Yooka-Laylee

Yooka-Laylee

Publisher: Team17
Entwicklerstudio: Playtonic Games
Genre: 3D Jump and Run
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 11.04.2017
USK 6

Yooka-Laylee   11.04.2017 von LorD Avenger

Der fiese Schurke Captial B. und seine Gefolgsleute haben eine Vorrichtung in Betrieb genommen, die sämtliche Bücher der Welt aufsaugen soll. So ergeht es auch einem Buch des Duos Yooka und Laylee, die sich kurzentschlossen auf den Weg machen, ihres zurückzuerlangen...

 

Das große Rare-vival

 

Rare ist für alte Videospielhasen und Retro-Gaming-Fans sicherlich noch ein Begriff, der mit wohligen Erinnerungen zusammenhängt. Die inzwischen von Microsoft aufgekaufte Spieleschmiede, die nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, zeichnete sich in der Nintendo 64-Ära für Klassiker wie Golden Eye 007, Conker's Bad Fur Day oder Banjo-Kazooie verantwortlich - und besonders Letzteres sollte an dieser Stelle hervorgehoben werden, denn die ehemaligen Rare-Mitarbeiter, die sich inzwischen unter dem Banner von Playtonic Games zusammengefunden haben, kündigten 2012 bereits einen geistigen Nachfolger des beliebten Banjo-Kazooie-Franchises an und mithilfe von Kickstarter erreichten sie als schnellstes Videospiel eine Millionen US-Dollar Unterstützung - insgesamt am Ende schließlich deutlich über 2 Millionen britische Pfund. Ein wahrer Hilfeschrei nach alten Werten und Qualitäten. Fun Fact: Während Banjo-Kazooies Namen von den Musikinstrumenten Banjo und Kazoo stammen, diente bei Yooka-Laylee die Ukulele als Vorbild, mit der auch der Titelsong eingespielt wurde.

 

Wiederbelebte Nostalgie

 

Und wirklich, kaum ist man im Spiel drin, fühlt man sich in ein hübscheres Super Mario 64 oder Banjo-Kazooie versetzt - oder für SONY-Fanboys in ein gutes altes Spyro. Von der einfachen Story mal ganz abgesehen, wird man direkt die Spielstruktur wiedererkennen, in der man in einer nicht minder verwinkelten Oberwelt die Zugänge zu den verschiedenen Hauptwelten sucht und diese freischalten muss - in diesem Fall nicht mit Sternen, sondern mit sogenannten Paigies - goldenen Seiten aus einem ganz speziellen, mächtigen Buch. Man taucht also der Reihe nach in die stark unterschiedlichen Welten ein (ganz Jump 'n' Run-typisch in Dschungel-, Eis-,...Varianten) und sammelt neben zahlreichen anderen Sammelsachen wie fiepsenden Federn und widerspenstigen Geistern weitere Paigies zusammen, die einem eine weitere Welt freischalten. Doch können sie nicht nur das - auch bereits betretende Welten können mit neuem Leben gefüllt und erweitert werden, sodass neue Herausforderungen und Sammelsachen darin auftauchen. Die Welten selbst sind ebenso entworfen wie in oben genannten Retro-Beispielen: Als Open World und mit zahlreichen Verstecken und Herausforderungen, wie Checkpoint-Rennen, Klettereinlagen oder anderen Aufträgen. Dabei ist es für alle Spielertypen sicher erfreulich zu hören, dass man natürlich sämtliche Sachen sammeln kann, aber nur das Mindestmaß sammeln muss.

 

Ups... daneben

 

Gameplay-technisch kämpfen wir auch 2017 noch mit den typischen Problemen eines 3D-Jump 'n' Runs - meiner Meinung nach ohnehin dem Genre mit dem schlimmsten Gameplay überhaupt. Zwar stellt sich die Kamera recht gut an und mir sind bisher keine Bugs und Glitches untergekommen, aber die Problematik von Perspektive und Entfernungseinschätzung bleibt bestehen und wird wohl nie beseitigt werden können. Die panische Frage, ob man sich nach einem Absprung nun über einer gewünschten Plattform befindet oder gleich daneben in den ewigen Abgrund fällt oder die Millimeterarbeit, mit der man Yooka ausrichten muss, damit er auf das richtige Ziel schießt. Je nach Dringlichkeit oder der Entfernung, die man zum letzten schlecht gesetzten Checkpoint zurückgeworfen wird, kann einem das schon einiges an Nerven rauben.

 

Von den Funktionen her haben wir hier aber eine gesunde Abwechslung. Mithilfe der gesammelten Federn können bei einer lispelnden Schlange in Hosen neue Fähigkeiten freigeschaltet werden (plus die, die man ohnehin im Storyverlauf erhält), wie ein besonders hoher Sprung, ein äußerst hilfreicher Gleitflug, eine Arschbombe oder auch das Upgraden von Yookas Zunge, mit der diverse Gegenstände absorbiert und in neue Fähigkeiten umgewandelt werden können. Auch andere abgedrehte Charaktere stehen in allen Welten bereit und bieten dem Spieler im Austausch gegen Erfolge oder bestimmte Items Services und Fähigkeiten. Eine Forscherin beispielsweise hilft euch bei der Verwandlung in eine Alternativform, die neue Wege oder Interaktionsmöglichkeiten freischaltet, ein Polygon-T-Rex lässt euch für eine Pixelmünze am Retroautomaten ein Minispiel versuchen oder der personifizierte Lorenwagen Kartos nimmt euch auf eine hüpfende Schienenfahrt mit. Jeder völlig bekloppte Charakter im Spiel steht also für eine andere abwechslungsreiche Funktion, mit der man sich vom Erkunden der weitläufigen Welten ablenken kann. Zu sehr sollte man sich ohnehin nicht auf das Erforschen jedes noch so kleinen Winkels konzentrieren, da fehlende Fähigkeiten es sowieso erfordern, später für die bisher unerreichbaren Areale zurückzukehren.

 

Bildergalerie von Yooka-Laylee (6 Bilder)

Überflüssige Gegner

 

Gegnertechnisch wird uns eine durchaus zufriedenstellende Variation geboten, wobei die Feinde im Umfeld von Rätseln, Kletterpassagen und anderen Herausforderungen fast schon eine lästige Bremse im Spielverlauf sind, aus denen man kaum einen Nutzen beziehen kann. Zudem macht sich hier auch nicht selten das problematische 3D-Gameplay bemerkbar, wenn die Entfernung zu gefährlichen Stacheln wieder einmal miskalkuliert wurde. Ähnliches gilt für die Boss-Fights, die zwar mit lustigen Charakteren aufwarten, von ihrer Struktur her aber etwas uninspiriert, bzw. zu sehr von längst veraltetem Ausbau inspiriert sind. Immerhin sind die Boss-Fights, abgesehen vom letzten, überraschenderweise optional und werden teilweise erst freigeschaltet, wenn man eine Welt zusätzlich erweitert. Ein interessanter Schachzug, der eventuell etwas Frust vermeidet, gleichzeitig aber auch richtige Meilensteine im Spielfortschritt vermissen lässt.

 

Qui-qui-quieck-qui-qui-quieck

 

Am allernervigsten ist aber definitiv die "Synchronisation". Wenn die Charaktere sich ohnehin schon nur über Sprechblasen austauschen, dann kann man sich ihre Stimmen auch gleich sparen - vor allem, wenn es so unfassbar nervige, aneinandergereihte Kurzlaute wie in Okami sind...


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Wenn man die 3D-Jump & Run-Klassiker aus der N64- und PS1-Ära kannte und liebte wird hier sicherlich vieles wiedererkennen und sich erneut verlieben. Und alle anderen können halt kennenlernen, wie es früher war und wie es zumindest in Teilen auch wieder werden sollte - weniger Schlauchlevel und mehr Suchen und Ausprobieren. Die Grafik sieht natürlich schicker aus als in den 90ern, ist für 2017 und PS4 aber definitiv nicht poliert genug, obgleich man eine super Weitsicht hat und man farbtechnisch richtig was geboten bekommt. Neben den üblichen 3D-Jump & Run-Krankheiten haben wir auch eigentlich überflüssige und höchstens nervende Gegner, eher unspekatakuläre und noch dazu optionale Boss Fights und viel zu viele nicht enden wollende Dialoge und Zwischensequenzen, die man meist nicht überspringen kann. Zwar halten besonders Laylees Kommentare einige Lacher bereit, vieles baut aber auch auf englischen Wortwitzen auf ("Kartos... so you're like the god of ore?") - ansonsten nicht selten auf Meta-Witzen - also Kommentare, die deutlich machen, dass die Charaktere sich bewusst darüber sind, in einem Videospiel zu leben. Dennoch, das Erforschen, Ausprobieren und Erkunden hat einen wirklich unbestreitbaren Reiz, der einen am Ball hält.


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positiv negativ
  • Große, verwinkelte Welten voller Geheimnisse
  • Welten können erweitert werden
  • Starke Nostalgiegefühle durch die Macher von Donkey Kong Country & Banjo-Kazooie
  • Abgedrehte Charaktere mit teilweise ulkigen Dialogen
  • Vielzahl von Herausforderungen und Minispielen
  • Zahlreiche Fähigkeiten und Transformationsmöglichkeiten
  • Unheimlich nervige Sprechgeräusche sämtlicher Charaktere
  • Dialoge und Zwischensequenzen sind für dieses Genre viel zu zahlreich und lang, zudem meist nicht überspringbar
  • typische 3D-Jump and Run-Probleme mit Tiefenwahrnehmung und Zielgenauigkeit
  • optionale Bosse lassen Meilensteinerfolge im Spielverlauf vermissen
  • Gegner im Vergleich zum Erkunden, Klettern und Rätseln eher nervige Beigabe





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