Utoya 22. Juli

Utoya 22. Juli

Originaltitel: Utøya 22. juli
Genre: Drama
Regie: Erik Poppe
Hauptdarsteller: Andrea Berntzen
Laufzeit: DVD (93 Min) • BD (97 Min)
Label: Weltkino
FSK 12

Utoya 22. Juli   14.02.2019 von Panikmike

Eines der schlimmsten Attentate unserer Zeit war am 22. Juli 2011 in Norwegen, auf der kleinen Insel Utøya. Rund 560 Schüler wollten dort eigentlich ein paar Tage feiern und runterkommen, doch keiner hatte mit einem als Polizisten getarnten Attentäter gerechnet. 2018 erschienen zwei Filme welche das Thema aufnahmen, und einen davon gibt es nun auf Blu-ray und DVD zu kaufen…

 

Inhalt

 

Kaja (Andrea Berntzen), ihre Schwester Emilie und viele Mitschüler aus ihrer Schule möchten am 22. Juli ein paar schöne Tage im Zeltlager auf der norwegischen Insel Utøya verbringen. Rund 40km östlich von der Insel liegt die Hauptstadt Oslo, in der plötzlich mehrere Bomben vor einem Regierungsgebäude hochgehen. Die Schüler bekommen dies zwar nicht wirklich mit, doch manche werden von ihren Eltern informiert. Alle sorgen sich natürlich, aber sie fühlen sich zudem auf der Insel auch sicher. Kurze Zeit später hören sie aber Schüsse und wissen nicht was um sie herum geschieht, sodass sich die meisten der ca. 560 Schüler in einem Gebäude verschanzen. Als sie dann merken, dass es um Leben und Tod geht, bricht endgültig die Panik aus und jeder kämpft ums Überleben…

 

Was wie ein Horrorthriller klingt, war 2011 leider die Wirklichkeit. Das Massaker auf Utøya war erst nach ca. 72 Minuten vorbei, als die Polizei den Attentäter Anders Behring Breivik festnehmen konnte. Der Film wurde mit einem One-Shot gedreht, es gibt also während des Films nur in der Einleitung ein paar Schnitte, der Rest spielt schonungslos an der Seite der Hauptdarstellerin. Zwar sind die Geschichte und die Protagonisten fiktiv, der Film ist aber den Geschehnissen nachempfunden worden. Dazu haben die Macher viel mit den Überlebenden gesprochen, drei von Ihnen waren sogar während des Drehs und der Vorbereitungen dabei.

 

So weit so gut, doch muss sowas denn wirklich sein? Regisseur Erik Poppe wollte damit einfach das schlimme Attentat darstellen und den Menschen mitteilen, wie es passiert sein könnte. Dabei fiebert man zwar anfangs noch mit den Schülern mit, doch während des Films hat man irgendwie das Gefühl, dass er ein wenig abdriftet und vom eigentlichen Geschehen ablenkt. So dramatisch wie alles auch ist, so sind viele Szenen bis ins letzte ausgeschlachtet worden, was nicht hätte sein müssen. Muss man denn wirklich die Leichen der armen Schüler immer wieder zeigen? Der Blick der Wackelkamera geht nämlich nicht nur einmal in Richtung des Wassers, wo zum Beispiel ein toter Schüler schwimmt. Wahrscheinlich ist dies zwar in Wirklichkeit auch passiert, dennoch ist es wirklich zu viel des Guten. Ein großer Minuspunkt ist aber auch, dass man zwar bei dem Massaker mittendrin anstatt nur dabei ist, aber leider vom Rest nicht wirklich viel versteht. Zwar gibt es im Abspann eine kurze Erklärung, welche aber lange nicht ausreicht, um annähernd zu verstehen, was wirklich auf der Insel und vor allem auch danach passiert ist.

 

Fast zeitgleich erschien ein zweiter Film zum selben Thema, welcher vom britischen Regisseur Paul Greengrass inszeniert wurde. Dieser hingegen beleuchtet die Tat, die Vorbereitung und vor allem auch, wie es den Opfern danach geht und was vor Gericht alles passiert ist. Zwar kommt die Dramatik auf der Insel nicht annähernd so rüber wie bei Poppe, doch alles in allem fühlt man definitiv mehr mit und denkt viel mehr über die grausame Tat nach.

 

Bildergalerie von Utoya 22. Juli (4 Bilder)

Details zur Blu-ray

 

Die Aufnahmen auf Blu-ray sind gut gemacht und schauen sehr natürlich aus. Die Wackelkamera zeigt zwar immer mal wieder kurz ein paar unscharfe Aufnahmen, im Großen und Ganzen ist die Qualität aber sehr hoch. In Sachen Sounddesign haben die Macher ganze Arbeit geleistet, denn die Schüsse kommen von überall her und die Angst der Schüler kann man nicht nur fühlen, sondern auch hören. An Extras hat Weltkino ein Making-Of und zwei Interviews auf die Disc gebracht, welche man sich unbedingt anschauen sollte.


Das Fazit von: Panikmike

Panikmike

Wochen zuvor hatte ich den Film 22. Juli angesehen, der von Netflix produziert wurde und im Grunde dasselbe Thema aufnimmt. Beide Filme haben ihre Daseinsberechtigung, insofern man akzeptiert, dass so eine grausame Tat auch verfilmt werden kann. Dennoch ist Utøya 22. Juli von Erik Poppe in meinen Augen kein denkwürdiges Werk, sondern eher ein Versuch den Schrecken von Norwegen in einem One-Shot aufzufangen. Dies ist zwar teilweise gelungen, dramatisch gesehen kann die Netflix-Produktion aber weitaus mehr überzeugen. Dies liegt zum einen daran, dass auch das Drumherum beleuchtet wurde, zum anderen aber auch, dass der One-Shot besser als Horrorfilm funktioniert hätte. Wen das Thema interessiert, der sollte sich beide Filme ansehen. Wer aber wirklich Informationen haben möchte und halbwegs das Motiv verstehen möchte, der kommt um die Netflix-Variante nicht herum und sollte Utøya 22. Juli eher meiden.


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