbstmord Seppuku begehen zu dürfen, da er in seinem Leben keinen Sinn mehr sieht. Niemand weiß, dass Motome keineswegs sterben will und dass er eher hofft, mit einem kleinen Geldgeschenk wieder nach Hause geschickt zu werden. Doch seine Rechnung geht nicht auf. Chef-Verwalter Kageyu nimmt sich seiner Bitte an und möchte ihm diese nicht verwehren. Der Grund dafür ist der, dass immer mehr verarmte Samurai diesen Trick anwenden, um ein wenig Geld zu bekommen. An Motome soll nun ein Exempel statuiert werden. Selbst als Kageyu sieht, dass Motome nur ein Bambusschwert besitzt, zwingt er ihn den Selbstmord damit zu vollziehen. Einige Tage nach diesem schrecklichen Ereignis steht wieder ein Samurai mit der gleichen Bitte vor der Tür. Kageyu ahnt nicht, in welchem Verhältnis dieser Samurai zu Motome stand ...
Die hier erzählte Geschichte ist so simpel, wie auch tragisch. Basierend auf einem bekannten Roman um den Ehrenkodex der Samurai, zeigt Miike in beeindruckenden ruhigen Bildern, was passieren kann, wenn man das Schicksal herausfordert. Dabei verzichtet er komplett auf überfordernde Bilder, schnelle Schnitte und laute Musik. Die gesamte Stimmung des Filmes ist bedrückend und Miike nimmt sich jede Menge Zeit für seine Figuren. Die Schauspieler hinterlassen dabei einen bleibenden Eindruck, denn auch diese gehen mit der gleichen Intensität an ihre Aufgaben ran, wie Miike es selbst immer wieder macht. Nach spätestens zwanzig Minuten ist man als Zuschauer entweder drin im Film oder komplett verloren, denn die ruhigen Bilder sind nicht jedermanns Sache.
Vielleicht wird genau das den einen oder anderen Fan enttäuschen, aber ich muss sagen, dass mir die Inszenierung wirklich zusagt. Zugegeben, Miike hätte es nicht auf die Laufzeit von über zwei Stunden bringen müssen, aber für mich hat der Film funktioniert. Über die wenigen Längen kann ich drüber wegsehen, denn die Bilder sprechen Bände. Wenn man es in der heutigen Zeit schafft, durch beeindruckende Bilder und ohne viele Spezialeffekte eine tolle Geschichte zu erzählen, dann hat man es einfach drauf. Allein die Aufnahmen im Hof des Fürsten li sind immer wieder eine Augenweide. Besonders die Szenen, in denen es schneit, können sich sehen lassen.
Das Einzige, was mich ein wenig enttäuscht hat, war das Ende des Filmes. Ich verstehe natürlich den Ansatz, den Miike hier verfolgt, aber ich denke auch, dass man dies hätte besser machen können. Da kam dann das typische asiatische Kino wieder durch, wo alles gern ein wenig „überdramatisiert“ dargestellt wird. Hier hätte ich etwas mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Dennoch ist der Film absolut sehenswert. Die deutsche Blu-ray hat technisch keinerlei Mängel und gehört in jedes Regal asiatischer Filmfans. Auch wenn das Bonusmaterial knapp ist, so kann man beim richtigen Preis zuschlagen. Das Fazit von: Tobi
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