Resident Evil 6

Resident Evil 6

Publisher: Capcom
Entwicklerstudio: Capcom
Genre: Action-Horror
Sub-Genre: Survival-Horror
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 02.10.2012
USK 18

Resident Evil 6   11.10.2012 von Panikmike

Fans haben lange darauf gewartet, und von Monat zu Monat ihre Erwartungen höher geschraubt. Sagten da nicht viele Pressemitteilungen von Capcom, dass sie „Back To The Roots“, zurück zu den Wurzeln wollen? Ist Resident Evil 6 wieder ein gutes Horror-Adventure mit Actioneinlagen oder ist es genau andersrum?

 

Vor ca. dreieinhalb Jahren erschien der Vorgänger Resident Evil 5. Ergo hatten die Entwickler eine lange Zeit, einen würdigen Nachfolger zu stricken. Heraus kam zwar ohne Zweifel ein gutes Spiel, das aber mit dem Franchise von Resident Evil nicht mehr wirklich viel gemeinsam hat. Daher waren im Vorhinein und auch bei den ersten Tests der Fachpresse viele Fans enttäuscht. Manche verfluchten Capcom sogar, weil sie falsche Versprechungen gemacht haben. So weit, so gut! Dennoch sollte man nicht von Marketing-Strategien, Anzeigen in Zeitungen, Videos oder gar Entwicklerinterviews ausgehen, sondern sich das Spiel Stunde um Stunde reinziehen und sich eine eigene Meinung bilden. Genau das habe ich getan und bin daher weg vom negativen Tenor, der von vielen zelebriert wird. Ich nehme das Spiel wie es ist, spiele und bewerte es. Eine Versprechung von Capcom fließt nicht in den Test, was viele Redaktionskollegen leider – in meinen Augen – schlecht vorgemacht haben. Genug gesabbelt, ab in den Horror – oder auch nicht?

 

Das Spielprinzip und dessen Steuerung

Auf den ersten Blick hat sich diesbezüglich nicht viel getan. Alles erinnert an den Vorgänger, die Protagonisten können sich im Nahkampf wehren, eine Pistole und andere Waffen nutzen, interagieren und in alle Richtungen gehen beziehungsweise laufen. Neu hingegen ist die Erweiterung, oder nennen wir es mal Modernisierung, der Steuerung. Im sechsten Teil kann man endlich gleichzeitig laufen und zielen. Viele Spieler haben das in den vergangenen Teilen bemängelt, Capcom nahm sich dieser Beschwerde an. Hingegen gab es auch Spieler, die genau das sehr toll fanden. Zusätzlich können nun Tritte und Schläge verabreicht werden, um die Untoten von sich fern zu halten.

 

Mit einer bestimmten Taste kommt man auch in Teil 6 ins Inventar, mit dem Unterschied zu seinen Vorgängern, dass man dies nun während des Kampfes machen kann. Es ist zwar ein wenig fummelig, mittendrin Kräuter zu kombinieren und sich diese dann in Tablettenform zu verabreichen, jedoch geht es im Laufe der Zeit gut von der Hand. Vom Anfänger zum Meister – zumindest wäre dies sinnvoll, denn dieses Feature ist von Zeit zu Zeit wichtig. Kommt eine Masse an Gegner auf Euch zu, kann während der Aktion die Waffe gewechselt werden. Dass der Spieler nun mehr Gegenstände als beim Vorgänger ins Inventar stecken kann, sei nur am Rande erwähnt. Positiv hingegen sind wieder die Möglichkeiten, mit erworbenen Fähigkeitspunkten verschiedene Skills oder gar seine Waffen upzugraden. Auch wenn das Waffenarsenal nichts Besonderes darstellt, so passt es trotzdem so wie es ist in das Universum von Resident Evil. Warum das Rad neu erfinden, wenn alte Konzepte aufgehen.

 

Bildergalerie von Resident Evil 6 (20 Bilder)

Die actionreiche Story und die vier Kampagnen

Liebhaber der Serie und Fans des Schreckens erwarten an dieser Stelle natürlich viel Horror, ein wenig Action, abwechslungsreiche Orte, filmreife Zwischensequenzen und eine gute Brise an Rätseleinlagen. Leider sind einige der genannten Begriffe selten beziehungsweise gar nicht zu finden. Fangen wir mal von vorne an: viel Horror. Leider ist Resident Evil 6 weit davon entfernt, ein stimmiges Horrorspiel zu sein. Auch wenn es hin und wieder düster wird, man mit einer Taschenlampe durch die Gegend streift und hin und wieder ein Versuch des Erschreckens vorhanden ist, so mutierte der aktuelle Teil von einem Horror-Adventure mit Actioneinlagen zu einem Actionspiel mit Horroreinlagen. Was an dieser Stelle aber nicht schlecht zu bewerten ist, es ist halt einfach anders, als die Vorgänger. Womit wir schon beim zweiten Punkt meiner Aufzählung angekommen wären. Ein wenig Action ist nicht vorhanden, sondern viel zu viel. An manchen Stellen wird der Spieler mit Gegnermassen überhäuft, hin und wieder fühlt sich das Spiel an wie ein Shooter und nicht wie ein Horror-Actionadventure. Im Gegensatz zu den ersten beiden Punkte sind die nächsten beiden (abwechslungsreiche Orte und filmreife Zwischensequenzen) gut gelungen. Der Spieler reist durch verschiedene Länder (Nordamerika, China, Osteuropa) und darf dort an vielen Schauplätzen halt machen. Zwischendurch gibt es immer wieder filmreife Sequenzen, die das Erzählen der Geschichte vorantreiben. Generell ist der Umfang des Spiels extrem gewachsen, spielt man die vier Kampagnen durch, ist man locker 30-40 Stunden beschäftigt. Der letzte Punkt, nämlich die Rätseleinlagen, wurden von mir nicht vergessen. Ich habe nichts drüber geschrieben, weil es nämlich keine Rätsel gibt!

 

Vorher habe ich vier Kampagnen erwähnt. Das war kein Fehler, denn in Resident Evil 6 übernimmt man im Laufe des Spiels verschiedene Protagonisten und spielt mit dem vorgegebenen Zweierteam  jeweils eine Kampagne. Während der einzelnen Geschichten überschneiden sich manche Erzählungen und vereinen so die Story. Capcom nennt dieses Feature Crossover-Mechanik, ich nenne es einfach Story-Überschneidungen. Es ist aber durchaus spannend, wenn zwei Teams aufeinandertreffen und kurze Zeit später wieder ihre getrennten Wege gehen. Wer übrigens keine Lust auf die künstliche Intelligenz hat, welche immer den Gegenpart des Teams übernimmt, der sollte sich einen zweiten Spieler auf das Sofa holen oder zusammen mit einem Freund per Internet spielen. Diese Koop-Möglichkeit gab es bei Resident Evil 5 schon und wurde würdig fortgesetzt.

 

Der neue Agent-Hunt-Modus

Was gibt es denn noch Neues? Wenn der Spieler die Action andersherum erleben möchte, ist er hier genau richtig. In einer Spielsession eines realen Spielers (Agenten) irgendwo auf dieser Welt, kann nun als Zombie (Hunter) durch die Gegend gesteuert werden. Ziel des Hunters ist es, den gegnerischen Spieler auszuschalten. Die Agenten wiederrum versuchen natürlich die Kampagne fortzusetzen und sich nicht vom Hunter abknallen zu lassen. Stirbt der Agent, ist die Spielrunde vorbei. Stirbt hingegen der Hunter, so taucht er an einer anderen Stelle wieder auf. Das Spielprinzip kennt der Fan in ähnlicher Form vom Mehrspielermodus von Left for Dead.

 

Viele schöne, bunte Pixel oder blutiger Matsch, wohin das Auge reicht?

Die Grafik und die Stimmung, die dargestellt werden, sind auf einem hohem Niveau. Doch wer genauer hinschaut, der wird so einige Macken und Makel erkennen. Die Texturen sind bei naher Betrachtung teilweise verwaschen und unschön, Fans erwarten sich heutzutage etwas mehr. Hingegen kann das Monsterdesign in kompletter Linie überzeugen, die Grafiker von Capcom haben sich viel einfallen lassen und ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Soundtechnisch wird eine gute und deutliche Sprachausgabe geboten und auch sauber klingende Effekte, welche von der Dolby-Digital-Anlage schön verteilt werden. Eine richtige Gruselatmosphäre kommt dennoch nicht auf, Capcom sollten sich ein paar Sounddesigner von Dead Space schnappen, die haben es nämlich besser drauf. 


Das Fazit von: Panikmike

Panikmike

Ich kann mich der allgemeinen Fachpresse und meinen Kollegen nicht anschließen. Viele machen das Spiel nieder, weil Capcom andere Dinge versprochen hat, als im Endeffekt im fertigen Spiel rausgekommen ist. Auch wenn ich die typische Resident-Evil-Gruselatmosphäre ebenso vermisse, die Action für diese Art von Spiel zu viel finde und die typischen Rätsel nicht mehr vorhanden sind, so ist Resident Evil 6 kein schlechtes Spiel. Wenn man es genau nimmt, dann find ich es gut – verdammt gut sogar! Es ist halt einfach anders als die Vorgänger. Ist es deswegen aber ein schlechtes Spiel? Nur weil Capcom nicht das gemacht hat, was sie versprochen haben, bekommt das Spiel bei vielen Kollegen eine schlechte Wertung? Gerne, aber nicht mit uns! Wir bewerten immer noch das Spiel selbst und nicht Aussagen, die mal getroffen wurden oder Marketing-Versprechen, die sowieso nie eingehalten werden. Es ist so wie es ist und ehrlich gesagt, finde ich das gut so. Weniger Action, mehr Rätsel und mehr Horror-Stimmung hätte dem Spiel sehr gut getan, dennoch ist meine Bewertung von 8 von 10 Punkten fair und Capcom beziehungsweise Resident Evil 6 hat das auch verdient. Amen!


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positiv negativ
  • Stimmiger Soundtrack
  • Vier Kampagnen mit langer Spielzeit
  • Ekelhafte Kreaturen und Endbosse
  • Filmreif inszenierte Geschichte
  • Kampagne kooperativ spielbar
  • Verschiedene Schwierigkeitsgrade
  • Spannende Kampagne mit vielen Verzweigungen
  • Witziger Agent-Hunter-Modus
  • Teils unsichtbare Wände
  • Keine Horroratmosphäre wie früher
  • Sehr viele lineare Wege
  • Zu viele Quicktime-Sequenzen
  • Kontrollpunkte sind nicht gleich Speicherpunkte
  • Story teilweise vorhersehbar





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