Your name

Your name

Originaltitel: Kimi no na wa.
Genre: Drama • Anime
Regie: Makoto Shinkai
Label: Universum Anime
FSK 6

Your name   11.01.2018 von Mario von Czapiewski

Der japanische Animationsfilm Your name hat es tatsächlich geschafft sich binnen weniger Monate zum erfolgreichsten Anime in der Filmgeschichte zu mausern. Während Hollywood sich die Rechte an einer Realverfilmung bereits gekrallt hat, warten deutsche Anime-Fans noch auf eine deutsche Veröffentlichung. Diese soll am 11. und 14. Januar durch Universum Film in deutschen Kinos stattfinden. Ob sich die ganze Aufregung lohnt, und ob der Film hält was der Erfolg verspricht, haben wir uns mal angeschaut.

 

Die auf dem Land lebende Schülerin Mitsuha wünscht sich nichts sehnlicher, als aus ihrem Alltag auszubrechen und ein gutaussehender Junge in einer Großstadt zu sein. Zack. Erwacht sie am nächsten Tag im Körper des fremden, gleichaltrigen Jungen Taki in Tokio. Dieser hingegen erwacht ebenfalls woanders, und zwar in Mitsuhas Körper. Völlig verwirrt und schockiert versuchen beide von nun an den unregelmäßigen Körperwechsel halbwegs unbeschadet zu überstehen und ihren Alltag zu meistern. Doch eine Tragödie soll die beiden Jugendlichen näher zusammenbringen.

 

Your name ist in der heutigen Zeit Entschleunigung pur. Der Film nimmt sich gerade zu Beginn viel Zeit seine Charaktere und die Lebenssituationen zu erklären. So wird der Gegensatz von Land und Stadt sehr schön visualisiert und auch die beiden Hauptfiguren wirken mit ihren verschiedenen Sidekicks sehr glaubwürdig. An diesem Punkt bildet der Film zwei Hälften. Während die erste neben den Charaktereinführungen sich hauptsächlich auch mit dem Körpertausch und den daraus resultierenden sozialen Folgen beschäftigt, folgt nach einem recht radikalen und unerwarteten Twist eine verschachtelte Zeitreisegeschichte, die zwar ambitioniert versucht einen emotional interessanten Konflikt darzustellen, jedoch ab und an ins Stolpern gerät.

 

So ist vor allem die aufkommende Liebe zwischen beiden Parteien wenig begründet und muss vom Zuschauer erst einmal schlicht hingenommen werden. Auch die drastisch gesteigerte Dramatik wirkt an einigen Stellen etwas wahllos und zweckmäßig ohne durch die eigentlich wirklich emotionale Handlung begründet zu sein. So muss die Protagonistin natürlich in einer eigentlich bereits dramatischen und gefühlsstarken Szene noch einmal extra lang und böse stürzen, damit das Elend auch beim letzten Zuschauer wirklich angekommen ist.

 

Generell wirkt Your name an vielen Stellen trotz entschleunigter Erzählweise ungewöhnlich „massentauglich“, was bei einem japanischen Anime-Film, der nicht auf einer erfolgreichen Reihe basiert recht ungewöhnlich ist. So setzt auch Your name an vielen Stellen eher auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, als auf besonders herausstechende Momente. Auch das sehr gestreckte Ende hätte eine deutlich frühere Abblende benötigt, um dem Effekt, den das Finale des Films auslösen möchte, einen entsprechenden Hall zu verleihen.

 

Trotz der kritikwürdigen zweiten Hälfte handelt es sich bei Your name um einen guten und vor allem hochwertig produzierten Animationsfilm. Hier bekommt der Zuschauer großartige Bilder zu sehen, die ohne überzogenen CGI-Einsatz oder 3D-Modelle auskommen. Auch die viel eingesetzte Musik sowie die deutsche Synchronisation sind auf einem hohen Niveau und bereichern das Filmerlebnis. Wer also darüber nachdenkt sich den Film im Kino anzuschauen, sollte dies auf jeden Fall tun.

 

Somit ist Your name sicher nicht das Meisterwerk, das es hätte sein können und verpasst es leider in der zweiten Hälfte an manchen Stellen seine Handlung glaubhaft zu vermitteln. Dennoch bekommen Interessenten von japanischen Bewegtbildern hier ein unterhaltsames, romantisches Zeitreise-Drama in wunderschönen animierten Bildern serviert, das empfindlichen Herzen sicherlich ein Tränchen entlocken wird.

 

Bildergalerie von Your name (8 Bilder)


Das Fazit von: Mario von Czapiewski

Mario von Czapiewski

 

Your name ist ein romantisches Anime-Drama, das zwar viele unterhaltsame Momente und schöne Bilder bietet, jedoch in der zweiten Filmhälfte inhaltlich leider ins Straucheln kommt und vor lauter Tragik vergisst seine Geschichte glaubhaft und konsequent zu Ende zu erzählen. Wer jedoch seichte Romantik und große Tragödien in japanischen Animes bevorzugt, wird hier absolut solide Unterhaltung vorfinden, für die sich auch ein Kinobesuch lohnt.


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