Stahlkappen

Stahlkappen

Originaltitel: Steel Toes
Genre: Drama
Regie: Mark Adam • David Gow
Hauptdarsteller: Andrew Walker • David Strathairn
Laufzeit: Ca. 88 Minuten
Label: Lighthouse Home Entertainment
FSK 16

Stahlkappen   14.05.2012 von GloansBunny

Wenn Skinheads und Judenstämmige aufeinander treffen, hat das meist kein gutes Ende. Dieses heikle Thema wird auch im Film "Stahlkappen" behandelt. Was ein moderner kanadischer Film dieser Kategorie wohl zu bieten hat?

Skinhead Mike lebt ein trostloses Leben voller Frust, Alkohol und Langeweile. Um seinem Alltag zu entkommen, betrinkt er sich Nacht für Nacht. Es kommt, wie es kommen muss: Zu mitternächtlicher Stunde verliert Mike völlig die Kontrolle, tritt einen Dunkelhäutigen zu Tode und wird verhaftet. Der Skinhead landet in Untersuchungshaft. Der einzige Ausweg aus der Gefängnishölle scheint Pflichtverteidiger Danny Dunkelman zu sein, der zu Mikes Missmut jüdischen Glaubens ist. Als die zwei gegensätzlichen Welten aufeinander treffen, regen sich auf beiden Seiten Gewissenskonflikte. Danny erinnert sich schmerzlich an unzählige vergangene Auseinandersetzungen, an stundenlange Gespräche mit seinem Vater, sieht seinen Mandanten aber als Herausforderung an und beschließt, diesem zu helfen. Mike hingegen kämpft gegen seine inneren Dämonen, sein rechtsradikales Gewissen und den Rassenhass. Können beide Parteien ihre Vorurteile beiseite legen und gemeinsam für den irrgläubigen Nazi und seine Zukunft kämpfen? Kann Mike lernen, Vertrauen zu seinem Verteidiger aufzubauen und dieser im Gegenzug seine Prinzipien von der Gleichheit aller Menschen vertreten?

Wer hier auf einen Konfliktfilm Marke "American History X" tippt, liegt falsch. Zwar greift Regisseur Mark Adam das Thema Neonazismus auf, setzt aber mehr auf rationales Denken und die Gewissenskonflikte der Hauptfiguren, als auf Gewalt. "Stahlkappen" ist ein gesellschaftskritisches Justizdrama, dessen Stärken in den gefühlsbetonten, aber harten Gesprächen der Figuren und deren Geschichten liegen. Nachwuchsschauspieler Andrew Walker überzeugt dabei als Jungnazi schauspielerisch genauso wie sein Gegenpart David Strathairn (Die Firma, Das Bourne Ultimatum). Die verbalen Auseinandersetzungen garantieren Spannung und Dramatik. Walker verleiht seiner Figur dabei einen ähnlich beängstigenden Mix aus Intoleranz, Hass und Nachdenklichkeit, wie ihn schon Edward Norton in "American History X" erschaffen hat. Strathairn in seiner Rolle als Pflichtverteidiger Dunkelman dagegen beweist Einfühlungsvermögen, Toleranz und detektivisches Gespür für sein Gegenüber. Die Figuren agieren stimmig und regen zum Nachdenken an. "Stahlkappen" behandelt ein heikles und leider auch noch immer aktuelles Thema, ohne auf extreme Gewaltdarstellung angewiesen zu sein.

Bildergalerie von Stahlkappen (6 Bilder)

Bild- und Tonformat sind dem aktuellen Stand der Technik angepasst. Der leichte Grauschleier in den Gefängnisszenen stört kaum, zumal die vorherrschenden Nahaufnahmen mit guter Bildqualität und angemessenem Kontrast überzeugen. Bei Distanzszenen jedoch trüben Rauschen und Unschärfen den guten Gesamteindruck. Da diese aber verhältnismäßig selten Schauplatz des Filmes sind, stören sie nur geringfügig. Die Akustik ist eher im Bereich der vorderen Boxen angesiedelt, wobei gelegentlich auch die hinteren Speaker gefordert werden. Soundtrack und deutsche Sprachausgabe sind an das Geschehen auf dem Bildschirm angepasst, die Synchronsprecher leisten gute Arbeit. Gefühle und Geräusche werden glaubhaft zum Zuschauer transportiert und wirken zu keiner Zeit aufgesetzt oder übertrieben.

Die Zusatzinhalte sind klein, aber fein. Vor allem die Interviews sollte man sich nicht entgehen lassen, da hier der Mensch hinter der Skinhead-Rolle zum Vorschein kommt. Hier darf man vor allem den sympathischen Andrew Walker näher kennen lernen und dessen wahres Ich ohne jegliche Ambitionen zum Neonazismus betrachten.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Was ist dieser Film, dessen Name auf eine amerikanische Produktion Typ "die Bösen aus Deutschland" hindeutet? Kurz gesagt: Eine kritische Gesellschaftsstudie im Spielfilmformat, die nichts beschönigt, aber dennoch ohne exzessive Gewaltszenen auskommt. Stahlkappen überzeugt durch seine Hauptdarsteller und deren Gewissenskonflikte, bietet ein gutes Bild und jede Menge Stoff zum Nachdenken. Durchdachtes, solides Kanadakino ohne Vorurteile!


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