Max Payne 3

Max Payne 3

Publisher: Rockstar Games
Entwicklerstudio: Rockstar Studios
Genre: Action
Sub-Genre: 3rd-Person-Action
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 18.05.2012
USK 18

Max Payne 3   31.05.2012 von GloansBunny

Er ist kalt, abgebrüht und zermürbt. Acht Jahre nach seinem letzten blutigen Rachefeldzug kehrt Max Payne endlich zurück. Kultfigur oder Klabautermann? GloansBunny macht mit Max Payne 3 einen Kurzurlaub in Brasilien ...

 

Früher war Max Payne ein erfolgreicher Detective in New York, der ohne mit der Wimper zu zucken bereit war, alles für seinen Job zu geben. Doch als eines Nachts seine Frau und seine kleine Tochter brutal ermordet werden, gerät seine Anschauung von Gerechtigkeit und Ordnung aus den Bahnen. Der Cop stellt Nachforschungen an, entdeckt eine Verschwörung unglaublichen Ausmaßes und muss entsetzt feststellen, dass Freunde zu Feinden geworden sind. Blind vor Wut macht Max Jagd auf die Drahtzieher, hängt seine Dienstmarke an den Nagel und übt blutige Vergeltung. Seinen Hass ertränkt er in Alkohol, seinen Schmerz betäubt er mit Drogen, er denkt jede einzelne schlaflose Nacht an Selbstmord und Rache. Max lässt sich gehen, verbringt seine einsamen Abende in heruntergekommenen Bars voll von kostengünstigen Mädchen. Als er am absoluten Tiefpunkt angekommen zu sein scheint, bietet ihm ein alter Freund die Chance auf einen lukrativen Job als Sicherheitsberater. Max reist also nach Brasilien, um sein schmuddeliges Leben in den Favelas von São Paulo neu zu beginnen. Doch wie es der Teufel will, werden Paynes Auftraggeber entführt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt und Max findet sich erneut in einer Spirale aus Gewalt, Drogen und Korruption wieder. Auf sich alleine gestellt heißt es nun "friss oder stirb"- in einer fremden Stadt, einem fremden Land und ohne Aussicht auf Hoffnung ...

 

Um in den Armutsvierteln São Paulos überleben zu können, sind Agilität, Konzentration und Flexibilität vonnöten. Rockstar setzt hier auf das bewährte Konzept der Shootersteuerung und adaptiert den PC-Standard eingängig an die aktuelle Controllergeneration. Somit werden das Alter Ego und die Kamera mit den Analogsticks bewegt, welche zudem beim Antippen seine Körperhaltung beeinflussen und die Bullet Time aktivieren. Letztere ist eine Art Zeitlupenfunktion, die im Spielverlauf große Bedeutung hat und es Max ermöglicht, besonders präzise Angriffe zu starten. Die Aktionstasten bewirken unter anderem, dass die Hauptfigur interagiert, Deckung sucht, klettert, springt, seine Waffe nachlädt oder eine Nahkampfattacke ausführt. Die Schultertasten erfüllen erwartungsgemäß die Aufgaben von zielen, schiessen, Granateneinsatz und dem sogenannten "Shootdodge", der besondere Manöver während der Bullet Time ermöglicht. Doch auch das Steuerkreuz will beachtet werden, denn neben der seitlichen Ausrichtung der Kamera dient es zudem als Schmerzmitteldepot und Initiator einer 180-Grad-Drehung. Die doppelte Belegung einiger Tasten scheint zwar anfangs etwas komplex zu sein, ist aber schnell verinnerlicht und bietet eine sehr präzise Steuerung, die in verschiedenen Konfigurationen zur Verfügung steht.

 

Das bis vor kurzem noch indizierte Erstlingswerk Max Payne (erschienen 2001) und dessen Folgetitel Max Payne 2 - The Fall of Max Payne (veröffentlicht 2003) glänzten mit düsterer Film-Noir-Grafik, realistischen Animationen und atmosphärischen Setting. An den Erfolg der Spiele möchte Rockstar jetzt anknüpfen und erneut unzählige Fans für sich gewinnen. Mit den leistungsstarken Engines Euphoria und RAGE bannen die Entwickler realistische Charakteranimationen, flüssige Bewegungsabläufe und physikalisch korrekte Umgebungsreaktionen auf den Bildschirm. Die Areale und Figuren sind herrlich detailliert, lebendig und mit gestochen scharfen Texturen versehen. Ob hauchdünne Fasern an trockenen Palmenstämmen, Rekrutierungsgraffitis an rostigen Wellblechhütten oder blutige Hinterlassenschaften an seinem verdrecktem Feinripphemd - von Anfang bis Ende strotzt Max Payne 3 nur so vor grafischen Details. Zusammen mit der schier grenzenlosen Charaktervielfalt, dem variantenreichen Leveldesign und den tollen Lichteffekten entsteht hier wieder einmal eine unheimlich fesselnde, dichte Atmosphäre. Zwar ist das Setting deutlich heller als in den ersten beiden Teilen, aber dennoch schmutzig, drückend und einfach perfekt an seinen psychischen Zustand angepasst. Vom ehemaligen athletischen Lederjackenträger mit akkurater Frisur ist nicht mehr viel übrig. Ebenso wie Max sich zum glatzköpfigen Junkie mit Bierbauch und dreckigen Klamotten gewandelt hat, geschieht es eben auch mit dem Leveldesign. Weg vom mitternächtlichen New York, rein ins vielschichtige Brasilien. Das mag vielleicht eingefleischten Max Payne-Fans zunächst sauer aufstoßen, fühlt sich aber einfach wahnsinnig authentisch an. Das Herzstück von Rockstars Kunstwerk, die Bullet Time, dürfte die aufgebrachten Gemüter wieder besänftigen. Einmal aktiviert, verlangsamt sich die Zeit, die Optik schwenkt in eine von schwarz, weiß und Grautönen dominierte Szenerie um und sorgt durch ihr punktgenau animiertes Aussehen wieder einmal für staunende Spieleraugen. Landet man einen besonders genauen Treffer, konzentriert sich die Kamera auf die verschossene Kugel und verfolgt das Projektil bis zu seinem Ziel. Äußerst detailliert zeigt Rockstar in diesen Szenen, welche Munition an welchem Körperteil welchen Schaden anrichtet. Die Altersfreigabe ab 18 Jahren ist berechtigt und macht einfach höllisch viel Spaß. Einen kleinen Kritikpunkt erntet die tolle Gesamtaufmachung allerdings für die immer wieder auftretenden Störeffekte im laufenden Spiel und während den Filmsequenzen. Zwar geht die spielbare Action nahtlos in cineastische Cutszenen und Comicabschnitte über, die hier eingebauten Bildfehler, wie etwa Rauschen, unruhige Kameraführung, Streifenbildung und Doppelbilder, erzeugen auf die Dauer gesehen aber eine übertriebene Unruhe. Schade, dass man diese visuellen Spezialeffekte nicht optional zu- und abschalten beziehungsweise nicht jede Zwischenszene überspringen kann.

 

Bildergalerie von Max Payne 3 (16 Bilder)

Ein Actionkracher wie die Max Payne-Reihe lebt nicht zuletzt auch durch ihre akustische Inszenierung. Rockstar schöpft hier wieder einmal aus den Vollen und bringt den Subwoofer ordentlich auf Touren. Bombastische Explosionen, authentische Waffensounds und glasklare Umgebungsgeräusche stellen das Nachbarschaftsverhältnis auf eine harte Probe. Die englischen und portugiesischen Synchronsprecher überzeugen auf ganzer Linie durch Motivation und Glaubhaftigkeit. Die eindrucksvollen, multilingualen Konversationen sind punktgenau auf die Animationen abgestimmt und werden durch etwas zu klein geratene deutsche Untertitel übersetzt. Der Soundtrack wechselt von heißen Sambarhythmen über spacige Elektrobeats zu treibenden Stücken Marke "bewusstseinserweiternde Substanzen" und fügt sich stimmig ins Spielgeschehen ein. Das altbekannte Streicherstück aus den Vorgängertiteln darf natürlich auch nicht fehlen und erzeugt das wohlige Gefühl, ein Max Payne im Laufwerk zu haben. Die raubeinigen, depressiven Selbstgespräche des namensgebenden Haupthelden sind zwar vielschichtig, ironisch und nachdenklich, hätten aber gerade zum Ende hin etwas weniger umfangreich ausfallen dürfen. Die Mischung aus Kommentaren, den portugiesischen Gesprächen der Einwohner und den erstklassigen Soundeffekten ist dennoch extrem fesselnd und atmosphärisch.

 

Auf Basis der tiefgründigen Hauptstory über den drogenabhängigen, heruntergekommenen Ex-Cop, dessen einziger Lebensinhalt nach dem Tod seiner Familie aus Schmerzmitteln und Alkohol besteht, agiert Max brutal und forsch wie eh und je. Die Bullet Time kommt in den zahlreichen Abschnitten fast permanent zum Einsatz, während er etwas behäbig, aber präzise von Deckung zu Deckung hechtet. Dutzende Schauplätze warten mit Söldnern, Straßengangs und weiteren Gegnern darauf, dem Hauptcharakter in Hochhäusern, Hafenpassagen, verwinkelten Gassen und Fussballstadion die Hölle heiß zu machen. Die KI der Feinde agiert dabei sehr intelligent. Sie geben sich Hinweise, drohen und attackieren gezielt. Während ein Gegner beispielsweise Max ins Kreuzfeuer nimmt, rotten sich weitere zusammen und flankieren das Alter Ego. Die dynamische Levelstruktur erlaubt zwar Deckungskämpfe, allerdings zerbersten Holzwände, Mobiliar und Häuserecken je nach Beschuss schon nach kurzer Zeit. Das KI-Verhalten und die zerstörbare Umgebung reagieren unheimlich realistisch, was allerdings auch durch den Schwierigkeitsgrad beeinflusst wird. Bereits auf dem mittleren der fünf wählbaren Schwierigkeitsgrade segnet Max mehrfach das Zeitliche. Schmerzmittel sind rar, somit ist der taktische Vorteil der Bullet Time unerlässlich. Eine durch Treffer erzielte, ausreichend gefüllte Bullet Time-Anzeige vorausgesetzt, ist es ein Leichtes, mehrere Gegner gleichzeitig auszuschalten - spektakulär, blutig und eindrucksvoll, versteht sich. Per Shootdodge hechtet Max umher, erfasst gegnerische Ziele und landet in Bauch- oder Rückenlage auf dem Boden. Weiterhin die Waffe im Anschlag, erhebt sich Max etwas behäbig und wartet auf weitere Kommandos. Er ist eben nicht mehr so agil und jung wie früher, was man in solchen Szenen spielerisch merkt. Atmosphäre und Realismus erster Güte! Die linear strukturierten Level sind abwechslungsreich gestaltet, ebenso die anstürmenden Gegner und Waffen. Das sorgt für Motivation, Spannung und einen permanent erhöhten Adrenalinspiegel im Spielerblut. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Missionsvielfalt ist äußerst überschaubar. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen wie beispielsweise eine rasante Verfolgungsjagd per Schnellboot oder Scharfschützenabschnitten besteht Max Payne 3 fast ausschließlich aus offensivem Demontieren der anspruchsvollen Gegnermassen. Das Spiel kommt völlig ohne Ladepausen aus. Grafisch aufwendige Cutszenen gehen nahtlos ins laufende Spiel über und erzeugen ein wohliges Mittendrin-Gefühl. Während dem rund 14stündigen Spektakel werden unzählige charismatische Figuren beleuchtet und zeigen eine enorme Tiefgründigkeit. In spielbaren Rückblenden werden die Geschehnisse vor seiner Auswanderung nach Brasilien erzählt, die zudem viele Einblicke in seine Psyche gewährt. Natürlich herrscht im sonnigen São Paulo, dem gealterten Max und der neuen Aufgabe eine andere Atmosphäre als noch in Max Payne und Max Payne 2, aber dennoch wird man immens in ihren Bann gezogen.

 

Der Multiplayermodus stillt mit diversen Spielvarianten erstmals in der Geschichte der Serie den Hunger nach Anerkennung und Herausforderungen. Verschiedene Deathmatches, sowohl im Team als auch Solo, "Payne Killer" (ein Einzelner übernimmt die Rolle von Max als Zielobjekt) und das auf der Storyline basierende "Gang Wars" stehen online zur Verfügung. Gerade "Gang Wars" garantiert mit seinen abwechslungsreichen Aufgaben Langzeitmotivation und gut besuchte Server. Mit einem eigens kreierten Bandenmitglied absolviert man gemeinsam mit seiner Gang Gefechte um Stadtviertel, führt Attentate aus, liefert Drogen und Waffen oder rennt um sein Leben. Außerdem darf nach Herzenslust die Ausrüstung samt Waffen und Munition angepasst und mit Erfolgen geprahlt werden.
 

Max Payne 3 bietet ein tolles, actionlastiges Soloabenteuer mit anspruchsvollem Schwierigkeitsgrad und viel Tiefgang. Fans der Reihe werden sich wohl erst nach einiger Zeit mit dem neuen Max, der neuen Ausrichtung und dem neuen Setting anfreunden, dafür aber umso mehr Spass am Multiplayermodus finden. Ein Actionfeuerwerk voller Höhen und Tiefen, mit grandioser Grafik und klasse Steuerung. Spielerherz, was willst du mehr? Mehr Waffen, mehr Bullet Time, mehr Max? Sollst du haben. Rockstar macht´s möglich.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Max Payne 3 ist zu 100 Prozent auf Action ausgelegt: kein Fähigkeiten-Schnickschnack, kein komplexes Inventarmenü, keine Waffenmodifikationen. Einfach nur nackte, puristische Daueraction, garniert mit toller Grafik, realistischen Animationen und einem grandios inszenierten São Paulo als Schauplatz. Der ehemalige Cop ist älter geworden, sein Körper durch den permanenten Alkohol- und Medikamentenkonsum verbraucht und Max' Stimmung könnte zynischer kaum sein - so sieht er aus, und so spielt er sich auch. Doch das soll keine Kritik sein, schließlich fühlt sich das einfach wahnsinnig stimmig und realistisch an. Die ausgereifte Gegner-KI sorgt für einen anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad und einen hohen Adrenalinspiegel. Taktischer Einsatz der altbekannten Bullet Time ist unerlässlich und belohnt den Spieler mit vielen spektakulären, blutigen und äußerst erwachsenen Szenen. Zwar dürfte die Gesamtaufmachung eingefleischten Max-Fans zunächst nicht sofort zusagen und auch die nicht abschaltbaren Störeffekte sind mehr als gewöhnungsbedürftig, aber dennoch hat Rockstar den Charme und die Stimmung der beliebten Spielereihe wieder einmal gekonnt inszeniert. Max Payne 3 ist anders als früher: anderes Setting, andere Atmosphäre, anderer Max. Ein mutiger Schritt der Entwickler, der ordentlich Spass macht, fordert und unterhält.


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positiv negativ
  • Gestochen scharfe Grafik, realistische Animationen
  • Authentisches neues Brasilien-Setting
  • Tolle Synchronsprecher, klasse Soundeffekte
  • Daueraction mit viel Bullet Time
  • Hohe Charakter- und Waffenvielfalt
  • Nahtloser Übergang von Spiel- zu Zwischensequenzen
  • Optische Gestaltung für Fans gewöhnungsbedürftig
  • Untertitel sind schwer lesbar
  • Hoher Schwierigkeitsgrad
  • Visuelle Störeffekte nicht deaktivierbar





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