Valkyria Revolution

Valkyria Revolution

Publisher: Sega
Entwicklerstudio: Media.Vision
Genre: Action-RPG
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 30.06.2017
USK 12

Valkyria Revolution   07.07.2017 von LorD Avenger

Infolge der Revolution müssen Jutlands Elitesoldaten, die Vanargand, sich verbünden, um das Ruzi-Imperium zu besiegen und den Tod selbst, die Valkyria, aufzuhalten...

Wir erinnern uns zurück (und falls euch euer Gedächtnis verlässt, schwelge ich einfach alleine in wohligen Erinnerungen) an die kaum ein Jahr alte Neuveröffentlichung von Valkyria Chronicles, einem wunderschönen 3D-Strategiespiel im Anime-Look. Nicht nur aufgewärmt, sondern völlig neu aufgezogen ist das neue Valkyria Revolution das als neues Kapitel in der Valkyria-Serie angepriesen wird, gleichzeitig aber auch als eigenständiges Spiel. Neue Charaktere, neue Umstände und ganz vorne mit dabei: Ein neues Kampfsystem. Das rundenbasierte Strategie-Gameplay weicht einem actiongeladeneren Echtzeitkampf und stellt das Franchise damit auf den Kopf.

 

Der mittlere Osten ist grün und hübsch

 

Die beiden Spiele fangen ebenso ähnlich an, wie auch die Rahmenhandlung im ähnlichen Szenario angesetzt ist. Das mit etwas Fantasy ausgestattete und ummodellierte Europa steht im Mittelpunkt eines Krieges, auch wenn er sich dieses Mal an den östlichsten Rand verschoben hat mit dem übermächtigen Ruzi-Empire (hier wollte man selbst nach der Umbenennung nah am Original bleiben) und dem südlich gelegeneren Jutland. Landschaftlich merkt man dadurch aber leider keinen wirklichen Unterschied, denn egal ob im fiktiven Frankreich oder mittleren Osten, an der Ostsee oder am Mittelmeer, überall ist es grün und überraschend einheitlich. Auch die Charaktere lassen sich keinen anderen ethnischen Hintergrund anmerken, ebenso wenig die Architektur.

 

Klischees, Roboter und Fische

 

Story-technisch variiert auch nicht zu viel, um die Grenzen zur namensgebenden Serie verschwimmen zu lassen. Ein Krieg wird geführt, der allerdings nie sonderlich blutig oder brutal dargestellt wird und natürlich wird auch der begleitet von Intrigen, Verrat und Vaterlandsstolz. Auch bei der Story-Qualität hält Revolution dem Rest der Reihe die Stange - sie ist nämlich genauso dünn wie die ausführenden Charaktere, die jedes Klischee erfüllen: Der steife Brillenträger ist natürlich das schlaue, taktische Genie. Die großbusige, unverhemmt flirtende Frau, die angezogen ist wie die nächstbeste Bordsteinschwalbe, gibt sich verhurt, ist aber eigentlich verletzlich und angreifbar. Der wortkarge Protagonist ist die pure Coolness. Die schmächtige Prinzessin, die unbedingt helfen möchte, aber total schüchtern ist, beschützt werden muss und sich von der Brutalität des Krieges aus der Bahn werfen lässt, die dem Spieler selbst ja optisch verborgen bleibt. Zahlreiche weitere Charaktere sowie die Schurken fallen in dieses eindimensionale Muster und lassen den Spieler in ihren unzähligen Zwischensequenzen ununterbrochen herzhaft gähnen, wenn es längere Dialoge und mehr Politik gibt als bei der Bundestagswahl. Hinzu kommt, dass alle Figuren in den Cutscenes geradezu schrecklich animiert sind. Die abgehackten, roboterhaften Bewegungen erinnern unweigerlich an die 2010er Trash-Perle Deadly Premonition und die Sprechbewegungen sämtlicher Münder an Fische.

 

Action für Leute, die lieber UNO als Schach spielen

 

Das schaffte Valkyria Chronicles zwar nur unwesentlich besser, aber das tolle strategische und rundenbasierte Gameplay zwischendurch, das alles wieder rausriss, fehlt hier einfach. Die Schlachtfelder sind zwar so ähnlich aufgebaut, dass sie aus dem geistigen Vorgänger übernommen sein könnten, das Navigieren darüber funktioniert aber deutlich schneller. Heutzutage muss trotz endlosen Open World-Games ja immer alles schneller, einfacher und schlichtweg dümmer werden und da ist Valkyria Revolution leider keine Ausnahme. Das Versprechen, den Strategieaspekt noch mit einfließen zu lassen, ist eine relativ hohle Formulierung, da unbemerktes Schleichen allein aufgrund der Kameraperspektiven nahezu unmöglich ist und in Deckung bleiben relativ wenig nützt - zumindest doch deutlich weniger als in Chronicles. Tatsächlich erinnert alles sehr stark an Final Fantasy XIII, in dem man 80% des Spiels mit stumpfem Button Mashing bewältigen konnte, denn hier ist es auch am effektivsten einfach von Gegner zu Gegner zu laufen und draufzukloppen. Zwar haben wir immer noch Unterscheidungen zwischen Nah-, Fern-, Spreng- und sogar Magieangriffen, allzu viel Unterschied macht sich hier aber nicht bemerkbar. Selbst die lästigen und viel zu häufigen Bosskämpfe machen hier relativ wenig Unterscheidung, davon abgesehen, dass sie die meisten Angriffe einfach blocken und die ohnehin schon zu langen Kämpfe weiter in die Länge ziehen, sodass man nicht mal nach einem Sieg mit einem zufriedenen Gefühl zurückbleibt.

 

Auch das restliche Gameplay ist meiner Meinung nach eine Rückentwicklung, die den Spieler einfach nur Zeit und Nerven kostet. Anstelle eines simplen, leicht zu verstehenden Auswahlmenüs zum Upgraden von Waffen oder der Individualisierung des Teams ist jetzt alles auf eine Einkaufsstraße verteilt, die mit Händlern übersäht ist. Man spaziert also zwischen den zombiehaften Passanten hindurch zu den einzelnen Händlern und deckt sich mal hier und mal da ein in einem Untermenü, das man auch zentral ohne das unnötige Gelaufe hätte arrangieren können.

 

Die Limited Edition enthält als Zusatz eine CD im Pappschuber mit einer Auswahl vom Soundtrack.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Valkyria Revolution sieht auf den ersten Blick nicht nur gut aus, sondern gleicht Valkyria Chronicles aus derselben Reihe auch verblüffend. Nach der rund einen Stunde Zwischensequenzen zu Beginn, bevor es dann endlich ans Gameplay geht, merkt man aber langsam die Unterschiede. Die bekannten Schwächen der Reihe hinsichtlich Story und Charakteren bleibt bestehen und das einzig wirklich Gute wird entfernt, indem man das Kampfsystem stumpfer, schneller und unbefriedigender macht. Wenn man Strategie möchte, kann man auf Chronicles zurückgreifen und wenn man stumpfe Action bevorzugt, kann ich Hack and Slays wie die Warriors-Ableger empfehlen - Valkyria Revolution macht nämlich weder das eine, noch das andere richtig.


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Schöner, farbenfroher Anime-Look
  • Zwischensequenzen überspringbar
  • Stinklangweilige Story mit ausschließlich uninteressanten Klischee-Charakteren
  • Strategie-Gameplay wird durch stumpfes Echtzeit-Smashing ersetzt
  • Gefühlt unzählige und endlose Zwischensequenzen
  • Unnötiges Strecken von Menüelementen wie Waffeneinkauf und -upgrades
  • Lausige Animation in Filmsequenzen





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