Deadpool 2

Deadpool 2

Originaltitel: Deadpool 2
Genre: Action • Komödie
Regie: David Leitch
Hauptdarsteller: Ryan Reynolds
Label: Twentieth Century Fox
FSK 16

Deadpool 2   15.05.2018 von Mario von Czapiewski

Dass ein Überraschungserfolg eine Fortsetzung nach sich zieht, ist inzwischen ein Gesetz in Hollywood. Dass eine Fortsetzung genauso gut oder besser als sein Vorgänger ist, jedoch nicht. Ob Deadpool 2 hier eine Ausnahme macht oder sich in die Tradition belangloser Fortsetzungen einreiht, klärt die folgende Filmkritik...

 

Deadpool (Ryan Reynolds) möchte unbedingt zu den X-Men gehören und bewirbt sich um eine „Ausbildung“. Bei seinem ersten offiziellen Einsatz trifft er auf den übernatürlich-begabten Jungen Russell (Julian Dennison), der jedoch Zielscheibe eines Zukunftskriegers namens Cable (Josh Brolin) wird. Um mit dieser Bedrohung fertig zu werden und eine Gegeninitiativen zu den X-Men zu bilden, organisiert Deadpool zusammen mit seinen Freunden die sogenannte X-Force.

 

Deadpool war 2016 ein kleiner Überraschungserfolg. Marvel lockerte ihre klassische Superheldenformel und erlaubte den Deadpool-Machern (allen voran Hauptdarsteller Ryan Reynolds selbst) R-Rated-Humor, sichtbares Blut und zahlreiche inhaltliche Freiheiten. Das Konzept ging auf und der Film fand vorallem bei dem Publikum anklang, welches der Marvel-Formel inzwischen nach zahlreichen Superheldenfilmen überdrüssig geworden ist. Jetzt gibt es den heiß erwarteten zweiten Teil – und siehe da – nicht nur zeigt sich der Film von einer inszenatorisch neuen Seite, sondern auch das Avengers-Konzept, das nun auch hier Einzug erhält, funktioniert.

 

Deadpool 2 beginnt relativ unspektakulär und liefert einen Anfang, der sich noch stark am Vorgänger orientiert. Generell war der Vorgänger viel deutlicher als Low-Budget-Film im Superheldengenre mit sichtbaren Budget-Beschränkungen zu bezeichnen. Dies hebt Deadpool 2 nach wenigen Minuten auf und sobald der Zeitreisende Cable, hervorragend grimmig gespielt von Josh Brolin (Avengers – Infinity War), die Bildfläche betritt, bekommen die Actionszenen eine erstaunlich gut funktionierende Dynamik und sind teilweise außerordentlich beeindruckend. Vorallem das Sounddesign ist hervorragend und sorgt für eine wuchtige Auseinandersetzung in einem Gefängniskomplex, die ihresgleichen sucht.

 

Doch Deadpool wäre nicht Deadpool, wenn der Humor nicht die erste Geige spielen würden. Deadpool 2 spielt gleich mehrere Geigen und hebt die Referenzendichte nochmal extrem an. Kaum ein Satz kommt ohne Anspielung, Ansprache ans Publikum oder Verbindung zu anderen Marvel-Produkten aus. Diese funktionieren, vorallem wenn sie die X-Men oder das MCU betreffen, extrem gut und wissen zu unterhalten. Zwar gibt es auch wieder die 20 bis 30 Prozent an Witzen, die in dem Dauerfeuer nicht zünden, jedoch fällt dies nur in einer Szene wirklich auf. Da hatte der Vorgänger deutlich mehr Rohrkrepierer im Repertoire.

 

Generell erzählt der Film alles zu Ende, was die Persona Deadpool und die Charaktere aus dem Vorgänger betrifft (unbedingt während des Abspanns sitzen bleiben!). Gleichzeitig wird die X-Men ähnliche X-Force eingeführt, die wohl auch in den nächsten Filmen mit Deadpool-Beteiligung die Hauptrolle spielen soll. Dieser den Avengers ähnliche Teil in der zweiten Hälfte funktioniert überraschend gut, inkludiert sympathische und witzige Charaktere, vernachlässigt aber personenspezifische Hintergründe, die jedoch für die Handlung wenig Relevanz haben und gerne in einem Folgefilm aufgeklärt werden können.

 

Natürlich kommt auch ein Deadpool-Film nicht ohne Schwächen aus. Vorallem an dem teilweise sehr schwachen CGI, das leider sehr dominant verwendet wird, merkt man noch, dass kein Blockbusterbudget in den Film geflossen ist. Vorallem Flugobjekte, Deadpools Gesichts- oder Komplettanimationen oder auch sein vollständig gerenderter Stahlausbilder sind einfach schwach und können mit aktuellen Superheldenproduktionen nicht mithalten. Auch die Dramaturgie ist teilweise merkwürdig. So bekommt man die spektakulärsten Actionszenen in der Mitte des Films zu sehen, während das Ende trotz Auftritt eines Marvel-Kultbösewichts etwas dünn daherkommt.

 

Dennoch ist Deadpool 2 eine unterhaltsame Actionkomödie, die vorallem für Marvel-Fans eine Menge Referenzhumor bereithält. Der Film macht vieles besser als der erste Teil und funktioniert als Abschluss der „Deadpool-Einzelfilme“ sehr gut. Denn wie Ryan Reynolds schon hat verlauten lassen, ist ein dritter Einzelfilm des witzelnden Superhelden vorerst nicht mehr zu erwarten.

 

Bildergalerie von Deadpool 2 (11 Bilder)


Das Fazit von: Mario von Czapiewski

Mario von Czapiewski

 

Deadpool 2 macht vieles besser als sein Vorgänger und bietet referenziellen Humor auf Anschlag, neue interessante Charaktere, schwaches CGI und eine Handvoll beeindruckende Actionsequenzen. Wer mit dem ersten Teil noch nicht ganz warm wurde, sollte hier tatsächlich nochmal reinschauen und wer Teil 1 bereits genossen hat, findet hier eine noch bessere Fortsetzung.


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