Men in Black: International

Men in Black: International

Originaltitel: Men in Black: International
Genre: Sci-Fi • Komödie
Regie: F. Gary Gray
Hauptdarsteller: Chris Hemsworth • Tessa Thompson
Laufzeit: DVD (113 Min) • BD (115 Min)
Label: Sony Pictures Entertainment
FSK 12

Men in Black: International   20.10.2019 von LorD Avenger

Die auf einer kurzen Comic-Reihe basierende Men in Black-Reihe verlässt nicht nur New York City, sondern lässt auch Will Smith und Tommy Lee Jones zurück - stattdessen machen nun die beiden Thor-Darsteller Chris Hemsworth und Tessa Thompson Jagd auf Aliens...

 

Inhalt

 

Nachdem Molly (Tessa Thompson) als Kind Zeuge der Existenz von Aliens sowie der Men in Black wurde, verbrachte sie ihr Leben damit der geheimen Organisation beitreten zu wollen. Nachdem sie sowohl beim FBI als auch bei der CIA nur auf fragende Gesichter trifft, schlägt das Schicksal zu und sie kann einem vermeintlichen Meteoriten folgen, um die in schwarz gekleideten Agenten wiederzusehen. Mit List und Tücke gerät sie ins Hautquartier und kann Agent O davon überzeugen ihr einen Job zu geben. Als frisch gebackene Agent M wird sie der Zweigstelle in London zugewiesen, der auch der berühmte und reichlich überhebliche Agent H (Chris Hemsworth) angehört, der zusammen mit seinem Vorgesetzten vor einigen Jahren die Welt vor einer Alien-Bedrohung rettete. Für einen simpel klingenden Auftrag tun die beiden sich zusammen und werden in die Jagd um eine übermächtige Waffe verwickelt.

 

Die Männer in Schwarz stehen für mich bereits seit dem sehr dürftigen zweiten Teil auf wackligen Beinen und entsprechend zügelte ich auch meine Vorfreude auf International - gerade auch, weil mit Hauptdarstellern und Schauplatz so große Änderungen einberufen wurden. Ich bin auch sehr froh über diesen Vorab-Dämpfer, denn das wiederbelebende Spin-Off hat zwar viel Budget für Darsteller und Effekte erhalten, dummerweise aber offenbar nicht angemessen in vernünftige Autoren investiert - und wie das ausgeht, konnten wir erst kürzlich bei der Fortsetzung von Iron Sky sehen. Zwei Drittel des Films muss der Zuschauer erst einmal rätseln, worum es überhaupt genau geht und worauf die Geschichte eigentlich hinaus will. Molly hat in einem kurzen Flashback als Kind eine Begegnung der dritten Art und ihr einziges Ziel im Leben ist nun den Men in Black beizutreten - diese Karriere-Geilheit ist leider auch ihre herausstechendste und so gut wie einzige Charaktereigenschaft, weshalb sie als Protagonistin nicht sonderlich interessant ausfällt. Ähnliches gilt dummerweise auch für Chris Hemsworth, der den überheblichen, selbstverliebten Kindskopf spielt, wodurch er sich mit seiner Schauspielpartnerin im Grunde genommen die ursprüngliche Rolle von Will Smith aus dem ersten Teil teilt - Thompson mimt die Neue, die überrascht auf die Aliens und deren Technologien reagiert, Hemsworth den überzeichneten Actionhelden. Den wunderbaren charakterlichen Ausgleich, den Tommy Lee Jones mit seiner wortkargen, grimmigen Figur darstellte, vermissen wir dadurch. Die Chemie zwischen den neuen Protagonisten stimmt zwar - sie haben ja auch erst kürzlich in zwei Filmen Seite an Seite gekämpft (Thor: Ragnarok & Avengers Endgame - dadurch in meinen Augen irgendwie eine fragwürdige Wahl für diesen Film) - es gibt aber aufgrund ihrer Ähnlichkeit keinen wirklichen Konflikt und das wird jeder Story-Ratgeber so unterschreiben, ist der Tod für jede interessante Charakterbeziehung.

 

Weiter trifft auch der Umstand ein, den ich beim Titel "International" schon befürchtet habe. Drehbuchautoren, denen die Ideen ausgehen, schicken ihre Figuren einfach wild und sinnlos rund um den Globus und zeigen dabei so viele berühmte Sehenswürdigkeiten, dass auch der letzte Amerikaner versteht, dass die Handlung in Europa stattfindet. Der Film springt zwischen New York, Paris, London und diversen Orten in Marokko hin und her und dass alles, ohne dass es sonderlich viel Sinn ergibt. Wenn die Schatzsuche in einem Abenteuerfilm die Protagonisten durch die Welt schickt ist das eine Sache, aber hier will man einfach nur mit dem ständigen Location-Wechsel und den allenfalls zeitgemäßen Spezialeffekten davon ablenken, dass der Film nicht viel mehr zu bieten hat.

 

Nicht einmal die Dialoge haben die Autoren unterhaltsam hinbekommen - laut Bonusmaterial hat Hemsworth stellenweise improvisiert und das hat erheblich besser funktioniert als das Drehbuch. Kein Wortwechsel entlockt einem einen Lacher, kein einziger One-Liner zündet und einige Gags sind so alte Leihgaben aus anderen Filmen, dass auch die keine Chance haben in irgendeiner Form zu überzeugen. Allein der Umstand, dass man das winzige Alien Pawny in der Hälfte des Films zum dritten Protagonisten erhebt, verdeutlicht das verzweifelte Greifen nach Strohhalmen - der freche niedliche Knirps ist nur eine weitere Ablenkung von der dünnen Story anstelle eines gut platzierten Komik-Nebencharakters wie dem Mops Frank aus der originalen Trilogie. Mehr als einen Gastauftritt bekommt der dieses Mal nicht - immerhin mehr als Will Smith und Tommy Lee Jones, die ich zumindest in einer Schlusssequenz gerne gesehen hätte. Wenn es im Chef-Büro von Liam Neeson kein Gemälde von den beiden gegeben hätte, wüsste man gar nicht, dass das Ganze überhaupt im selben Universum spielt. Liam Neesons Rolle im Film war übrigens auch viel zu vorhersehbar und schmälert trotz Top-Besetzung den Effekt, den die Darsteller mitbringen

 

Bildergalerie von Men in Black: International (9 Bilder)

Details der Blu-ray

 

Neben der super Bild- und Tonqualität ist ein großer Pluspunkt der Heimkino-Veröffentlichung das äußerst umfangreiche und informative Bonusmaterial. Darsteller und andere Beteiligte der Film-Crew äußern sich über den Entstehungsprozess des Films, die Dreharbeiten, die Beziehung zwischen Darstellern und Figuren. Zahlreiche nicht verwendete Szenen (von denen ich zumindest eine auf jeden Fall mit in den Film reingenommen hätte) werden hier gezeigt und zwar nicht, wie sonst üblich, als Mikro-Schnippsel mit der Länge von ein paar Sekunden, sondern als vollwertige Sequenz, die dem Zuschauer auch noch Zeit und Bildinformationen liefert, um die Szene in den Gesamtzusammenhang einzuordnen. Das Ganze setzt natürlich voraus, dass man nach dem Ansehen des mäßigen Films noch Interesse an zusätzlichem Material hat.

 

Bilder: © 2019 Columbia Pictures Industries, Inc., Hemisphere-Culver III, LLC and Tencent Pictures (USA) LLC. All Rights Reserved.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Chris Hemsworths fehlender Bart ist so ziemlich das Einzige, das ich dem Film verzeihen kann. Das Staraufgebot rettet vieles, kann am Ende aber leider nicht ansatzweise ausgleichen, was die Drehbuchautoren vermasselt haben. Die Gesamtstory ist wirklich lausig und über die längste Zeit hinweg gleichzeitig undurchsichtig und vorhersehbar, die neuen Charaktere sind eindimensional und austauschbar, die Dialoge und Gags einfallslos und ohne zündenden Witz. Auch die Aliens an sich enttäuschen - zwar gibt man sich eine Menge Mühe mit dem Entwerfen von kreativen Kostümen und Masken, doch kein Außerirdischer hat denselben Charakter wie Frank, der Mops, die rauchenden Wurmkreaturen oder Edgar, die Schabe. Immerhin plustert der Film sich gekonnt mit Spezialeffekten und Actionszenen auf, die nicht überragend sind, aber in sich geschlossen zumindest funktionieren. Wer sich an der inhaltlichen Qualität von Men in Black 2 & 3 schon nicht gestört hat, der wird sicherlich auch mit International Unterhaltung finden, alle anderen sollten vielleicht lieber einfach noch mal den ersten Teil anschauen.


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